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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-10-09 · Heft 41 (9.10.1903) · p. Seite 488

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 41 (9.10.1903)
Date
1903-10-09
Page
Seite 488 (sequence 10)
Language
German
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488 Epikydes, im Verein mit den jüdischen Bewohnern von Athribis als Stifter nennt, und endlich ist eine vierte vor kurzem im Gebiet von Alexandria aufgetaucht (vgl. v. Wilamowitz a. a. O.): ßuoälaarj: xul ßacA.cojq i}u<> fi ... . <» "Ahm [oc z'riv] nQoaivxhv inoin, (crovg) li m-'/tiq. d. h. „zum Heile der Königin und des Königs erbaute Alypos dem großen Gotte .... die Synagoge, im 15. Jahre (der Regierung), Monat Mechir." Die Inschrift gehört wahrscheinlich in das Jahr 102/1; aber von höchsten» Interesse ist an dem Steine nicht das, was daraufsteht, sondern das, was fehlt. Daß dein Namen des &el>g vyioroq, „des Höchsten", oder /xeyag, „des Großen", wie der Gottesname auf griechischen Inschriften jüdischer Provenienz soirst umschrieben ivird, ein Beiname hiilzugesügt ist, erscheint ganz singulär. Welcher Art dieser Beinaiile >var: darüber können uns nur neue Funde, wie sie Aegyptens für die Wissenschaft so fruchtbringender Boden immer erhoffen läßt, Gewißheit geben. Nur als einer unsicheren Vermutung sei hier der Ailstcht Raum gegeben, daß sich in dem i.... i» die hebräische Umschreibung für den Gvttesnamen eloh „der Herr", in gräzisierter Form verbirgt. Jakob und Horche. Von Karl Emil Franzos. II. nachdem die Judenschlacht vorüber war, „da Hub die Welt wieder an zu leben und fröhlich zu seyn und machten die Mann neue Kleidung (Kleidermoden)." Und da dies Geld kostete, so wurden die Judeil ivieder zurückgerufen, auch nach Kronberg, — das heißt: anders Inden, denn die Kronberger waren ja erschlagen — und von neuem angepumpt, um dann wieder in derselben oder ähnlicher Münze bezahlt zu werden. Das war schon 1390, und lvas die Art betrifft, wie damals die Kronberger ihre Schulden bei den Inden tilgten, so verdieilt sie erzählt zu werden, denn sie ist besonders interessant. Hatten die Kronberger bis in die Mitte des XIV. Jahrhunderts vornehmlich in der Stille für ihren eigenen Eeldsack gesorgt, ohne sich um die Händel der Welt mehr als nötig zu bekümmern, so gelangten sie in der zweiten Hälfte des XlV. Jahrhunderts durch Ulrich I. auch in das Getriebe der großen Politik. Er war reichsunmittelbarer Herr auf Kronberg, aber daneben Bizedoni des Mainzer Erzbischofs im Rheingau, also der allmächtige Minister. Das Gehalt war winzig (etwa 2000 Mark heutigen Geldwerts), aber die Sporteln bedeuteten ein fürstliches Einkommen. Freilich hatte das Amt eine arge Schattenseite: der Vizedom war der natürliche Gläubiger seines Fürsten und konnte er diesem nicht von anderen Geld verschaffen, so mußte er es ihm selbst leihen. Dazu jedoch ließ es Ulrich I. nicht kommen; als richtiger Kronberger folgte er auch nach dieser Hinsicht den Traditionen seines Geschlechts und sorgte für — Juden... Auf sein Betreiben nahm der Erzbischof zu Nürnberg, wo er ail der „gülden Bull" Karl IV. mitarbeitete, „Gottlieben einen Juden der zu Bischoffsheim (bei Mainz) gesessen war, in unfern Schirm und Geleyde." Aufgabe dieses Gottlieb war es, andere Juden zu bereden, in das Erzbistum zu ziehen; zu welchem Zweck, spricht eine Urkunde des Erzbischofs schlicht und offen aus: „Und Han (haben wir) Ulrich von Cronenberg, unserem Vizthum in dem Ringgauwe (Rheingau) und den vorgenanten Gottliebe auch die Gewalt gegeben, daz sie den Dienst, den uns die Juden tun sollent, messingen (ermessen) und machen sollent nach allir Bescheidenheit nach ire mögen (wie sie es