Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1907)
- Date
- 1907-01-11
- Page
- Seite 16 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Leitsäi I i l I I; ti f: i:: i.'! : Taö ist Qciinf; sehr traurig. Aber der Zar aller Reußen hat schon sehr oft Norschläge des Ministerrats verworfen, die er kurz darauf wieder angenommen hat. In jedem Falle wird die Nachricht der „Hnmanite" des wackeren Jaures nicht ohne Einfluß auf die künftigen Entschließungen des russischen Zars bleiben: „Es ist der französischen Regierung nicht entgangen, daß die von dein Exininister Rouvier gegründete Societe de Materiel de Gonstruction die Einführung neuer Russenanleihen auf Schleichwegen bezwecke, und der gegenwärtige Finanzminister habe dieser Gesellschaft eröffnet, er werde ein Gesetz einbringen, daß die Ausgabe ihrer Werte von einer behördlichen Erlaubnis abhängig mache, wenn sie sich nicht auf gewerbliche Nnternehmungen beschränke/' * Man hat in Westeuropa gemeinhin keine Ahnung von den Kräften, die im russischen Judentum wirksam und tätig sind und auch nicht von denen, die dort schlummern und erst durch den Sonnenstrahl der Freiheit geweckt werden können. Da ist vor kurzem eine kleine Schrift des um das russische Judentum vielverdienten Odessaer Rechtsanwalts M.G. Morgulies, „Die sogenannte jüdische Frage", erschienen, über die unfer geschützter Mitarbeiter Herr Löon A. Trachtenberg uns folgende beachtenswerte Mitteilungen macht: „Ueber die Persönlichkeit des gelehrten Juristen, sowie über seine langjährige erfolgreiche Tätigkeit zugunsten seiner schwer bedrückten und verfolgten Glaubensgenossen, verweise ich auf die Biographie desselben von N. S. Raschkowsky, die in deutscher Sprache (Allg. Ztg. d. Judentums 1896, Nr. 50) veröffentlicht wurde, namentlich für diejenigen, die sich für die Sache der russischen Juden interessieren. Der Rezensent des „Odesscz Listok" sagt über die jüngste Arbeit unseres langjährigen, hochgeschätzten Freundes folgendes: „Im jetzigen Augenblick, am Vorabend der Wahlen zur Reichsdnma, sind populäre Bücher über jene Fragen des Programms und der Taktik der verschiedenen Parteien notwendig, die, mir wissen nicht warum, als streitig betrachtet werden. Das Werkchen des Herrn Morgulis ift sehr gut geschrieben. Der Verfasser läßt keine einzige Seite der jüdischen Frage unbeleuchtet, hauptsächlich bleibt er aber bei der Widerlegung der Beschuldigungen stehen, die gewöhnlich gegen die Juden als Volk geschleudert werden. Der Verfasser hat gewissenhaft die Materialien der Geschickte der jüdischen Frage in Litauen und Polen (S. Wladimirskh-Budanow), in Rußland (F. Leontowitsch), im römischen Reiche (Oarpus juris civilis), dann ganz speziell die jüdischen Duellen, und endlich die Arbeiten der Kommission, an derer persönlich teilnahm, in welcher in Rußland die jüdische Frage behandelt wurde, benutzt, wie z. B. die der Kommission vom 17. Mai 1858 zur Durchsicht der Verordnungen über die „Fleisch- und Lichtpacht". Wir empfehlen diese Broschüre, den russischen Juden und wünschen derselben eine große Verbreitung in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen des'unermeßlichen Zarenreiches. Durch die Veröffentlichung dieses Werkes hat sich der geschätzte Verfasser abermals eiu Verdienst um seine Glaubensbrüder erworben. Wir benutzen gern diese Gelegenheit, die weitern Kreise der russisch-jüdischen Intelligenz darauf aufmerksam 31t machen, daß Michael Grigorjewitsch Morgulies in diesem Jahre — 1907 — wir erinnern uns nicht mehr des genauen Datums, seinen siebzigsten Geburtstag feiert. Wir sind überzeugt, daß dieselben diese Gelegenheit ergreifen werden, dem Jubilar ihre Hochachtung und Dankbarkeit in gebührender Weise zum Ausdruck zu bringen. Morgulies ist von einer seltenen Bescheidenheit und hat alle ihm zugedachten Ehrungen bei verschiedenen Gelegenheiten stets znrückgewiesen. Hoffen wir, daß er diesmal eine Ausnahme machen wird. Trotz des Greisenalters ist dieser verehrte Mann körperlich und geistig frisch, ungemein arbeitsam und tätig. Er ist stets bereit, trotz seiner überhäuften Beschäftigungen als angesehener