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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-12-18 · Heft 51 (18.12.1903) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 51 (18.12.1903)
Date
1903-12-18
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 Besprechungen" boten viel Anregung. Gegen acht Uhr abends tonnte der Vorsitzende mit Worten des Dankes für die rege Anteilnahme die erste Konferenz im Bezirk Dortmund schließen, nachdem man zuvor dem Lehrerveteran, Herrn Seminarlehrer a. D. Treu in Essen, der drei Tage vorher feinen 75. Geburtstag begangen telegraphische Glückwünsche übermittelt hätte. — Münster, 12. Dezember. Der 41. Bericht über die Marks- Haindorffs che Stiftung zur Bildung von Elementarlehrern und Beförderung von Handwerkern und Künsten unter den Juden und das jüdische Lehrerseminar ist erschienen. In der Zusammensetzung des Kuratoriums ist inzwischen eine größere Veränderung eingetreten. Es schieden nach Ablauf der Wahlperiode aus: Die Herren M. Katzenstein in Bielefeld, Justizrat Hertz in Münster, M. Hanf in Witten, Kommerzienrat Beer in Essen. Ferner mußte eine Ersatzwahl stattfinden für den am 28. Januar 1901 leider verstorbenen Herrn Fabrikbesitzer Feodor Meyer in Aachen, der sich große Verdienste um die Anstalt erworben hat. Bei der am 8. Februar d. I. stattgefundenen Wahl wurden die erstgenannten Herren einstimmig lviedergewählt. An Stelle des seligen Herrn Feodor Meyer trat der Sohn desselben, Fabrikbesitzer Paul Wilhelm Meyer-Aachen, ins Kuratorium ein, und für Kommerzienrat Beer wurde der Vorsteher der Synagogengemeinde Essen, Bankier I. S. Hirschland, gewählt. Das Kuratorium ist nunmehr aus folgenden Herren zusammengesetzt: Rentner Jos. Stern- Münster, Präses; Justizrat Hertz-Münster, stellvertretender Präses; Rentner A. Elias-Dortmund, Bankier I. S. Hirschland-Essen, Bankier M. Katzenstein-Bielefeld, Fabrikant C. S. Lehmann-Köln, Kuratoren; Bankier M. Hanf-Witten, Justizrat Hertz-Münster. Kaufmann Jos. Levison-Düsseldorf, Fabrikbesitzer Paul Wilh. Meyer-Aachen, stellvertretende Kuratoren. Die finanzielle Lage der Stiftung gestaltete sich in der abgelaufenen Berichtsperiode im allgemeinen erfreulicher als früher. Einige Gemeinden haben ihre Beiträge für die Stiftung erhöht, und neue Freunde wurden gewonnen. Die Königliche Staatsregierung bekundet ihr Wohlwollen durch eine jährliche Subvention von 6000 Mark. Die Königlichen Oberpräsidieu von Westfalen und der Rveinprovinz genehmigten durch Verfügung vom 10. Juni 1902 Nr. 5621 bezw. 4. Juli 1902 Nr. 12665 die Haussammlungen bei den jüdischen Bewohnern dieser Provinzen. Auf dem Gebiete der Unterbringung von Handwerkslehrlingen ist diesmal nichts von Belang zu berichten. Eine verhältnismäßig große Zahl von Jahrzeitstiftungen nennt der Bericht, mit denen die Anstalt seit dem Erscheinen des letzten Jahresberichtes, dem 1. September 1901, bedacht worden. Der Besuch der Anstalt hat sich während der Berichtszeit nicht wesentlich geändert. Es betrug die Durchschnittsziffer der Seminarklassen 16, der Elementarklassen 34, der Religiousklassen 24 Schüler. Ende September 1901 schied Seminarlehrer Bernhard Coblenz aus dem Kollegium, um die Leitung der städtischen