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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-12-11 · Heft 50 (11.12.1903) · p. Seite 595

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 50 (11.12.1903)
Date
1903-12-11
Page
Seite 595 (sequence 9)
Language
German
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595 fast 1000 während derselben Zeitdauer des zweiten Tempels. Ans dem allgemeinen Feuerbrand hatte sich, um mit dem Propheten Sacharjah zu reden, ein Holzscheit gerettet. Es war der greise Priestergenosse Matthatias aus der angesehenen Familie der Hosmonäer, der mit seinen fünf Söhnen aus Jerusalem nach dem nahe bei Lud gelegeilen Flecken Modin geflüchtet lvar. Er entflammte durch das Feuer seiner Rede die Söhne zu heiligem Gottvertrauen und drückte ihnen das Schwert in die Hand zu Kampf und Wehr für Gottglauben und Vaterland. Es war eine große Stunde, als diese glänzenden Gestalten — jede durch besondere Eigenschaft und Tüchtigkeit für das heilige Unternehmen ausgezeichnet — linter Judas Führung, wie der Vater es bestimmt hatte, mit einer winzigen Schaar entschlossener Anhänger hinauszogell gegen das zahlreiche Syrerheer. Jeder der Söhne des Matthatias hatte einen Beinamen, der wahrscheinlich sein Temperament und Charakternäher bezeichnete; Juda, eine Heldenseele, trug den Beinamen „Makabbi" — der Große, der Held, Hännnerer (Martell), der durch sein Beispiel zugleich auch seine Mannen zu Makabbi (Makkabäern) zu «lachen wußte. In der Tat verdienten diese Streiter nlld ihre Taten solchen Ruhmestitel. Sie kämpften mit Löwenmut, in heiliger Begeisterung für Glauben und Vaterland, und errarigeu in vielen Gefechten und vornehmlich iil den großen Schlachten bei Beth-Harom, Emmaus und Bethzur entscheidende Siege über den Feind. Hochbeglückt trugen die Makkabäer die siegreichen Banner nach Jerusalem, entsühnten Tempel und Altar von der erfahrenen Schändullg durch die Heiden und weihten beide von neuem dem Dienste des ewigen Gottes. Das geschah am 25. Kislew 165 vor der üblichen Zeitrechnung, an demselbeil Tage, an welcheiil drei Jahre vorher der Altar zum erstenmal durch lniheiliges Opfer entweiht wurde.') In der Stadt brannten Freudensener, vor den Häuseril waren Lämpchen gezündet, eine spontane Kundgebung, die sich an acht aufeinander folgenden Abenden wiederholte und zur Folge hatte, daß durch feierlichen Beschluß der Makkabäer und aller Anwesenden von nah und fern die Einsetzung des Chauukahfestes in der noch heute üblichen Weise zum Gesetz erhoben wurde.-) Blicken wir an dieser Stelle auf die Kämpfe der Makkabäer zurück, die so großes und wunderbares dem weit überlegenen Feiilde gegenüber erreicht haben, so dürfen loir wohl rühmen, daß sich damals Israel unstreitig den Anspruch erworbeil hat, in der Geschichte der Heere und * Kriege aller Völker und Zeiten mit Auszeichnung genannt zu werden, und stolz macht uns. die späten Enkel jener Generation, das Urteil eines der gelehrtesten französischen Kriegsschriftsteller des 18. Jahrhunders.* * 3) „Alles, was die Wissenschaft der Waffen Großes und Erhabenes hat. finden wir bei ihnen vereinigt. Vergebens stehen den Makkabäern ') Makkab. 1,436-52; das. II. 101-107. Josephus. Altert. XII, 7 zu Ende. — Makkab. II bringt dieDauer von 8 Tagen mit de»» ausgefallenen Hüttenfeste in Verbindung und läßt die Feier durch Palmenzweige und Epheustäbe geschehen. Josephus nennt das Fest der Lichte wegen, die gezündet werden, Lichtfest. An keiner Stelle jedoch wird des Wunders mit dem unzureichenden Oel Erwähnung getan, wie Babli Sabbath 21 b. Vgl. Meor Enajim e. 51. ') S. die Zitate No. 2 bis zu Ende der Kapv. Megillat Than. § 9. 3) Chevalier Folard, Ccumnentaire sur Polybe üb. II, eliap. 