Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 48 (27.11.1903)
- Date
- 1903-11-27
- Page
- Seite 573 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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573 Dresden die schuldige Summe zurüHerstattet. Merkwürdig ist, daß bei allen Erwähnungen des Gläubigers das Wort Jude niemals gebraucht wird oder irgend ein ärgerlicher oder widerwilliger Ausdruck vorkommt. Eine unangenehmere geschäftliche Erfahrung machte Schiller mit einem anderen Juden, dem Buchhändler Michaelis in Strelih. Dieser. Hofbnchhändler des Herzogs von Mecklenburg- Strelitz, bei seinem Landesfürsten so beliebt, daß dieser ihm mehrfach größere Geldsummen zur Verfügung stellte, täglich in seinem Laden erschien, ihm für seine Verlagsartikel vollständige Preßfreiheit gewährte, wollte diese Ausnahmestellung benutzen, um mit hervorragenden Schriftstellern in Verbindung zu treten. Er wandte sich an Schiller, bot ihm glänzende Bedingungen, uin sich damit im deutschen Publikum einzuführen und einen Namen, auch wohl Geld zu erlangen. Der Vertrag mit Schiller über den Musenalmanach wurde am 15. August 1794 abgeschlossen. Schiller erhielt ein Honorar von 800 Talern. Dafür hatte er sich zu verpflichten, 10 bis 12 Bogen poetisches Manuskript zu liefern. Die Beiträge der Mitarbeiter, in einer Gesamthöhe von 150 Tälern, werden vom Verleger bezahlt. Gelegentlich, ivenn er seinen neuen Verleger erwähnte, nannte er ihn, ohne damit gerade Verachtung zu bezeigen, den „Judenbnchhändler", aber im allgemeinen war er mit ihm zufrieden, sowohl wegen der guten Bedingungen, die er erhalten, als wegen der geringelt Last, die er von dem Unternehmen erwartete. Seine Beziehungen zu Michaelis waren so gute, besonders sein Vertrauen zu dessen Leistlings- und Zahlungsfähigkeit so stark, daß er ihm auch das große Gartenwerk seines Vaters übergab und dafür 24 Karolin Honorar erwirken konnte. Auch das Werk seines Jugendfreundes Hoven: „Geschichte eines epidemischen Fiebers", gedachte er demselben Buchhändler anzuvertrauen; da jener indessen mit der Antwort zögerte, so mußte Schiller das Werk einem anderen Buchhändler verkaufen; bei dieser Gelegenheit gab er die einzige Charakteristik des Verlegers, die so lautet (Briefe IV, 07): „Du mußt Dich nicht daran stoßen, wenn ich Dir vielleicht einen Juden (einen solchen nehmlich, der wirklich beschnitten ist) zum Verleger ausinche. Es ist wirklich in Strelitz ein solcher, als Buchhändler, anfgestanden, und er hat von mir einen Musen-Alinanach im Verlag. Tie Sächsischeil Juden haben viel Cultur, und bedeuten etwas. Dieser, der sich Michaelis nennt, ist ein junger unternehmender Mann, der Kenntnisse besitzt, in guten Verbindungen steht, und beh dem Herzog von Mecklenburg viel Credit hat. Er hat auch eine Schrift meines Vaters über die Baumzucht im Verlag, welche hier gedruckt wird." Sehr beachtenswert ist in dieser Stelle die kurze Zwischenbemerkung über die sächsischen Juden, für die sich freilich ans SchillerS Brief kein weiterer Belag findet. Der Druck des Almanachs begann. Zunächst herrschte eitel Freude und Friede; Michaelis sollte nach Jena kommen, Schiller hoffte ihm durch Eröffnung eines Versprechens Herders eine Freude zu machen (an diesen 17. Mai 1795), Michaelis kam zur festgesetzten Zeit nach Jena. ff Er wurde mit einenr Empfehllmgsbriefe Schillers an Goethe geschickt, dem er die günstige Nachricht bringen sollte, daß in Mecklenburg nach dem Roman Wilhelm Meister starke ff Sämttiche Stellen, die über Michaelis handeln, in Briefen an Goethe, Körner, Wilhelm von Humboldt und einzelne andere, stehe» in Bd. 111 und IV der Jonasschen Briefausgabe; sie sind im Register Bd. VII S. I.XXXII zusammengestellt; eine Erwähnung jeder einzelnen ivürde zu weit führen. Ueber