Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1907)
- Date
- 1907-01-04
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Berlin, 4. Januar 1907. NJa^angNo, Vetlase zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums". korrrlpondrn?m unv Nachrichten. Deutschland. 222 Berlin, 3. Januar. In dieser Woche haben hier nicht weniger als drei Rabbinerversammlungen getagt. Am 1. b. 931. fand die Generalversammlung des „Liberalen Rabbinerverbands" statt, - am 31. v. M. und am 1. d. M. die der „Vereinigung traditionellgesetzestreuer Rabbiner Deutschlands" und anl 2. und 3. d. M. die des großen deutschen Rabbinerverbandes, dem natürlich auch die meisten Mitglieder der beiden obengenannten Vereinigungen angehören. Alle drei Versammlungen waren, wie uns berichtet wird, sehr gut besucht. Ausführliche Berichte über dieselben folgen in der nächsten und den folgenden Nummern. Berlin, 1. Januar. Zu Ende vorigen Jahres ist ein Bericht der Armenkommission der jüdischen Gemeinde, umfassend die Verwaltungsjahre 1903/04 bis 1905/06, erschienen, der für weitere Kreise von Interesse sein dürfte. Er rekapituliert zunächst die Ereignisse, die in diesen beiden Jahren auf die innere Geschichte der Armenkommission eingewirkt, vor allem durch beit Tod des vielverdienten Martin Simon; sodann geht der Bericht zur Gegenwart über. Der Umfang der Tätigkeit der Armenkommission in der Zeit i vom 1. April 1903 bis zum 31. März 1906 wird dadurch gekennzeichnet, daß insgesamt 27 688 Gesuche zu erledigen und ein Betrag von 565 437,24 Mark für Unterstützungen zu verausgaben war. — Wie seit Jahren faßt die Kommission ihre Aufgabe so auf, daß sie da einzutreten hat, wo Unterstützungsverpflichtete nicht vorhanden sind, wo sie aus einem anerkannten Grunde nicht herangezogen werden können, oder wo diese in unzureichender Weise Unterstützung gewähren. Neben dieser niehr ergänzenden Tätigkeit aber, die im wesentlichen in laufenden Unterstützungen zum Ausdruck kommt, ist i die wichtigere und mehr befriedigende Arbeit die Vorsorge bei > drohender Gefährdung der Existenz, da die Kommission versucht, so-! weit es ihr möglich ist, Familien vor dem Verfall zu bewahren. Eingehende Recherchen sind dabei erforderlich, um die Ursache der Notlage zu erforschen und nicht nur durch eine Geldunterstützung, sondern oft genug auch durch einen selbstlosen, sachverständigen Rat zu helfen. Häufig ist es den Bemühungen der Mitglieder gelungen, durch Arbeitsbeschaffung Hilfe zu leisten. Der Bericht legt nun im einzelnen die Prinzipien dar, von welchen die Kommission bei ihrer Arbeit sich leiten ließ und die sicher allgemeine Billigung finden werden. Um bei alleinstehenden Frauen, in der Kinderfürsorge und auch zur wirtschaftlichen, hygienischen und erzieherischen Beeinflussung in Familien geeignete Hilfskräfte verwenden zu können, hat die Armenkommission beschlossen, auch Damen zur Mitarbeit heranzuzuziehen. Eine wesentliche Bedeutung für ihre Geschäftsführung hat der gegen Ende der Berichtsperiode erfolgte Umzug der Armenkommission in das neue zweite Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde, Rosenstraße 2/4. Die Zunahme der jüdischen Bevölkerung in Groß-Berlin, die zum Teil gerade durch den Zustrom ärmerer Kreise in die Großstadt bedingt wird, führt zu einer steten Erweiterung des Geschäftsgebietes der Armenkommission und macht eine bedeutendere Aufwendung von Mitteln erforderlich. Wenn ihr auch zu diesem Zwecke eine beträchtliche Summe von den Gemeindebehörden überwiesen wird, so ist sie dennoch wesentlich auf die Unterstützung seitens unserer Glaubensbrüder angewiesen. Zwar haben sich in der Berichtsperiode ihre Fonds und Stiftungen um 140 690 Mark vermehrt, der Vorstand bittet aber, um allen billigen Anforderungen gerecht werden zu können, Gönner und Wohltäter, auch fernerhin der Kommission ihre Fürsorge Zuwenden zu wollen. Von besonderem Interesse ist der Bericht über die in den beiden Jahren gewährten Unterstützungen. Einmalige Unterstützungen erhielten 5714 Personen mit 215 159,02 Mark, monatliche Unterstützungen 1332 Personen mit 191 125,50 Mark. Abgewiesen wurden 5399 