1, III, p. 145. ed. 1774, p. 145; Deutsch übers, von Eichel in Salvador, Gesch. d. Römerherrfchast I, S. 49. In der mir zu Gebote stehenden Ausgabe von Folard aus dem Jahre 1728 finde ich das bezeichnete Urteil nirgends, aber ein ähnliches S. 219. — Die Oissertatioo sur la tactique des anciens Hebreux ist auf der königlichen Bibliothek nicht vorhanden. kriegsgewohnte, furchtbare Truppen gegenüber, haben fie es mit geschickten, sehr erfahrenen Generalen zu tun, sind ihre Kräfte unendlich geringer, als die ihrer Feinde. Nichts hält sie ab, oder stört sie. Die Taten dieser großen Männer sind zahlreich, und alle zeugen von bewundernswürdiger, hoher Sachkenntnis. Offiziere sollten diese zum Gegenstände ihrer Studien machen, denn es ist viel daraus zu lernen." Nach dem Einzuge in Jerusalem und der Weihe des Tempels ivar von selbst dieNeligiousverfolgung zu Ende, und als Antiochus (164) starb, bestätigten seine Nachfolger den Makkabäern die volle Religionsfreiheit. Jndeß dauerte der Kampf als politischer fort, da die Syrer den Juden ihre Errungenschaften mißgönnten. Wiederholt sehen wir daher die Makkabäer siegreich unter Juda auf dem Plan, zuletzt in der Schlacht bei Aderse gegen den Feldherrn Nicanor (160). Wenige Wochen darauf fällt Juda, der große Makkabäerheld mit dem Schwert in der Hand, bei Eleasa gegen den Feldherrn Bacchides. An seine Stelle treten seine Brüder, unter denen in Fortsetzung der bisherigen Errungenschaften Judäa eine Periode höchsten Glanzes erreicht, vollständig vom syrischen Joche befreit und zu einem unabhängigen, selbständigen Staat mit ausgedehnten Grenzen erhoben wird. Das Volk erkennt dankbar die Verdienste der Makkabäer an und ernennt Jonathan, den nächsten Nachfolger- Judas, zum Hohenpriester mit erblicher Nachfolge y, und verleiht an dessen Nachfolger und Bruder Simon noch dazu erbliche jFürstenwürde, die sein Sohn und Nachfolger Johann Hyrkan durch Annahme des Königstitels zum höchsten Ruhme bringt. Neben dieser aller früheren Praxis und selbst, der mosaischen Einrichtung widersprechenden Personäleinheit in der Priester- und Königswürde, die vielverheißend schien, aber doch bald ihre Gegner fand, machte ein anderes Ereignis stolzen Eindruck, um gleichfalls in der Folgezeit verhängnisvoll zu wirken. Es war das Bündnis mit dem inächtigen Rom (140)*. das die Völker von Feindseligkeiten gegen das jüdische Volk abhalten sollte, sich aber später gegen dieses selbst verderblich erwies. Während dieses Umschwunges in Judäa, dessen Brenn- und Mittelpunkt unstreitig die Chanukahsiege der Makkabäer waren, trat in Aegypten, das schon damals eine zahlreiche, gebildete jüdische Bevölkerung hatte, ein Ereignis von großer Tragweite für das Judentum, ja für die Kultur aller Völker bis zur Gegenwart ein. Ich meine die Uebersetzung der Thora ins Griechische, die Septuaginta (150), welche von palästinensischen Flüchtlingen, die während der syrischen Drangsale nach Aegypten gekommen waren, dort vielleicht auf Befehl des Königs Ptolemäus Philometor angesertigt wurde. Den heidnischen Völkern wurde dadurch das Gotteswort, soweit dies durch Uebersetzung unbeeinträchtigt wiedergcgeben werden kann, zugänglich, und die Juden Aegyptens waren stolz, auf diesen unermeßlichen Schatz von Wahrheit und Weisheit Hinweisen zu können. An die wunderbaren nationalen und weltgeschichtlich berühmten Makkabäerkämpfe und -Siege erinnert das Chanukahfest; für bewundernswürdige nationale undF weltgeschichtliche Ereignisse ist es der Ausgangspunkt geworden. Seit 2000 Jahren wird es gefeiert. Möge es bei dem geschärften geschichtlichen Sinn der Gegenwart die Erkenntnis seiner Bedeutung in uns erhöhen und zunehmen an Glanz seiner Feier. 0 Die allgemein gewordene Bezeichnung eines Hohenpriesters auch für Matthatias, den Vater der Makkabäer, beruht nur aus Huldigung und ist Ehrenerweisung.

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