jüdischen Volksschule in Köln 311 übernehmen. An seine Stelle trat Lehrer I. Arndt, bisher tätig in Tremessen und Berlin. Nur bei tatkräftiger Unterstützung ist es möglich, den erhöhten Ansprüchen zu genügen, die an die Anstalt herantreten. und nur dann kann das Werk in Gegenwart und Zukunft gesichert dastehen und auch ferner im Dienste besonders der Gemeinden Rheinlands und Westfalens eine Quelle deutscher Bildung und wahrhaft religiösen Strebens werden. ----- Essen, 9. Dezember. Neben der Ortsgruppe des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus, dessen Vorsitzender Herr Lehrer Kaufmann ist, hat sich nunmehr auch hier ein Lokalverein des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gebildet, dem außer den bisherigen 60 ungefähr 100 neue Mitglieder am Gründungsabend beigetreten sind. Für die Propaganda hatte der Berliner Vorstand sein Mitglied, Herrn Rechtsanwalt Dr. Horwih entsandt, der in lV2-stündigem Vortrage in ausführlichster und überzeugendster Werse die Ziele des Vereins und der bisherigen Erfolge darlegte. Bisheriger Vertrauensmann für Essen war unser erster Vorsteher, Herr Bankier Isaak Hirschland, dem für seine Bemühungen wärmster Dank gezollt wurde und auf dessen Vorschlag man die Herren Rechtsanwalt Abel zum Vorsitzenden, Rechtsanwalt Dr. Herzfeld zum Schriftführer und Siegfried Rosenbaum zum Kassenwart wählte. h. Bom Rhein, 14. Dezember. Wir haben in ullseren deutschen Landen eine Partei, die nach einem Heine^schen Wort „prächtig in Charaktermasken prunkt", die deutsche Treue, deutsches Wesen rein erhalten will von dem zersetzenden semitischen Geist. Aber eine Gerichtsverhandlung vor dem Krefelder Schöffengericht hat Gelegenheit gegeben, ihr die Maske ein wenig zu lüften. Die liberale Krefelder Zeitung beschuldigte die antisemitische Krefelder Bürgerzeitung, daß sie ihr die Telegramme ohne Quellenangabe Nachdrucke, worauf das letzte Blatt die Beschuldigung mit Entrüstung und beleidigenden Aenßerungen zurückwies. Es erbot sich sogar, bei Ueberführung des Diebstahls 2000 Mark für das geplante Kaiser Friedrich-Denkmal stiften zu wollen. — die böse liberale Kollegin hatte aber gar keinen Respekt vor der „teutschen" Maske. In der anhängig gemachten Beleidigungsklage wurde am 26. November das in der Bürgerschaft mit Spannung erwartete Urteil gesprochen. Nach dem Erkenntnis wurden der Verleger der Bürgerzeitung zu 525 Mark und ihr Redakteur zu 30 Mark Geldstrafe, sowie zur Tragung sämtlicher Kosten verurteilt. Das Gericht erkannte an, daß die Krefelder Bürgerzeitung Depeschen der Krefelder Zeitung ohne Quellenangabe nachgedruckt hat. — Das Ergebnis des beim Landgericht in Düsseldorf anhängig gemachten Verfahrens auf Zahlung der 2000 Mark dürfte nach vorstehendem nicht zweifelhaft sein. — ftfrdtlffllti a. M., 10. Dezember. Der einundzwanzigste Jahresbericht des Israelitischen Hilfsvereins (Vereins zur Beschränkung des Wanderbettels), zugleich Auskunftsstelle für israelitische Armenpflege, für den Zeitraum vom 1. Oktober 1902 bis 30. September 1903 beweist aufs neue, wie groß die Notwendigkeit eines Hilssvereins für unsere Stadt ist. Fort und fort wachsen die Ansprüche, welche von Notleidenden an uns gestellt werden. Hatte der Verein