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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-11-06 · Heft 45 (6.11.1903) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 45 (6.11.1903)
Date
1903-11-06
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 Gefeierte um die Verwaltung der Gemeinde, um die Religionsschule, die Chewra-Kadischa und den Frauenverein erworben hat. Ueberrascht und tief gerührt dankte Herr Glaser und. gelobte auch ferner, seine Kraft treu und opferfreudig der heiligen Sache widmen zu wollen. Am Abend fand ein Festessen im Hotel „Weißer Engel" statt. Hierbei wurde dem Jubilar von der Gesamtgemeinde ein silberner Pokal, von der Chewra-Kadischa eine kostbare Schale und von dem Frauenverein eine Dortzbibel unter Ansprachen der Vertreter dieser Körperschaften überreicht. Zahlreiche Telegramme und Schreiben, unter anderen von der B. B.-Loge in Görlitz, von Herrn Rabbiner Dr. Winter- Dresden, dem Vorstande unserer Nachbargenleinde Bautzen, gingen ein und wurden zum Teil verlesen. Eill vorzüglich gelungenes Festlied, launige und ernste Trinksprüche, humoristische und andere hübsche Vorträge erhöhten die Festfreude. — Oschatz, 20. Oktober. Heute fand hier eine gerichtliche Verhandlung als Nachklang zu den Wahlausschreitungen statt, die s. Z. die Anhänger des durchgefallenen Chefredakteurs Dr. Oertel im Freiberger Wahlkreise sich zu schulden kommen ließen. Ein Mitglied des Bundes der Landwirte, der Gutsbesitzer und Landwehroffizier K. hatte ilämlich am 16. Juni abends in einem dortigen Gasthofe, als zwei Herren, darunter der Kaufmann B., der jüdischeil Glaubens ist, die Wahlergebnisse besprachen, und B. dabei, ohne K. irgendwie belnerkt oder beachtet zu haben, der Meinung Ausdruck verlieh: „Oertel lvird wohl abgesägt werden," jenem im Vorbeigehen „dummer Jude" zugerufen. Er suchte dies nun zwar in Abrede zu stellen, indem er die recht gezwungene Ausrede vorbrachte, er habe zu einem anderen Herren im Gespräch gesagt, am Wahlansfalle seien nur die Sozialdemokraten und die Juden schuld (Worte, die vor der Stichwahl übrigens kaum einen Sinn gehabt hätten), fand damit aber keinen Glauben und wurde wegen Beleidigung des Kaufmanns B. zu der milden Strafe von 30 Mark, eventuell drei Tagen Haft, sowie zur Tragung der Kosten und der deni Kläger erwachsenen notlvendigen Auslagen verurteilt. M. B. Hamburg, 22. Oktober. Die Henrh Jones-Loge hat heute den Grundstein zu einem eigenen Heim in der Hartnugstraße gelegt. Sanfte Töne eines Harmoniums leiteten die denkwürdige Stunde ein. Hierauf folgte eine Ansprache des Herrn Gustav Tuch, der mit Begeisterung die Ziele beleuchtete, denen das Haus geweiht sein solle. Hier, sagte er, werde für große Aufgaben die Arbeitsstätte sein, um im jüdischen Geiste Licht und Liebe, Gesittung und soziale Aufrichtung zu fördern. Die Grundsteinlegung, die die Urkunde, die Jahresberichte der Loge, des Humanitären Frauenvereius, und all der anderen Organisationen in sich schließe, symbolisierte gleichsam die Grundgedanken der Loge. Eine geschichtliche Reminiszenz führte der Redner vor durch den Hinweis auf die Entstehung der ersten Loge Bne Brith, die der 1843 von Hamburg ausgewanderte Henry Jones ins Leben gerufen hat. Ihre Errungenschaften werden durch die jüdischen Logen in den Vereinigten Staaten und in Europa gekennzeichnet, die 1893 ihr fünfzigstes Jubiläum feierten. Damals erscholl aufs neue die Devise, daß unter dem Schilde des Ordens Bne Brith keine Bevorzugung existiere, sondern daß sie nur von dem einen sehnsuchtsvollen Gefühl getragen werde, Pflichten der vornehmsten Menschenliebe in freier Gemeinschaft zu erjüllen. Was die Hamburger Loge bereits geleistet hat, das besagte die Urkunde, die vom Redner verlesen wurde. Demnach zählt die Loge jetzt 170 Mitglieder. Sie hielten ihre Versammlungen erst in kleinen, dann in größeren Mietslokalen ab. doch allmählich stellte sich die Notwendigkeit ein, allen Einzelbestrebungen ein zentrales Heim zu schaffen. Jni Jahre 1902 wurde diese Anregung gegeben und 1903 konnte sie schon eine feste Gestalt annehmen. Dank der Opferfreudigkeit der Brüder wurde aus ihrem eigenen Kreise eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung für ein Logenheim gebildet, Der Architekt Br. Engel übernahm den Ausbau des erstandenen Grundstücks, wo folgende Institutionen ihre Heimstatte finden werden: die Loge, der Israelitisch-humanitäre Frauenverein, die israelitische Haushaltungsschule, der Verein für Arbeitsnachweis, die Lesehallen, das Gelneinschaftsheim, der Verein fürjüdische Geschichte und Literatur, der Verein für jüdische Volkskunde, die Knaben-Handfertigkeitskurse und der Israelitische Kinderhort. Der Redner schloß seine warmen Worte, die eine beifällige Aufnahme fanden, mit eillem Segen für das Judentum und die ganze Menschheit, für