Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1903)
- Date
- 1903-12-04
- Page
- Seite 588 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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588 Anschluß an die grundlegenden Leistungen Lessings. Gute Dienste wird das Register leisten, welches einen Ueberblick über den reichen Inhalt der Schrift, über die Mannigfaltigkeit der darin erörterten und berührten pädagogischen Fragen gibt, die als Vermächtnis des teuren Meisters besonders unsern Kreisen wärmstens zu empfehlen ist. — Der 39. Sitzungsbericht der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin enthält in zwei Lichtdrucken der Reichsdruckerei eine hebräische Inschrift aus dem 3. Jahrhundert, dre Euting in Palmyra unter den Ruinen einer alten Synagoge gefunden hat. Rach den Erklärungen voll Professor Dr. Landauer-Straßburg i. E. ständen nur noch zwei Pfeiler mit ein paar kaum leserlichen Worten und die ganze Oberschwelle, ans welcher in schöner Quadratschrift die Verse Deuteron. VI, 4—9 das Sclvma Israel eingegrabeu sind. Daß es im Anfang des dritten Jahrhunderts eine jüdische Kolonie zu Palmyra gegeben, geht mit Sicherheit aus einer von de Vogue (Syrie centrale p. 47) edierten Inschrift hervor. Im 12. Jahrhundert hat der bekannte jüdische Reisende Benjamin von Tudela (von dem Landauer bestinimt annuumt, daß er die Inschrift in Palmyra gesehen) eine jüdische Gemeinde dort gesunden und nennt ein paar angesehene Männer mit Namen. Die Inschrift besteht aus vier ungleichen Zeilen, wovon die oberste ganz monumentale Lettern zeigt. Professor Landauer bemerkt dazu: „Variationell im Text eines so uralten Gebets wie das Scli’ma wird kein Verständiger bei einer Ueberlieserung ans einer Zeit wie die der Mischlla etwa erwarten." Die Wahl dieser Verse zur Ausschmückung des Portals der Synagoge in Palmyra dünste bon dem Usus beeinflußt sein, nach welchem man diese Stelle und Deuteron. XI. Vers 13 und folgende auf Pergamentstreiferl für die Mesusah schrieb. Landauer bemerkt für die Gelehrten der Akademie: „Ich möchte freilich nicht verschweigen, daß nach talmudischer Bestimmung eine Syllagoge einer Mesusah llicht bedarf." Sprechfaul. Geehrter Herr Redakteur! 3n Nummer 39 dieses Blattes, die mir erst heute von dritter Seite zugänglich gemacht wird, hat Herr Dr. Ziegler das Buch Georg Liebe's: „DasJudentum in der deutschen Vergangenheit" sehr scharf angegriffen und es als Produkt antisemitischer Gesinnung hingestellt. Da! das Buch, nüe auch Herr Dr. Ziegler kurz erwähnt, in dem von mir herausgegebenen „Monographien zur deutschen Kulturgeschichte" erschienen ist und ich so indirekt als Förderer antisemitischer Bestrebungen erscheinen könnte, glaube ich feststelleu zu sollen, daß ich von jeher ein scharfer Gegner des Antisemitismus gewesen bin und es heute noch bin. Es werden wohl auch dem einen oder andern Leser dieses Blattes, der mich ans meinen Schriften und Aussätzen kennt, Zweifel aufgestiegeu sein, ob ich der Aufnahme eines Werkes in die Monographien zugestimmt haben würde, das ausgesprochen antisemitische Tendenz hat. In der Tat würde ich dem nicht zugestimmt haben, und in der Tat hat auch das Buch Liebe's keine solche Tendenz oder Färbung. Dem Buch ist von anderer Seite die größte Objektivität nachgerühmt worden, und diese ist auch sichtlich das Ziel, nach dem Liebe strebt. Ich kann z. B. versichern, daß er mit dem Verleger manchen Strauß gehabt hat, weil er sich gegen die Einfügung etwa verletzender älterer Bilder sträubte, die dann auch fortgeblieben sind. Er hat ausdrücklich betont, daß er nicht lvillens sei, ein „antisemitisches Pamphlet" abzusassen. Und selbst Herr Dr. Ziegler ist Zeuge, wenn er von „seinem (Liebe's) allerdings recht geringen und matten Wohlwollen für die Juden" spricht, also doch immerhin von „Wohllvollen": Ich habe Liebe zur Uebernahme des Themas allgeregt, weil er in wissenschaftlichen historischen Zeilsehrlsten wiederholt archivalische, gällzlich tendeilzfreie Beiträge zur mittelalterlichen Geschichte der Juden i»l Deutschland, nalne ntlich in wirtschaftlicher Beziehung gegeben hatte. Und dieses ist auch das Charakteristikum seiner Mollographie: es ist eine vor allem auf den bisher veröffentlichten archivalischell Quellen, öffelltlichen uub privaten Urkunden, Ordnungen, Akten unb Briefen aufgebante Arbeit, die, vielleicht etlvas zu einseitig das wirtschaftliche Moment besonders