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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-11-13 · Heft 46 (13.11.1903) · p. Seite 546

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 46 (13.11.1903)
Date
1903-11-13
Page
Seite 546 (sequence 8)
Language
German
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546 Dies ist so ziemlich alles, was wir bisher über die in Ungarn angesiedelte Luzzatosche Ziveigfamilie ivußten. Mehr darüber berichten selbst die oben erwähnten, viel später erschienenen zwei genealogischen Ausweise nicht. Dieser Umstand, vornehmlich aber die Bedeutung der in der jüdischen Literatur einen so hervorragenden Platz einnehmenden Familie Luzzato war mir von jeher ein Sporn, der Spur des ungarischen Zweiges dieser berühmten Familie in den vaterländischen Quellen nachzugehen, und ich glaube, den Freunden des Lnzzatoschen Geschlechts einen Dienst zu erweisen, wenn ich das freilich nicht große Resultat meiner diesbezüglichen Forschungen hier veröffentlichet) Unter den im 18. Jahrhunderte zu wiederholten Malen amtlich axgesertigten Judenkonskriptions-Listen stoßen wir zuerst in der ans dem Jahre 1752 herrührenden Liste") aus die Spur Samuel Luzzatos. Dort steht in der Reihe der Eisenstüdter Inden auch „Samuel Herschel ex Gorizia". In der Rubrik „proles'- sind zwei Söhne und zwei Töchter eingetragen, ohne daß diese namentlich angeführt worden wären, was übrigens überhaupt nirgends geschah. Aus der zwei Jahre später, 1754 angefertigten Zählungsliste der Indens zitieren wir folgenden Satz: „Samuel Luzzato, gewesener Schreiber in Wien, zu da aber faziert und sonst keine Handierung, hat vierunverheiratete Kinder." Die im Jahre 1770 abgehaltene Konskription unterrichtet uns noch eingehender über ihn. Dort lesen wir an Ort und Stelle^) in lateinischer Sprache die Eintragung: Samuel Luzzato, verheiratet, hält sich seit dem Jahre 1713 in Ungarn auf, hat eine 20jährige und 16jährige Tochter. In der Rubrik „Wohnung" steht „apud Wertheimianos successores judaeos". Als Beschäftigung wird angeführt: „seriba lmtus 8enio obrutus, nihil quaerere". Aus allen diesen Konskriptionsdaten geht hervor, daß Samuel Luzzato aus Görz nach Wien kam — wie dies übrigens auch aus dem Buschsichen Jahrbuch a. a. O. ersichtlich ist — in Wien bei Samson Wertheimer, dem berühmten Hosfaktor Kaiser Karl VI. als Schreiber angestellt war und im Jahre 1743, nach dem Zusammenbruche dieses mächtigen Handelshauses nach Eisenstadt ging, wo er in dem von Sainson Wertheimer errichteten und noch heutzutage bestehenden Stistungshause wohnte. Er muß wohl ein hohes Alter erreicht haben, denn noch im Jahre 1774 wird er in den Judenzählnngslisten angeführt, ans welchen wir übrigens nichts neues über ihn erfahren.es wäre denn, daß seine Frau Fra dl hieß und von seinen Kindern schon niemand mehr bei ihm wohnte. Wann er starb, das ließe sich vielleicht aus den Epitaphien des Eisenstädter Judenfriedhofes feststellen. Uns ist vorderhand eine andere Frage viel wichtiger. Wohin gerieten seine Söhne? Schon läßt uns ahnen, daß einer seiner Söhne nach Preßbnrg ging. Dies läßt sich nnnmehr auf Grund des im Jahre 1900 in Paks unter dem Titel fl'2 ’JSX erschienenen Werkes schon ganz bestimmt behaupten. Wir lesen nämlich dort Seite 24 folgende, dein Preßburger Gottesacker entnommene Grabschrift: pB*? 3''apn 12 D"’ 8 DT2 12p31 Ö21P '"n p"»2 "IBB3 ma “id ,mn ’Po Tom p'm rraa 8)3:üP --on 3"s 21DD “1PID1 inpiat “id 8P. wo “iw? toö2 p? 2i“iP naca mina vb i'v' Pd n"Dj£in P"i «pr "n& ‘nn msan ’) Vorliegender, in deutscher Sprache zum ersten Male hier abgedrnckter Artikel erschien iu ungarischer Sprache schon au, I.Juli d. J> im III. Ouartalsheft der „Magyar Zsidö Szemle". ') Ungarisches Landesarchiv. 