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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-10-09 · Heft 41 (9.10.1903) · p. Seite 492

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 41 (9.10.1903)
Date
1903-10-09
Page
Seite 492 (sequence 14)
Language
German
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492 2. Kön., Kap. 18—10). 10. Die prophetische Reform (Kap. 1). Möchten die „Biblischen Lesestücke", denen sich bald eine Bearbeitung Jeremias anschließen wird, sich bei unseren Gebildeten einen zahlreichen Leserkreis erwerben und sich vor allem in der Schule einbürgern. Ich glaube, daß sie Verständnis und damit auch Liebe zu unserer prophetischen Literatur zu wecken vermögen. Bochum. Rabbiner Dr. M. David. — Professor Adolf Harnack hat der Akademie der Wissenschaften einen Bericht seines Kollegen Professor Freiherrn v. Soden vorgelegt, der sich über die H an dsch ri s teu f u nde aus der Kubbet zu Damaskus im Zusammenhänge äußert. Hervorragende Gelehrte haben zusammeugewirkt bei der Entzifferung. Rätselhaft ist das sehrreichliche Vorhandensein hebräischer Literatursragmeute in der Moscheenschatzkammer. Die Gruppierung und Würdigung hat Professor Dr. Barth übernommen. Sie verteilen sich auf profane Schriftsätze (Ehekontrakte u. a.), Synagogenliturgien und alttestamentliche Fragmente. Ein Interesse dürfen die Bruchstücke in samaritanischer Sprache und Schrift beanspruchen. Eins von ihnen ist als Kalendarium festgestellt. Das Ganze bietet einen weiteren Beleg für die Existenz einer samaritanischen Diasporagemeinde in Damaskus. Zweifellos das wertvollste der Sammlung sind ziemlich umfangreiche, teilweise zusammenhängende Fragmente in palästinensisch-aramäischer Schrift und Sprache, sowohl aus dem Alten Testament wie aus den Evangelien. — Geschichte der Juden in Bromberg. Zugleich ein Beitrag zur Geschichte der Juden des Landes Posen. Nach gedruckten und ungedruckten Quellen dargestellt von I. Herzberg. Frankfurt a.M. 1903- I. Kauffmanu. I. Herzberg ist uns als ein Romanschriftsteller, der seine Stoffe nur aus dem Leben der Juden nimmt, längst bekannt. Und wie ein spannender Roman liest sich seine Geschichte der Juden in Bromberg, trotzdem hu ganzen Buche kein Satz zu finden ist, den man als Phantasie des Verfassers bezeichnen könnte. Zu jeder Angabe ist in einer Fußnote die Quelle genannt und es sind deren gar nicht wellige in den 137 Anmerkungen mitgeteilt. Die „Geschichte der Juden in Bromberg" beginnt mit dem Jahre 930 und schließt mit dem Jahre 1885. Die Jahreszahl ist stets am Seitenrande angegeben. Die Illustrationen sind passend gewählt und gut ausgesührt. Wie der Verfasser in dem Vorworte angibt, war er bemüht, wichtigere Tatsachen voll einem allgemeinen Gesichtspunkte aus darzustellen, namentlich suchte er zu zeigen, wie sich die Verhältnisse der Judell in der Provinz Posen seit der Besitzergreifung der Posener Lande durch Preußen entwickelt haben, um so gleichzeitig einen Beitrag zur Geschichte der Jllden in den Posener Landen überhaupt darzubieten. Fast alle größeren jüdischen Gemeinden der Provinz Posen werden in dem Buch erwähnt. Herzbergs „Geschichte der Juden in Bromberg" ist daher nicht nur für die Juden Brombergs, sondern auch für die Juden der Provinz Posen lesenswert. Aber auch jeder andere Jude, der sich für die Geschichte seines Volkes interessiert, und das sollte eigentlich jeder, wird das Buch nicht obne Befriedigung aus der Hand legen. Insbesondere empfehle ich es allen Lehrern, die eine Chronik ihrer Gemeinde schreiben wollen. Wie luir hören, hat die Lehrabteilung des Deutsch-Israelitischen Gemcindebundes das Buch geprüft und da es als sehr verdienstvoll anerkannt wurde, beschlossen, eine größere Anzahl von Exemplaren zur Verteilung anzukaufen. Die Gutachten der Sachverständigen über den Koliitzer Mord (llach den amtlichen Akten) sind soeben erschienen. Das Dunkel, das über beiu Konitzer Morde lagerte, ist durch die im Druck erschienenen eingehelld motivierten Glltachteil der gerichtlichell Sachverständigen, zum großen Teil anfgehellt. Der Gymnasiast Winter ist ein Opfer sexueller Ausschweifungen geworden; er wurde überrascht, durch Erstickuilg getötet, und sein Leichnam nachher zerstückelt. In allschaulicher Weise lvird dies, besonders in dem Glltachtell