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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-11-20 · Heft 47 (20.11.1903) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 47 (20.11.1903)
Date
1903-11-20
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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welcher die Sitzung leitete, den üblichen Geschäftsbericht. Er widmete einen ehrenden Nachruf dem Heimgegangenen Professor Mommsen und besprach die Vorgänge der letzten Wochen aus dein Antisemitenlager. ■A» Berlin, 15. November. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt am 12. d. M. anstatt des Herrn Wolfgang Kirchbach. der verhindert war, der Vorsitzende einen Vortrag über die Entwicklungsgeschichte der jüdischen Literatur mit besonderer Bezugnahme auf die Tätigkeit des Vereins seit dessen Bestehen. — Auch in den auswärtigen Literaturvereinen hat bereits die Arbeit des Winters begonnen. In Memel sprach Dr. Beermann- Jnsterburg über „Tolstoi als Essäer"; in Tilsit Dr. Ehrlich über „Die Freude im Lichte des Judentums". Dr. R osenthal-Stargard über „Sirach, ein altjüdischer Dichter und Denker"; in Königsberg Dr. Perles über „Tierschutz im alten Judentum"; in Danzig Professor Philippson über „Die Juden im alten Rom"; in Ostrowo Herr E. Philipp über „Die Juden im Osten"; in Stolp Dr. Klee über den „Zionismus"; in Kattowitz sprach Dr. Rosenberg-Thorn über „Ein Blick in die Geisteswerkstatt der niittelalterlichen italienischen Juden" und in Königshütte über „Immanuel ben Salomo, ein mittelalterlicher Heilte"; in Forst Dr. Ackermann- Brandenburg über „Das Judentum im Lichte des Vorurteils"; in Lage Dr. Simchowitz-Köln über „Leopold Kompert, der Dichter der Gasse"; in Leipzig Herr S. La qu eur-Breslau über „Adolphe Cremieux"; in sämtlichen, den: rheinisch-westfälischen Verbände angeschlossenen Literaturvereinen hielt Dr. Plaut-Frankfurt a. M. einen Vortrag über „DieJuden in Rom unter Kaiser Caligula"; in Hamburg Dr. I. Moses-Berlin über „Morris Rosenfeld und dessen Dichtungen". In Köln sprachen Professor Philipp sou über „Die Juden im heutigen Deutschland". Dr. Frank über „Die Ereignisse des letzten Jahres", Dr. Bodenheim er über „Professor Lombroso und sein Lebenswerk"; in Frankfurt a. M. Dr. Munk-Marburg über „Jslatn und Jlldentum". In Wesel und Neiße feierten die Vereine ihr zehiljähriges Bestehen durch Festakte. — Ferner wllrde ein neuer „Provinzialverband der Literaturvereine Oberschlesiens (Oppeln, Neiße, Ratibor, Tarnowitz, Pleß, Myslowitz, Beuthen) begründet, dessen Sekretär Rabbiner Ettguther-Neiße ist, dern die Anregung überhaupt zu verdankeil. — Neue Vereine wurden begründet in Bütow, Neustettin, Königshütte, Krefeld, Dinslaken, Ludwigshafen. >Ai Berlin, 15. November. DerVorstand des Vereins „Freunde der Taubstumlueu Jedide-Jlluim" erläßt den nachfolgenden Aufruf au die jüdische Lehrerschaft in Deutschland: „Jur vorigen Jahre wendeten wir uns zum erstenmal an Sie mit der Bitte, uns in llnseren Bestrebungen zum Wohle der taubstummen Jugend zu unterstützen. Allen geehrten Lehrern und Lehrerinnen, die uns diese Bitte erfüllten, sagen wir hierdurch unseren verbindlichsten und tiesgesühltesten Dank. Die unseren Bestrebungen allseitig zu teil gewordene Zustimmung läßt uns berechtigt erscheinen, nunmehr alljährlich in gleicher Weise unsere Bitte zu wiederholen, die dahin geht, bei Ihren Schülern und Schülerinnen, sowie bei deren Eltern für unsere Zöglinge eine rege Anteilnahme wach zu erhalten. In unserer Anstalt werden 44 jüdische taubstumme Knaben und Mädchen unterrichtet und erzogen. Neben einigen zahlenden haben wir eitlen großen Teil armer Kinder zu versorgeil. Allen wird die gleiche Sorgfalt zugewendet. Aus diesen unglücklichen Killdern, welche den Mangel der Sprache und des Gehörs schmerzlich empfinden, und welche leicht unselbständige und verbitterte Menschen werden, nicht nur brauchbare und nützliche, sondern auch gute und fröhliche, und soweit es uiöglich ist, auch zufriedene Menschen zu machen, ist unsere Aufgabe. Die Erreichung dieses Zieles erfordert viel anstrengende Arbeit bei Lehrern und Schülern, denll das Tor der Seele, das Gehör, ist verschlossen und muß ersetzt werden. Die auf sie verwendete Mühe allein macht aber die Kinder nicht glücklich! Nur wenn sie sehen, wie ihre Mitmenschen sich mit ihnen und mit dem von ihnen Erreichten freuen, fällt ein Strahl des Glückes in ihre Seele, und mit dankerfülltem Herzen blicken die Kinder aus die Freudentage, die ihnen von edlen Menschen bereitet werden. Auch das bevorstehende Chanuka-Fest soll mit Gottes Hilfe wieder ein solcher Freudentag für unsere Zöglinge werden, und damit die