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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-11-27 · Heft 48 (27.11.1903) · p. Seite 570

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 48 (27.11.1903)
Date
1903-11-27
Page
Seite 570 (sequence 8)
Language
German
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570 Die griechischen Juden. Ebenso wie andere griechische Städte hat auch die Haichtstadt des klassischen Altertums, Athen, den Besuch eines fanatischen Vertreters der zionistischen Ideen, nämlich den Chefredakteur des Haschofar, empfangen. Und ebenso sah auch diese kleine Gemeinde, deren Reorganisation das Werk eines edlen Israeliten, des Herrn Konstantinides, ist. in ihrer Mitte eine kleine zionistische Gruppe entstehen, die sich hauptsächlich aus Arbeitern und Kleinhändlern rekrutiert. Sie eröffnen Kollekten für die zionistische Sache, zeichnen Aktien der Kolonialbank und kaufen Schekalim oder was sonst der Parteikasse zu gute kommt. Palästina. Jüdisches Leben beginnt hier wieder aufzublühen; auch dieses Land, das soviele Jahrhlinderte hindurch für Israel gestorben war, nimmt Teil an der fortschreitenden Bewegung die alle Juden auf dem Erdenrund ergriffen hat. Die von europäischen jüdischen Philanthropen erbauten Wohltätigkeitsinstitutionen kommen den Leidenden und Elenden im weitesten Umfange zu Hilfe. Dem soeben veröffentlichten Jahresbericht des jüdischen Krankenhauses in Jerusalem können wir entnehmen, welche großen Dienste diese Anstalt der Gemeinde erweist. Jeder Jude, gleichviel welchen Ritus, welcher Abstammung, findet Aufnahme. Mögen hier einige interessante Ziffern aus diesem Bericht selbst sprechen : Anzahl der behandelten Kranke». 826 An genannte Kranken verschriebene Rezepte . . 24 376 Anzahl der Behandlungstage. 15 750 Anzahl der kostenlos verabreichten Arzneien . . 17 698 Kostenlos gewährte Konsultationen. 8 082 Gehen wir von den Wohltätigkeitsinstitutionen zu den Bildungsanstalten über, so haben wir die Begründung eines jüdischen Kindergartens, eines Gan-Jeladim, in Jerusalem zu konstatieren. Das Ziel dieses Vereins ist, 200 bis 300 Kindern einen guten und hygienischen Aufenthalt zu bieten und ihnen in einem lehrreichen Programm zugleich auch die Möglichkeit zu gewähren, die hebräische Sprache zu erlernen. Die erheblichen Schwierigkeiten, die seitens einiger orthodoxen Fanatiker der Errichtung dieser Humanitären Institution entgegengesetzt wurden und in Gestalt von lebhaften Protesten, öffentlichen Aufrufen rc. ihren Ausdruck fanden, hat diese nunmehr siegreich überwunden und erfreut sich regen Zuspruchs. — Kürzlich ist der sehnsüchtig erwartete Direktor der Jüdischen Anglo-Palästinensischen Bank, der sogenannten Kolonialbank, endlich in Jerusalem eingetroffen. Begleitet von dem englischen Konsul und den Beamten des Konsulats stattete er den führenden Persönlichkeiten, unter anderem auch dem Gouverneur seinen Besuch ab. Der Konsul lud ihn bei sich zum Tee ein und sicherte ihm seine Unterstützung bei der Durchführung seiner Pläne zu. Bekanntlich ist die Bank dazu bestimmt, an einheimische Israeliten Kapitalien gegen einen geringen Zinsfuß auszuleihen und inländische landwirtschaftliche oder industrielle Unternehmungen zu unterstützen. Ihr Sitz wird Jaffa sein. Der Direktor gehörte übrigens vor 20 Jahren zu den Gründern der Kolonie Rischon-Lezion. Der Plair zur Gründung einer Schiffe für die Waisen von Kischinew ist jetzt seiner Verwirklichung nahe. Der Urheber desselben befindet sich bereits in Jaffa und trifft die erforderlichen Maßnahmen. Das eine Heilsame hat das Massakre in Kischineiv bewirkt, daß die Parteigegensätze unter den Inden geschwunden sind. Es hat auch die palästinensischen Juden daran erinnert, daß wir alle untereinander solidarisch sind. Konstantinopel. Diese aus sechstausend