Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1903)
- Date
- 1903-11-20
- Page
- Seite 559 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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559 — fürsten von Baden 1000 Gulden zum Besten einer Armen» anstatt, die der Landesfürst bestimmen sollte, überreichen. Der vortreffliche Landesvater bestimmte 500 Gulden für ein neu zu errichtendes Krankenhaus, während er die andere Hälfte dem badischen Judenhospital überwies. Als fast Fünsundsiebzigjähriger schied Israel am 25. November 1803*) aus seinem arbeitsreichen, aber auch erfolggekrönten Leben. Sein Andenken lebt in der unter dem Namen „Israels Ehrenkranz" in Halberstadt bestehenden Stiftung fort. Kurz vor seinem Tode hatte nämlich Israel beschlossen, den Betrag von 10 000 Talern für die Armen letztwillig zu bestimmen, allein der Tod ereilte ihn, bevor er bindende Verfügungen treffen konnte. Doch der Sohn ehrte seines Vaters Willen. Noch vor der Beerdigung Israels liest jener die Stiftungsurkunde notariell ausfertigen, und nach Ablauf der Trauerwache übergab Israel Jacobson der Halberstädter Gemeindeverwaltung die Summe von 10 000 Talern. Wir schließeil »lit deir schönen Worten Philippsolls: „Israel Jacob ist eine Wurzel, Israel Jacobson eine Blüte im Garten der Humanität, aus der die edelste Frucht zum Segen der Menschheit sich entwickelt hat. Wer kann sagen, daß die Blüte für die Frucht wertvoller sei als die,Wurzel?" Mar klein. Von Dr. Adolph Kohut. An einer Selbstbiographie, die der berühmte ungarische Bildhauer Max Klein vor mehreren Jahren veröffentlichte, sagt er u. a.: „Unausgesetzt zu streben und zu arbeiten ist mir zur zweiten Natur geworden, und ist das Leben köstlich gewesen, so ist es Mühe und Arbeit gewesen." Mit diesen Worten hat sich Klein treffend selbst gekennzeichnet. Was er erreicht hat, die Stellung, die er gegenwärtig unter den Bildhauern einnimmt, verdankt er neben seiner genialen Begabung in erster Linie seiilem rastlosen Vorwärtsstreben, seiner beharrlichen Arbeitskraft und seinem unermüdlichen Fleiß. Voll kleinen Anfängen unter den schwierigsten Verhältnissen und nach Ueberwindung gewaltiger Hemmnisse hat er sich zu Licht und Erfolg emporgearbeitet, uild die beharrliche Energie, die er alle Zeit betätigte, beweist ailfs neue die Wahrheit des Ausspruchs Alexander von Humboldts, daß die Energie die größte Tugend des Menschen sei. 56 Jahre ist Max Klein jetzt alt — er wurde am 27. Januar 1847 zu Göncz, einem kleinen Städtchen in Ungarn geboren, wo sein Vater jüdischer Schllüehrer war — und doch steht der Künstler in ungebeugter geistiger und körperlicher Kraft vor uns. Seine erstaunliche Fruchtbarkeit und Schaffenslust hat noch in keiner Weise nachgelassen und deshalb ist es nicht so leicht, ein abschließendes Bild dieses Meisters zu geben. Da jedoch nicht vorauszusehen ist, daß er andere Bahnen als die bisher angetretenen beschreiteu werde, und da seine bisherigen Schöpfungen uns bereits alle Eigenheiten dieses Bildhauers klar veranschaulichen, so kann schon jetzt ein getreues Bild der künstlerischen Individualität des Meisters entworfen und ausgeführt werden. Der Vater Kleins starb, als dieser 12 Jahr alt war; er mußte, da die Not an seine Türe pochte, die Schule verlaffen und in Kaschau eine Lehrlingsstelle bei einem Kaufmann annehmen, der in Amerika seine Laufbahn begonnen hatte ') Auerbach a. n. O. S. 127 gibt als Todesjahr „1804" an, während er S. 139 richtig „1808" verzeichnet. und somit von den naiven Ungarn als ein Mann auf der Höhe seiner Zeit bezeichnet ivurde. Nur kurze Zeit blieb er dort, denn der Jünger