Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1903)
- Date
- 1903-12-04
- Page
- Seite 586 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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5Ä6 faum erwähnt: Nur zweimal lobt er Herders Behandlung Spinozas und spricht gelegentlich davon, daß ein Gegner Fichtes dessen Philosophie einen versteckten Spinozismus nenne?) Auch mit einen: Freunde des Mendelssohnschen Hauses, David Friedlällder, einem eifrigen Sammler von Altertümern, der auch mit Goethe in Tauschverbiudung stand, kam Schiller in Beziehung; indessen handelt es sich hierbei nicht um literarische oder persönliche, sondern um geschäftliche Verbindung. Friedländer war nämlich Geschäftsfreund des oben ausführlich behandelten Michaelis; in einer der wenigen Stellen, die ihm gewidmet sind, wird er als „ein reicher und angesehener Jude in Berlin" bezeichnet?) Einer der Söhne Mendelssohns, Josef, kam einmal zu Schiller, um ihm Grüße und Melodien von Zelter zu bringen, vermutlich in Begleitung seines Schwagers Simon Veit?) Die Gattin des letzteren, Mendelssohns Tochter Dorothea, kam Schiller nicht nahe, obgleich sie mit ihrem zweiten Gatten, Friedrich Schlegel, längere Zeit in Jena lebte; als Tochter Mendelssohns hätte sie vielleicht bei ihm Zutritt gefunden, als Gattin Friedrich Schlegels war sie vor: vornherein dem Schillerschen Hause entfremdet. Ihren Roman Florenrin erwähnt Schiller nur an zwei kurzen Stellen, in deren einer er sagt, daß der Romall, wenn er auch eine Fratze sei, ihm bessere Vorstellung von der Verfasserin gegeben habe.4) Auch zu einer Beziehung mit einem jüdischen Künstler, dem damals sehr bekannten Medailleur Abramson in Berlin, kam es. Dieser wandte sich in einen: bisher nicht bekannten Briefe an den Dichter, bat ihn un: eine Zeichnung, um nach dieser eine Medaille zu machen; Goethe, des Künstlers wegen (7. Febr. 1796)' befragt, gab eine befriedigellde Allskunft. Schon bevor diese eingetroffen war, hatte Schiller (12. Febr.) den Bittsteller, wie es scheint (13. Febr.), günstig beschieden; dieser antwortete all: 7. März und wandte sich noch einnml nach Jena au: 6. Januar 1797; aber seine, wie die an ihn gerichteten Briefe sind verlorell.? 1) Briefe Schillers I. 339, 376; IV. 47, 49. Eine Notiz in dem Register zu der Jonasschen Briefausgabe weist II. 52 auf Jakob Frank in Offenbach, den Stifter der Sekte der Frcmkisten hin; an der angeführten Stelle wird aber nur ein (Mannheimer) Jesuitenpater Frank genannt, der mit dem jüdischen Sektirer nichts zu tun hat. — Neber das Verhältnis Schillers zu Spinoza wird, soweit ich sehen kann. ausführlich nur bei Ueberweg, „Schiller als Historiker, :n:d Philosoph." Herausgegebel: von M. Brasch, Leipzig 1884, S. 34ff. gehandelt. 11. stellt mit guten Gründen die von Boas und Gervinus behauptete Vertrautheit Schillers mit Spinoza in Abrede und weist nach, daß das Epigramnl Spinoza in der Anthologie, bei dem übrigens Schillers Autorschaft nicht feststeht, recht wohl aus einen: im Schwäbischen Magazin über Spinoza veröffentlichten Aufsätze gezogen werden könnte, die Annahme eines selbständigen Studiums des Philosophen nicht nötig lnache. 2) Briefe IV. 267, 270, 390. 