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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-12-04 · Heft 49 (4.12.1903) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 49 (4.12.1903)
Date
1903-12-04
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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Berlin, 4. Dezember 190H. «7 Jahrgang. So. 4». (AkMkllllUkÜÜtk. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums" korrelpanden?rn und Nachrichten. Deutschland. Ai Berlin, 29. November. Dem „Hilssv ere: n der deutschen Juden" ist ein ausführlicher Bericht über die Unterst:: tzungsaktion in Homel zugegangen, aus dem uns die folgenden Daten zur Verfügung gestellt worden sind: Das Resultat der Exzesse, deren Verlauf zu bekannt ist, als daß wir sie nochmals darzustellen brauchten, war für die Juden 8 Tote, 100 Verwundete, 400 Familien ruiniert und ein Materialschaden von 110000 Rubel. Die Unterstützungsaktion wurde, da der Gouverneur. anders wie in Kischinew, die Bildung eines speziellen Komitees nicht erlaubte, von dem lokalen Hilsskomitee für arme Juden übernommen, an dessen Spitze Dr. A. Salkind steht. Vizepräsident ist Herr M. I. Zeitlin. Kassierer Herr L. Charlapp. Dieses Koniitee, das aus 18 Personen besteht, denen sich für die besondere Aktion noch lveitere 18 jüdische Honoratioren der Stadt anschlossen, wurde in vier Kommissionen eingeteilt, je eine für Einnahmen, Ausgaben, Informationell und Juriskonsulat. Alle Bittschriften gehen dem Präsidenten zu, der sie der Informationsabteilung zuweist. Diese nimmt die Prüfling vor, und nachdem das Ergebllis derselben vorliegt, wird durch das Plenum die Suulme festgesetzt, welche dem betreffenden Bittsteller zu bewilligen ist. Man mutzte zuerst Nahrungsmittel verteilen, dann aber mit Rücksicht auf die unnlittelbar bevorstehenden Feiertage ben Aermsten kleine Geldunterstützungen zu teil werden lassen. Sobald dies dringendste Bedürfnis mit rund 2000 Rubel Ausgaben erledigt ivar, widillete sich die Komlilission der Ausgabe, durch Beschaffullg von Handwerkszeug und Waren den geschädigten Familien wieder zu einer Existenz zu verhelfen. Dafür wurden bisher 25000 Rubel gebraucht; dieser Betrag ist jedoch nicht ausreichelld. Eine weitere Verpflichtung erwuchs dem Komitee in der Fürsorge für die Familien der getöteten oder arbeitsunfähig gemachten Opfer der Exzesse. Dafür sind bisher 15000 Rubel ausgegeben worden; weitere 10000 werden allein hiersür noch nötig sein. Endlich mutz das Komitee für die Familien derjenigen Juderl sorgen, welche bei den Exzessen verhaftet wurden, weil sie angeblich das Recht der Selbstverteidigung überschritten, respektive sich gegen Polizei oder Militär zur Wehr gesetzt haben. Zur Zeit befindeir sich aus diesem Grunde noch 25 Juden in Haft, dagegen nur etwa 50 Christen, die wegen ihrer Mitschuld bei den Exzessen angeklagt worden sind. Das Hilfskomitee, das bisher im ganzen 57000 Rubel verausgabte, wird noch circa 100 000 Rubel brauchen. Eingegangen sind bis jetzt 90000 Rubel. Von diesem Beträte waren aus der Stadt Homel selbst circa 8000, aus Rutzlarid lveitere 37000, vorn Hilssvereiu der deutschen Juden (inklusive^ 3500 Rubel von der Grotzloge des Brre Brith-Ordens) 27000, von der Israelitischen Allianz in Wien circa 5000, voni Hilfskomitee der russischen Juden in Frankfurt a. M. circa 4500 Rubel, endlich von dem Auglo-Russian-Comitäs in London circa 9000. in Summa rund 90000 Rubel. Wie man sieht, ist die nötige Summe noch nicht erreicht; jedoch fehlt noch von den großen westeuropäischer: Organisationen die Alliance isra6Iite universelle; auch fließen aus Rußland noch innner Beiträge ein. Für den Notfall hat der „Hilfsverein der deutschen Juden" einer: rveiteren Beitrag in Aussicht gestellt, und auch die anderen Organisationer: werden nicht fehler:, falls weitere Beiträge nötig sein sollten. So darf mar: hoffen, daß wenigstens der dringendsten Not auch diesmal noch gesteuert werden kann. -8.