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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-10-16 · Heft 42 (16.10.1903) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 42 (16.10.1903)
Date
1903-10-16
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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67. Jahrgang. No. 42. Berlin, 16. Oktober 1903. Der Gemeindevote. Vellage zur „Allgemeinen Leitung deF Judentums" Sorrrlpondkn?rn und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 11. Oktober. In wenig mehr als einstündiger Sitzung erledigte die heutige Repräsentantenversamm lung ihre nicht sonderlich interessante Tagesordnung. Nach Mitteilung des Gemeindevorstandes ist die Steuerquote für die jüdische Gemeinde auf 21/« Prozent des Einkommens festgesetzt worden; in den Schul- und Talnlud - Torah - Vorstand wurden gewählt die Herren Sanitätsrat Dr. Stern, Professor Dr. Geiger, Professor Kali scher und Oberlehrer Dr. Scharfer. Iil die gemischte Deputation zur Vorberatung des Gemeindestatuts sind vom Gemeindevorstand die Herren Justizrat Lachmann und Landgerichtsrat P lehn er, in die Kommission zur feierlichen Ausgestaltung der Barmizwahfeier die Herren Landgerichtsrat Löwe und Martin Simon abgeordnet worden. Die Zuwendung der Hinterbliebenen der Frau Johanna Meyer geb. Alexander in Höhe von 1000 Mark wurde debattelos genehmigt. Die Festsetzung des Dienstalters der Lehrkräfte an den Religionsschulen wie der Rechnungsabschluß der Alterversorgungsanstalt verfielen der Vertagung. Die Verteilung der Traugebühren ist etwas geändert worden und erhält widerspruchslose Zustimmung; auch gegen die Freistellung des pneumatischen Kabinetts zu halben Preisen für die Aerzte und deren Familien haben die Repräsentanten nichts einzuweuden. In den Satzungen der Kommission für die Friedhossaugelegenheiten wird die Aeuderung der Bestinlmung über die Leichensteine angenommen; die letzteren sowie die Inschriften auf denselben werden fortan nicht mehr der Prüfung des Gemeindevorstandes, sondern der Genehmigung der Friedhofskommission unterliegen. Im Reichenheinlschen Waisen Hause waren laut Rechnungsabschluß 1902/03 74 Zöglinge vorhanden. Die Einnahmen betrugen mit Einschluß des sich ans 29 883 Mark belaufenden Gemeindezuschusses 57 442 Mark, die Ausgaben 50 840 Mark; der Verpflegungssatz stellte sich pro Kops und Jahr auf 666,14 Mark. Die jüdische Knabenschule besuchten 33, die jüdische Mädchenschule 20 Zöglinge, während die anderen in städtischen Schulen unterrichtet wurden. Die entlassenen Knaben wurden Handwerker, die entlassenen Mädchen Buchhalterinnen und Putzmacherinnen. Im Hospital der jüdischen Gemeinde befanden sich im April vorigen Jahres 89 Hospitaliten, in diesem Jahre wurden 27 mit ausgenommen, so daß die Zahl auf 116 stieg. Entlassen wurden auf eigenem Wunsch ein Manu und eine Frau; gestorben sind acht Männer und zehn Frauen. Die Verpflegungskosten beliefen sich pro Kopf und Tag auf 59^ Pfennig. Die Aufnahmegesuche der Frauen überstiegen diejenigen der Männer. Vollständig unentgeltlich befinden sich 17 Hospitaliten in der Anstalt. Fast sämtliche Konten bis auf dasjenige für Heilmittel und Medikamente ergaben Minderausgaben. Von dem 26 500 Mark betragenden Gemeindezuschuß konnten 18 270 Mark zurückgezahlt werden. — Für die Belegung des Fußbodens der Halle und der Arkaden auf dem Friedhose Weißensee werden 650 Mark bewilligt. Die Baukommission soll noch erst prüfen, ob die Verwendung von Linoleum, wofür Maurermeister Fraeukel plädiert, oder von Kokusläufern geeigneter ist. — Erheblicheres Interesse bietet der Rechnungsabschluß der Kommission für die Fried h ofsangelegenheiten. Die Einnahnien betrugen 259 115,10 Mark, die Ausgaben 208 448,33 Mark. Ausfälle durch nicht bezahlte Beerdigungskosten betrugen für den Friedhof Weißensee 24936 Mark, für Schönhauser Allee 110 Mark, niedergeschlagen wurden 2684.57 Mark, in Sumnia 27 730.57 Mark (im Vorjahr 28155 Mark, mithin 424,43 Mark weniger). Bei fast allen Etatspositionen haben die Einnahmen entsprechend der gesteigerten Zahl der Beerdigungen den Voranschlag überschritten. Es fanden statt im Rechnungsjahr 1531 Beerdigungen gegen 1422 im Vorjahre, mithin mehr 109, die Steigerung hat nur bei Erwachsenen stattgefunden, während die Kindersterblichkeit — trotz der Vermehrung der jüdischen Bevölkerung — erfreulicherweise zurückgkgangen ist; es starben 375 Kinder gegen 358 im Vorjahr. Es wurden beerdigt auf den Friedhose Weißensee: 608 Männer, 509 Frauen, 189 Knaben, 169 Mädchen, zusammen 1475; Schönhauser Allee: 19 Männer, 37 Frauen, zusammen 56: Summa 627 Männer 546 Frauen, 189 Knaben. 