Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 50 (26.4.1838)
- Date
- 1838-04-26
- Page
- Seite 198 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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198 Theologie. Hamburg er religiöse Zustande. (Fortsetzung.) Unser Panorama zeigt uns nunmehr das linke Centrum, den noch immer sich also nennenden neuen Tempel, welcher, wenn wir die Miether der in dem, nicht großen Lokal vorhandenen Stellen (150 für Herren und IVO für Damen) zu den sonstigen gewöhnlichen Besuchern zählen, ein Publikum von 12 bis 1500 Seelen darstellt. Dem jetzt 2V Jahre hier und 17 in Leipzig bestehenden Ritus dieses Instituts kann ein Platz in der Religionsgeschichte Israels schon nicht mehr versagt werden, wenn gleich seine Abweichungen vom allgemeinen Ritus lange nicht so bedeutend sind, um eine durchgreifende Reform zu bezeichnen, und um so heftigere Angriffe wie so eifrigere Derthcidigung werth zu sei». Wir können nicht umhin, die summarische Schilderung desselben etwas aüszudehnen, da man ihn im Auslande so wenig kennt, und wer nicht um Orgel, um deutsche Gebetsübersetzungen, um deutsche Pijutim (Gesänge) statt hebräischer, um Predigten, um Vermischung des deutschen mit dem portugiesischen Min Hag, um leises Beten der Gemeinde und um geringe Modisicationen schon zanken will, dem wird bei näherer Betrachtung wenig Stoff dazu bleiben. Das Fachwerk,oder die ülatbe'ades liturgischen Systems ist einmal im wesentlichen unberührt gelassen. Hierauf sind abgeschafft: am Freitag Abend die Einleitungs-Psalmen (natürlich mit Ausnahme des M. S. 1 j-Jom ha-S.), das Lied Iecha dodi und das baIII8 madlildn. Am Sabbat die sogenannten Morgen-Berachot, die Opfer-Mischna und die Opfek-Parascha. Ferner die Simra-Psalmen bis auf Einen; wajbarechDawi'd und der Meergesang (welcheStücke indeß am Versöhnungstage wieder vollständig hebräisch gelesen! werden), sodann die Haftara, La LelöKeau und ngAIeoü. Die sämmtlichen Kadeschim (an deren herkömmlicher Zahl in den gewöhnlichen Gebeten keiner fehlt) nebst resp. Larecbu, so wie auch das ganze 8oliema werde» in der Ursprache gelesen, in deutschen Uebersetzungen dann die übrigen Stücke, und zwar des Freitag Abends bis vajecdalü, des Sabbatmorgens bis jiscdtabaeü und jedesmal die Verse ewet-mi-kainöclia und rar Israel. Alle übrige Stücke wiederum hebräisch, theils in Response«. Vers um Vers, theils vom Vorsänger allein vorgetrggen, da denn die Gemeinde leise mitliest und die Schlußworte laut mitspricht, so daß wie man sieht, reichlich zwei Drittheile der ganzen Gebetsordnung hebräisch geblieben sind. Namentlich sind die ngAiuidot unverändert, werden jedoch durchgchens nur Einmal, ohne Wiederholung, gelesen. Stille Andachten, und diese immer in dcutschenUebcrsetzungen sind die jedesmaligen Abend-ng Aiiiidot(8cd«. inan« ogEsre), das Elohai nezor und in den 5 Jom Kipur ngAmidot jedesmal die letzte Hälfte, welche die Sündenbekenntnisse enthält. Gestrichen.sind nicht, wie wol geglaubt wird, die Stellen, die von der Auserwählung Israels und von dessen Wiederherstellung reden, vielmehr ist das Ata beobartanü, das rv«teoli8seaa ngEiienu, dar rverüniemanu mileöl I a8cli on etc. unverändert bei behalten; blos solche Stellen sollten ausgelassen werden, in denen der Betende sich persönlich nach Palästina wünscht (vvetöliodevuEämemijüt) oder wo allzuviel Nationaleitelkeithindurchscheint(rvelo hinchalto); aber auch dies Princip ist nicht streng durchgeführt. Andererseits fehlt nicht einmal der Neujahrs-Gerichtstag (we-ngal hamedinot; hajoui harat). An Original - Gebeten hat - das Gebetbuch blos einige deutsche Einleitungsworte'vor rveseliüaierü, das Gebet für den Staat, zwei deutsche Gebete in jeder ngAmida am J. K., ein solches für das R. H.-Musaf und die Todtei.ftier. Die kühnste Aenderung besteht jedoch nebst dem Weglassen der Haftara in dem Rundlesen der Torä in drei statt in einem Jahre, wobei man sabbatlich — an Festtagen wird die allgemeine Ordnung beobachtet — die bekannten 154. masoretischen Abteilungen befolgt. Demgemäß wird im Tempel das Tora-Freudenfest nicht jährlich, sondern nur alle drei Jahre gefeiert, und in den zwischenliegenden zwei Jahren blos als zweites Schlußfest, mithin auch die Vorlesung jenes Festes wiederholt. Die Tora wird ohne Modulation gelesen, was sich, beiläufig gesagt, gar nicht schön ausnimmt; und kaum durch die höchst achtungswürdige Einrichtung wieder' gehoben wird, daß es die Prediger selbst sind, welche vorlesen. Aufgerufen wird Niemand beim Name»; sondern blos nachdem die Direktion die bezüglichen Karten hat vertheilen lassen, mit den Worten Jangawöd Lewi, Sclieliscln u.f. W. Ein deutscher Aliscde-Leracli wird am Ende für alle 7 Personen vom Ehasan abgelesen. Die Spenden werden jährlich durch freiwilliges Abonnement bezahlt, und außerdem entrichtet jedes Mitglied dreimal jährlich die M atn at-jad: ®a6e an die Tempel-Kasse, die auch die übrigen Collecten am Purim, bei Const'rmationen rc. zu sich nimmt, ohne wie sonst üblich, eine Portion an die Armen-Kasse abzugeben. Trauer-Kadisch wird am Schluss« jedes Gottesdienstes