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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-11-06 · Heft 45 (6.11.1903) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 45 (6.11.1903)
Date
1903-11-06
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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1)7. Jahrgang. No. 45. Iterlin, (J. November 1903. Der Gemeindevote. Vellage zur „Allgemeinen Leitung deF Judentums" karrrlpandrn-kn und Aachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 2. November. In Erwiderung auf den in der vorletzten Sitzung gerügteil Mangel, daß es unmöglich sei, an jüdischen Feiertagen die Anmeldung von Todesfällen unb die nötigen Formalitäten im Gemeindebnreau zu veranlassen, stellt uns die rührige Leitrulg der Kommission für die Friedhossangelegenheiten folgende Notizen zur Verfügung, die in der Form eines Anschlags an den zuständigeir Stellen dem weiteren Publikum zur Kenntnis gebracht werden sollen: Das Bnreau der Friedhofskommission der jüdischen Gemeinde, Oranienburgerstraße 29, Parterre rechts, ist zur Anmeldung von Beerdigungen geöffnet Montag bis Donnerstag von 8 bis 6 Uhr, Freitag von 8 bis 3 Uhr, Sonnabend uild an jüdischen Feiertagen von 3 bis 5 Uhr, Sonntag und an bürgerlichen Feiertagen von 8 bis 1 Uhr. Vom 1. Oktober bis 31. März beginnt die Anmeldezeit erst um 8Uhr morgens. Nach eingetretenem Todesfall sind folgende Meldungen zu machen: 1. der Revierpolizei, 2. dem behandelnden Arzt, 3. dem in Betracht kommenden Standesamt, 4. nach Erledigung der Meldungen 1 — 3 nochmals der Revierpolizei, 5. im Bureau der Friedhosskommission. -/V Berlin, 2. November. Zur Biographie des verstorbenen Rev. Dr. M. Jnstrow in Philadelphia wird uns noch ergänzend mitgeteilt, daß derselbe in den sechziger Jahren an der hiesigen jüdischen Neligionsschule unter David Rosins Leitung als Lehrer tätig war. Im vorigen Jahre war Jastrow längere Zeit hier im jüdischen Hospital, um sich operieren zu lassen. Sein großes Wörterbuch ist übrigens mit der eben erschienenen sechzehnten Lieferung vollständig geworden. Von seinen beiden Söhnen ist der eine Josef Jastrow Professor der Psychologie an der Universität Madison (Wisconsin), der andere Moritz Jastrow, der rühmlichst bekannte Professor der semitischen Sprachen in Philadelphia. 12! Berlin, im Oktober. Der nachfolgende Aufruf, den wir der Teilnahme aller, die das große K u l t u rw erk in Pa lä st i n a zu fördern geneigt sind, wärmsteus ans Herz legen, gelangt in den nächsten Tagen zur Versendung: Von der Erkenntnis geleitet, daß die jüdische Jugend Jerusalems nur durch Erziehung und Unterricht in europäischem Sinne dem entsittlichenden Bettel entzogen, zu selbsttätigem Erwerb herangebildet unb der ehrlichen Arbeit zngeführt werden kann, hat der Vorstand des von den Herren Professor Graetz, Gottschalk Lewy und Ascher Lewy gegründeten „Vereins zur Erziehung jüdischer Waisen in Palästina" rieben der Fürsorge für die Waisen, die Schule des dauernd wachsenden Waisenhauses allen Kindern der Stadt zugänglich gemacht. Zu diesem Zweck übernahm (1888) der Verein die von den; Dichter Ludwig August Frankl gestiftete Lämel- Schnle, welche unter fachkundiger Leitung des Schuldirektors. Herrn Ephraim Cohn, in kurzer Zeit auf die Höhe einer gehobenen deutschen Schule gebracht wurde, in der neben den hebräischen Fächern sämtliche Unterrichtsgegenstände einer Qiiteu deutschen Schule nach modernen, pädagogischen Grundsätzen gelehrt werden und auf die körperliche Pflege alle Sorgfalt verwendet wird. Mit welchem Erfolge, das beweisen die Zeugnisse berufener Beurteiler und die Reden, welche gelegentlich der Einweihung des neuen Schulhauses seitens des deutschen Konsuls, Herrn Dr. Schmidt und des österreichungarischen Generalkonsuls Herrn L. Pagacar, gehalten wurden. Mit dem stetigen Wachsen der Schule wurde der Bau eines Schulhanses an Stelle der Mietsräume zur unabweisbaren Notwendigkeit. Die hochherzige Unterstützung durch die Jewish Colonisation Association, den Hilssverein deutscher Juden und durch Einzelwohltäter waren trotz sorgfältigster Einschränkung nicht ausreichend die auf 100 000 Mark bemessenen Baukosten zu decken, und dem Verein blieb ein Fehlbetrag von 20 000 Mark, für den seine ständigen Einnahmen um so weniger ausreichen, als er bereits jährlich rund 6000 Mark für die Schule zuschieben muß. Die Schule, welche gegenwärtig von ca. 200 Zöglingen besucht wird, von denen den