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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-11-27 · Heft 48 (27.11.1903) · p. Seite 574

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 48 (27.11.1903)
Date
1903-11-27
Page
Seite 574 (sequence 12)
Language
German
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574 Problems sucht, wird sich sicherlich enttäuscht fühlen. Der Leser muß die Inspiration von Hause aus mitbringen, er muß selber bedeutende Kenntnis des Materials und Liebe zur objektiven wissenschaftlichen Forschung besitzen, und er wird sich dann sicherlich belohnt und belehrt finden. Dein ungeheuren Material, das der Verfasser, wie in dem Vorwort zu lesen, beinahe 60 Jahre hauptsächlich aus handschriftlichen Quellen gesammelt, geht eine etwa 50 Seiten lange Einleitung voran, die in 17 kurze Abschnitte zerfällt, und in der der Verfasser in seiner lapidaren, streng wissenschaftlichen Weise die allgemeinen Gesichtspunkte gruppiert, welche sich an das Buch knüpfen und welche dem studierenden Leser als sicherer Wegweiser bieneit sollen, wie und nach welchen Richtungen hin er das beigebrachte Material zu benutzen hat, um es für weitere Forschungen fruchtbar und ergiebig machen zu können. Die Ausblicke, die der Verfasser in der Einleitung für den Leser nach verschiedenen Seiten hin eröffnete, und die allgemeinen kulturhistorischen Fragen, die daselbst für weitere spezielle Behandlung nur angeschnitten sind, sind von einer Bedeutung und Tragweite, die ich hier in dem engen Rahmen einer Anzeige nicht einmal berühren kann. Mit Ausnahme der letzten zwei Abschnitte, wo der Verfasser über das Verhältnis seines Werkes zu Vorgängern, Vorarbeiten und Quellen auf dem bearbeiteten Gebiete und über die Anlage und Ausführung dieses Buches berichtet, ist jeder Abschnitt als eine sichere Grundlage für eine spezielle monographische Behandlung der daselbst besprochenen Punkte zu betrachten. Wir heben hier nur einige dieser Punkte (aus der Inhaltsangabe) hervor, die dem Leser einenBegriff von derlveittragendenBedeutungderhier aufGrund eines imrnensen wissenschaftlichen Materials zu Tage geförderten Aufgaben und vorläufigen Resultate geben sollen. Zum Beispiel: Ueber Aufgabe der Kultur- und Literaturgeschichte der Juden, Anteil des Karaisinus an der Einführung des Arabischen in die religiösen Schriften, Alter, Dauer und Umfang des jüdischarabischen Schrifttums, Gebrauch des Arabischen unter den Juden in christlichen Ländern. Die Beschaffenheit des Arabischen in jüdischer Rede imb Schrift, muslimische Kinder in jüdischen Schulen. Verhältnis des Hebräischen zum Arabischen bei den Juden, die Bedeutung der arabischen Literatur für hebräische Sprachkunde, Exegese und sprachlicher Einfluß aus die hebrüisch-chaldaische Literatur überhaupt unb dergleichen mehr. In all biefeu Fragen hat der Verfasser auf Grund des von ih»n durchforschten ungeheueren Materials die Endresultate angegeben und somit dem Lesersichere Anhaltspunkte für weitere Forschungen geliefert. Man darf darum mit Recht diese dem eigentlichen Inhalte des Buches vorangehenden Abhandlungen nicht blos als eine Einleitung zu dem in Frage stehenden Werke, sondern gleichzeitig als eine Anleitung zum richtigen Studieren uitb produktiven Arbeiten auf dem einschlägigen Gebiete betrachten. Was nun das Werk im allgemeinen betrifft, so schließt sich dasselbe in Aufgabe, Form und Inhalt den früheren wohlbekannten Werken des Verfassers an. Der Zentralpurrkt für alle seine zahlreichen unb umfangreichen Arbeiten war, wie der Verfasser Seite XLIX hervorhebt, „die Beziehung