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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-10-02 · Heft 40 (2.10.1903) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 40 (2.10.1903)
Date
1903-10-02
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 literarischen Vereinigung war. Der Verstorbene war auch Ehrenpfleger der medico-historischen Abteilung des Germanischen Museums, deren Gründung er seinerzeit angeregt hatte. Auch die Staudesfragen der Aerzte fanden in dem Verstorbenen einen warmen Vertreter; namentlich kämpfte er auch eifrig gegen das Kurpfuschertum. In politischer Hinsicht gehörte er der Freisinnigeil Partei an, deren Bestrebungen er bei jeder Gelegenheit sich eifrig widmete. Literarisch war der Dahingeschiedene gern und mit Erfolg tätig. Ehre seinem Andenken! — Stuttgart, 25. September. In vergangener Nacht ist hier der Geheilne Kommerzienrat Dr. Kilian v. Steiner gestorben, der sich vor knrzeln einer Operation unterzogen hatte, die glücklich verlief. Der Tod ist durch Schlagansall eingetrcten. Der Verstorbene »var eine der ersten Finanzkapazitäten. Unter seinen Auspizien ist eine ganze Neihe voll großen indllstriellen Unternehmungen ins Leben gerufen worden. Er gehörte dem Aufsichtsrat der Vereiusbank, der Badischen Anilinunb Sodafabrik, der ^Pulverfabrik Rottweil, der Geisliuger Metallwarenfabrik k. als Mitglied all. Oesterreich-Ungarn. □ Wien, 28. September. Wenn man sich Ullsere Lage gegenüber der städtischell Verlvattllng in ihrer ganzen Erbärnilichkeit zum Bewußtsein bringen will, so muß man nllr die Verhältnisse in Budapest in Betracht ziehen. Die dortige jüdische Gemeiilde erhält von der Hauptstadt eine Jabressubvelltion von 40 000 Kronen als Beitrag zu ihren konfessionellen und kulturellen Allslagen. Vor zwei Jahren richtete die Kultusgeilleinde an die KommlUle das Ansuchen, die Subventioil auf 60 000 Kronen zu erhöhen, und lnotivierte das Gesuch mit dem Nachweise, das; die Erhaltung der klllturellell lind Humanitären Institutioneil der Geuieinde schier nnerschwiilgliche Opfer auferlegt. Damals ivurde das Gesuch abgelehnt. Und zwar nicht etwa aus Antiseinitismus, soiidern mit Rücksicht auf die Finanzlage der Komliinne. Nun hat der Vorstaild der Kultusgemeinde der Stadtgemeillde wieder ein Gesuch unterbreitet, in welchem er,,um die Erhöhuilg der Sllbventioll auf 80 000 Krollen jährlich ersucht. Dem Gesuch legte die Genleinde ihre Schlußrechnungen vom verflossenen Jahre bei, ans welchen hervorgeht, daß das Defizit 25 708 Kronen betrug. In denl Gesllch wird auf beu Umstand hiugewieseu, daß die Kultllsgenleillde mehrere Schulen, zwei Spitäler unterhält und in sämtlicheil Schulen der Hauptstadt den israelitischen Religionsunterricht besorgen läßt. — Ueber die Exzesse in Zablotow in Galizieil erfährt man immer llene traurige Details: In vielen Judenhäusern lvurden Feilster ulld Türen eingeschlagen, Hab und Gut entwendet lind an 30 bis 40 Judeil trugen schwere uild leichte Verletzungen davoil. Der materielle Schadell beläuft sich onf circa 8000 Kronen. Die Exzesse dauerten ungefähr eine Stunde, da die Gendarnierie weit außerhalb der Stadt kaserniert ist und erst spät auf dem Schallplatze der Unruhen erschien. Die drei Gendarmen haben jedoch voll und ganz ihre Pflicht getan und insbesondere hat der Posteuführer, Titularwachtmeister Johailn Orczech, in geradezu heldenmütiger Weise sich allein der lvütenden Menge elltgegengestellt und teils dilrch gütliches Zureden, teils dlirch energische und zugleich besollnene Gewaltallwendung die Bauern zum Abzüge bewogell mib so erllsteres Unheil verhütet. Es wurden siebzehn Bauerll verhaftet, allein die beiden Personell, welche voll zahlreichen durchaus glaubloürdigell Zeugen und namentlich voll dem bereits eidlich verllommenen Mordko Burg als die intellektuellen Urheber und Rädelsführer des Exzesses bezeichnet werden, der Finanzwach-Oberallsseher Skalski llnd der Gemischtwareilhändler Krzylviecki, silld llvch immer auf freiem Fuß und verkehren ungehindert mit allen Amtspersoilell. Die „Oesterreichische Allianz" hat ihrell Vertreter nach Zablotow geschickt und das weitere einem Advokateil übergeben. — Rabbiner Dr. Dr ob inskh in Carl stadt (Kroatien) ist nach Fr ied eck-Mistek in Mähren berufen worden. An seine Stelle wurde Dr. Bernhard Schück vonl Budapester Seminar gewählt. Von Mah und Lern. Delil Fabrikbesitzer Heinrich Buch holz wurde der Charakter als KonlUlerzienrat verlieheil. — Nach lallgeil und schloereil Leiden ist hier arn 27. d. M. der Sanitätsrat Dr. Felix Meyer gestorben- — Zn Handelsrichtern sind Bankier Theodor Pillcus, Rentier Guttmailn, Sally Eisner, Fabrikdirektor Benno Orenstein, Kaufmann Erich Burchardt, sämtlich in Berlin, ernannt worden. — Unter sehr zahlreicher