ärmeren auch Mittagskost und Kleidung gereicht werden muß, erfüllt ein hervorragendes Kultur-- und jüdisches Liebeswerk, indem sie diese Knaben mit europäischem Wissen für das Leben ausrüstet. Sie erweist damit nicht nur diesen, ihren Zöglingen, reiche Wohltat, sondern trägt zugleich dazu bei, das Gesamtniveau der Bevölkerung Jerusalems zu heben. Diese bedeutsame Begleitwirkung wird niemand unterschätzen, der sich bewußt ist, daß an einer kulturellen und sittlichen Hebung unserer Glanbensgenossen in der heiligen Stadt, welche jahraus, jahrein von vielen zehntausenden nicht jüdischer Pilger besucht wird, die Ehre der Gesamtjudenheit engagiert ist, namentlich angesichts des gabemvilligen Wetteifers, mit welchem andere Bekenntnisse sich für ihre Religiousangehörigen im heiligen Lande betätigen. So hoffen wir denn, das; sie in bewährter Hochherzigkeit dem eminent segensreichen Werke Ihre Unterstützung nicht versagen, sondern den Vereinsvorstand durch einen eiinnaligen, oder, wofür um* doppelt dankbar sind, durch einen Jahresbeitrag in den Stand setzen werden, die Banschuld zu tilgen uub die Schule den gesteigerten Anforderungen entsprechend auszugestalten. Der Verein bedarf der tätigen Mitwirkung weitester Kreise behufs einer namhaften Erweiterung seiner Mittel aus folgendem Grunde umso dringlicher. Für die Erziehung der Waisenmädchen in Palästina ist bislang nichts getan, und sind dieselben ohne jegliche Fürsorge und Unterweisung sich selber überlassen. Angesichts dieses geradezu schreienden Notstandes lvurden dem Verein von einem der Verwaltung nahestehendell Wohltäter 30 000 Mark als Grundstock für ein Mädchen- Waisenhaus gespendet. Selbstverständlich reicht dieser Betrag zur Ausführung des Werkes nicht entfernt ans, das vielmehr eist dann lvird realisiert werden können, wenn das hochsinnige Beispiel jenes edlen Spenders Nachahmung findet, und die Einnahmen des Vereins eine namhafte Erweiterung erfahren. Indem lvir Sie ullseres wärmsten Dankes im vorhinein versichern, verharren lvir mit größter Hochachtung Geheimer Sanitätsrat Dr. Blumenthal, Julius Bodensteill (Rendant), Justizrat O. Cassel, Moritz Dorn, Rabbiner Dr. Eschelbacher, Dr. H. Hildesheimer, Dr. Gustav Karpeles, Generalkonsul Enger; Landau, Prof. Dr. L. Lalldau, Prediger Dr. M. Levill, Gustav Löwellberg, Rabbiner Dr. Maybaum, Oberlehrer Dr. Schäfer, Dr. Moritz Sobernheim, D. Struck, Justizrat Timeudorser, Hermann Tietz, Rabbiner Dr. Nugerleider, Prof. Dr. O. Marburg. G. Berlin, 2. November. Die Wis senschaftl iche Vereinigll llg jüdischer Schulmänner zu Berlin nahlll llach vierteljährlicher Unterbrechung ihre Tagungen am 5. v. M. wieder auf. Nachdelli der Vorsitzende. Rektor Dr. Gutmann, die aus den Ferien zurückgekehrten Kollegen begrüßt hatte, begann die Besprechung der Thesen eines früheren Vortrages des Kollegen Falkenberg: „Ueber die Einrichtung hebräischer Lesehallen". Nach einigen lebhaft diskutierten Aenderungen wurde die elldgültige Festsetzung des Textes einer dreigliedrigen Kommission überwiesen. — Der Vorsitzende brachte noch ein Zirkular der Buchhandlllllg Hops in Schlawe zur Kenlltnis. welches die Herausgabe eines Kalenders durch den dortigen Kollegen Heidenseld ankülldigt. 22 Berlin, 2. November. Die Versalttmlung der Palästinafreunde, die allf Veranlassurlg des Vereills „Esra" einberufen lvorden war, vereinigte inl großen Saal des Berliner Fürstenbergbrän ein zahlreiches Publikum, unter dem sich viele jüdische Notabeln befanden. Auch auswärtige Delegierte lvaren erschienen. Eröffnet wurden die Beratungen durch einen Vortrag von Dr. Alfred Nossig, der im wesentlichen folgendes ausführte: Die jüdische Kolonisationsbelvegung ist an einem Wendepunkt angelangt. Während der politische Zionismus sich von der Aussichtslosigkeit seiner Bestrebungen in Palästina überzeugt hat und sich exotischen Projekten zuwendet, hat die langsame Kolonisation in Palästina gerade jetzt die erfreulichsten Erfolge aufzuweisen. Die langjährige Krise des Kolonisatiouswerkes ist vorüber. Die großen jüdischen Organisationen wie die Jewisli Colonisaliou Association gehen mit erneuter Zuversicht in Palästina vor. Auch unter den auswanderungsbedürftigen jüdischen Massen im Osten hat sich in letzter Zeit die Ueberzeugung gefestigt, daß der Weg der langsamen Kolonisation in Palästina der richtige ist. Dieses Programm muß also jetzt wieder ausgenommen werden, aber auf

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