im Vorjahr 46 289 Mark für Unterstützungen ausgegeben, so steigerte sich die Summe im Berichtsjahr auf 71 740 Mark. Hiervon wurden für besonders dringende Fälle auf Spezialfonds 63 564 Mark verausgabt, gegen 38 839 Mark im Vorjahr. Auf dem Bureau meldeten sich 2444 Petenten (gegen 2399), hiervon wurden 2274(2203) mit 8175 (7450) Mark unterstützt. An Geschenken zur Verwendung vereinnahmten wir 8052 (7758) Mark, an Mitgliederbeiträgen 9998 (10 335) Mark, auf Spezialfonds 53 702 (35 235). Eine größere Anzahl von Gaben zum Kapitalfonds ist zu verzeichnen. Aus dem Max Heimischen Fonds zur Förderung der Bestrebungen gegen den Mädchenhandel wurden 1082,92 Mark ausgegeben. Im Auftrag des Vereins begaben sich die Damen Fräulein Pnppenheim und Fräulein Dr. Rabinowitsch nach Galizien, um die dortigen Verhältnisse zu studieren. Die Damen erstatteten Bericht über die Zustände und formulierten ihre Ansicht, wie diese gebessert werden könnten. Dem Delegiertentag der Vereine zuv Bekämpfung des Mädchenhandels, der in Lemberg am 15. und 16. September abgehalten wurde, wohnte Fräulein Pappenheim bei. Der Arbeitsnachweis, den der Hülfsverein in Gemeinschaft mit der Frankfurt-Loge B. B. und dem israelitischen Handwerkerein begründet hat, setzt seine Tätigkeit fort. In der letzten Generalversammlung wurden die Herren Geiger, Kuh, Dr. Walter und Wertheimer wieder- und Herr Willy Stern neugewählt. Für dnr verstorbenen Herrn Marx hat noch keine Ersatzwahl stattgesunden. Der Vorstand des Israelitischen Hilfsvereins besteht aus den Herren: Charles L. Hallgarten, Vorsitzender; Leopold Hirschler, stellvertretender Vorsitzender; Henry Seligmann, I. Kassier; Emauuel Ettinghausen, II. Kassier; Alfred Geiger, Schriftführer; Jakob S. Bettmann, Hieronymus Dessaner, Jakob Kutz, Moritz Loewenhaar. Moritz Metzger, Philipp Schiff, Willy Stern, Dr. Leopold Walter, Max Wertheimer, geschäftssührende Direktoren. — Angefügt ist der besonders interessante Jahresbericht der Abteilung „Weibliche Fürsorge". Die Abteilung „Weibliche Fürsorge" hat auch in dem zweiten Jahre ihres Bestehens an den leitenbeu Gedanke:,, die zu ihrer Gründung führten, festgehalten: individualisierte Armenpflege einerseits, anderseits teils theoretische, teils praktische Arbeit zur Anbahnung und Durchführung sozialer Hilfsleistung in allgemeiner umfassender Art. Das Damenkomitee ist mit zunehmender Sachkenntnis und größter Gewissenhaftigkeit bereit gewesen, jederzeit die nötige Arbeit zu übernehmen, itnb es bildet sich in der „Weiblichen Fürsorge" ein Stab von Frauen, deren Tüchtigkeit in den verschiedenen Fächern von Frauentätigkeit der jüdischen Armenpflege Frankfurts mit der Zeit einen ganz speziellen Charakter verleihen wird. Als wichtiger Faktor der Armenpflege gilt nnt Recht die Kindes- und Säuglingspflege. Letztere untersteht in der „Weiblichen Fürsorge" der besonderen sachkundigen und bewährten Aussicht der Schwester Oberin Minna Hirsch und des Herrn Dr. Deutsch und ist in dieser Form ein Zweig der Fürsorge geworden, der nicht mehr entbehrt werden kann. 38 Kinder wurden von der Säuglingskommission überwacht. Letztere besteht aus 9 Damen, welche die Kinder je nach

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