Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1903)
- Date
- 1903-11-27
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Glückwünsche erfreut. Mittags V2I2 Uhr erschienen Deputationen des Magistrats und des Stadtverordnetenkollegiums mit Herrn Oberbürgermeister Herrmann und Herrn Justizrat Wolfs an der Spitze, welch letzterer Stadtverordnetenvorsteher und Vorsitzender des Repräsentantenkoüegiums ist und bekanntlich jetzt auch zum Landtagsabgeordneten wiedergewählt ist. Herr Oberbürgermeister Herrmann gratulierte mit einer Ansprache, in der er der großen Verdienste des Herrn Jakubowski um die Stadt und die Provinz gedachte, und teilte ihm seine Ernennung zum Stadtältesten mit unter Ueberreichung einer prächtigen, künstlerisch ausgefnhrten Urkunde. Tiefbewegt dankte der Gefeierte und versprach, solange es ihm seine Kräfte gestatteten, im Dienste der Stadt wirken zu wollen. Herr Gemeindevorsteher Glogauer überbrachte die Glückwünsche der jüdischen Gemeinde und Herr Rechtsanwalt Nürnberg, stellvertretender Vorsitzender im Repräsentantenkollegiuln, beglückwünschte das greise Geburtstagskind im Namen der Repräsentanten. Ferner erschienen zur Beglückwünschung Herr Rabbiner Dr. Bäck und eine große Anzahl von Freunden und Bekannten. Möge es Herrn Stadtältesten Jakubowski, der sich auch um die Gemeinde, namentlich was ihre finanzielle Verwaltung betrifft, große Verdienste erworben hat, vergönnt sein, in gleicher Frische und Gesundheit noch einen recht langen Lebensabend zu genießen. — Der bisherige erste Gemeindevorsteher. Herr Kürschnermeister Heimann Glogauer, verließ am 17. d. M. Lissa und verlegte seinen Wohnsitz nach Breslau. Sein Scheiden von Lissa wird allseitig bedauert, da er sich um die Gemeinde viele Verdienste erworben hat. Er hat seit 28 Jahren in eifrigster und hingebrachter Weise Gemeindeämter verwaltet, besonders zunächst im Repräsentantenkollegium und späterhin im Gemeindevorstaude, welchem letzteren er seit dem Jahre 1890 angehörte, während er das Amt eines ersten Gemeindevorstehers seit drei Jahren bekleidete. Auch im Kuratorium der Wollheim'schen Stiftung (Wollheimffches Kranken- und Siechenhaus), in welchen! Institute er seit vielen Jahren den Vorsitz führte und zu dessen Aufblühen er sehr viel beigetragen hat, wird sein Scheiden lebhaft bedauert. -7- (ivonc d. B., 18. November. Die „Posener Zeitung" schrieb kürzlich von hier: „Das Gotteshaus der hiesigen jüdischen Gemeinde befindet sich in einem schlechten Zustande und ist eine Reparatur bezw. Renovation notwendig geworden. Diese ist jetzt beschlossen worden. Durch den Wegzug vieler kapitalkräftiger Mitglieder in den letzten Jahren ist die Gemeinde nicht in der Lage, diese erheblichen Reparaturkosten aus eigenen Mitteln zu bestreiten. Es hat sich deshalb ein Komitee von einigen in Crone gebürtigen Herren in Berlin gebildet, das sich an die in Crone Geborenen und Erzogenen mit der Bitte um einen einmaligen Beitrag zu diesen Kosten gewandt hat. Schon heute können wir von einigen bedeutenden Zeichnungen, wie 500, 400, 300, 200, 100 Mark je. berichten. Es ist daher die Hoffnung vorhanden, daß das Ergebnis erheblich sein wird. Jeder Interessierte wird gebeten, sein Scherflein beizutragen und den opfei> willigen Komiteemitgliedern, die sich der gewiß nicht unerheblichen Arbeit in Erinnerung an ihre Geburtsstadt unterzogen haben, gebührt öffentlicher Dank." Wir haben hinznzufügen: Es ist wahrhaft anerkennenswert und rührend, wie selbst viele Damen, die in Crone geboren, jedoch jetzt durch Verheiratung nach auswärts den Vorgängen ihrer Vaterstadt fernstehen, freudig ihren Beitrag zeichneten und daß anderseits Männer, die dort geboren, deren Vorfahren und Anverwandte die Einrichtungen des jüdischen Gemeindewesens zu gute kam, sich abwehrend verhielten, obwohl sie sich in den besten Verhältnissen befinden, mit der Vorgabe für religiöse Zwecke grundsätzlich nichts zu tun. Ob solche Leute wohl für wohltätige Zwecke, wie Krankenhäuser, Armennnterstntzungen rc. offene Hand haben? 8. Breslau, 24. November. Am 28. d. M. begeht in voller Rüstigkeit der Oberkantor Spiro von der hiesigen Storchshnagoge seinen 70. Geburtstag. Mehr als dreißig Jahre hat er im Dienste der Gerneinde als Vorbeter wie auch als Mohul gewirkt. Durch sein klangvolles Organ, dem man jetzt nur wenig die Spuren des Alters anmerkt, wie durch Bewahren der alten, traditionellen Weisen unserer Synagogengesänge, hat er viel zur Erhebung des Gottesdienstes beigetragen. Noch immer lauschen die zahlreichen Besucher des ehrwürdigen Gotteshauses in andachtsvoller Stimmung, namentlich an den hohen Festtagen, seinem erhebenden Vortrage. Ein guter Kenner des talmudischen Schrifttums, ist er auch als Meister des hebräischen Stils bekannt. Der Jubilar erfreut sich durch seine Pflichttreue, seine strenge Religiosität, durch sein schlichtes, biederes Wesen nicht nur der Achtung und Wertschätzung deS Gemeindevorstandes, sondern auch der Sympathien weitester Kreise unserer großen Gemeinde. Nicht nnvergesfeu sei hier seine wahrhaft kollegiale Gesinnung, die sich oft betätigt hat in opferfreudigem Wirken für bedrängte Kollegen. Möge es dem Siebzigjährigen noch lange vergönnt sein, in körperlicher und geistiger Frische, im Vollbesitze seiner klangvollen Stimme die vielen Besucher unseres Gotteshauses zu erheben und zu erbauen. 