möge«»)." Der Dienst bestand, wie es Ompteda etwas zu euphemistisch ausdrückt, „in der Gewährung sanfter Zwangsanlehen für die Prachtliebenden Landesherren", und Aufgabe des Kronbergers und „Gottliebens" war es also, dem Einzelnen aufzuerlegen, wieviel er zu geben hatte. Wenig war's nicht, denn der Erzbischof war mit Ulrich so zufrieden, daß er ihn zum Erbtruchseß des Erzbistums ernannte. Kurz, das Geschlecht blühte und das Geschäft auch. Seine größten Erfolge aber errang es 1389—90. Im ersten Jahre fochten die Kronberger siegreich eine Fehde mit beu Frankfurtern aus und warfen sie nieder. Und im zweiten gelang ihnen etwas, was in den Augen der Zeitgenossen mindestens ebenso rühmlich war. Ulrich und seine Söhne waren, mit dem Maßstab ihrer Zeit gemessen, enorm reiche Leute; wer im Rheingau und in der Wetterau ein Darlehen haben wollte, wandte sich an sie und erhielt es, wenn er eine genügende Sicherheit stellen und außerdem mindestens zwanzig Prozent Zinsen zahlen wollte. Wer solche Geschäfte machen kann, braucht immer Geld und so liehen sich die Kronberger bei den Juden Kapitalien zu zehn Prozent und gaben sie zum doppelten Zinsfuß weiter. Natürlich taten es auch die Juden gern, denn ein Schuldschein der reichen Kronberger war bar Geld. So betrug die Schuld der Kronberger bei den Juden im Jahre 1390 vierhundertGoldguldeu. also nur etwa 21000 Mark heutigen Geldwerts, aber doch eine für jene Zeiten sehr beträchtliche Summe. Da bot sich ihnen eine Gelegenheit, den Juden diesen Betrag schuldig zu bleiben. Als König Wenzel 1390 von den fränkischen Reichsständen zu Nürnberg Kriegssteuern forderte, erwiderten sie, sie seien den Juden zu tief verschuldet und die Zinsen fräßen alles auf — ja, wenn sie dieser Zinsen samt der Schuld ledig würden, dann wollten sie gern an König und Reich denken. Viele logen nicht, wenn sie so sprachen; das üppige Leben, die Selbsthilfe der Städte, die den Raubrittern das Handwerk legten, hatten den fränkischen Adel in üble Lage gebracht. Die gleiche Forderung aber erhoben auch die Kronberger, die doch das Geld nur geliehen hatten, um es weiter zu verleihen! König Wenzel tat, was sie von ihm verlangten; er sprach die fränkischen Reichsstände von allen Judenschnlden los und ledig. Das Frankfurter Stadtarchiv bewahrt noch heute 1300 kassierte, das heißt: den Juden zwangsweise abgenommene Schuldverschreibungen aus yener Zeit über zusammen 19 000 Goldgnlden; macht also auf jeden Schuldner im Durchschnitt 15 Goldgulden. Da ragt denn unter diesen Lappalien der Schuldschein der Kronberger über 400 Goldgulden stolz hervor — ein Ehrendenkmal des Geschlechts. Das klingt ironisch, aber ich sage es objektiv, aus der Denkweise jener Zeit heraus. Den Juden zu berauben war ein Ehrentitel, ihn zu betrügen vollends eine leuchtende Tat. Ueberhaupt dachte damals der deutsche Adel in Geldsachen anders, als uns die Verfasser rühmender Familiengeschichten heute glauben machen wollen. Daß z. B. einige Kronberger — das Geschlecht war weit verzweigt — arge Raubritter waren, schädigte ihr Ansehen nicht im geringsten. Wilhelm II. machte von Elkershausen, Hartmut IX. von Tannenburg aus die Landstraßen unsicher; als das Unwesen zu arg tvurde, räucherten die Städte der Wetteran die Raubnester aus und nahmen die Wegelagerer gefangen; ihre Vettern mußten Lösegeld für sie bezahlen: das war unangenehm, aber auch das einzige Unangenehme an der Geschichte; derlei kam ja in der besten Familie vor. Und ebenso wenig war es den» Ansehen der Kronberger abträglich, daß sie den großen Hof, den sie zu Frankfurt am Main besaßen, als Dirnenhaus vermieteten, weil dies das einträglichste war; man fand dies nur klug. Und

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