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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-12-18 · Heft 51 (18.12.1903) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 51 (18.12.1903)
Date
1903-12-18
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 fertigt erachtet werden könne, den Beschwerdeführer, der bereits seit mehreren Jahren als Mitglied des Schulvorstandes fungiere und sich nach dem Anerkenntnisse des Lokalschulinspektors im Interesse der Schule stets eifrig gezeigt habe, seines jüdischen Glaubens wegen aus dem Schulvorstande zu entfernen. Ob der Erlaß vom 21. November 1871, der den Grundsatz ausspreche, daß ein Jude zwar Mitglied der städtischen Schuldeputation, nicht aber Mitglied des Vorstandes einer christlichen Schule sein könne, nach Lage der damaligen Gesetzgebung ausreichend begründet sei, möge dahingestellt bleiben. Aus den Bestimmungen des inzwischen ergangenen Gesetzes über die Schulaufsicht vom 11. März 1872, in Verbindung mit dem Bundesgesetze vom 3. Juli 1869 folge, daß die jüdischen Mitglieder der Schulgemeinde allein ihres Glaubensbekenntnisses wegen von derMitgliedschast imSchulvorstande nicht mehr ausgeschlossen werden können. Auf Grund dieser ministeriellen Entscheidung wurde der betreffende Schulvorstandsbeschluß aufgehoben. M. Hamburg, 11. Dezember. Das B eschen knngskv mitee der Henry Jones-Loge konnte auch in diesem Jahre 340 bedürftige Kinder mit Winterpalet ots, Anzügen und anderen nützlichen Bekleidungsgegenständen versehen. Die Art und Weise, wie diese Verteilung vorgenommen wird, verdient in weiteren Kreisen Nachahmung. Die Bons für die Gegenstände werden den Eltern der Kinder nebst einer Einladung zum Kinderfeste ins Haus geschickt, so daß eben nur die Eltern wissen, daß die Bekleidungsgegenstände vom Beschenkungskomitee herrühren. Am Kinderseste selbst, welches am letzten Sonnabend abend im großen Saale des Conventgartens gefeiert wurde, bemerkte man keinen Uuterfdneb zwischen den beschenkten und den Entree zahlenden Kindern. Das Fest selbst nahm einen großartigen Verlauf. Der große Saal war von mehr denn 700 Kindern gefüllt, während die Logen von Erwachsenen dicht besetzt waren. Unter den Erschienenen bemerkten wir u. a. die Rabbiner Dr. Löwenthal. Dr. Leimdörfer. Dr. Rieger und viele Mitglieder des Gemeindevorstandes mit ihren Damen. Es war ein erhebender Anblick für jeden Menschenfreund; man sah die Kinder der reichsten Gemeinde- Mitglieder mit den Waisenkindern rc. sich gemeinsam an kindlichen Spielen erfreuen. Die ganze Veranstaltung war vorzüglich arrangiert. Die Festrede hielt der Mentor der „Kaiser Friedrich Loge" Herr N. Abraham aus Bremen, dessen Ausführungen allseitigen Beifall fanden. Nach der Aufführung eines Märchenspieles beschloß ein solennes Abendessen für die Kleinen das Fest. Zum Schluß erhielt noch jedes der teilnehmenden Kinder ein Geschenk, und unter den Klängen der Musik verließen die Kinder freudestrahlend den Saal. — Wie bereits gemeldet wurde, ist ein Teil der wertvollen Ro thschild'schen Bibliothek aus Frankfurt a. M. nach Hamburg übernommen. Frau Baronin Wilhelm von Rothschild hat aus dem Nachlasse ihres verstorbenen Gatten, des Herrn Baron Wilhelm v. Rothschild, dem hiesigen Klausinstitut der Gemeinde 120 Bände wertvoller, äußerst seltener hebräischer Schriften gespendet. Die Bibliothek hat in einem besonders hierzu angefertigten Schranke im Lehrsaale des Instituts Aufstellung gefunden. Die Verwaltung hat fernerbeschloffen, daß der Name des Verewigten und sein Sterbetag in das Memorial des Instituts zum ewigen Gedächtnis eingetragen werden. t. Dortmund, 14. Dezember. Schon seit länger als Jahresfrist war wiebe,holentlich eine Lehrerkonferenz für den Bezirk Dortmund geplant. Widrige Verhältnisse ließen aber jedesmal einen Aufschub notwendig erscheinen. Am 25. v. M. konnten endlich zahlreiche Kollegen — die Präsenzliste weist 17 Namen auf —der Einladung Kaufmanns- Gelsenkirchen ins Hotel Neichshof nach Dortmund Folge geben. Gegen 3 Uhr eröffnete Herr Kaufmann die Versammlung, indem er die Anwesendeil herzlich willkommmen hieß, den Ehrengast, Herrn Rabbiner Dr. David-Bochum besonders begrüßte und seiner Freude — und damit der Freude aller Anwesenden — lebhaften Ausdruck verlieh über das Erscheinen des Nestors in unserem Bezirk, Herrn Ostwald-Witten, der vor kurzem in den Ruhestand getreten ist. Kaufmann bat den wackern Kämpen, der jahrzehntelaiig sein bestes Können für die Hebung des westfälischen Lehrerstandes und der jüdischen Schule eingesetzt, uns auch künftig mit feinem Rate treu zur Seite zu stehen; zum Zeichen der Verehrung und der Anerkeilnung für das, was Ostwald allzeit in unserer Sache gewirkt, erhoben sich die Anwesenden von ihren Sitzen. Goldschmidt-Dortmund hieß die Kollegen zugleich auch namens des hiesigen Kollegiums in Dortmund willkommen und sprach den Wunsch