betont. Natürlich mußte er auch die Literatur der Zeit, die den Juden allerdings fast dllrchweg ungünstig gesinnt ist, die Ehrolliken, Predigten, Dichtungen, die Volksliteratur und die Streitschriften heranziehen, schon um die Stimmung sehr weiter (llicht einiger) Volkskreise zu sichern. Es ist eine außerordentlich fleißige, alle Quellennotizerl berücksichtigende Arbeit, in der allerdings auf die Benutzung jüdischer Quellen schon wegen ihrer Sprache verzichtet wordeil ist, übrigens auch wegen der besonderen Beschränkung des Themas. Und dem gegenüber glaubt Herr Dr. Ziegler behaupten zu dürfen, Liebe habe „sich ausschließlich auf die judeufeindlichen Pcunphlete des Mittelalters gestützt". Im übrigen freut es mich, daß Herr Dr. Ziegler selbst die Wichtigkeit der wissenschaftlichen Momente zugibt, und besonders wertvoll ist seine Meinung, daß die Geschichte der Jllden, wie sie (von Juden) leider betrieben ist. „tatsächlich nur Literatur- und Mordgeschichte war". Auch daß mau nicht den Christen allein Schuld geben dürfe, wird zilgestanden, damit doch aber auch die Notwendigkeit, manches für die Juden unerfreuliches fageli zu müssen. Herr Dr. Ziegler muß der neueren geschichtlichen Literaturrecht fern stehen, wenn er in der Darstellung Liebe's Sachlichkeit („tragische" Lagen gibt er wieder zu> vermißt. Ueber den wirtschaftlichen Druck seitens der Juden im Mittelalter und seine Folgen, nalnentlich im 13. unb 16. Jahrhundert, bitte ich ihn doch einmal die Schriften Lamprechts, v. Bezolds (Geschichte der deutschen Reformation), Gotheins nachzulesen, von dem stark auftragenden ultramontanen Historiker Jalissell zu schweigen. Im übrigen will ich nicht für jede Einzelheit der Liebe'schen Darstellung eintreten: ich halte hie und da eine andere Auffassung für richtiger usw., aber das finb Punkte, die objektiv zu erörtern wären, und in die ich dem Verfasser nicht hineinzureden habe. Jedenfalls bin ich so naiv zu glauben, daß es Inden geilng geben wird, die so sachlich sind, ben Wert des Liebe'schen Buches anzilerkellnen, und ebenso uaiv zu behaupten, daß das Buch gerade auch für die Lektüre der Inden bestinimt und geeigllet ist. Cassel, 20. November. Der Herausgeber der „Monographien zur deutschen Kulturgeschichte". Dr. Georg Steinhaufen, Vorsteher der Stadtbibliothek zu Cassel. (Leider sind wir nicht der Meinung Steinhaufens, dessen objektive Geschichtsforschung lvir bereitwillig anerkenuell, und wir werdell in einer der nächsten Nillnulern unsere abweichellde Meinung über das Buch Liebe's durch einen Historiker von Fach noch eillmat begründen lasset!. Die Red.) * Sehr geehrter Herr Redakteur! ben habe den Leitartikel in Nr. 47 Ihres geschätzten Blattes gelesen. eilt Wort zur rechten Zeit! Die Vereinsmeierei droht mit der Zeit unsere ganzen Wohltätigkeitsvereine zu untergraben, wissen doch unsere Besten bald nicht mehr, wohin und wem sie ihre Gaben zuwenden sollen, welcher Verein am geeignetsten ist, das auszuführen, was mit den Gaben beabsichtigt wird. Sehr viele jüdische Gemeinden beteiligen sich mit Beiträgen bei allen heimischen und auswärtigen Vereinen, zersplittern dadurch ihre Mittel, ohne wesentliches für die Sache leisten zn könllen. Wenn für die verschiedenen Zweige der Wohltätigkeit nur je ein Zentralverein existieren würde, dem alle dafür bestimmten Gelder zufließen würden, was könnte ein solcher Verein nicht alles dann leisten! In erster Reihe müßten die Großgemeinden mit gutem Beispiel vorangehen und alle Vereine, welche dieselbe Tendenz befolgen, sich zu einem Zentralverein zusammeuschließen, dann werden die kleinen Gemeinden sich daran ein Muster nehmen. Wie es jetzt in vielen Orten gehandhabt wird, ist nichts Ersprießliches zu erzielen; versagt doch oft die Wohltätigkeit, wo es sich um unser heiligstes Gut. den Religionsunterricht handelt und alles das, weil an allen Ecken und Enden Vereine auftauchen, zu denen beigesteuert wird. Und so wie es mit den Wohltätigkeitsvereinen steht, so gilt dies auch für alle andern Zwecken dienenden Vereine! Jedes Wort in dem Artikel „die Vereinsmeierei" kann unterschrieben werdell. „Es wird zu hastig und zu viel gegründet." Hiergegen muß jeder Front machen, der es gut mit der Entwicklung unserer humanen Zwecken dienenden Vereine meint. Schneid e m ü h l, 20. Novenlber 1903. Herz Berliner. Druck und Verlag von Rudolf HXoffe in Berlin, verantwortlich für die Redaktion: Max Lauchwitz in Berlin.