4eta Judaeornm fase. 4. Com. Sopron. si Ibid. ') Ibid. fase. 139, Com. Sopron. Daß dieser im Jahre 1822 verstorbene Josef Luzzato wirklich der Sohn des Eisenstädter Samuel Luzzato war, ergibt sich auch daraus, daß der Vater Samuel Luzzatos ebenfalls Josef — Jseppop hieß. Unser Preßburger Luzzato war, wie das erwähnte!t"2 '328 Seite 64 berichtet, ein Schüler — proiö YöPfl — der als Jeschiwa-Oberhauptes lveithin berühmten Mahram Barbi zu Preßburg und stand im Rufe eines vorzüglichen Bal-Kore. Die Perikopen konnte er, wie sonst niemand, grammatisch meisterhaft vortrageir. Schon diese Tatsache allein könnte, lvenn wir sonst keinen Beleg dafür hätten, darauf Hinweisen, daß dieser Preßburger Luzzato ein, und zwar sehr würdiger Sproß der in der hebräischen Wissenschaft so berühmten Familie Luzzato war. Die Spur des anderen Sohnes des Eisenstädter Samuel Luzzato muß wahrscheinlich in Balassa-Gyarmat gesucht werden, denn in der Konskriptionsliste dieser Gemeinde vom Jahre 1795 kommt unter den jüdischen Familienvätern auch ein Kaufmann Alexander Luzath vor. Ob derzeit in Ungarn wohl noch Angehörige dieser in der ivissenschaftlichen Welt so hochansehnlichen Familie leben? Die Juden in Andermanns neuer Komödie. Von Karl Emil Franzos?) lödsinniges, verächtliches Gelichter, ob blödsinniger oderverächtlicher ist schwer zu entscheiden, das sind die Mitglieder des Geheimbunds „Die Sturmgesellen", das sind die Achtundvierziger in Sudermanns Auffassung 'und Beleuchtung. Selbst der relativ Beste und Klügste des Bundes, der Rabbiner Dr. Marknse („Spinoza") ist unerlaubt d>imm und würdelos. Die anderen rühmen seinen Scharfsinn und „ein findiges, jüdisches Köpfchen" nennt er sich bescheiden selber, aber den halsbrecherischen Unsinn dieses Eeheimbunds einschließlich „Revolutions-Protokollen",„Aufrufen zum Barrikadenbau", „Waffenversendungsplänen" und „Todesurteilen" macht er fröhlich mit, hat auch gegen die Aufbewahrung des Archivs unter dem Bett der „blonden Jda" nichts einzuwenden! Noch mehr, bei Lichte besehen ist er noch etwas dümmer und leichtfertiger als die anderen. Obwohl er weiß, daß die junge Generation auf anderem Standpunkt steht, auch die Gefährlichkeit des trottelhaften Spiels in lichten Momenten nicht verkennt, macht doch er den Vorschlag, die jungen Leute als Mitglieder aufznnehmen. Und aus ivelchem Grunde?! Weil der Bierwirt erklärt, für nur fünf Gäste könne er das Zimmer nicht mehr hergeben! Erst nachträglich kommt die dazu gehörige Phrase. Daß dies Musterbild gefesteter Männlichkeit nach Entdeckung des Geheimbundes dem vor Furcht zähneklappernden Freunde gesteht, er fürchte sich noch mehr als er, daß er einen Gottesdienst zum Sedantage abhält, obwohl erinnerlich eine solche Feier verpönt, sei nur der Vollständigkeit wegen erwähnt, aber welche netten Geschichten erfahren wir nebenbei von dem salbungsvollen Priester des Herrn! Er ißt mit Vorliebe Schinken, obwohl ihm dies den Hals brechen Busch. Jahrbuch 1847, S. 112. -) Im nächsten Hefte seiner „Deutschen Dichtung" (Band XXXV, Heft 4 vom 15. November) veröffentlicht Karl Emil Franzos eine sehr eingehende Studie über Sudermanns neue Komödie: „Der Sturmgeselle Sokrates." Aus den uns zur Verfügung gestellten Aushängebogen des Heftes veröffentlichen wir hier diejenigen Stellen, die sich auf die beiden Juden im Stück, den Rabbi Markuse und seinen Sohn beziehen, da sie für unsere Leser sicherlich von Interesse sein werden. Die Red.

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