- Berlin, 27. November. In: Verein für jüdische Geschichte und Literatur eröffnete gestern Herr Dr. S. Ochser den ersten Vortrag seines Chklus über Judenturu rnrd Assyriologie. In klarer und übersichtlicher Weise führte der Vortragende den Zuhörer:: die wichtigen Entdeckungen der Keilschriftenfunde vor, soroeit sie sich auf die biblische Geschichte von Abraham bis auf die Zerstörung des ersten Tempels beziehen und diese fast durchwegs bestättigeu. Der Vortrag war so anschaulich, daß jeder auch ohne wissenschaftliche Voraussetzungen leicht folgen und ein Bild von dem Einfluß der Assyriologie auf das biblische Altertum sich machen konnte. Das trotz des schlechten Wetters recht zahlreiche Auditorium-spendete dem Redner lebhaften Beifall. — Aus den auswärtigen Literaturvereinen: In Pankow sprach Direktor Max Karfunkel über das Thema: „Aus dem jüdischen Gemeiudeleben"; in Forst Dr. L. Pick-Berlin über Höckels Welträtsel in: Lichte des Judentums; in Königsberg Dr. Silberstein-Elbing über das Leben Spinozas; in Elbing Professor Ph ilippsor:-Berlin über das Judentum und die übrigen Kulturreligioucn; in Allenstein Redakteur M.A. Klausner-Berlin über Staatsrechtliche und gesetzgeberische Mißverstände — Erinnerungen und Erfahrungen; in Samter und Wo ngrolvitz Frl. Dr. Samte r- Berlirr über Jüdische Gestalten ir: Drama und Roman; in Grätz Dr. Pinn-Berlin über den Inder: in Rornarrfigur; in Lissa Dr. Stern-Saaz über den Einfluß der Frau auf die Errtwicklung des Judentums; in Fi lehne Dr. Richter über Moritz Lazarus; in Nakel Lehrer Peczkowski über Akiba ben Joseph, Dr. Ackermann- Brandenburg über das Judentum im Lichte des Vorurteils; in Fordorr Dr. Perlitz-Nakel über Antoninus und Rabbi; in Rogasen Dr. Pi n n über die Bedeutung des Judentums sür die Wissenschaften; in Schildberg Dr. Adolf Kohut-Halerrsee über die bedeutendsten jüdischen Humoristen der Jetztzeit, Lehrer Margoliu s-Krotoschin über den Einfluß der Bibel auf deutsche Dichter und Denker; in Magdeburg Dr. Mannheimer-Oldenburg über das Judentum und die Kultur der Menschheit; in Bern bürg Frl. Dr. Samter über Jüdische Gestalten in Drama und Roman; in Bremerhafen Dr. Ro s erra ck°Bremen über seine Reise nach Galizien; in Elberfeld cand. jur. Adolf Strauß über die deutschen Juder: in der Krimirralistik; in Gotha Dr. I. Moses-Berlin über die Dichtungen von Morris Rosenfeld; in Marrrrheim Bankier H au sn: eiste r- Stuttgart über die Lage des Judentums in Deutschland und den andern Ländern. In Kaiserslautern sprach Dr. A. Brüll-Frankfurt a. M. über die assyrisch-babylonischen Entdeckurrgen urrd die Bibel, irr Pirmasens 1'rber David Einhorn und seine Bedeutung für die Reform; irr Speyer Dr. David-Bochum über die babylonischassyrischen Ausgraburrgeu; in Würzburg Dr. L ö w e nst ein -Mosbach über Jüdische Sittenbücher. — In Olmütz sprach Dr. Protznitz- M.-Schönberg über das Judentum der Gegenwart. — ,Neue Literaturvereirre wurden begründet in Fordon und Rügernva lde. ^2 Berlin, 1. Dezember. Der Bericht über das Reichen - heiursche Waisenhaus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, (Weinbergsweg 11a) für die Zeit vom 1. April 1902 bis 31. März 1903 ist soeben erschienen. Er widmet an der Spitze einen warmen Nachruf der kürzlich verstorbenen Ehrendame, Frau Mathilde Berend geb. Reichenheim. — Erzogen wurden in: Berichtsjahre in der Anstalt 74 Zöglinge, und zwar 45 Knaben und 30 Mädchen. Die Gesamtausgaben beliefen sich auf 50840 Mark, die durch Zinser: eigener >^onds und einen Gemeindezuschuß von 29883 Mark aufgebracht wurden. Für je einen Zögling betrugen die Gesamtausgaben auf das Jahr 68V Mark, die Tagesverpflegung sür den Kopf 46 Pfennig. Die an der:Anstalt bestehenden Stiftungen si::d durch eine Bernhard urrd Sasomea Ginsberg-Stiftung vermehrt worden, deren Zinsen zur Arrssteuer früherer rveiblicher Zöglinge dienen sollen. Alle Zöglinge besuchen öffentliche Schulen, erhalten aber im Hause noch Unterricht in Gesang, Turnen und Kerbschnitzerr. Die ehemaligen Zöglinge haben einen Zusammenhang im „Reichenheim-Verein". Die Arrstalt steht unter der Verwaltung eirres Kuratoriums, dessen Vorsitzender Herr Sanitätsrat Dr. Julius Stern ist, und unter der zielbewutzter: vorzüglichen Leitung des Direktors Dr. Moritz Jutrosinski. 8. Berlin, 29. November. Am 7. d. M. hielt die Wi sser: schastliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin eine außerordentliche Generalversanrnrlung ab. Nach Aufnahme zweierneuer Mitglieder wurde über § 11 der Satzungen, der Statutenänderurrgen betrifft, beraten. Eir: von Herrn Professor Dr. Blaschke vorgeschlagener Zusatz gelangt zur Arrnahme. Dieser lautet: „Zu Statutenänderungen ist die Anwesenheit von wenigstens zwei Drittel sämtlicher Mitglieder und zwei Drittel Majorität nötig. Im Falle einer Beschlußunfähigkeit ist eine zweite Generalversammlung ohrre

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