Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1907)
- Date
- 1907-01-11
- Page
- Seite 19 (sequence 7)
- Language
- German
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19 1. Zur Wahrung und Förderung der religiösen, erziehlichen und sozialen Aufgaben, deren Erfüllung jeder jüdischen Gemeinde obliegt, ist die Mitwirkung des Rabbiners dringendes Erfordernis. Es soll darum jede Gemeinde einem Rabbinate zugeteilt sein. 2. Kleine Gemeinden, die kein selbständiges Rabbinat bilden können, sind entweder an bestehende Rabbinate anzugliedern oder zu einem eigenen Rabbinat zusammenzufassen. 3. In Verbindung mit den Provinzial-Gemeindeverbänden foHen Rabbiner, die vom Verbände entsendet werden, in den einzelnen Kreisen durch Gemeindeversammlungen die Schaffung voll Bezirks-Rabbinaten herbeiführen. 4. Die Kosten der durch Angliederung oder durch 'Zusammenfassung entstehenden Rabbinate werden durch Beiträge seitens der kleinen ungegliederten oder ein selbständiges Rabbinat bildenden Gemeinden aufgebracht; wo dies nicht angängig ist oder nicht ausreicht, soll der Zuschuß aus einer zu schaffenden Kasse des 31t gründenden Zweckverbandes geleistet werden. 5. Der Zweckverband setzt sich aus Rabbinern und Mitgliedern der beitragenden Gemeinden zusamlnelr. 6. Die innere Verwaltung eines Bezirksrabbinats ist einenr Bezirksvorstände unterstellt. In der Diskussion stellte Dr. Horovitz folgender: Antrag: „Jede Gemeinde ist verpflichtet, sich einem Bezirksrabbinate anzuschließen. Es bleibt ihr aber die freie Wahl, welchem Rabbinate sie beitreten will." Derselbe wurde auch angenommen. Zu Beginn dieses Jahres ist die Witwen und Waisenkasse des Rabbinerverbandes ins Leben getreten, die unter Beteiligung der jüdischen Gemeinden die drückendste Zukunftssorge zahlreicher Angehöriger dieses Standes beseitigt. Die Ergänzung dieser Versorgung 1 durch eine Pensionsversicherung bleibt der Zukunft Vorbehalten. Das Kuratorium der Kasse besteht aus den Herren: Rabbiner Professor Dr. Mahbaum-Berlin, Vorsitzender, Handelsrichter Jakob Weinberg- Berlill, stellvertr. Vorsitzender, Fabrikbesitzer Aron Hirsch-Berlin, Rendant, Bankier Ernst Wolf Meyer-Berlin, stellvertr. Rendant, Kaufmann Benno Braun-Berlin, Kontrolleur, Rabbiner Dr. Freudenthal-Danzig, Schriftführer, Kaufmann Manuel Schwarz-Berlin, stellvertr. Schriftführer, Rabbiner Dr. Cohn-Rawitsch, Rabbiner Dr. Grünfeld-Bingen, Rabbiner Dr. Guttmann-Breslau. Die offizielle Geschäftsstelle der Kasse befindet sich im Hanse des Vorsitzenden, Berlin, Steglitzerstraße 68, pt. Die Versammlung bestätigte auch den vorliegenden Beschluß des Zentralausschusses, daß der Verband in corpore dem „Verbände der Deutschen Juden" als Mitglied beitritt. Die durch Stimmzettel vollzogene Wahl des Ausschusses ergab schließlich die Wiederwahl der bisherigen Mitglieder. Die Mitgliederversammlung der Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands fand am 1. d. M. in den: von dem Vorstande der jüdischen Gemeinde zur Verfügung gestellten Konferenzzimmer der Knabenschule in der Großen Hamburgerstraße unter zahlreicher Beteiligung statt. Die Präsenzliste weist die Namen von 34 Rabbinern und zwei Rabbinatskandidaten auf. Aus dem von dem Vorsitzenden erstatteten Geschäftsbericht ist hervorzuheben, daß die Zahl der Mitglieder 62 beträgt — gegen 56 im Jahre 1902 — und daß außerdem noch mehrere Kollegen ihren Beitritt angemeldet haben. Durch den Tod hat die Vereinigung drei Mitglieder verloren : Dr. Rahmer-Magdeburg, Dr. Tobias Cohn — ehemals Rabbiner in Potsdam, und Dr. Wolffsohn — ehemals Rabbiner in Stargard in Pommern. Vor der von dem Vorstande eingesetzten Prüfungskommission, die aus den Rabbinern Dr. Richter-Filehne, sel. Andenkens, Dr. Bloch-Posen und Dr. Vogelstein-Stettin bestand, haben fünf Kandidaten die Rabbinatsprüfung mit Erfolg abgelegt. (Die von der Versammlung neugewählte Prüfungskommission ist folgendermaßen zusammengesetzt: Vogelstein-Stettin, Bloch-Posen, Winter-Dresden, Porges-Leipzig.) Sodann hielt Silberstein-Elbing einen mit großem Beifalle ausgenommenen Vortrag über das Priestertum der Ahroniden, an den sich eine eingehende Diskussion schloß, als deren Ergebnis folgende Resolution einmütig gefaßt wurde: „Seit der Zerstörung des Tempels hat sich die religiöse Entwicklung des Judentums vom Opferwesen losgelöst