des Professor Puppe, sowie dem des Danziger Medizinal-Kollegiulns und der wissellschastlicheil Deputation für das Medizinalweserl all der Haild des Leichenbefundes und der vorgefundeilen Kleiduilgsstücke uachgewiesen. Die Möglichkeit eines „Schächtschnitts" lvird widerlegt und damit entfällt auch in diesem Fall das voll antisemitischen Hetzern verbreitete Märchen von eillem „Ritualmord". Sprechsgal. Sehr geehrter Herr Redakteur! oeben lese ich im Sprechsaale der Nummer 38 Ihrer „Allgemeinen Zeitung des Judentums" (S. 456), die von Herrn Herzberg-Bromberg veröffentlichte Berichtigung einzelner vom seligen Kaufmann in seiner Edition der „Memoiren der Glücket Hameln" fälschlich wiedergegebeilen Ortsnamen. Sämtliche von Herrn Herzberg verzeichnete Namen (Hainholz, Lachem. Osnabrück und Lingen) habe ich bereits vor sechs Jahren in meiner Rezension über jenes Memoirenwerk, welche im II. Jahrgang der „Zeitschrift für hebräische Bibliographie", herausgegeben von Dr. H. Brody (jetzt unter Mitwirkung von Dr. A. Freimann). 1897, S. 106 ff., erschienen ist, berichtigend erwähnt. Wie ich annehme, ist Herrn Herzberg meine Besprechung in der genanliten Zeitschrift unbekannt geblieben. Uebrigens hat auch A. Lalldau in seinem Aussatze „Die Sprache der Memoiren Glückels von Hameln" in den „Mitteiluugell der Gesellschaft für jüdische Volkskunde", Heft VII, (Hamburg, 1901), S. 66, unter teilweiser Allführung jener Rezension dieselben Ortsnamen korrigiert. Hochachtend Ihr ergebener Hildes heim, 18. September 1903. Dr. Lewinsky. $ Hochgeehrter Herr Redakteur! ie veröffentlichen in der jüngsten Nummer Ihres geschätzten Blattes das Ihnen zugegangene Regulativ für die Rabbinerprüfung, das von der Prüslmgskommission des liberalen Nabbinerverbandes festgestellt wurde, von dem Sie annehmen, daß dessen Inhalt sicher für viele Leser von Interesse ist. Die verehrliche Kommission wolle es dem Unterzeichneten nicht verübeln, wenn er sich erlaubt, auf einen nach seinem Dafürhalten wesentlichen Mangel des Reglllativs hinzuweisen. Derselbe besteht darin, daß von dem Prüfling keinerlei Nachweis verlangt wird, daß er befähigt ist, Religion sunt erricht zu erteilen oder die Erteilung des methodischen Religionsunterrichts zu überwachen. Fast in allen Gemeinden wird in heutiger Zeit verlangt, daß der anzustellende Rabbiner teils selbst Religionsunterricht erteilt, teils den von anderen Lehrkräften erteilten Unterricht überwacht. Um dies zu können, muß aber der Rabbiner hierzu vor gebildet sein, wenn er sich nicht vor den ihm unterstellten Lehrern Blößen geben will. Es erscheint deshalb unbedingt notwendig, daß der Rabbinalskandidat mindestens ein Semester an einer Lehrerbildungsanstalt hospitiert und über den erfolgreichen Besuch sich durch eiu Zeugnis des Leiters der Anstalt ausweist; die Lehrer würden alsdann nicht, wie es leider bisweilen zu geschehen pflegt, über die mangelnde Qualifikation des Rabbiners sich abfällig äußern dürfen. Die Kenntnisse allein machen den Rabbiner nicht zum Lehrer; er muß auch Pädagogik studiert und in methodischer Erteilung des Unterrichts Unterweisung erhalten haben. — Auch von evangelischen und katholischen Theologen ist es bekannt, daß sie an Lehrer Seminarien hospitieren. Voraussichtlich wird mir weder die verehrliche Kommission noch der liberale Rabbinerverbaud diesen Hinweis verübeln, zumal ich zu meiner Legitimation auf eine mehr als zlveiundvierzigjährige Tätigkeit pn jüdischen Gemeindedieust Hinweisen kann. M. Klein. Obersekretär der Synagogengemeinde. Königsberg i. Pr., 4. Oktober 1903. Sehr geehrter Herr Redakteur! n Erwiderung der Bemerkungen des Herrn Dr. Deutsch aus Cincinnati in Nummer 39 Ihres geehrten Blattes, erlaube ich mir Ihnen mitzuteilen, daß der in der Warschauer „Hazefirah" erwähnte angeblich in Brünn vorgekommene Fall, der zu Streitigkeiten im Gemeinoevorstande Anlaß gegeben haben soll — es handelte sich um Begräbnisangelegenheiten — von Anfang bis zu Ende von einem Individuum, das seither vom hiesigen Schauplatze verschwunden ist, erdichtet und erlogen wurde. Brünn, 27. September 1903. Dr. M. Grün selb. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin, verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch witz in Berlin.

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