Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 52 (25.12.1903)
- Date
- 1903-12-25
- Page
- Seite 624 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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024 Sxrechsaal. 1 Geehrter Herr Redakteur! I Nunuuer 51 Ihrer geschätzten Zeitung finde ich einen Artikel aus > +) Essen, nach welchem Rechtsanwalt Dr. Horwitz aus Berlin im Aufträge des Zentralvereins gesprochen hat.—Das ist nicht richtig! Den Vortrag in Essen hat daS Mitglied der Rechtsschutz-Kommission dcs Zentralvereins Rechtsanwalt Dr. Brodnitz aus Berlin gehalten. Berlin, 18. Dezember. A. H. Geehrter Herr Redakteur! ^n Nr. 50 der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" brachten Sie eine Notiz über den hiesigen Armenverein, daß derselbe im laufenden Jahre eine Einnahme von 247 Mark und eine Ausgabe von 56 Mark hatte. Diese Angaben entsprechen nicht der Wahrheit. Im Rechnungsjahre 1902/03 betrugen die Einnahmen 1952,64 Mark, die Ausgaben 1539.85 Mark. Krotoschin, den 16. Dezember. Der Vorstand zur Unterstützung jüdischer Armen. M. Wagner. * Sehr geehrte Redaktion! ie Zuschrift des Herrn Dr. Georg Steinhansen in Ihrer Nummer 49 fordert zu einer Bemerkung heraus. Dr. Steinhaufen schreibt über das Buch Georg Liebes: „Das Judentum in der deutschen Vergangenheit" u. a.: „Es ist eine außerordentlich fleißige, alle Quellennotizen berücksichtigende Arbeit, in der allerdingsauf die Benutzung jüdischer Quellen schon wegen ihrer Sprache verzichtet wurde, übrigens auch wegen der besonderen Beschränkung des Themas." Ich glaube nicht, daß ein Geschichtsschreiber wagen würde, eine ähnliche Bemerkung zu machen, wo es sich nicht um Juden handelt. j Zunächst ist ja ein großer Teil der jüdischen Quellen in Uebersetzuugen j vorhanden und durch Bücher, wie die von Güdemann, von dem sogar! die Monumenta Germaniae Paedagogica ein Werk enthalten, trifft! jedenfalls nicht zu, daß die Geschichte der Juden „tatsächlich nur! Literatur- und Mordgeschichte war." War übrigens Liebe nicht im! stände, die jüdischen Quellen zu benutzen, so war er für die Arbeit, um die es sich handelte, eben nicht geeignet. Wenn jemand über das Christentum zur Zeit der Römer geschrieben und dazu nur heidnisch-römische Quellen verwendet hätte, oder wenn ein Buch das Deutschtum zur Zeit Napoleons lediglich nach französischen Quellen behandeln würde, wäre mau wohl zweifellos der Meinung, daß ein solcher Geschichtsschreiber die Hauptgrundsätze geschichtlicher Forschung vernachlässigt hätte. Man würde dabei mangelnde Sprachkenntnis schwerlich als! Entschuldigung betrachten. Inwieweit eine besondere Beschränkung des Themas für die Nichtbenutzung der jüdischen Quellen maßgebend gewesen sein soll, ist mir nicht recht verständlich. Hätte der Verfasser nur über das schreiben wollen, worüber er nach Angabe des Herrn Dr. Steinhaufen anscheinend allein ein Buch veröffentlichen wollte, so durste der Titel nicht lauten: „Das Judentum in der deutschen Vergangenheit", sondern etwa: „Die Judenschast nach deutschen Urteilen". Denn zweifellos wußten vom Judentum die mittelalterlichen Christen verzweifelt wenig. und Georg Liebe meint ja auch wohl sicher nicht das Judentuul, sondern die Juden, eine Verwechselung, die ja sehr üblich ist, aber gewissermaßen einen doppelten Boden darstellt. der oft zu historischen Taschenspieler-Kunststücken in odium unserer Religion Veranlassung gegeben hat. Und wenn von dem „Judentuul in der deutschen Vergangenheit" gesprochen wird, wobei beiläufig scholl die Verbindung des Abstraktums Vergangenheit mit delil Eigenschaftswort Deutsch stilistisch verfehlt ist, so bedeutet dieser Titel doch ohne Zweifel etwas Objektives Ulld Tatsächliches, während das subjektive Moment durch Worte wie Urteil auszudrücken lväre. Jllsofern deckt der Titel des Werkes nicht dasjenige, was anscheinend Georg Liebe, nach