169 Mädchen, zusammen 1531. Selbstmorde sind gemeldet 41 gegen 30 im Vorjahre, 37 hier Verstorbene sind nach erfolgter Einsargung nach den verschiedenen Bahnhöfen besördert worden. Der Gärtuereibetrieb auf dem Friedhof Schönhauser Alle? gestaltete sich in dem Etatsjahr 1902/03 günstiger als im Vorjahre. Während 1901/02 an die Friedhofskommission der Gesamtbetrag von 17 000 Mark abgeliefert wurde, betrug die Ablieferung 1902 03 23 574,60 Mark. Zieht man in Betracht, daß das Etatsjahr 1902/03 mit einem Kasseubestande abschließt, der den des Vorjahres um 807.80 Mark übertrifft, so beträgt in Wirklichkeit das Mehr 7382,40 M. Das günstige Ergebnis entstammt jedoch nicht einer gesteigerten Mehreinnahme aus dem Gärtnereibetreib, im Gegenteil, der Erlös daraus war sogar geringer, freilich nur um den kleinen Betrag von 247,70 M. Aber die Ausgaben für den Gärtnereibetrieb haben sich dank der den Pflanzen wie der Hügelerhaltung zuträglicheren Witterung beträchtlich verringert. Während der Winter ^1900/01 ca. 2200 Gräber derartig angriff. daß 1700 neu aufgerichtet werden mußten und nur 500 lediglich durch eine Reparatur sich Herstellen ließen, litten vom Winter 1901/02 im ganzen 1500 Gräber und überdies waren die Schäden milderer Natur, so daß bei zwei Dritteln eine bloße Reparatur genügte. Die Herstellungskosten betrugen 1901/02 10594,20 Mark, dagegen 1902/03 nur 5606,90 Mark. Die Summe der für den Gärtnereibetrieb besonders ins Gewicht fallenden Minderausgaben betrug allein schon 7955,80 Mark. Die Neuorganisation der Bnreauräume der Friedhofskommission, über die wir zur Zeit eingehend berichteten, hat sich als praktisch bewährt und allseitige Anerkennung gefunden. Klage wird noch seitens des Publikums geführt, daß es an den hohen Feiertagen nicht möglich ist, eine Beerdigung auzunielden. In der anschließenden kurzen Debatte bemängelt Herr Manheimer noch die Höhe einzelner Grabdenkmäler in Weißensee. Herr Jacoby erwidert darauf, daß die Denkmäler vom Baumeister der Gemeinde einer vorherigen Prüfung unterzogen werden. — Zum Dirigenten der Religionsschule in Schöneberg, die in kurzem eröffnet werden wird, ist Dozent Dr. I. Elbogen gewählt worden. 8. Berlin, 11. Oktober. Die in einem Berichte unserer vorigen Nummer gegebenen Zahlen über die gottesdienstlichen Veranstaltungen, sowie die daraus gezogenen Schlüsse entsprechen, wie man uns mitteilt, nicht den tatsächlichen Verhältnissen. Die folgenden Zahlen dürfen dagegen auf volle Authenticität Anspruch erheben. Die Gemeindesynagogen Berlins bieten zirka 9000 Plätze, die von der Gemeinde eingerichteten gottesdienstlichen Veranstaltungen rund 15 000 Plätze; in den Jugendgottesdiensten sind 3500 Plätze vorhanden. Die Räume der von der Gemeinde subventionierten Religionsvereine bieten zirka 7000 Besuchern Gelegenheit zum Gottesdienst (darunter allein die Resormgemeinde mit 1700 Plätzen). Die nicht subventionierten Gemeinden fassen 600, sonstige Veranstaltungen ebenfalls rund 600 Plätze. Während im Vorjahre nur 29 231 Plätze geboten werden konnten, konnten in diesem Jahre rund 35 000 Plätze zur Verfügung gestellt werden. Nicht in Betracht gezogen sind die Plätze, welche die Adaß-Jisroel-Gemeinde gewährt und die mindestens auf 1000 Sitze veranschlagt werden können. Es kommen ferner noch hinzu die privatim eingerichteten Gottesdienste, deren Zahl zwar schon lebhaft abgenommen hat. welche aber doch bei einer solchen Berechnung nicht vernachlässigt werden dürfen. Auf Grund der letzten Volkszählung ergibt sich für Berlin und seine Vororte ein Bestand von 108 044 jüdischen Seelen, die jüdische Großgemeinde zählt rund 25 000 Zensiten. In diesem Jahre sind von der Gemeinde zwei neue Gottesdienste und zwei neue Jugendgottesdieuste eingerichtet worden, im nächsten Jahre soll wiederum eine weitere Ausgestaltung vorgenonnnen werden. Zn berücksichtigen ist hierbei, daß es bereits au geeigneten würdigen Lokalen zu fehlen beginnt. Die Lokale, welche in Betracht kommen, werden nicht zu diesem Zwecke vermietet, und diejenigen, welche zu haben sind, sind nicht verwendbar. Auch der Verwaltnngsapparat wird bereits immer schwieriger, an brauchbaren Kantoren beginnt es ebenfalls bereits zu mangeln. Dem Bedürfnis nach Plätzen für die hohen Festtage ist

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