8. Gleiwitz, 18. November. Am 15. d. M. fand Hierselbst die Einweihung des neu angelegten Friedhofes am Stadtwalde statt. Wie die Tagesblätter ganz richtig bemerken, zählt der die Ceremonienhalle und Verwaltungsräume umfassende Gebäudekomplex zu den schönsten Bauten unserer Stadt. Ein Denkmal den Toten, und zugleich ein Zeichen der Kraft und Arbeitstätigkeit unserer sich immer größer gestaltenden Gemeinde. Von der Meisterhand des Architekten Max Fleischer aus Wien entworfen, ist der Bau mit allem notwendigen Komfort ausgestattet. Die Ceremonienhalle. ein zirka 800 Menschen fassender Raum, ist in gotischem Stil ausgeführt, auch die übrigen Räume sind zweckmäßig erbaut. Zur Einweihungsfeierlichkeit waren neben Vorstand und Repräsentanz auch die Spitzen der Behörden erschienen. Ein zahlreiches Publikum füllte den mächtigen Raum bis auf den letzten Platz. Die Feier wurde durch eine deutsche Hymne von dem Synagogenchor eingeleitet. Hierauf übergab der Erbauer, Architekt Max Fleischer, dem Synagogenvorstande den Bau und dankte allen denjenigen, die mit ihm an der Ausführung des Werkes tätig gewesen sind. Rechtsanwalt Schüller, der erste Vorsitzende der Gemeinde, hielt in seiner Erwiderung in kernigen Worten einen kurzen Rückblick über das Entstehen und die Vollendung des Baues. Nunmehr folgte der eigentliche religiöse Weiheakt. Als Weihegesang stinnnte Oberkantor Davidsohn unter Assistenz seines Synagogenchores die Komposition kerachim ow al bonim an. Nachdem der letzte Ton verklungen war, hielt Rabbiner Dr. Münz die tief durchdachte Weiherede. Ein Psalm, von Oberkantor Davidsohn mit dem Chor ausgezeichnet zum Vortrag gebracht, bildete den Abschluß der Feier. z. Dresden, 23. November. Unsere Gemeinde hat einen großen Verlust erlitten durch den am 17. d. M. infolge eines Schlaganfalls auf einer Dienstreise in Chemnitz ersolgten Tod des Landgerichtsrats Justizrat Johannes Meyer. Mit ihm ist ein seltener Mann viel zu früh dahingegangen. In pietätvoller Erinnerung an einen ausgezeichneten Vater und eine kluge Mutter war er treu der Lehre seiner Väter und Brüder und mit ihr unauflöslich verbunden. In seinem Berufe zeichnete er sich, von ganzer Seele Jurist, durch die Klarheit und Schärfe seiner Gedanken, seiner Worte, seiner Niederschriften, sowie durch seine bedeutende Arbeitskraft aus. Für alle Erscheinungen jüdischen Lebens zeigte er echte Begeisterung und hohes Verständnis. Von seinem Besitze gab er aufstrebenden Talenten gern und reichlich, und manche Träne der Armut hat er, unterstützt von der milden Hand der Gattin, getrocknet. Auch im künstlerischen Leben Dresdens war er eine markante Erscheinung. Die jüdische Gemeinde verliert in ihm ein unermüdlich tätiges Mitglied des Vorstandes, der Mendelssohn- Verein seinen Vorsitzenden, ebenso der Verein zur Anssteuer armer Bräute, der Verein Kinderpoliktinik und Säuglingsheim, der Tonkünstlerverein, die Loge n. a. Meyer war der einzige jüdische Richter in Sachsen; seine Verdienste wurden durch Verleihung des Albrechtsordens 1. Klasse anerkannt. Sein ganzes Leben gereichte dem Judentum zur Zierde. Ehre seinem Andenken! ----- Leipzig, 19. November. Die hiesigen Stadtverordneten hatten bei Beratung des diesjährigen Haushaltsplanes dem Rate zur Erwägung gegeben, ob nicht die Beiträge für die nichtevangelischen Religionsgemeinden gestrichen werden könnten. Warum die evangelische Gemeinde ganz allein auf den Beitrag aus der Stadtkasse nicht zu verzichten haben solle, ist nicht recht klar. Der Rat hat sich daraufhin mit den betreffenden Gemeinden in Verbindung gesetzt. Wie die römisch-katholische und deutsch-katholische, so hat auch die hiesige israelitische Gemeinde erklärt, auf den ihr bisher gewährten Beitrag (600 Mark) nicht verzichten zu können, da ihre finanzielle Lage sie auf einen solchen Beitrag Hinweise. Sie ist leider nicht in der Lage, ihre Bedürfnisse durch die Kirchensteuern allein zu decken. ----- Metz, 18. November. Am 12. d. M. fand hier eine seltene und schmerzliche Feier statt. Unsere Gemeinde hat einen alten Friedhof, der von 1585 bis 1793, also über 200 Jahre, die Gräber