Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1903)
- Date
- 1903-12-25
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Teilnahme der Bevölkerung Kalischs und weiter Umgegend, sowie einer größeren Anzahl von Rabbinern seine Beisetzung statt. Ehre seinem Andenken! Kp. Aus der Provinz Posen, im Dezember. Der israelitische Frauenverein in Schneidemühl beging neulich das Jubiläum seines 50-jährigen Bestehens. — Rechtsanwalt Asch in Pleschen ist zum Schnlvorstandsmitgliede der dortigen Simultg.n-Bürgerschule gewählt worden. — Die Gebrüder Emil und Hermann Cohn in Krotoschin haben anläßlich ihrer Uebersiedlnng von dort nach Berlin dem Fonds zur Errichtung eines Kaiser Wilhelm-Denkmals einen Beitrag von 2000 Mark überwiesen. — Rabbiner Dr. Freund in Ostrowo ist zum Vorsitzenden des dortselbst kürzlich neu ins Leben gerufenen Tierschutzvereins gewählt worden. — Frau Eva KatzeneÜenbogen in Krotoschin hat für die Armen daselbst 300 Mark gespendet.— Kaufmann A. Sternberg aus Ra witsch hat der dortigen jüdischen Gemeinde 10000 Mark mit der Bestimmung geschenkt, btcfcn Betrag dazu zu verwenden, armen jüdischen gewerbetreibenden Bürgern daselbst zinslose Darlehue zu gewähren. — Das Rentier Marcus Wölfische Ehepaar in Fi lehne beging neulich das Fest der goldenen Hochzeit. — Der unter Leitung des Oekonomierats D. Goldsteiu in Ostrowo bestehende israelitische Verein „Ez Chajim“, welcher Bedürftigen im Winter Holz und Kohlen spendet, beging am Chanuka das 50-jährige Jubiläum seines Bestehens. — Kaufmann Moritz Goldstein in Cobhlogora feierte neulich sein 25-jähriges Jubiläum als Vorsitzender des Vereins „Chewra Kadischa“ daselbst. — Der aus Ostrowo stammende, im Staate Ohio lebende Kaufmann Saul Ledermann hat auch in diesem Jahre anläßlich des Chanukahfestes einen namhaften Betrag zur Unterstützung von jüdischen Bedürftigen seiner Heimatgemeinde gesandt. — Lehrer Spieldach in Buk ist zum Vorsitzenden des dortigen israelitischen Frauenvereins gewählt worden- -- Der Präsident der Ansiedlungskommission in P o s e n hat angeordnet, daß in Fällen der gescheuksweisen Uebereignung von Volksbibliotheken an Ansiedlerschulen und Gemeinden das antisemitisch gefärbte Buch „Das Volk und seine Treiber" nicht mehr mitüberwiesen werden darf. i. Dresden, 21. Dezember. In der sächsischen zweiten Kammer hat in der Sitzung am 2. d. M. der Abgeordnete Schubart in den schärfsten Worten seinem Schmerze darüber Ausdruck gegeben, daß zum Vorsitzenden des Schwurgerichts in Chemnitz ein Jude — ein veritabler Jude ernannt worden sei. Die Justizverwaltung, die sicher nicht im Gerüche besonderer Judenfreundlichkeit steht, denn der sächsische Richterstand ist fast ganz „judenrein", tat Herrn Schubart nicht den Gefallen, auf seine antisemitischen Phrasen etwas zu erwidern. Der jüdische Richter war der kürzlich verstorbene Landgerichtsrat Johannes Meyer, der allgemein als einer der tüchtigsten Richter Sachsens anerkannt wurde. a. Hildesheim, 17. Dezember. Der hiesige Magistrat hat bezüglich des Sch ächte ns auf dem städtischen Schl ach th ose ein Ortsstatut erlassen, das folgende Bestimmungen enthält: „Das Schächten des