aus, daß die Konferenz allezeit recht systematisch arbeiten möge, denn würde bei den Versammlungen, die etwa dreimal jährlich stattfinden sollen, auch etwas Ersprießliches herauskommen. Ostwald-Witten dankt in humorvoller Weisr für die ihm gewordene Ehrung und gab durch seine ausführliche Rede der Versammlung einen Beweis von seiner außergewöhnlichen Rednergabe uub vor allem von der Frische, die er sich trotz seines arbeitsreichen Lebens Gott sei Dank zu erhalten gewußt hatte, und die ihm noch reckt lange erhalten bleiben möge. Auf Vorschlag Ostermanns-Bochum wurde darauf der Einberufer der Versamullung zum ersten Vorsitzenden, Herr Ostwald Witten zu seinem Stellvertreter und Herr Goldschmidt- Dortmund zum Schriftführer der Konferenz berufen. Herr Kaufmann verteilte sodann die zu diesem Zwecke von der Verlagsbuchhandlung Jacobsohn-Breslau zur Verfügung gestellten Schulbücher unter die Kollegen, damit diese sie durchsehen und prüfen können, ob für unsere Verhältnisse geeignetes dabei sei. Danach nahm Kaufmann, indem er den Vorsitz all Ostwald abtrat, das Wort zu seinem Vortrage: „Ueber den hebräischen Unterricht in der Volksschule." An das Goethe'sche Wort allknüpfend: Es ist nicht nötig, neue Gedanken zu produzieren, aber das alte neu durchzudenken ist von Wichtigkeit, verbreitete sich Kaufmann in ganz ausgezeichneter Weise über Bedeutung, Wort und Methode dieses Unterrichtsfaches. Er ging von den Schwierigkeiten aus, mit denen der jüdische Religiollsunterricht im allgemeinen zu kämpfen habe und kam dalln auf den hebräischen 'Unterricht, das Sorgenkind unserer Schulen, ganz besonders zu sprechen. Religion ist Gesinnungsunterricht, durch eine fremde, unverstandene Sprache aber läßt sich llicht aus die Kinderseele wirken, deshalb sind und bleiben Religion und Hebräisch gallz verschiedelle Fächer. Alle Versuche, das Gebetbuch zum Religionsbuch zu gestalten, sind daran gescheitert, daß die innere Harmonie zwischen Religion und Hebräisch fehlt. Um Hebräisch als Sprachunterricht pädagogisch richtig und zielbewußt zur Geltung zu bringen, fehlt es an Zeit und geeigneten Schulbüchern. Der Referent weist schließlich an wenigen ausgezeichnetell. praktisch erprobten Winken, die dem gewiegten Schulmann erkennen lassen, nach, wie das Uebet am erträglichsten zu gestalten sei. In einer sehr ausgedehnten, durch scharfe Deduktionen ungemein interessant sich gestaltenden Diskussion wird die Frage ventiliert, ob Hebräisch zum Religionsllnterricht gehöre oder nicht. Das Facit dieser Besprechung drückeil folgende Sätze aus Eine gewisse Kenntnis des Hebräischen ist nötig, um unsere Gottesdienste, zu dessen illtegrierendell Bestandteile diese Sprache nun einmal gehört, folgen zu könnell: Wäre dieses llicht der Fall, so würde es heute keinen iu den Sinn konlmen, in einer Volksschule Hebräisch zu lehren; ebensowenig wie man heute noch das Chaldäisch unterrichtet, obwohl es bekanntermaßen eine Zeit gab, wo Chaldäisch getrieben lverden mußte, weil — nun weil — es damals Gebetssprache war. Würde man aber hellte die hebräische Sprache aus dem Stundenplan der jüdischen Schulen streichen, so würde mau damit der jüdischen Schule gleichsam ihre Bedeutung nehmen. Es entsteht daher für uns die Frage: Wie machen wir das notwendige Uebel am erträglichsten, das heißt lvie ist^s zu ermöglichen, mit den vorhandenen geringen Lehrmitteln und bei der kllapp bemesfenell Zeit das möglichst meiste zu erreichen? — Zahlreiche zum Teil recht beachtenswerte Vorschläge wurden von allen Seiten gemacht; wenn sie auch für manchen gewiß ein vollkommener Fingerzeig sein dürften, sie lassen sich des Raummangels wegen hier trotzdem nicht wiedergeben. Durch das zielbewlißte, energievolle Eingreifen des Kollegen Rotschild-Dortmund in der Debatte nimmt diese nunmehr greifbare Gestalt au, indem man sich dahin einigt, daß mit dem hebräischen Leseunterricht im allgemeinen in der zweiten Hälfte des zweiten Schuljahres zu beginnen sei. Er muß in der Zeit erteilt werden, tu der dem Kinde noch ein teilweises ntechanisches Erfassen des Dargebotenen zugemutet werden darf. Im ersten Halbjahr seines Schulbesuchs hat der Schüler die Schwierigkeiten des ersten Leseunterrichtes in der deutschen Fibel zu überwinden, im zweiten Halbjahr muß er sich die Formen der großen Druckbuchstaben einprägen; im ersten Halbjahr des zweiten Schuljahrs tritt die Erlernung der lateinischen Druckschrift hinzu, und so ergibt sich eigentlich die für die Erlernung der hebräischeil Buchstabenformell allgegebene Zeit von selbst. In längstells einem Jahre können und müssen die Schwierigkeiten des Lesenlernens soweit überwunden sein, daß alsdann (also etwa in der Mitte des vierten Schuljahrs) mit dem Uebersetzen begonnen werden kann. Allgemein wurde der Marlgel geeigneter Schulbücher empfunden. Auch die „freien

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