3) Briefe V. 235 fg. 7. August 1797. Im Register wird dieser Veit nicht erwähnt, dagegen der gleich unten zu besprechende David Veit. Doch ist es sehr zweifelhaft, daß dieser, der 1794 fg. in Jena studiert hatte, in: August 1797 wiederum dorthin gekommen ist; er wäre wohl durch Schiller, der ihn von früher kannte, auch anders bezeichnet worden. h März 1801, Briese VI. 256, 264. Doch muß dieser Roman im Schillerschen Hause eifriger gelesen worden sein, als aus diesen kurzen Stellen hervorgeht. Vgl. dafür das Urteil von Schillers Gattin, angeführt in meinem Buche Dichter und Frauen, Berlin 1896, S. 140 fg. ') Briese IV, 415 (dazu G.'s Antwort); die übrigen Notizen aus Schillers Kalender ed. Müller S. 202. (Fortsetzung folgt.) Kinder unserer Leit. Roman von Jacob Levy. Kapitel 6. <Fortsctzimg.) 3 Es ist Herbst geworden. » den Mer Jahreszeiten herrscht jetzt ein regeres Leben als im Juli. Mit den aus der Sommerfrische heimkehrenden Scharen kamen kürzere, kühlere Tage. Frankfurt begann, sich für die Geselligkeit des Winters zu rüsten, Theater, Konzerte, Vorlesungen traten in die Erscheinung. In den Geschäften fing auch die Saison "an, und die Menge drängte sich in den Vier Jahreszeiteir, die Kassen mit Gold füllend. In der Expedition im Souterrain strömten alle die Waren zusammen, die in die Stadt zu versenden waren. Auf Tischen, in eirdlosen Reihen an den Wänden lagen die Pakete und wurden durch zwölf Wagen zu den Käufern geschafft. In fieberhafter Eile arbeiteten die Packer, von kurzen Kommandos der wortkargen Aufseher geleitet. Beim Verlesen der Pakete aber hörte man am lautesten die Stimme Philipp Kuhls, der mit großem Eifer seines Aintes waltete. Herr Berger, der wie ein tüchtiger Feldherr das Schlachtfeld überall inspizierte, trat in die Expedition. „Wie geht's," fragte er den ersten Expedienten, „keine Reklamationen?" „Nein Herr," schmunzelte der graue Beamte, „seitdem >vir den kleinen Kühl hier haben, kommen keine Fehler mehr vor. Er ist zuverlässiger als ein Alter." Er nickte befriedigt, sah dem kleinen Philipp eine Weile zu und ging iveiter. Herr Berger war ein Organisator ersten Ranges. Alles sah er, alles wußte er. Hier ordnete er im Vorbeigehen anderes Arrangement einer Warenauslage an, wodurch das ganze ein viel einladenderes Aussehen gewann, dort notierte er sich ben Namen einer Verkäuferin, die es an der nötigen Artigkeit gegen eine Kundin vom Lande fehlen ließ. Hier eilte er in eine Abteilung. Ivo der Andrang gerade besonders stark war und verschmähte nicht, selbst Pakete zu packen. Sein Sohn, der eben daherschlenderte, und den er mit freundlichem Lächeln begrüßte, war gerade nicht so sehr geschäftseifrig, denn dieser beschränkte seine Tätigkeit daraus, einige hübsche Verkäuferinnen zu necken, die den frischen Primaner alle gut leiden konnten. Heinrich geriet auch bei seinem Bummeln in die Expedition, wo er das rege Treiben mit Interesse betrachtete; dabei setzte er sich aus das eben geöffnete Geländer eines Abschlusses und schlenkerte vergnügt mit den Beinen. Plötzlich stieß der kleine Philipp, der in der Nähe beschäftigt war, einen Schrei aus, stürzte herbei und riß den Jüngling mit einer solchen Vehemenz fort, daß dieser, sich überstürzend, weit in den Saal flog. Im selben Augenblick aber sauste im Warenaufzug ein vollbeladener Wagen herunter, der Heinrich unfehlbar zerschmettert hätte, wenn er an feiner früheren Stelle geblieben wäre. Durch einen unglücklichen Zufall war das Geländer geöffnet, und nur die Geistesgegenwart Philipps hatte ein furchtbares Unglück verhütet. Heinrich stand auf. Er war