Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1903)
- Date
- 1903-12-11
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Anwesenheit von 17 Repräsentanten nicht vorhanden war. Der Vorsitzende beraumt deshalb bereits heute die nächste Sitzung auf den 20. Dezember an und bittet alle Mitglieder um ihr Erscheinen, da das Polizeipräsidium die schnelle Erledigung dieser Vorlage fordert. 8. Berlin, 6. Dezember. Ein weiteres Jahr seines Bestehens hat der Verein Mädchen Haus Pankow zurückgelegt — ein Jahrerfreulicher Wirksamkeit und guter Erfolge. Von allen Seiten wird ihm Vertrauen entgegengebracht; aus ganz Deutschland fteQen ihm Waisenhäuser. Frauenvereine und Privatpersonen ihre Zöglinge und Töchter zur Verfügung, so daß der Verein aus denr reichlichen Angebot die beste Auswahl betr. körperlicher und geistiger Entwicklung der Anfnahmesuchenden treffen konnte. Auch die Gesuche von Dienstherrschaften um Ueberlaffnng von Zöglingen haben sich gesteigert. und zweifellos werden die konuuenden Jahre noch ein weiteres gedeihliches Fortschreiten bringen, da in den ärmeren Schichten unserer Glaubensgenossen die Vorurteile gegen den Dienstboteuberns immer mehr schwinden. In Gemäßheit des Beschlusses der vorletzten Generalversammlung, die Zahl der aufznnehmeuden Mädchen nicht über 30 steigen zu lassen, haben sich im Betriebsjahre 1902*03 in dem Institut zwischen 25—29 Zöglinge befunden. Der körperliche Zustand derselben ist ein guter. An den Grundsätzen der Ausbildung derselben ist nichts geändert worden. Wie bisher wurden zur Ausrüstung der abgehenden Zöglinge die vollständigen Aussteuern gefertigt; das Waschen für fremde Haushaltungen. wodurch eine Reineinnahme von 365,83 Mark erzielt wurde, hat eine Einschräuknug erfahren müssen, um mehr Sorgfalt auf die Arbeit verwenden zu können. Zur Vorbildung einzelner Zöglilige als Kindermädchen wurden wiederum im Sommer Ferienkolonisten —im ganzen 31 Schützlinge aus den Vereinen „Jüdisches Kinderheim" und „Erster israelischer Kindergarten und -Hort" — in die Anstalt ausgenommen. Gekräftigt. zum Teil mit erheblicher Gewichtszunahme, haben die Kleinen das Haus verlassen, für die Mädchen selbst war die Tätigkeit von Nutzen. Späterer Erwägung bleibt es Vorbehalten, ob und in welch' anderer Weise besonders geeignete Mädchen zu Kindermädchen herangebildet werden können. Die Fortbildung der Zöglinge im Lesen, Schreiben, Rechnen. Deutsch und in der Religion wurde ebenfalls fortgesührt. 14 Mädchen haben nach Beendigung der Lehrzeit das Haus verlassen, welche durch das Schutzkomitee in geeigneten Stellen untergebracht wurden. 7 frühere Zöglinge konnten für mehrjährige Dienstzeit auf einer Stelle prämiiert werden; an der Feier nahmen 19 frühere Zöglinge teil, die sämtlich in Berlin dauernd im Dienst stehen. Die Unterhaltungskosten stellten sich für die Zöglinge und das Personal pro Kopf und Jahraus 449,76 Mark, die Verpflegungskosten betrugen für Kops und Tag 48,50 Pfennig. Die Zahl der Mitglieder des Vereins hat bedauerlicherweise nur unerheblich zugenommen, gegenüber dem ersten Jahre des Bestehens ist sie immerhin schon mehr als die doppelte. Einen schmerzlichen Verlust hat der Vorstand durch den Tod seines Mitgliedes Frau Nannh Grunwald erlitten, die „den Mädchen ein leuchtendes Beispiel, den Erzieherinnen eine freundliche Beraterin, im Vorstande seit Gründung des Vereins eine unermüdliche Mitarbeiterin," dauernd in dankbarer Erinnerung bleiben wird. In immer weitere Kreise werden die glänzenden Fortschritte des Vereins dringen, der durch seine Erfolge den Beweis sür die Notwendigkeit seiner Begründung erbracht hat, und die Gunst fernerer zahlreicher Freunde und Gönner wird ihm werden müssen, deren er so dringend bedarf, um den gestellten Zielen in jeder Beziehung gerecht werden zu können. — Die heutige Generalversammlung eröffnete der Vorsitzende, Herr Justizrat Breslauer, mit einem warmen Nachruf für das dahingeschiedene Vorstandsmitglied Frau Nannh Grunwald. Er erstattete alsdann Bericht über die Verwaltung und teilte mit, daß betreffs der Frage der Ausbildung von Kindergärtnerinnen bereits eine Verbindung mit einem ähnlichen Institut angebahnt sei und daß in der nächsten Versammlung das Resultat über die Unterhandlungen zur Kenntnis gebracht werden solle. Den Revisiousbericht erstattete Herr Emil Pincus. Er empfahl eine Aenderung in der Form des Rechnungsabschlusses, welcher der Vorstand nachzukommen beschloß. Dem Vorstande wurde darauf Entlastung erteilt. Die turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder, die Herren Justizrat Breslauer und Eisner, wurden wiedergewählt, an Stelle der verstorbenen Frau Grunwald wurde Frau Elise Lipschütz in den Vorstand entsandt. Die Wiederwahl der bisherigen Revisoren, der Herren