Seelen bestehende Gemeinde hat trotz der Sonderzölle, die Spezialbeamte unter dem Namen Salzsteuer auf Fleisch, Käse, alkoholische Getränke, ungesäuerte Brote rc. erheben, die größten Schwierigkeiten, ihr Budget im Gleichgewicht zu erhalten. Diesem unhaltbaren Zustande wird in Zukunft durch das einfache Mittel abgeholfen werden, daß nicht mehr blos die wenigen reichen Familien, die bisher 46 Franks Abgaben entrichteten, allein die Kosten der Verwaltung aufbringen, sondern sämtliche Konstantinopeler Juden herangezogen werden. Diejenigen, die bisher das Privileg der Steuerlosigkeit besaßen, machen 99 Prozent der Bevölkerung aus; gehören aber sämtlich den ärmeren Klassen an. Der Gemeinvevorstand, an dessen Spitze Herr Dr. Mentechi steht, hat infolgedessen beschloffen, fünf Steuerklassen anstatt der bisherigen einen einzurichten. So sind nunmehr die Lasten der Gemeinde in ordnungsmäßiger Weise verteilt. Augenblicklich machen die Konstantinopeler Juden eine — Wohltätigkeitskrise durch. Allenthalben bilden sich Kommissionen um Gaben für die Kischinewer Juden, für das Krankenhaus zu sammeln, um Anhänger für die humanitäre Alliance Israelite zu werben, um Subskriptionen für die Unterhaltung des rabbinischen Seminars, für die Errichtung einer Töchterschule in Haidar-Pascha zu eröffnen rc. Hoffentlich dauert diese Krise recht lange an — zu Gunsten dieser unterstützungswerten und zur Erreichung ihrer Ziele auch bedürftigeil Jnstitionen. Saloniki. In Saloniki, der mit seinen 70 000 Israeliten bedeutendsten jüdischen Gemeinde der Türkei, lebt, abgesehen von einer kleinen Anzahl reicher Familien, der größte Teil der Mitglieder tu einem unbeschreiblichen geistigen wie materiellen Elend. Wenn irach einem bekannten Wort das Volk glücklich zu nennen ist, das keine Geschichte hat, so wäre-meiner Meinung nach auch die Gemeinde die glücklichste zu preisen, die aller Wvhltütigkeitsvereine entraten könnte. Das ist nun in Saloniki keineswegs der Fall. Ich glaube im Gegenteil nicht zu viel zu behaupten, wenn ich sage, daß keine Gemeinde der Welt so viel Wohlfahrtsinstitutionen zählt, wie diese Stadt. Ich müßte mehrere Spalten dieses Blattes in Anspruch nehmen, wollte ich nur die Namen dieser Vereine allführen. In der Tat spenden alle die sich auch einer geringen Wohlhabenheit erfreuen, unter den verschiedensten Bezeichnungen ihrell OboluS für die Enterbten des Glücks. Das ist aber alles wie ein Tropfen Wasser ins Meer. So würde z. B. das israelitische Schulwesen bedeuteilder Hilssmittel bedürfen, um nur einigermaßen den Anforderungen zu genügen. Nach der neuesten offiziellen Statistik besuchen in der ganzen Provinz Saloniki, welche ca. 80 000 Juden zählt, nur 7584 jüdische Kinder die Schule. Rechnen wir nun nach dem gewöhnlichen Maßstab 5 Seelen auf die Familie, so würden wir 16 000 Familien erhalten, in denen mindestens 16 000 Kinder im schulpflichtigen Alter stehen. Daraus folgt, daß fast 8000 Knaben und Mädchen von vornherein zum Analphabetertum verurteilt sind. Saloniker Zeitungen haben auch oft darüber Klage geführt und es sogar in verschiedenen europäischen Blättern zur Sprache gebracht. Es hat aber bisher zu keinem Erfolg geführt, da es sich um erhebliche Kapitalien handelt. — Das Solidaritätsgefühl, von dem die dortigen Juden häufig Zeugnis ablegen, hat ihnen die Achtung und Zuneigung der gouvernementalen und konsularen Kreise verschafft. Der Gouverneur der Provinz z. B. nimmt an Freud und Leid der Gemeinde teil. Diejenigen, die durch Wohltun besonders hervortreten, schlägt er zur Dekoration vor; so hat erst kürzlich der Vorstand der Gemeinde, der Bankier Jacob Modiano, eine Auszeichnung erhalten. Auch den Wohltätigkeitsvereinen wendet er seine Gunst zu. So hat er für die Krankenhausvereinigung

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