der jüdischen Literatur zu anderen Literaturen des Mittelalters, insbesondere auf dem Gebiete der Wissenschaften" festzustellen. Indern gegenwärtigen Buche soll der wichtigste jüdische Literaturkreis als Selbstzweck zur Darstellung kommen. „Das gegenwärtige Blich bietet hauptsächlich eine möglichst vollständige Zusammenstellung der Schriften in arabischer Sprache, deren Verfasser als Juden geborerr waren, unter Angabe der etwaigen Drucke oder Manuskripte des ganzen Werkes oder eines Fragments, oder einer Uebersetzuug in irgend eitler Sprache." Die Autoren, 250 all der Zahl, werden chronologisch-geographisch mit kurzen biographischell Skizzen der Reihe nach aufgeführt und ihre Werke mit Angabe des Inhalts nebst begleitenden wissenschaftlichen Noten aufgezählt. Jedem Artikel finb unter besonderer Ueberschrift sämtliche Quellen beigegeben, aus denen der Verfasser geschöpft hat und über deren Wert und Zuverlässigkeit für spätere Forscher er oft sein gelehrtes, sicheres Urteil hinzufügt. Aul Ende folgerr sieben Anhänge, darunter einer von besonderer Wichtigkeit über arabische Schriften der Samaritaner, und sechs Register, die die Benutzung des Werkes außerordentlich leicht ulacheu. Es erübrigt sich, hier noch ein Wort über beu Wert und die Bedeutung des Werkes zu sagen. Der Verfasser durste wohl sagen (Seite XL VI), daß er seines Wissens die erste umfassende Bibliographie dieses Literaturkreises mit biographischen Notizen über die Autoreil bietet imb wir fügen hinzu, daß sie wohl, solange es eine Wissenschaft auf diesem Gebiete geben wird, diesen Rang behalten unb voll keinem Forscher je wird entbehrt werden können. Kinder unterer Leit. Roman vo» Jacob Levy. Kapitel 4. (Fortsetzung.)' sengende Jnli-Mittagshitze brütete auf den Stratzrn Frankfurts. Der erhitzte Asphalt zitterte unter der: Schritten der wenigen Dahinwandelnde». Wer nicht ansgehen mutzte, blieb zu Hanse und suchte, luftig gekleidet, in den kühlsten Räumen Schutz vor der Hitze. In dem grotzen Warenhause „Zu den vier Jahreszeiten" herrschte eine Ruhe, >vie in Dornröschens Schlotz. In den fünf Stockwerken des Riesenbazars waren keine Kunden. Die Gehülsen und jungen Herren standen leise plaudernd zusammen; die gestrengen Chefs drückte» in ihren Abteilungen ob dieser Bummeleien nicht ein, sondern zwei Augen zu und riskierten in einer dunkeln Ecke einen kleinen Mittagsschlummer, kurz, das ganze Personal kostete mit Wonne die doppelte Ruhe des Mittags und der stillen Saison ans. Da erschien in der Konfektionsabteilung eine Dame. Sv wie die ruhende Herde beim Löwengebrüll entsetzt aufspringt und sich zusammendrängt, so sprangen die Fränleins ans, drängten sich jedoch nicht >vie besagte Herde zusammen, sondern suchten in möglichst weiter Entfernung einige Beschäftigung. Es half aber nichts. Der Repräsentant, ein unebener junger Mann mit sehr langen Manschetten, rief mit etwas diabolischem Lächeln: „Fräulein Dora, bitte!" Fräulein Dora erkundigte sich leise seufzend nach den Wünschen der Dame, die ein Zacket erstehen wollte. Diese Kundin war eine lange, hagere Frau mit dünner, spitzer Nase, die den Eindruck machte, als ob sie sich von selbst bewegen könne. „Die neuen Modelle sind »och nicht eingetrosfen, gnädige Frau." „Ich will kein neues Modell", prustete sie, dem erschreckten Mädchen ihre Nase entgegenschlängelnd, „wenn ich int Juli ein Herbstjacket kaufe, mutz es sehr billig sein." Nach stundenlangein Wählen fand sie ein passendes Stück. „Legen Sie es zurück, ich komme morgen wieder," und entfernte sich würdevoll.

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