Pariser und Emil Pincns, wurde ebenfalls widerspruchslos genehmigt. Berlin, 1. Dezember. Der Tal nt ub» 93 er ein veranstaltet, ermutigt durch den Beifall, ben diese Einrichtung im vergangenen Winter allseitig gefunden hat. auch in diesem Jahr wiederum einen E y k l u s populärer Vorträge über jüdische Geschichte u n d Literatur. Der Vortragende, Dr. I. Bleichrode, wird als Fortsetzung seiner früheren Vorlesungen in diesem Semester die talmudische Epoche behandeln. Die Vorträge finden vom 8. d. M. ab allwöchentlich jeden Dienstag Abend 8 Vs? Uhr statt. Der Eintritt zu denselben, sowie Garderobe, ist für Damen und Herren frei. s. Königsberg i. Pr., 30. November. Der Obersekretär der Synagogengemeinde, Herr M. Klein, hat auch diesmal wie seit einer Reihe von Jahren eine Tabelle über die Wirksamkeit der in der hiesigen Gemeinde befindlichen W oh ltäti gke i t s v erein e und Institute angefertigt. Danach betrug am Schluß des Jahres 1902 das Gesamtvermögen der 15 Vereine uub Institute 1 401 262.41 Mark (4-40 886,47 Mark) die Gesamtsumme der gewährten Unterstützungen 101 459.01 Mark (4- 851,88 Mark). Die Jahresbeiträge der Mitglieder beliefen sich auf 29228,45 Mark ( f 955,60 Mark). Die meisten Mitglieder (555) hat der Frauenverein; dann kommen der" Verein sür Krankenpflege. die Wohltätige Gesellschaft, der Frauenverein zur Unterstützung israelitischer Witwen und Waisen, der Weibliche Verein für israelitische Armenpflege, der Feuerungs-Verein, die Legaten- Kommission, die Dr. Kosch'sche Legaten-Verwaltung. das Waisenhaus sür Stadt und Provinz, Dr. Kosch'sche Waisen-Erziehungs-Anstalt. das Israelitische Stift, der Studien-Beförderungs-Verein sür Ost- und Westpreußen, der Bekleidmlgs-Verein für arme Zöglinge der Religionsschule, der Hilfsverein sür kranke russische Israeliten und die Pensionskasse für jüdische Religionslehrer und Kultusbeamte tu Ostpreußen. Kp. Aus -er Provinz Posen, im November. Der Kommerzienrat Eduard Landshoff aus Petersburg hat feiner Heimatgemeinde S ch w erin a. W. anläßlich seiner jüngst stattgehabten Silberhochzeit ben städtischen Armen, der israelitischen Waisenanstalt, ferner zur Verschönerung des jüdischen Friedhofes und dem Johamnterocden-Krankenhause je 100 Mark als Geschenk überwiesen. — Der Kaufmann Hirsch in Buk ist zum stellvertretenden Bürgermeister daselbst neugewählt worden. — Nach 35 jähriger Tätigkeit ist der Synagogendiener Lichtenfeld tu Schokken gestorben. — Der Juwelier Feldheim in London, ein geborener Lobsenser, hat seiner Heimatgemeinde Lo b s ens 1000 M. als Geschenk überweisen lassen. — Der Stadtälteste und Ratsherr A. Horwitz in Kos ch min ist im Alter von 75 Jahren gestorben. Derselbe war langjähriger Vorsitzender und zuletzt Ehrenmitglied des dortigen israelitischen Krankenpflege- und Leichenbestattungsvereins und Kurator der höheren Töchterschule daselbst. — Der jüdische Armenunterstützungsckerein in Krotoschin hatte im letzten Jahre eine Einnahme von 247 Mark und eine Ausgabe von 56 Mark zu verzeichnen. — Die Verwaltung der erledigten jüdischen Lehrerstelle in Tirscht i e g e l ist dem Lehrer Jsack aus Kettwig a. d. Ruhr übertragen worden. — Der Stadtälteste Adolf Silberstein in Mo sch in ist im 69. Lebensjahre gestorben. Derselbe war nahezu 40 Jahre hindurch erster Vorsteher der dortigen Synagogengemeinde und in der Stadtverwaltung nahm er die Stelle eines Beigeordneten ein, außerdem war er Mitglied des Kreistages. — Stadtverordnetenvorsteher . Justizrat Dr. Lewinski in Posen hat anläßlich der Vermählungsfeier seiner Tochter sür die Armen der Stadt 1000 Mark zur sofortigen Auszahlung und außerdem 15000 Mark zur Verstärkung des bereits bestehenden Lewiuski-Fonds gestiftet. — Das Caspar und Henriette Behrffche Ehepaar in Lobsens beging neulich das seltene Fest der diamantenen Hochzeit; aus diesem Anlasse sind dem 86 beziehungsweise 81 Jahr alten Jubelpaare sehr viele Glückwünsche und Aufmerksamkeiten zugegangen. — Die Synagogengemeindeverwaltung in Oboruik hat die Erweiterung des dortigen israelitischen Friedhofes beschlossen. — Wegen geringer Frequenz der jüdischen.Schule zu Schneidemühl geht die zuständige Behörde mit der Absicht um, dieselbe aufzulösen. — In der Provinz Posen wird regierungsseitig die Kommunalisierung der Schulkassen allein in vielen Gemeinden angebahnt; die jüdischen Schulsozietäten verhalten sich mit Recht zu diesem Plane ablehnend, weil sie dadurch die meist höheren Schullasten der anderen Konfession nüttragen müßten; es dürfte diese Belastung sich meist auf 50 Prozent der Einkommensteuer belaufen. Für diese Leistung hätten sie eventuell nicht das geringste Aequivalent zu erwarten. P. Nakel a. d. Netze, im November. Am 27. Oktober d. I. starb hier Herr Moritz Still mann, Lehrer a. D., Inhaber des