Teilnahme lvurde am 24. d. M. der im Alter voll 76 Jahren verstorbene Rentner I. Machol zu Grabe geleitet. Seit vielen Jahren bekleidete er mehrere städtische Ehrenäulter. — In P olzin ist am 23. d. M. derKausmallu Elias Stein, langjähriger Vorsteher der dortigen Gemeillde. im 64. Lebensjahre gestorben. — Der Privatdozent Dr. Max Askanazy in Kölligsberg hat das Prädikat „Professor" erhalten. — Professor Tr. Ignatz Harczyk, Oberlehrer am städtischen Johailnesgymnasium in Breslau, ist am 1. d. M. ill deil Ruhestand getreteil. — Das Kuratorium des Kölner Lehrerseminars hat Herrn Dr. Naphtali Cohn, Distrikts- Rabbiner lind Leiter der Präparandenanstalt in Burgpreppach. eilistimmig als Nachfolger des Herril Rabbiner Dr. Plato gelvählt. — Dr. Man es, welcher bereits seit einer Neihe von Jahrell als Rabbiner- Adjunkt des erkrankten Rabbiners Wißlnann fungierte, ist zum Rabbiner des Distrikts Schwabach nnd zum Leiter der Lehrer-Präparandie gewählt worden. — Delil israelitischen Vorsänger I. Kahn in Saarburg ist aus Anlaß seines 50jährigen Dienstjubiläums der Königliche Kronenorden 4. Klasse mit der Zahl 50 Allerhöchst verliehen worden.— Der Zar Nikolaus II. besichtigte am 23. und 24. v. M. deil Libauer Kriegshafell und stattete auch der Stadt einen Besuch ab. Unter den verschiedenen Deputationen, beven Empfang der Minister Plehwe vermittelte, befaild sich auch eine Abordnung der jüdischen Gemeinde unter Führung ihres Rabbiners Dr. Kalltor. Der Kaiser zeichnete diese Deputation besonders aus, indem er aus den Händen ihres Führers eine Gesetzesrolle als Geschenk entgegennahm und den Rabbiner beauftragte, den Genleirldemitglikderll seinen Dank auszllsprechen. — In Kielv ist der Kronrabbiller A. I. Zeitlin, ein gelehrter unb angesehener Mann gestorben, der im vorigen Jahre auf Veraillassung des Ministers des Jnnerll für diesen ein Memorandmu über den politischen Zionismus allsgearbeitet hat. — In Odessa ist der hebräische Schriftsteller I. Z. Werschafski im 80.Lebensjahre gestorben. — In Fill nland hatten die Behörden den Judell das Schächten verboten. Auf eine Beschwerde der betreffeubeix jüdischen Gemeinde ist von Petersburg der Befehl gekonlmen, daß diese Verbote zurückzuilehmen ulld das Schächten nach jüdischem Ritus zu gestatten sei. — Die Schifffahrtsgesellschaft Uniou-Castle-Line hat auf ihren zwischen London und dem Cap verkehrellden Schiffeil je eine Kabine zum jüdischen Gottesdienst eingerichtet, der auf allen Seiteil abgehalten werden soll, die sich noch währelld der hohen Festtage auf dem Ozeall befillden. Der arn letzten Mittlvoch abgegaugene „Berwick Castle" war der erste, der mit einer Synagoge eingerichtet lvar. Der Sekretär des jüdischen Asyls für Obdachlose in Loildon ist der Verwaltung der Schiffsgesellschaft bei den nötigen Arrangements behilflich gewesen. — Wie aus Chicago berichtet lvird, hat Präsident Harper von der Chicagoer Uiliversität nllnmehr. voll der türkischen Regierullg die schon im Jahre 1900 erbetene Erlaubllis zllr Vornahme voll Ausgrabungen im alten Babylon erhalten. Noch in diesem Herbste soll eine von der Universität allsgerüstete Expedition abgehen. Die amerikanischen Forscher, denen für ihre Allsgrabungen eine Stätte im jetzigen Dorfe Tel Ibrahim, mitten in den Ruinen Babylons, zugeteilt ist, tragen sich mit der Hoffnung, Ueberreste des großell Baaltempels und das Grab Abrahams zu findeil. Präsident Harper meint, die Erteilung der Erlaubnis habe sich deshalb verzögert, weil delltsche Forscher an derselben Stelle Allsgrabnilgen vorzuilehmell lvüllschten. Demgegenüber weist die Delltsche Orieiltgesellschast darauf hin, daß das ganze Stadtgebiet von Babylon beu Allsgrabungen dieser Gesellschaft vorbehalteil ist, eillschließlich des Tel Jbrahinl, und daß es sich bei dem den Amerikallern bewilligten Ferman um eine alldere Ruinenstätte gleichen Nalnens nordöstlich von Babyloll handelt. — Vor dem Assisellgerichtshof in Jaffa wllrde ein Prozeß verhandelt, welcher lange Zeit das Gesprächsthema der jüdischen Ackerbaukolonistell gebildet hat. Ein syrischer Katholik namen§ Alfred Rock, der aus einer reichell Familie in Jaffa stanlmt, hatte im Oktober vorigen Jahres aus eineni nichtige!! Grunde einen jüdischen Ackerbauer Abralllvwitz getötet, lvelcher in Rischon-Lezion, einer bei Jaffa gelegenen Kolonie, wohnte. Auf Veranlassllng der jüdischen Notabeln von Jerusalnl befaßte sich der Assisengerichtshof mit dieser Affäre. Da der Angeklagte zllr Verhandlung nicht erschienell war, lvurde er in contumaciam zu 15 Jahren Zlvangsarbeit und zll 33 300 Piaster (ca. 6000 Mark) Geldstrafe. zahlbar an die Witwe Abralnvwitz, verurteilt. Seine Güter, deren Wert sich ans 160 000 Mark beläuft, lvurden kollfisziert.

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