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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-10-02 · Heft 40 (2.10.1903) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 40 (2.10.1903)
Date
1903-10-02
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 iuswanderung der russische,: Juden zu leiten. Auch in dieser Stellung at er sich vorzüglich bewährt. Schon vor der Beerdigung liefen ahlreiche Beileidsbezeugungen von Nah und Fern ein ohne Unteriiieb der Konfession, unter anderem eine sehr herzlich gehaltene vom rutschen Botschafter in Paris. Fürsten von Radolin, der gegenwärtig;ier auf Schloß Jarotschin weilt. Die Gemeinde war natürlich eifrig emüht, eine würdige Trauerfeier zn veranstalten. Nach dem Morgen- Gottesdienst wurde die Leiche am 27. d. M. durch die Chewra Kadischa oii, Trauerhäuse nach der Synagoge überführt, die kaum die Menge er Teilnehmer ohne Unterschied der Konfession faßte. Zu Eingang er Feier sang der Kantor das Lied: „Adonaj mo odom.“ Hierauf prach Rabbiner Dr. Freund-Ostrowo der vom Vorstande beauftragt oar, das Lebensbild des Entschlafenen zu entwerfen. Nach diesem Redner ergriff Rabbiner Dr. Rosenthal-Breslau das Wort, um herzichen Abschied von dem Freunde zu nehmen. Er verglich das Wirken es Entschlafenen mit Hillel und einem Schüler Arons, der Frieden .ichte und Frieden stiftete. Die anwesenden Rabbiner Dr. Rosenthal- Zreslau, Dr. Freund-Ostrowo, Dr. Königsberger-Pleschen, Dr. Heppnerwschnin. Dr. Lewin-Wreschen hoben nunmehr den Sarg vom Katafalk iid trugen ihn bis zum Leichenwagen. Hier übergaben sie ihn den Hemeindevertretern, die dann den Leichenwagen bis zum Friedhofe egleiteten. Dem Zuge voran gingen die Kinder der jüdischen Volkschule mit ihrem Lehrer. Die Gemeinde hat eine neue, schöne Leichenatle erbaut, welche der Entschlafene leider nicht mehr einweihen onnte. Dies tat nun im Aufträge der Gemeinde Rabbiner Dr. Königserger-Pleschen. Zuletzt sprach Rabbiner Dr. Lewin-Wreschen. Am Hrabe sprach Dr. Freund-Ostrowo namens der Montefiore Logeöerlin, deren Mitglied der Entschlafene war und schloß mit einem Hebet. Alle vier Redner wirkten tief ergreifend auf die Zuhörer und yre Reden werden hier noch lange in aller Gedächtnis bleiben. ' An er Feier nahm auch teil der Landrat des Kreises Jarotschin, Mitlieder der Stadtverordnetenversammlung und des Magistrats. Auch ie Nachbargemeinden hatten Vertreter entsandt, um den Entschlafenen u ehren, dessen Andenken in unserer Gemeinde beständig sortleben wird. — Posen, 27. September. Ein sehr häßliches Reukontre in dem Zwischen Betsal in der Teichstraße am 10. Mai d. I. bildete den Gegenstand derVerhandlung wegen gefährlicher Körperveretznng und Störung des Gottesdienstes gegen den Handelsnann Wolfs, den Arbeiter Kessel und den Schuhmacher Margoliner ns Posen. Am 10. Mai hatten sich mehrere Personen in dem Tempel es jüdischen Humanitütsvereins versammelt, um Dankgebete zu berichten. Es lvaren 12 Personen anwesend. Zwischen den Angeklagten utstand ein Wortstreit, der in eine wüste Schlägerei ausartete. Als der 8orbeter die Ruhestörer aufforderte, den Tempel zu verlassen, kamen war die Angeklagten dieser Aufforderung nach, kehrten aber nach iuigen Minuten in den Saal zurück, und die Schlägerei fing von -euem an. Ans den Zeugenaussagen ging hervor, daß der Streit inen Ursprung darin hatte, daß der Angeklagte Wolff den Aneklagten Margoliner beschimpfte. Der als Sachverständiger genommene Rabbiner Dr. Feilchenseld begutachtete, daß die Gottesdienste des nmanitätsvereins öffenteiche Gottesdienste seien und daß der Humantätsverein ein Abzweig der hiesigen jüdischen Gemeinde ist. Staatsnivalt Dr. Rohde beantragte gegen die Angeklagten je einen Monat Gefängnis. Der Verteidiger Rechtsanwalt Bab suchte zu beweisen, aß die in Frage kommende Andacht kein Gottesdienst im juristischechnischen Sinne gewesen sei, und beantragte eine mildere Bestrafung, er Gerichtshof nahm an,' daß die Andacht seitens der Angeklagten in uober Weise verletzt wurde, und erkannte auf je 30 Mark Geldstrafe. Gr. Glogait, 25. September. Am 16. d. M. vollendete der langihrige Vorsitzende der Repräsentanten der hiesigen Gemeinde. Herr Julius Levy, sein 70. Lebensjahr. Zur Feier des Tages hatten sich ahlreiche Verwandte und Freunde des Jubilars eingefunden und verbrachten Deputationen des Synagogenvorstandes, der Repräsenanten und der Gesellschaft der Freunde dem Jubilar die herzlichen Glückwünsche dieser Körperschaften. Wie der erste Vorsteher der Gewinde, Herr I. Landsberger, in seiner Ansprache hervorhob, gehört Jubilar seit 36 Jahren dem Repräsentanten-Kollegium der vlogauer Gemeinde als Mitglied und seit 20 Jahren als ^Vorsitzender ai* und hat an dieser Stelle zum Besten der Gemeinde gewirkt. Namens oer „Gesellschaft der Freunde" überreichte