und kann auch in Zukunft ihr Ziel nicht mehr in der Wiedereinführung eines Opferkultus erblicke::. Die mit dem Bestand des Opsertempels zusammenhängenden Priestergesetze haben damit ihre ursprüngliche Bedeutung.verloren und könne:: als erschwerend für die religiöse Praxis nicht mehr in Betracht kommen." Zur Bearbeitung der gesamten Eh ege setze wurde eine siebengliedrige Kommission eingesetzt, die der nächsten Mitgliederversammlung Bericht erstatten, resp. ihre Vorschläge unterbreiten soll. Auch wurde ein Antrag Dr. Freudenthal-Danzig angenounnen, dahingehend, daß der Vorstand Vertrauensmänner in den Provinzen ernennen möge behufs Herbeiführung eines regeren Verkehrs zwischen den: Vorstand und den Mitgliedern der Vereinigung. Durch Zuruf wurde der bisherige Vorstand wiedergewählt, nur tritt Dr. Bloch-Posen an Stelle von Tr. Plaut-Frankfurt a. M., der eine Wiederwahl aus Gesundheitsrücksichten abgelehnt hatte, in den Vorstand, und die sreigewordene Stelle eines Vorsteherstellvertreters wurde Dr. Seligmann-Frankfurt a. M. übertragen. Nach vierstündiger Dauer erfolgte der Schluß der Versammlung, die einen allseitig befriedigenden Verlauf genouunen und in den Teilnehmern den auch laut zun: Ausdruck gebrachten Wunsch hervorgerufen hat, daß die liberalen Rabbiner fortan in kürzeren Zwischenräumen als bisher zu gemeinsamer Beratung und zun: Austausch ihrer Meinungen und Erfahrungen zusam:uenkon:men mögen, un: in gegenseitiger Belehrung die geeigneten Mittel und Wege zu finden, die zu einer gedeihlichen, d. h. von: Geiste der Gottesfurcht und Pietät und vom Geiste des Fortschrittes getragenen Entwicklung des Judentums führen. * . * Au: 1. und 2. d. Vits, fand hier in: Repräsentantensaale der A<Jas,s Jisrof'l-©en:em£>e die Generalversammlung der „Vereinigung t r a d iti 0 n e l l - ge s e tz e s tr e u er R a b b i n e r" statt. Anwesend waren 61 Teilnehmer. Den Verhandlungen ging tags vorher eine Vorbesprechung über die Frage einer Gesamtvereinigung aller traditionellgesetzestreuen Juden Deutschlands voran. Als Vertreter der „Freien Vereinigung für die- Interessen des orthodoxen Judentums" war Herr Jakob Rosenheim-Frankfurt a. M. erschienen. Der Vorsitzende, Rektor Dr. Hoffmann, eröffnete die Sitzung, gedachte in Worten pietätvoller Erinnerung der Heimgegangenen Herren Rabbiner Abr. Biberfeld-Berlin und Dr. Emmerich-Beuthen und schloß daran den Bericht über die Wirksamkeit des Vorstandes während der letzten beiden Jahre. Die Beratungen an: 1. d. M. wurden mit den Berichten der Kommissionen eingeleitet. An das Referat des Herrn Rabbiners Dr. I. Auerbach-Halberstadt über die Gesamtvereinignng der Traditionell-Gesetzestreuen knüpfte sich eine eingehende Diskussion, in welcher zwar der einmütige Wunsch, daß die Verwirklichung gelingen möge, hervorgehoben, aber zugleich, namentlich von den Herren Prof. Barth, Rabbiner Dr. Cohn-Jchenhausen, Kaatz und Munk-Marburg, auf die prinzipiellen Momente, über welche eine vorherige Einigung geboten sei, hingewiesen wurde. Da mehrere Anträge Vorlagen, wurde die endgültige Beschlußfassung zunächst, um eine allerseits befriedigende Formulierung zu finden, ausgesetzt. Alsdann hielt Rabbiner Tr. Horovitz-Frankfurt a. M. einen talmudischen Vortrag. Nach Wiederaufnahme der Beratungen gelangte zunächst der Antrag betreffend die Gesamtvereinigung zur Abstimmung. Man einigte sich schließlich auf nachstehende, von den Herren Prof. Barth, Dr. Cohn-Jchenhausen und Dr. Munk-Marburg vorgeschlagene Resolution: „Die Verhandlungen haben bei allen Anwesenden den lebhasten Wunsch nach den: Zusanunenschluß aller Gesetzestreuen unter dem Namen einer Gesamtvereinigung bestärkt. Diese soll im Einverständnis und im Verein mit der auf Grund des uns vorgelegten Statuten-Entwurfs neu zu organisierenden „Freien Vereinigung" herbeigeführt werden." Zugleich pflichtete die Versammlung dem Anträge des Herrn Oberrabbiners Dr. Feilchenfeld-Posen bei, daß der Bezeichnung „gesetzestreu" vor der „orthodox" der Vorzug zu geben sei. Außerhalb der Tagesordnung sprachen hierauf die Herren Prof. Dr. Barth über die neuerdings veröffentlichten aramäischen Papyri, die bei Assuan (Unterägypten) gefunden worden sind, ferner Rabbiner Dr. Wreschner über „Die historische Entwicklung der Verfassung der jüdischen Gemeinden in Preußen", Rabbiner Dr. E. Munk-Berlin