diesen Jenaer Aufenthalt von Michaelis vergl. ferner ein paar Notizen in dem unten genauer zu besprechenden Briefwechsel zwischen Rahel und David Beit II, 123, 149; an der letzteren Stelle wird von Michaelis'„Eselsstrcichen" gesprochen, doch scheint sich der Ausdruck auf eine gegen Rahel verübte Ungeschicklichkeit zu beziehen. Nachfrage herrsche, und mit dem und Meyer er über die künstlerische Verzierung des Almanachs deliberieren sollte. Ob ihm die verheißene Audienz zu teil wurde, läßt sich nicht seststellen, denn in Goethes Briefen ist voll dem Manne nicht die Rede. Aber diese Jenaer Zusammenkunft zlvischen Autor und Verleger störte die Verbindung eher, als daß sie solche befestigte, denn am 2. August 1795 mußte Schiller den neugewonnenen Verleger Cotta bitten, seinem Vater das Honorar zu schicken, weil „der elende Mensch der Michaelis" jenem weder Honorar noch ein Exemplar des Garteirwerks gesendet hatte, und mußte gleichzeitig klagen, daß der Hofbuchhändler in Jena außer Schiller selbst keinen Menschen bezahlt hätte und daß er etwa 800 Taler schuldig geblieben sei; „so debütierte dieser Mensch im Buchhandel" fügte Schiller hinzu. Durch solche Erfahrung erklärte sich Schiller geneigt, nicht bloß, lvie er schon früher erklärt hatte, den zweiteil Jahrgang des Almanachs bei Cotta erscheinen zu lassen, sondern sogar den ersten Michaelis abzunehmen, das gezahlte Honorar zirrückzuerstatten und den Verlag Cotta zu übertragen. Denn er fürchtete, daß des jüdischen Verlegers „Armseligkeit" das rechtzeitige Erscheinen des Almanachs nicht ermöglichen würde und geriet in ziemliche Aufregung, da auch ein Teil des Herbstes verstrich, ohne daß der Druck recht gefördert wurde.' ) (Forts, folgt.) Die arabische Literatur der Juden?' Von Dr. H. Malter. in Werk wie das vorliegende, gründlich zu besprechen, seine besonderen Borzüge gebührend hervorzuheben und etwaige Jrrtümer nachzuweisen, hieße eventuell auch im stände sein, es selber Verfasser: zu können; es hieße ein Polyglottist itnb eilt Polyhistor und vor allein ein Bibliograph sein, wie es der greise Verfasser dieses Werkes ist und wie ihn die Geschichte keiner Literatur vor ihm aufzuweisen hatte. Es soll darum gar keine Bescheidenheit von mir sein, wenn ich den folgenden Zeilen die Bemerkung vorausschicke, daß ich mich nicht berufen fühle, das Werk einer detaillierten Prüfung zu unterziehen. Ich halte es aber für eine nützliche Sache, das gebildete Leserpublikum ab und zu auch mit den Resultaten und Zwecken jener Forschungen einigermaßen bekannt zu machen, die ihm sonst in ihren Einzelheiten fern liegen und naturgemäß auch fern bleiben müssen. Ich will es von diesem Gesichtspunkte aus auch versuchen, Tendenz, Inhalt und Bedeutung des vorliegenden Buches wenigstens in allgemeinen Umrissen zu charakterisieren. Ich sollte eigentlich nicht von einer Tendenz des Buches sprechen, denn wie in all seinen, nach hunderten zählenden Schriften, so wird der Leser auch in diesem Werke des Verfassers vergeblich nach irgend einer Tendenz im gewöhnlichen Sinne des Wortes suchen. Der Verfasser verfolgt btos einen Zweck: „objektiv geschichtliche Darstellung, die iveder apologetisch noch polemisch gefärbt, weder national noch theologisch zurechtgemacht." Wer da Inspiration oder Begeisterung für irgend eine weltbewegende Idee oder die Lösung eines „brennenden" y Beiläufig soll bemerkt werden, daß der Druck des Almanachs in Berlin bei Unger stattfand. Der Korrektor war Wilhelm v. Humboldt; an dessen Stelle trat während einer Reise des Erstgenannten F. L. W. Meyer. Die Einzelheiten des Druckes und der Korrekturmüheu sollen hier nicht vorgetragen werden, da sie unfern Gegenstand nicht berühren. ~) Steinschneider, Die arabische Literatur der Inden. Frankfurt a. M. 1903. I. Kauffmann.