Schlachtviehs auf dem städtischen Schlachthofe darf nur erfolgen durch einen vom Magistrate im Einverständnis mit dem Landrabbiner angestellten Schächter. In der Dienstanweisung desselben sind namentlich auch die näheren Bestimmungen über den Umfang der Schächtungen zu treffen, wobei das Bedürfnis der jüdischen Einwohner bezüglich des Genusses geschächteten Fleisches und der hiesigen Schlächter oder Fleischwarenfabrikanten bezüglich des Bedarfs geschächteten Fleisches für den Exporthandel zu berücksichtigen und eine Bevorzugung unter den Schlächtern zu vermeiden ist. — Die Schächtungsgebühren fließen in die Schlachthöfkasse." Die antisemitische Presse ist über die Rücksichtnahme natürlich ganz aus dem Häuschen. 8. Köln, 17. Dezember. Heute wurden hier die Repräsen tauten-Wahlen beendet. Dieselben standen unter dem Zeichen der Orgelfrage. In der künftigen Repräsentanten-Versammlung werden sitzen: 10 Freunde, 5 Gegner der Orgel als Repräsentanten, 3 Freilnde, 2 Gegner der Orgel als Stellvertreter, während für die Stelle des sechsten Stellvertreters das Los zwischen einem Freund und einem Gegner der Orgel zu entscheiden hat. Die Wahlbeteiligung betrug: in der 3. Klasse ca. 50 Prozent, in der 2. Klasse ca. 60 Prozent, in der 1. Klasse ca. 75 Prozent der Wähler. s. Ems, 20. Dezember. Das Jsraelitische-Zentral- Waisen- und Mädchenheim zu Bad Ems, begründet zu dem in § 1 und 3 seiner Satzungen ausgesprochenen Zwecke: „armen, gesunden Waisenmädchen und solchen Mädchen, die im elterlichen Hause j aus besondexen Ursachen Pflege und Erziehung nicht erhalten können, eine gute Erziehung, eine gründliche Volksschulbildung, sowie Ausbildung! in Haus-, Küchen- und Handarbeit zu gewähren, ihnen die elterliche! Fürsorge möglichst zu ersetzen und die Mittel unb Wege an die Hund i zu geben, ehrenhafter Weise, ohne fremde Hilfe durch das Leben zu kommen", hat das sechste Jahr seiner Wirksamkeit vollendet. Der j Verein hat schöne Erfolge bei einer schon ansehnlichen Schar bedauerns-! werter Mädchen erreicht, die ohne ihn dem geistigen ulld körperlichen I Elend verfallen wären. Jedoch bedarf er zur weiteren Ausdehnung! des Werkes, beffeu kulturelle Bedeutung für die wirtschaftliche und sittliche Förderung der weiblichen Jugend von niemand verkannt oder l unterschätzt werden kann, größerer Mittel, als bis jetzt noch zur Ver-! fügung stehen. Der notwendig gewordene und von der Behörde verlangte Neubau kostet mindestens 80 000 Mark, von lvelchen durch den Verkauf von Bausteinen a 1 Mark und Anteilscheinen a 500 Mark bis jetzt nicht ganz 5000 Mark aufgebracht wurden. Die Zahl der Zöglinge betrug im vergangenen Jahre 31. 6 Zöglinge waren vollständig i verwaist, 6 hatten noch den Vater. 11 noch die Mutter und 8 noch die! Eltern, welche jedoch zum Teil ans Mangel an nlateriellen Mitteln, j zum Teil wegen geistiger oder moralischer Unzulänglichkeit ihren! Kindern Pflege und Erziehung nicht angedeihell lassen konnten. 25 I waren schulpflichtig, 6 der Schule entwachsen. — Im ganzen hat die j Anstalt seit ihrem Bestehen 54 Zöglingen eine Heimstätte geboten.! Von den bisher Entlassenen wurden: 7 Verkäuferinnen, bezw. Buch- : Halterinnen, 4 Modistinnen, 1 Schneiderin. 