Rechtsanwalt, Schriftsteller und Publizist, als unermüdlicher Gemeinde- und Volksvertreter, jedem, der sich an ihn wendet, mit Rat und Tat an die Hand zu gehen. Sein Hans und sein Arbeitszimmer stehen jedem zu jeder Tageszeit offen. Schlicht und bescheiden ist er in seinem Auftreten. Trotz seiner großen Gelehrsamkeit, ein Denker und Forscher besonders in der hebräischen Literatur, ist er doch kein Stubengelehrter. Im Gegenteil, rührig, von einer seltenen Elastizität des Geistes, beweglich wie ein Jüngling, erfüllt er die übernommenen Pflichten mit einer seltenen Pünktlichkeit. Ein gemeinschaftlicher Freund, den längst der kühle Rasen deckt, sagte ihm einst scherzend, daß, wiewohl der Tag und die Nacht bloß ans 24 Stunden bestehe, er doch 36 Stunden arbeite! Und wahrlich, selten sahen wir einen ähnlichen Mann, der selbstlos und unverdrossen für das allgemeine Wohl Jahrzehnte hindurch emsig arbeitet. Dabei ist er immer munter und guter Dinge; er hat einen glücklichen, beneidenswerten Charakter, er ist Optimist im vollen Sinne des Wortes, und was auch geschehen mag, verliert er den Mut und die Energie niemals, und liebt stets das Wort im Munde zu führen: „Je ärger es ist — desto besser muß es werden!" 4 Ueber die von der Jto projektierte jüdische Auswanderung nach Texas haben wir bereits berichtet. Indes handelt es sich dabei nicht um Anlage einer neuen Kolonie, sondern vielmehr um den Plan, mit Unterstützung des unermüdlichen Philanthropen Jakob H. Schiff in New Bork, der zu diesem Zweck 100 000 Pfund zur Verfügung gestellt hat, sowie mit Zustimmung des Lord Rothschild, dahin zu wirken, daß der große Maffenstrom der jüdischen Auswanderung aus Osteuropa von dem bereits überfüllten New Bork und den östlichen Zentren der Vereinigten Staaten abgelenkt und nach den südlichen Häfen, vornehmlich nach Galveston, hingelenkt werden soll. Die Vorzüge des Südens der Vereinigten Staaten, insbesondere Texas', treten immer mehr und mehr zutage, und die Arbeitslöhne, die im Süden gezahlt werden, sind zwei- bis dreimal so groß wie in New Bork, und wiewohl der Lebensunterhalt in den Südstaaten etwas teurer ist, so steht er dennoch nicht im Verhältnis zu den außerordentlich hohen Löhnen, die dort gezahlt werden. Die Mitteilung der Tageszeitungen, daß es sich hierbei nur um landwirtschaftliche Kolonisation handle, war also unzutreffend. Es ist allerdings der Jto in hohem Grade wünschenswert, wenn geschlossene größere jüdische Kolonien gegründet würden, und ihre Bemühungen gehen auch dahin. In Wirklichkeit aber handelt es sich nicht allein um ackerbautreibende Juden, sondern run einen großen Teil der gesamten jüdischen Auswanderung, die aus Handwerkern und Fabrikarbeitern besteht, die nunmehr dem übervölkerten New Bork ferngehalten und nach dem Süden gelenkt werden sollen. Verband der Nenttchrn Inden. Berlin, 1. Januar. ie Sitzung des Ausschusses des Verbandes der Deutschen Juden, welche am 30. Dezember 1906 in Berlin stattfand, erfreute sich einer überaus regen Beteiligung. Von den Beschlüssen wird folgendes allgemeineres Interesse haben: Die Hauptversammlung des Jahres 1907 soll im Oktober in Frankfurt a. M. stattsin den. Folgende Herren sind in den Ausschuß zugewählt: Dr. M. Ginsberg- Berlin, S. Flörsheim-Dortmund, Rabbiner Dr. Coblenz-Bielefeld. Der Ausschuß wird Material über die Frage beschaffen, inwieweit die beabsichtigte strenge Sonntagsruhe in Kontoren und im Großhandel für diejenigen jüdischen Kaufleute unerträgliche Zustände schaffen würde, welche den Sabbat- und die jüdischen Feiertage streng halten. Für die Ueberleitung der preußischen Volksschulen in die. neuen Verhältnisse unter dem Schnlunterhaltnngsgesetz nahm der Ausschuß die folgenden Leitsätze an:; 1. 1. aufgel Herr ge bes 01 Hierbe Eigens anzust D Regel Kindel eine dl dem h Ob eil Schule jüdisch zelnen 2. die Zo ist ein dessen deren bleibt, der be Zahl, l einer der in gesetzes mit de 3. heimisc so wü haben a) lichen Zuschu b) kraft s an den so ertei des Vr 4. dauern Weise auf ei Religio keitsg H. Za, na ch t 5. christlil von „1 zu 1) z bürgeri Allträg 6. nisseu! Gemein . a) Abkonn stellen, b) Schule j - ..