hierdurch und auch sonst in so hohem Maße an unsere finanziellen Mittel gestellten Anforderungen erfüllt werden können, rufen wir Ihnen zu: „Tue aus deinen Mund für die Stummen und für die Sache derer, die verlassen sind." Erwecken Sie in Ihren Schülern und Schülerinnen das Mitgefühl für die unserer Anstalt anvertrauten taubstummen Kinder, und verschaffen Sie ihnen schon in früher Jugend das freudige Bewußtsein, durch eine kleine Gabe mitgewirkt zu haben all der Aufhellung ulld Erheiterung des Loses armer Unglücklicher! Berlin, im November 1903. Der Vorstand des Vereins „Freullde der Taubstummen Jedide-Jlmim". Folgen die Unterschrifteu. Postsendungen sind an Herrn Adolph Salomon, Berlin KW 23, FlerlSburgerstraße 9 zu richten. Das bevorstehende Chanukafest bietet Edeldenkenden die beste Gelegenheit, ihre Teilnahme für die segensreich wirkende Taubstumnlenanstalt kräftig zu beklNldeu. Möge jeder, all den der Aufruf gesandt wird, des Wortes der heiligen Schrift eillgedenk sein: „Tue auf deinen Mund für den StllNlmell Ulld für die Sache derer, die arm und bedürftig sind." S£2 Berlin, 16. November. In den Stilllluen aus Maria Laach, „Katholische Blätter" (Juli und August 1903) gibt H. A. Krose 8. J. eine sorgfältige Statistik der wichtig stell Religionsbekenntnisse zur Zeit der Jahrhundertwellde. Es ist natürlich, daß seine Zahlen nicht ans Unfehlbarkeit Anspruch macheil können; denn abgesehen davon, daß die Gesamtbevölkerungsziffern vieler asiatischer llnd afrikanischer Völker um*, allerdings durch Sachverständige, geschätzte, niemals durch reguläre Volkszählungen festgestellte sind, fehlen auch bei vielen europäischen Kulturstaaten die offiziellen Kollfessionszählungell. Trotzdem sind seine Ausstellungen intcreffaut für uns, weil sie die Zahl der Juden höher angeben als dies sonst der Fall ist. Für Europa gibt er deren Zahl auf 8542438 all. im ganzen schätzt er nach den Erdteilen die Anzahl der Juden in der Welt folgendermaßen: Asien 763 905 Afrika 700 000 Australien und Oceauien 15172 Amerika 1015 092 Europa 8542438 11036 807 Berlin, 15. November. Die hiesigen antisemitischen Blätter stimmell bewegliche Klagen an über das Treiben einer sogenannten „d eursch-jüdischen Theatergesellschaft" ans Lemberg, die sich jüdische Restaurateure verschrieben habeil sollen, um mit ihnen hier in Berlin Geschäfte zu machen. Die Ankündigungen dieser „Theatergesellschaft" fände man ausschließlich in jüdischen Wirtshäusern des „Berliner Ghettos" in der Grenadierstrabe. Der klangvolle Titel des von ihnell aufgeführten Stückes lautet: „Der getaufte Sohn, oder Messias Zeitell", komische Operette in fünf Akten von A. Goldfaden. Die Truppe halte bald in dem einen, bald in dem anderen Lokale allabendlich Vorsteüungell ab, die Karten dazu würden unter der Hand vertrieben. Das Stück sei „in hohem Maße anstößig." Das öffentliche Interesse würde aber insofern verletzt, als diese Schmierengesellschaft sich der Kontrolle der Zensurbehörden ulld damit auch der nicht unerheblichen Steuer entziehe, denen die Theatergesellschaften unterworfen sind. Es fragt sich, ob diese freundliche antisemitische Denunziation Gehör finden wird. Aber zur Ehre des Judentums gereichen derartige Dillge hier in Berlin und unter den gegenwärtigen Verhältnissen wahrhaftig nicht. 6. Königsberg i. Pr., 13. November. Im Alter von 71 Jahren ist hier der Kommerzienrat Isidor Cohn am 10. d. M. gestorben. Eine zahlreiche Trauerversammlung hatte sich eingefunden, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Außer dem Familien- und Freundeskreise waren Vertreter des Vorstandes der Synagogengemeinde und der Repräsentantenversammlung, des Armenunterstützungsvereins rc. erschienen. In der Leichenhalle trug zunächst der Synagogenchor unter Leitung des Oberkantors Birnbaum einen Trauergesang vor und dann hielt Rabbiner Dr. Vogelstein die Leichenrede, in der er das gute, menschenfreundliche Herz des Verstorbenen, sein stilles, segensreiches Wohltun hervorhob. Isidor Cohn war Mitbegründer und Inhaber der Bernsteinwerke Stantien und Becker, und hatte sich während seines langjährigen Wirkens dort die Liebe seiner Arbeiter in hohem Grade erworben, Beim 25 jährigen Jubiläum der Firma Stantien und Becker, aus der er schon frühzeitig wegen seiner Kränklichkeit ausscheiden mußte, wurde er zum Kommerzienrat ernannt. Auch war er Ritter des königlichen Kronenordens. Der Verstorbene war ferner Mitglied des Vorstandes des Armenunterstützungsvereins und Vorsteher der Synagogengemeinde. l. Liffn, 15. November. In gemeinschaftlicher Sitzung des Gemeindevorstandes und der Repräsentanten ist der Umbau und

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