1 Kindergärtnerin, 6 Dienst-! mädchen, bezw. Köchinnen und 7 kehrten ins Elternhaus zurück. Den! Elementarunterricht erhielten die Zöglinge in der städtischen Volksschule.! Den Religionsunterricht erteilte wie bisher Bezirksrabbiuer Dr. Wein-! garten in der Anstalt. Mit dem 3. Oktober schied nach 472 monatlicher Wirksamkeit Frau Dr. Goitein aus der Anstalt als Leiterin, und Fräulein Marie Schulz aus Guben, die der Frau Dr. Goitein kurz! vorher an die Seite gegebene Stutze, versah neben einer israelitischen; Wirtschafterin provisorisch diese Stelle. Den 27. Oktober übernahm! Fräulein Regina Wetzlar aus München die Stelle der Leiterin, j Exzellenz Fräulein v. Henrichsen ans St. Petersburg hat für die von ihr gestiftete Freistelle den Betrag von 5000 Mark gezahlt. Zu! Ehreudamen wurden ernannt: Frau Justizrat Guhrauer-Berlin, Frau i Bernhard Hertz-Krefeld, Frau Bürgermeister Dr. Rosenthal-Berlin,! Tiergartenstraße, Frau Raphael Bauer-München; zu Waisenräten die Herren: Staatsrat v. Abramsou-Kiew, Josef Botteuwieser-Frank-! furt a. M., Bellerstein-Neuß, Samuel Gaus-Brüssel, Dr. med. Gottberg-Hamburg, Josef Goldschmidt-Köln. Louis Grumach-Berlin, Max Herschel-Bonn, Heinrich Hanau-Mülheim (Ruhr), Josef Neuburger-! Nürnberg. An Stelle des aus dem Vorstände ausgeschiedeuen 1 Herrn Louis Grurnach in Berlin wurde Herr Manuel Schwarz in i Berlin gewählt, und Herr Grnmach zum Waisenrat ernannt. Die > Anstalt hat den Tod der Ehrendame Frau Staatsrat Sophie! v. Abramson in Kiew und des Kassierers H. Königsberger-Ems zu be-; klagen. Zum ehrenden Andenken an seine unvergeßliche Gattin hat j Herr Staatsrat v. Abramson eine Freistelle mit 5000 Mark gestiftet, j Der finanzielle Abschluß war im Vergleich zum vorigen Jahr ein günstiger. Der Vorstand besteht aus den Herren: Dr. Aronsohn, prakt. ' Arzt, Ems-Nizza. I. Vorsitzender; Dr. Horovitz, Rabbiner. Frank-! furt a. M., I. stellvertretender Vorsitzender; Joseph Kirchberger-Ems,; II. stellvertretender Vorsitzender; Dr. Weingarten. Bezirksrabbiuer,! Ems, Schriftführer; Ed. Feist, Frankfurt a. M., Schatzmeister; .! Dr. Cohn, Distriktsrabbiner, Jchenhausen (Bayern); Max Ettinghausen, j Höchst a. M.; Heinrich Fraenkel, Berlin; Sally Goldschmidt, Frank-! furt a. M.; Benno Koßmann, Fabrikant. Köln; Dr. Landau. Bezirks- rabbiner, Weilburg; Georg Pinoff, Kaufmann, Görlitz; Mandel Schwarz. Berlin; Leonhard Tietz, Kaufmann, Köln. Ehrenmitglied des Vereins ist Alphons Jacobson-Leipzig. o. Wiesbaden, 18. Dezember. Am 13. d.M. hielten im hiesigen! Logensale Herr James Simon und Herr Dr. Paul Nathan aus j Berlin Vorträge über „Die Aufgaben des Hilfsvereins der deutschen Juden und seine bisherige Tätigkeit." Die sehr gut besuchte Versammlung nahm.beide Vorträge beifällig auf. Es erfolgten sogleich zahlreiche? Beitrittserklärungen, und es konstituierte sich ein Lokalkomitee in! Wiesbaden, bestehend aus den Herren Simon Heß, Moritz Heimer» dinger, Jacob Hirsch, Bernhard Liebmann, Simon Morgenthau, Moritz Simon, Dr. Leopold Seligsohn, Mayer Baum, Josef Blumenthal, Felix Goldschmidt, Dr. H. Kornblum, Hermann Strauß. Es