Merkurs erklärte ihm, daß ihm ein solch' „dummer Junge" in seinem Leben noch nicht vorgekommen sei. Da er zum Spezereihändler verdorben war, sollte er Uhrmacher werde»; in Miskolc,; erlernte er dieses Handwerk fünf Jahre hindurch gründlich, aber auch dieser Beruf befriedigte ihn nicht. Schon Jahre vorher hatte er im geheimen gezeichnet und geschnitzt tind immer mehr überzeugte er sich davon, daß die Bildhauerkunst es sei, der er sich voll und ganz widmen müsse. Im Winter 1864 begab er sich mit einem Gulden in der Tasche bei fürchterlicher Kälte und schlechten Kleidern auf die Wanderschaft nach Pest, wo er nach dreimonatlichem Wandern glücklich anlangte. Dem armen Jüngling erging es dort wie einst dem Lehrling im Spezereigeschäft: Die Herren vom Künstlerverein entdeckten in seinen Zeichnungen kein Talent und ließen ihin auch nicht die geringste Förderung zu teil werden. Zum Glück erbarmte sich seiner ein tüchtiger Bildhauer, Pofessor Szandhäsz, der ihm ohne Entgeld in der Plastik Unterricht erteilte. Anderhalb Jahre blieb Klein bei ihm und er hat ihm viel zu verdanken, namentlich was die Technik der Kunst betrifft. Inzwischen hatte er sich einige Gönner verschafft, die ihn zur weiteren Ausbildung nach Berlin schickten. Im Sommer 1865 kam er in Berlin an, von dem feurigsten Willen beseelt, nach dem Höchsten zu streben, aber mit leerem Portemonnaie. Kümmerlich mußte er sich durch einige Stnckateurarbeiten ernähren, er hungerte mehr als er aß, und nur sein starker Wille hielt ihn aufrecht. Von Berlin aus unternahm er eine Spritztour nach München, um dort sein Glück zu versuchen, aber auch da kam er schön an: er mußte Krippfiguren aus Holz, die dann mit hübschen Gewändern bekleidet wurden, schnitzen, aber an ein ernstliches Studium ivar nicht zu denken, geschweige denn, daß er künstlerisch vorwärts gekommen wäre. Ein Lichtstrahl fiel in sein damalige? Leben, indem ihn ein Freund mit nach Rom nahm, wo ihn die herrlichen klassischen Skulpturen des Altertums aufs höchste entzückten und auch seinen künstlerischen Horizont erweiterten. Die Anregungen, die er in der ewigen Stadt erhielt, wirkten befruchtend auf seine ganze fernere plastische Entwicklung. Nach Berlin zurückgekehrt, begann aber für den Künstler das alte graue Elend aufs neue. Zur Charakteristik der trostlosen Verhältnisse des Künstlers in jener Zeit mag nur die nachstehende wahrheitsgetreue kleine Anekdote mitgeteilt werden: Keinen Groschen in der Tasche, trat Max Klein totmüde und erschöpft einst in eine ihm bekannte Berliner Kaffeeklappe. Der Besitzer war zugleich Sargtischler und bot ihm gern, wenn er nicht zu wählerisch sein und auf Holzspänen in einem Sarg liegen wolle, ein Nachtquartier. Er nahm das Anerbieten dankbar an und schlief darin einen Tag und zwei Nächte ununterbrochen vor Erschöpfung. Bewunderungswürdig war die Beharrlichkeit und Zähigkeit, womit der junge Meister sein Lebensziel verfolgte. Vormittags arbeitete er in Stuckateurwerkstätten, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, aber des Nachmittags lebte er ausschließlich seiner Kunst, »nd er hatte die Freude und Genugtuung, daß man nach und nach auf die selbständigen Arbeiteil des Autodidakten in einflußreichen Kreisen aufmerksam wurde. Die Herren von der Zunft freilich wollten absolut nichts von ihm wissen; so wurde ihm z. B. das Hospitieren in dem Aktsaal der Akademie von dem da- »naligen Direktor Doege nicht gestattet, und auch die übrigen Professoren der Akademie hatten nur Hohn und Spott für seine Arbeiten, die er ihnen zeigte und ihrenl Urteil unterbreitete. Sie verlachten seine ideale Ailschauung von der Kunst