die Hansestadt und das gesamte Vaterland. Die Urkunde und Jahresbericht der genannten Jnstiiutionen, ferner Münzen und Tageszeitungen wurden in einen kupfernen Cylinder geschlossen, der im Kellerraum, wohin die Alttvesenden sich begeben hatten, eingemanert wurde. Unter sinnigen Denkworten wie: Zur Ehre Gottes, zur Ehre und Würde der Gemeinde!" „Brüderlichkeit, Wohltätigkeit und Eintracht!" „Liebe und Treue, Freiheit und Schöne, Einigkeit und Stärke!" „Zum Segen der Loge, den Brüdern zur Freude, dem Erbauer zur Ehre!" „Kunst. Wissenschaft, Gesittung!" wurden die Hammerschläge zur Grundsteinlegung ausgeführt von den Herren Alfred Cohn, I. Schönfeld, Gustav Tuch, Architekt Engel und Maurermeister Bäckmann. Mit einen! an die Gäste gerichteten Dank für ihre Teilnahme fand die einfache und weihevolle Feier ihren Abschluß. ----- Rostock, 30. Oktober. Die „Rostocker Zeitung" brachte jüngst den folgenden Bericht: „In der Hauptversammlung der kirchlichen Landeskonferenz und des Landesvereins für Innere Mission ist seit gestern eine große Anzahl Geistlicher ans allen Teilen Mecklenburgs hier versamnlelt. Die Tagung wurde gestern nachmittag um 5 Uhr mit einer Vorstandssitzung der Landeskonferenz eröffnet. Die erste öffentliche Veranstaltung: die Generalversammlung des Judenmission sv ereins, fand bereits zahlreichen Besuch, so daß diese Versammlung vom „Spiegelsaal" der Tonhalle in den großen Saal verlegt werden mußte. Hier eröffnete Herr Superintendent Dr. Behm-Doberan die Sitzung mit Worten der Begrüßung und mit einem Hinweis darauf, daß die Judenmission eine Aufgabe der Liebe sei. Ein Geistlicher, der zehn Jahre lang in Rumänien als Judennlissionar gewirkt hat, Herr Pastor von Harling aus Leipzig, gab dann ein Bild von der Bedeutung der Aufgaben der Judenmission im allgemeinen und von der Tätigkeit der Judenmission in Rumänien im besonderen. Er führte einleitend aus, daß die Christen sich der Pflicht der Judenmission nicht entziehen könnten. Die erste Aufgabe sei es, dahin zu wirken, daß die Juden an die Liebe der Christen glauben. Jeder Christ müsse Mitarbeiter in der Judenmission werden. Leider gebe es überall, wie auch in Mecklenburg, nur eine kleine Anzahl Freunde dieser Mission. In Deutschland sei erst wenig für die Judenmission getan, und doch habe gerade dieses Land den meisten Anlaß dazu, weil die meisten Juden bis in den fernen Osten hinein die deutsche Sprache als Muttersprache hätten. Besonders unsere lutherische Kirche müsse mit immer größerem Interesse an diesem Werke tätig sein. Redner hat vor sieben Jahren in Galatz aus Bitten jüdischer Eltern mit Genehmigung eines Norwegischen Missionskomitees, eine Missionsschule mit ca. 30 Kindern errichtet, die jetzt zu einer völlig entwickelten Mädchenschule mit sechs Klassen und 140 Schülerinnen geworden, und der vom Unterrichtsminister der Name „P r o t e st a n t i s ch - I s r a e l i t i s ch e M ä d ch e n s ch u l e" beigelegt worden ist. Er berichtete ferner über die dort eingeführten Kindergottesdienste, sowie über eine für junge jüdische Kauflente eingerichtete Fortbildungsschule. Ueberall hat sich das ursprüngliche Mißtrauen gegen die Missionare in Achtung und Liebe umgewandelt. Herr- Superintendent Dr. Behm-Doberan gab im Anschluß an den Vortrag einen Ueberblick über die Tätigkeit in der Landeskirche für das Werk der Jndenmission. — Die Vereinigung hatte eine Einnahme von 514,40 Mark, eine Ausgabe von 489,86 Mark, unter welch' letzterer der Beitrag an den evangelisch-lutherischen Zentralverein zu Leipzig mit 400 Mark als Hauptsumme steht. Zum Schluffe ermahnte der Redner, in Treue aus dem Wachposten dieser Mission zu beharren, und schloß dann mit Gebet die Versammlung." — Für die großen jüdischen Gesellschaften in Deutschland und Frankreich, welche den Zweck haben, den osteuropäischen Brüdern Hilfe und Unterstützung angedeihen zu lassen, ist hier noch eine hohe Ausgabe durch Gründung jüdischer Schulen und ausklärende Vorträge für Erwachsene zu erfüllen. Der Missionsgesellschaft muß unter allen Umständen das Handwerk gelegt werden. t. Nürnberg, 1. November. Unsere jüdische Kultusgemeinde wurde durch die Hochherzigkeit des verstorbenen Herrn Max Heim und seiner noch lebenden Gemahlin Frau Elise Heim in Frankfurt a. M. um eine gemeinnützige Institution reicher. Aus dem Nachlaß des Herrn Max Heim wurde durch Testamentsbestimmung der jüdischen Gemeinde ein Kapital von 125 000 M. zur Errichtung eines israelitischen Mädchenstifts übergeben, welches den Zweck hat, herangewachsenen und einer geeigneten Häuslichkeit entbehrenden israelitischen Mädchen, welche sich in Nürnberg oder in näherer Umgebung dieser Stadt einem ehrenhaften Berufe widmen, den Schutz eines gesitteten und geordneten Hauswesens zu gewähren, sowie auch,

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