Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-04-26 · Heft 50 (26.4.1838) · p. Seite 199

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 50 (26.4.1838)
Date
1838-04-26
Page
Seite 199 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3224856-3224907--00978-3296966
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

199 von sammtlichen Trauernden zugleich hergesagt, nachdem der Chasan, die Mischna Kol Israel vorgelesen hat, der Zwischensatz für die Lsraet. Gelehrten ist umgewandelt in ein kurzes Gebet für alle Verstorbene. - Der Prediger, weicher predigt — sie wechseln darin mit einander um — zeigt sich nicht früher, als oben auf der Kanzel, und nimmt an dem sonstigen Gottesdienste nicht Theil. Blos Neujahr, J. K. und jedes Musaf in dem geduchent wird, machen hierin Ausnahmen. Sonst findet man im Tempel denKIdüsoh, die Neumondsveckündigung, dasHalel, das Ahinu malkenu, benDuchan, dieChanukalichter, den Schofar*), den Lulab (doch weder Hoschangna- Gebete, noch die H. Eadhä-Feier). Das Bücken beim51o- Jim u. s. w. ganz nach dem Herkommen. Bei Megija, Hai ei und E h an uka-Lichter werden seit einigen Jahren die Formeln „Der du uns durch deine Gebote geheiligt" weggelassen z auch vermißt man die freundliche Sitte der Blumen-Verzierung am Wochenfeste. . Am J.K. wird Abends die Eröffnungsformet Kol-Nidre weggetassen; sonst fehlt in allen fünf Gebetsordnungen dieses Tages ^weder das zehnmalige Wiederholen der Bekenntnisse, noch das dreimaligeöarüch Schein und siebenmalige Ad. hu Elohiuu Die Haupt - Opferbeschreibung wird bedeutmd abgekürzt. Die mit Recht berühmte Todtenfeier wird zwischen Musaf und Mincha abgehatten, und es findet außerdem nie eine Ha sh. neschamot im Tempel Statt. Verstorbene Mitglieder werden am nächsten Sabbat von der Kanzel namentlich erwähnt, und wenn es Gemeindevorsteheru.s.w. sind, wird die Haschkaba verlesen. Auch für Wöchnerinnen werden von der Kanzel freie Gebete mit Namenserwähnung gelesen. Mit Ausnahme des 9. Ab Morgens (ohne Echa; die Tora schwarz bekleidet) und Purim Abends (mit Vorlesung der AI eg. Esther, Morgens mit Predigt) findet Alltags kein Gottesdienst Statt, selbst nicht an Fest - Miteltagen und Chanuka. Der Tempel setzt stillschweigend voraus, daß die Mitglieder dann zu Hause beten, oder sich' mit andern Bethäusern befriedigen, da er nicht riskiren will, einen Alltags- Gottesdienst mit Mischlingen besetzen zu müssen. Wer im Laufe der Woche Jahrzeit hat, sagt gewöhnlich am folgenden Sabbat den Kadis ch **). , *) Im Neujahrsmusaf ist nach jedem Blasen ein zugleich erklärender deutscher Choral-VerS eingeschoben. •°) Die Verwaltung des Tempelvereines ist 4 erwählten Directoren übergeben, zu henen in rein religiösen Gegenständen die zwei Ptediger treten. Jährlich geht ein Director ab und wird durch neue Wahl ersetzt. Fünf Deputirte, die ebenfalls jährlich theilweise erneuert werden, controliren das Finanzielle. Zu diesen Wahlen, so wie zur Quittirung der Jahres-Bilanz und sonsngen wichtigem Angelegenheiten, z. B. Wahl der Beamten con- Vermählungs-Eeremonien werden von den Predigern verrichtet, welche nach gehaltener Rede die erste Leracha lesen (diesmal ohne das ascherkideschanu wegzulassen!); die übrigen sechs liest der Ehasan. Der Trauhimmel ist groß, schwerfällig und sehr pompös, die Ke tu ha wird nicht laut verlesen, sondern die anwesenden Beglaubigten der Gesammtgemeinde bestätigen blos mündlich ihre Unterschrift. Ein Glas wird nicht zerbrochen. Zwang für die Mitglieder des Tempels findet nicht Statt, und sie copuliren sich auch häufig ohne dessen Zuthun, zumal da die Traureden im Allgemeinen zu lang gefunden worden. Bei Beschneidungen sollen die Prediger Standreden halten, doch ist dies fast außer Gebrauch gekommen, weil die Wöchnerinnen oft die Rührung nicht ertragen konnten. Inzwischen ertheilen die Prediger, wenn ihre Assistenz erbeten wird, statt des JVIohels den Namen, indem sie das Gebet El ohe'nu etc. deutsch ablesen. Alle Vornamen sind willkommen. Confirmationen fanden früher jährlich an einem beliebig gewählten Sonntag, nachdem am Nachmittag vorher das Examen gehalten war, unter großem Zulauf Statt, sind jedoch etwas seltener geworden, weit sie hier durchaus keine gesetzlichen Folgen haben. Uebrigens ist es unwahr, daß man den Kindern Eid oder Handschlag bei dem Gtaubensbekenntniß ahgenommen habe. Einen schönen eigenthümlichen Gebrauch finden wir darin, daß den consirmirten Knaben am ersten Sabbat aus einer besondern Gefetzrolle das sog. Kapitel von der Gottesfurcht („Und nun Israel was verlangt der Ewige Dein Gott von Dirrc.") vorgelesen wird. (Schluß folgt.) Correspondenzen, Auszüge, Repliken. Pesth, 22. März. Aufruf zue Unterstützung der durch die Wassernoth am 13., 14. und 15. Marz Verunglückten zu Pesth. Nachdem man den äußerst strengen Winter hindurch, wegen des ungewöhnlich hohen Wafferstandes der Donau, wegen des festen Eiöstoffeö, und wegen des ungemein häufigen Schnees, auf ein Gefahr bringendes Herausstürzen des Stromes aus seinem Bette ängstlich gespannt war, und daher, um dem Unglück vor.zübeugen, hohe Damme an den hoch gebauten Ufern aufwarf; trat das furchtbare Element in der Nacht am 13. März über die Dämme, und überstieg so unsere schrecklichsten Erwartungen, daß das Wasser immer steigend am folgenden Tag die ganze currirt nach alt israelitischem Vorbilde ein Eomite von 15 jedesmal durchs Loos aus der Gesammtheit der Mitglieder gezogenen Männer (Kascherim). Die Einnahmen bestehen zum größten Theil in den Stellen-Miethgeldern. Anm. d. Cotresp.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.