Gesuche. Der Zuschuß der Gemeindebehörden zu den Bedürfnissen der Armenkommission betrug in den abgelanfenen drei Jahren zusammen 269 500 Mark. Die Mehrausgabe von zirka 296 000 Mark wurde durch freiwillige Gaben von Gemeindemitgliedern, die Zinsen des eisernen Fonds und der unter unserer Verwaltung stehenden Stiftungen gedeckt. — Die Armenkommission setzt sich folgendermaßen zusammen: Dr. Wilhelm Feilchenfeld, Vorsitzender, Gustav Sachs, 1. stellvertr. Vorsitzender, Oskar Rathenau, 2. stetlvertr. Vorsitzender, Hermann Aron, Sally Beer, Ludwig Bing, Frau Dr. Clara Birnbaum, Albert Bloch, Frau Mathilde Bock. Julius Bodenstein, Paul Börnstein, Siegfried Brünn, Kommerzienrat Heinrich Buchholz, Dr.. David Caspari, Eugen Caspary, Sanitätsrat Dr. Jacob Cassel, Alexander Chrambach, Julius Cohn, Oberamtmann Ludwig Cohn, Paul Dahlheim, Amtsgerichtsrat Alfred Fiegel, Michael Fiegel, Benno Fränkel, Felix Frankfurther, Dr. Alexander Friedeberg, Leopold Friedeberger, Kommerzienrat Julius Martin Friedländer, Robert Goldstein, Hugo Heilmann, Simon Hoffmann, Max Jaffa, Alex Jtzig, Oskar Kaiser, Sally Kirschstein, Sanitätsrat Dr. Julius Köhler, Justizrat Dr. Sally Kronfeld, Louis Lachmann, Norbert Lachmann, Nr artin Lesser, Wolff Lewin, Justizrat Leo Lilienthal, Abraham Löwenstein, Willibald Löwenthal, Siegfried Löwenwald, Sanitätsrat Dr. Louis Maretzki, Dr. Alfred Metzenberg, Dr. Felix Meyerstein, Frau Henriette Mielziner, Dr. Max Mosse, Dr. Albert Oliven, Dr. Ernst Osirodzki, Emil Pincus, Berthold Pinthus, Sanitätsrat Dr. Ludwig Plotke, Albert Reiwald, Dr. Paul Friedrich Richter, Hugo Rosenthal, Dr. Edmund Saalfeld, Isidor Sachs, Dr. Paul Samter, Paul Schlochauer, Theodor Schuck, Frau Gertrud Seligsohn, Dr. Max Spandow, Bruno Steinitz, Theodor Steinthal, Sanitätsrat Dr. Julius Stern, Bernhard Strauß, Oskar Wasserinanu, Jakob Weinberg, Sanitätsrat Dr. Friedrich Wolff, Arthur Zamory. 22 Berlin, 31. Dezember. Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt vorgestern abend im Schloß-Hotel, Burgstraße 20, seine ordentliche Generalversammlung ab. Nachdem der Vorsitzende über die Tätigkeit des Vereins im abgelaufeneu Geschäftsjahre ausführlich berichtet hatte, erstattete die Revisionskommission den Kassenbericht und beantragte für den Schatzmeister. Herrn Julius Fränkel, die Entlastung, die einstimmig erfolgte. Die Einnahmen betrugen 14093.29 Mark, die Ausgaben 12353,98 Mark und der Kassenbestand 1739,31 Mark. Bei den sodann vollzogenen Wahlen wurde der Gesamtvorstand sowie die Revisionskommission per Akklamation wiedergewählt. Die Anregung des Vorsitzenden, Mittel und Wege zu suchen, populär-wissenschaftliche Publikationen aus dem Gebiete der jüdischen Geschichte und Literatur zu einem billigen Preis herzustellen und in großen Massen verbreiten zu können, fand beifällige Zustimmung, und wurde mit den vorzubereitenden Schritten eine aus Mitgliedern des Vereins zusammengesetzte Kommission betraut. Dieselbe besteht aus den Herren Dr. Gustav Karpeles, Dr. Moritz Levin, Tr. Bernseld, Albert Katz. Benas Levy, Willibald Löwenthal, M. Liebers und Gustav Spiewkowski. s. Berlin, 28. Dezember. Eine erhebende Feier fand am 16. d. M. im Schwesternheim des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen zu Berlin statt. Der Vorstand, die Aerzte des Krankenhauses und viele Freunde des Vereins waren mit den Schwestern, etwa 50 an der Zahl, in bester Stimmung vereint. Die Festrede hielt der Vorsitzende, Stadtverordnete Louis Sachs. Dieselbe machte auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck. Sodann gelangten acht Diplome zur Verteilung. Frau Juli Gerson überreichte der Schwester Lina die goldene Verdienstbrosche für zehnjährige treue Dienste. Der Verein zählt heute 80 Schwestern, welche sich teils in Krankenstellen, teils in der Privat- und Armen-Krankenpflege ihrem schönen Berns mit großer Hingabe widmen. Die Begründer und Leiter dieses wahrhaft edlen Hilfswerks haben sich ein unschätzbares Verdienst um die leidenden Glaubensgenossen erworben. 6. StolP, 28. Dezember. Der immer noch in geheimnisvolles Dunkel gehüllte Mord an den Gymnasiasten Winter kam dieser