Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 50 (26.4.1838)
- Date
- 1838-04-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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n Mrs»»-. Allgemeine R-. so. Zeitung des Zudcnthums. SI» unpartheüsches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Konigl. Sächsischer allergnädigster Concession.) Leipzig, den 26. April 1838. Zeitungsnachrichten. Hamburg, 3. April (Privatmitth.). In Seesen ist der bisherige Director des Jacobson'schon Instituts, Hofrath B. Schott (früher Schottländer), unter Belastung seines vollen Gehaltes, in den Ruhestand versetzt worden. An seine Stelle ist der rühmlichst bekannte Lehrer an der israelitischen Freischule allhier, Di-. Immanuel Wohlwill, früher selbst in dem' seesen'schen Institute erzogen, berufen. Es ist zu erwarten, daß diese Wahl höchst segensreich für das Institut sich erweisen wird, denn Herr vr. Wohlwill verbindet mit gründlicher Wissenschaft eine sehr glückliche Lehrgabe, die ihn bei seinen sammtlichen früheren Schülern immer sehr beliebt gemacht hat. Derselbe hat in früherer Zeit dem sel. Präsidenten Jacobson sehr nahe gestanden, und ist daher mehr als irgend Jemand befähigt, in die Absichten dieses hochherzigen Mannes einzugehen. Dem Vernehmen nach steht dem Institut eine völlig veränderte Organisation bevor. Brüssel, 1. April (Privatmitth.). Der Herr Oberrabbine I)r. Loeb hat hier Behufs der Fondirung der jüd.-theolog. Facultat ein Eirculär in Umlauf gesetzt. Bon dem Erfolge lsollen Sie zur Zeit in Kenutniß gesetzt werden.— 2([$ das in dieser Zeitung besprochene neueste Factum der Intoleranz einer gewissen Parthei in Frankreich, nemlich der Rücktritt von 10 Municipalräthen zu St. Esprit wegen Ernennung eines Israeliten zum Maire, in Belgien bekannt wurde, haben sich sämmrliche Blätter sehr indignirt darüber geäußert. Ich führe nur den 0b servateur an, welcher folgende Bemerkung machte: „Es ist ersichtlich, daß im mittägigen Frankreich weniger Duldsamkeit Statt findet, als in Belgien. Während bei unfern Nachbarn Municipalrathe, also die bedeutendsten'Männer einer Stadt, durch ihren Rücktritt gegen die Ernennung eines Israeliten zum Maire prottstiren, haben wir bei uns, in einer Landgemeinde von Brabant, die Bauern freiwillig und trotz der Opposition ihres Pfarrers, einen ehrenwerthen Israeliten zu den Functionen eines Bürgermeisters berufen sehen.^ München, 8. April (Privatmitth.). Ein allerhöchstes Rescript vom kön. Staatsministerium des Innern ertheilte nun der Synagogenordnung, die für den frühem Rezatkreis, jetzt Mittelfranken, von der zu Ansbach stattgehabten Kreissynode vorgeschlagen wurde *), die allerhöchste Genehmigung, •) Ein anderer Correspondent, Mitglied dieser Synode, berichtete, schon früher über die Entstehung dieser Synagogen-Ord- | so daß die Gemeinden dieselbe provisorisch einführen können. Diese entsprach schon in ihrem Entwürfe nicht den Anforderungen sämmtlicher Partheien, so daß mehre Rabbinen die von ihnen, in ihren Districten eingeführte Synagogenordnung beizubehalten erklärten, bis von einer zu errichtenden Oberkirchenbehörde eine allgemeine eingeführt werden wird. Jndeß wurde allerhöchsten Orts hinsichtlich des so vielen Anstoß gebenden Gebetes Kol-Nidre, das Die Rabbinen Dr. Levy in Fürth und Selz im Distrikte Uhlfeld schon längere Zeit nicht mehr verrichten ließen, decretirt, daß die Weglassung desselben nur in jenen Gemeinden stattft'nden dürft, die einstimmig sich dazu verstehen, widrigenfalls dasselbe beizubehalten sei. — Mittwoch den 28. März h. I. beging der Administrator der hiesigen Gemeinde, kön. dän. Eommerzien-Rath und baiersche Hosiuwelier, Herr Eduard Marx, sein 70jähriges Jubeljahr. 70 christliche Stadtarme wurden auf seine Kosten gespeist, und sämmttiche jüdische reichlich beschenkt.— Der Verwaltungs-Ausschuß der hiesigen Gemeinde nahm von diesem Tage Veranlassung, dem um die jüdischen Angelegenheiten hochverdienten Mann einen Beweis ihres Dankes und ihrer Hochachtung darzubringen. Sie überreichte demselben einen aus eigenen Mitteln verfertigen Pokal, begleitet von einem Schreiben, in welchem der herzlichste Dank für seine fast dreißigjährige Mühewaltung ausgesprochen war. Der Rabbine, die Administration, der Ausschuß und ein großer Theil der Gemeinoegtieder waren Abends zum Jubelfeste geladen. Bei einem einige Tage spater veranstalteten Oiimöibeehrten den Jubelgreis mit ihrer hohen Gegenwart So. Erc. der Präsident Graf Seins heim, der k. Polizei- Dixector von Menz, die zwei Bürgermeister der Residenzstadt und der k. Ministeriat-Rach Folz und Andere. — Möge sein thätiges Wirken noch viele Jahre unserer Gemeinde erhalten werden! mmg: „Die Schwierigkeit, die sich der freien Berathung in einer aus so heterogenen Elementen bestehenden Versammlung cnrgegenstettte, läßt sich leicht denken, da bei jedem einzelnen Punkte die entgegengesetzten Ansichten laut wurden. Endlich ergriff der RegierungS-Rath Förster das geeignetste Mittel; er übertrug das Referat dem gemäßigten und vorurtheilsfreien Distrikts-Rabb. Neckarsulm er auS Schnaittach, welcher dem in ihn gesetzten Vertrauen so entsprochen, daß seine in der Motivirung aufgestellte Grundsätze ganz und die von ihm entworfene Snnagogen-Ordnung nur mit einigen unbedeutenden Abänderungen einstimmig vom Ausschuß und der Plenarversammlung angenommen worden sind." D. Redact.