Herr Lubowsky einen silbernen 'Lhrenbecher und hob die Verdienste des Jubilars un, die Begründung u"d Entwicklung der Gesellschaft hervor. Nienburg a. d. Weser, 24. September. Am vergangenen Sabbat verabschiedete sich Herr Lehrer Ecklnaj'nn von seiner Gemeinde und Schule, um nach vierzigjähriger Dienstzeit in den wohlverdienten Ruhestand zu treten. Mit ihm scheidet ein berufstreuer, gewissenhafter und kenntnisreicher Kollege aus dem Amte, ein Mann, der in hoher Achtung bei allen, die ihn kannten und kennen, stand, der auch der größten Hochschätzung feiner Freunde sich erfreut und die Liebe seiner Gemeinde, sowohl bei der Feier seiner Silberhochzeit im Jahre 1894, als auch bei dem Jubiläum seiner fünfundzwanzigjährigen Amtstätigkeit in Nienburg, Juli 1898. erkennen konnte. Eckmann ist als der Mann mit dem „Silber auf dem Haupte und den, Golde im Herzen" bekannt; sein Scheiden aus der Provinz wird tief bedauert. Möge dem greisen Lehrer ein heiterer und langer Feierabend beschieden sein! w. Frankfurt a. M., 28. Septeniber. Eine Trauerknnde, die Nachhall finden wird in der gesamten Judenheit, muß ich Ihnen heute melden: Nach längerem Leiden ist hier der Rechtsanwalt und Notar Julius Plotke vergangene Nacht, im 46. Lebensjahre gestorben. Abgesehen von seiner Stellung als einer der angesehensten Advokaten, wirkte er in Humanitären und philantropischen Angelegenheiten mit einer außerordentlichen Hingabe. Er war unter anderen! auch Vertrauensmann der Baronin Hirsch und einer der Hauptvertreter in der Jewis Colonisation Association, wie bei allen Werken und Vereinen zur Hebung des Judentums, zur Förderung seiner idealen Zwecke und zur Linderung jeglicher Not. Der Verlust ist ein unersetzlicher für das ganze Judentum. (Obwohl wir nach der Natur des Leidens schon seit einiger Zeit auf einen traurigen Ausgang gefaßt sein mußten, hat uns die Nachricht von dem Hinscheiden Julius Plotkes doch in tiefster Seele ergriffen. Wir verlieren in ihm einen der tätigsten und eifrigsten Männer, einen wackern Mitarbeiter, einen treuen Freund, dessen Andenken unvergänglich fortleben wird. Eine ausführliche Darlegung seines Lebensgangs müssen wir uns für die nächste Nummer Vorbehalten. Für heute wollten wir nur dem Gefühl des Schmerzes, der alle, die den teuren Dahingeschiedenen gekannt, bei der Nachricht von seinem Tode erfüllen muß. Ausdruck verleihen. Die Red.) Br. München. 20. September. Der in den weitesten Kreisen bekannte Numismatiker Dr. Eugen Merzbacher wurde heute hier zu Grabe getragen. Die Anteilnahme war so stark, daß die Leichenhalle nicht ausreichend war, die zur Erweisung der letzten Ehre Erschienenen aufzunehmen. Dr. Merzbacher war der Sohn des im besten Andenken stehenden verstorbenen Bankiers und Numismatikers Abraham Merzbacher. Ueber seinen Lebensgang haben wir bereits berichtet. Rabbiner Dr. Werner schilderte in seiner ergreifenden Trauerpredigt das Leben und Wirken des Verstorbenen, Dr. Ehrentreu brachte namens der orthodoxen Gemeinde Dank und Anerkennung zum Ausdruck. Justizrat Ofner hielt namens der Kultusgemeinde und des Frauenvereins einen ehrenvollen Nachruf, Kommerzienrat Kirchdörfer namens des Holzvereins. Für die numismatische Gesellschaft zollte der königliche Universitätsprofessor Riggauer dem Verblichenen Dank und Anerkennung. Zum Schlüsse der eindrucksvollen Kundgebung sprach Rechtsanwalt Dr. Kahn namens der München- Loge Bne Britz und namens der Großloge für Deutschland. Dr. Merzbacher war eine Zierde der hiesigen Gemeinde. Sein Andenken bleibt gesegnet. A. Nürnberg, 27. September. Unter großer Beteiligung wurde am zweiten Nenjahrstage der im Alter von 39 Jahren verstorbene praktische Arzt, Dr. Richard Landau, zu Grabe getragen. Fast sämtliche hiesigen Aerzte, darunter auch der Generalarzt, gaben dem Verblichenen, der sich großen Ansehens wegen seines hervorragenden Wissens im Kreise seiner Kollegen erfreute, das letzte Geleit. Rabbiner Dr. Ziemlich schilderte in ergreifender und fornwollendeter Weise Leben und Wirken des Heimgegangenen. Dr. Landau war ein wahrhaft guter und edler Mensch und von hohem idealen Geist beseelt. Neben seinem Berufe, den er mit großer Hingabe und Selbstlosigkeit ausübte, pflegte er Wissenschaft, Dichtkunst mit schönem Erfolg. Auch in der jüdischen Geschichte und Literatur war Dr. Landau eifrig tätig und hat u. a. eine „Geschichte der jüdischen Aerzte" geschrieben. Namens der ärztlichen Korporationen legten die Herren Hofrat Dr. Beck und Dr. Koch unter ehrende Ansprachen am Grabe Kränze nieder. Das Gleiche tat Herr Post,neister Schmidt namens des „Pegnesischen Blumenordens", hervorhebend, daß Dr. Landau eines der begabtesten und tätigsten Mitglieder dieser seit 259 Jahren bestehenden, hochangesehenen

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