Mitteilnllg von Dr. Steinhaufen, mit seinem Buche lediglich bezweckt hat. > Wer ein Buch über „die Juden im Urteil der Deutschen" veröffentlicht,! hat das Recht, sich an den christlichen deutschen Quellen genügen zu lassen, wer über „daS Judentum in der deutschell Vergangenheit"! schreiben will, hat die Pflicht, die jüdischen Quellen zu Rate zu ziehen. Die Erklärung bedeutet also nur. daß Georg Liebe es nicht böse meint, j sondern, daß es ihm an den für seine Arbeiten erforderlichen j Fähigkeiten mangelt.! Dies ist aber eigentlich viel schlimmer. Die Leichtfertigkeit, mit welcher man, soweit es sich um Juden handelt, oft die Grundsätze wissenschaftlicher Forschung verliachlässigt, ist im letzten Ende weitaus gefährlicher als die Bosheit einiger Fanatiker imb zweifelhafter Elemente. Diese Leichtfertigkeit ist nicht nur für die Juden gefährlich, sondern hat auch auf wissenschaftlichem Gebiet Schaden gestiftet. Berlin, 7. Dezember. Hochachtungsvoll Sehr geehrter Herr Redakteur! 'Zu dem interessanten Aufsatz von Karl Emil Franzos über Snder- Q.J mauns „Sturmgeselle Sokrates" sei bezüglich der dichterischen Phantasiegestalt des „Rabbi von Tilsit" (wie K. E. Franzos schreibt) eine sachliche Bemerkung gestattet. Sudermann hat in seiner Antikritik im „Tag" ausdrücklich von dem „öden Grenznest" gesprochen, in dem seine Eltern als Gutsbesitzer und er damals lebten. Da Tilsit heute über 45 000 Einwohner hat (als /Sudermann dort kurze Zeit die Schule besuchte, waren es 20000 Einwohner), Sudermann aber vor und nach Absolvierung der Universität Berlin sich längere Zeit in Hei de kr u g an der russischen Grenze aufhielt, so ist zur Genüge dargetau. daß das „öde Grenznest" jedenfalls nicht das stattliche Tilsit ist. Die dortige jüdische Gemeinde von über 1000 Seelen, zu der noch im Sommer zahlreiche jüdische russische Hoizhändler kommen, die auch über die Feiertage in Tilsit bleiben, kann nur die Autorität eines auch im Talmudischen und Hebräischen durchgebildeten Rabbiners anerkennen. Herr K. E. Franzos hat recht, das Stück ist ebenso unmöglich, wie der in demselben geschilderte „Rabbiner" unmöglich ist. Pankow, 15. November. Hochachtend M. Friedeberg. « Geehrter Herr! aut Referat über die Versammlung des „Centralvereius für die religiösen Interessen der jüdischen Gemeinde" im „Gemeiudeboten" z einer der letzten Nummern hat der Redner des Abends seine Opposition gegen die Ausstellung einer Orgel in der neuen Synagoge in der Rykestraße auch durch den Hinweis auf die orgelfreien Synagogen anderer Hauptstädte bekräftigt und dabei die große Synagoge in der. Rue de la Victoire in Paris erwähnt. Demgegenüber bemerke ich ans Grund eigener Anschauung, daß von den drei großen Synagogen tu Paris (mit deutschem Ritus) zwei Gottesdienst mit der Orgel haben: die Synagogen in der Rue de la Victoire und in der Rue! des Tournelles. Nur in der alten Synagoge Rue Notre-Dame de Nazareth wird ohne Orgel gebetet. Berlin, 29. November. Dr. Eugen Wölbe. Sehr geehrter Herr Redakteur! u den im Schitterjahre entstandetten jüdischen Arbeitett gehören noch : „Zum Schillerfest" von M. Steinschtteider in Hebr. Bibliographie 1859. S. 73 f. und „Schillers Sendung Mosis" von I. C. Saalschütz in Frankels Monatsschrift 1860, S. 45—97. Attch verdient wohl M. Wieners Arbeit „Parallelen zu Schillers Bürgschaft" in Monatsschrift 1854, S. 329—341 erwähnt zu werden. Einen wesentlichen Einfluß übte Schiller auf den asketischen Prediger Pleßner, der die „Bürgschaft" 1821 ins Hebräische übersetzte und in seinen Predigten recht osl ganze Strophen aus Schillers Gedichten auwendete. Ein bedeutender orthodoxer Rabbiner, E. in A., war mit Schillers Gedichten so vertraut, daß er sie auswendig wußte. Budapest, 20. Dezember 1903. Ihr Hochachtungsvoll ergebener Dr. Kayserling. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Lauchwitz in Berlin.