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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-09-25 · Heft 39 (25.9.1903) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 39 (25.9.1903)
Date
1903-09-25
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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ou£r alle die zu fassen, welche teiluehmen lvollten an der Tranerfeier. Fast die ganze israelitische Gemeinde war zur letzten Ehrung des Verstorbenen erschienen, auch unsere städtische Verwaltung bemerkte man fast vollständig, endlich Vertreter der industriellen Unternehmungen, in freuen der Tote leitend tätig gewesen ist. Ein Chor wohlgeschulter Frauenstimmen eröffuete die Feier mit dem Gesänge des Psalms 103, Vers 15—17, worauf dann nach dein Gesänge des melodiösen GemeindeliedeS von Dr. C. Fuchs Rabbiner Dr. Freudenthal ein Bild von dem Leben des Verstorbenen entlvarf, das nur in großen Zügel, seiner Bedeutung gerecht werden konnte. Es war naturgemäß, daß die Verdienste des Verstorbenen um die Errichtung des Gotteshauses den breitesten Raun» in den rhetorisch vollendeten Ausführungen des Redners einuahmen, und wenn er den Verstorbenen als eine der markantesten Persönlichkeiten in der vielhuudertjährigen Geschichte der Danziger israelitischen Gemeinden bezeichllete, so traf er damit sicher das Nichtige. Der Entwicklungsgang des Verstorbenen, sein geschäftlicher Scharfblick, seine Tätigkeit in Korporationen und Vereinen, in beueu er in kurzer Zeit meist mit au der Spitze zu stehen pflegte, fand eine zwar knappe, aber meisterhafte Würdigung durch den Redner. Eill weiterer Frauenchor schloß die Tranerfeier ab; dann ordnete sich der vieltausendköpfige Zug zum Gange nach dem Friedhof in Stolzenberg. Zahllose Kranzspenden der Veranstaltungen, denen der Verewigte nahe gestanden hat, und die einzeln zu nennen kaum möglich ist, eröffneten den Zug, in dem sich auch einige Zöglinge des jüdischen Waisenhauses in Graudeuz befanden, dessen Bestehen und Wohlergehen gleichfalls der liebevollen Sorgfalt des Verstorbenen zu danken ist. Lange dauerte es, bis der Zug den Friedhof erreicht hatte, aus dem die Toten der israelitischen Gemeinde am Fuße der Berge ruhen. Zlvei treue Freunde des Verstorbenen ergriffen dort noch das Wort, uni ihm zu danken für das. was er geleistet hat. Herr Simsou sprach im Namen der Gemeillde dem langjährigen Vorsteher den Dank für alles aus, was er geleistet habe. Als unvergängliches Andenken au ihn wird das Gotteshaus bestehen, das er gegründet hat. Rechtsanwalt Dr. Behrendt wies auf die Waisen hin, welche jetzt vor dem Sarge des Mannes ständen, welcher stets darauf bedacht gewesen sei, ihnen das Elternhaus zu ersetzen unfr ihnen die Wege zu ebenen im späteren Leben. Nach den Schlußworten des Herrn Rabbiner Dr. Freudenthal ttnirbe der Sarg zur Gruft getragen, oben auf dem Berge, neben der ihm im Tode vorangegangenen Gattin. — So ist ein Leben, in seinen Bestrebungen stets auf edle Ziele gerichtet, fruchtbar in seil,er Arbeit und feinem Vollbringen, mitten in diesem Schaffen unerwartet zur Rüste gegangen. Die Früchte dieses Lebens aber werden das Andenken des Mannes schmücken noch lange, lange Zeit. Xp. Aus der Provinz Posen, im Septbr. Bei der letzten Wahl eines jüdischen Schulvorstandes in Kurnik wurden die Kaufleute Salomon Katz und Samuel Kreismann sowie Konditor Gustav Joachim gewählt. — Mitte August verstarb in Krotoschin plötzlich im Alter von 67 Jahren der hochgeachtete Kaufmann Markus Lev y. Derselbe war über 15 Jahre hindurch Stadtverordneter, eine lange Reihe von Jahren Vorsteher des dortigen Repräsentantenkollegiums und Ehrenmitglied des Krankenpflege- und Leichenbestattuilgsvereins. — Kaufmann Bernhard Aronsohn in Gollub ist zum Beigeordneten daselbst gewählt und bestätigt worden. Im Alter von 85 Jahren ist der Rentier Marcus Scherk in Posen gestorben. Derselbe war Ehrenmitglied des gemeinnützigen Vereins „^nsebo Chesed“ daselbst. — Kaufmann Mendelsohn in Schönsee ist zum Magistratsmitglied und stellvertretenden Bürgermeister daselbst gewählt und bestätigt worden. — Der Kultnsbeamte A. S. Rabinowitz in Posen ist im Alter von 62 Jahren gestorben. — Für die Synagoge Czarnikau haben die Kaufleute Gebrüder Seeliger, welche geborene Czarnikauer sind, eine Gasbeleuchtung mit 84 Flammen gestiftet. — Die Verwaltung der Synagogengemeinde Ostrowo beabsichtigt, die sogenanllte Krupkensteuer auszuheben und die Stenern sämtlich direkt zu erheben. Die erwähnte indirekte Steuer, die hauptsächlich von den kleinen Leuten aufgebracht wird, beträgt etwa den dritten Teil des ganzen Umlagesolls. m. Bernstadt i. Schl., 18. September. Am 13. d. M. fand die feierliche Einweihung unserer neuen Synagoge statt. An derselben nahmen teil die beibeit städtischen Körperschaften, die Spitzen der Königlichen Behörden, die evangelische und katholische Geistlichkeit und viele Gäste von nah und fern. Die Breslauer Synagogen» gemeinde hatte die Herren Stadträte Pringsheim und Marck deputiert. Unter dem Vorantritt von drei Ehrendamen setzte sich der Festzug aus dem provisorischen Betlokal mit den 7 Thorarollen in Bewegung. Am Eingang der Synagoge sprach Fräulein Brinnitzer einen Prolog. Hierauf begrüßte der Vorsitzende des Gemeindevorstaudes, Herr Dr. Boß, die erschienenen Gäste und überreichte unter einer schwungvollen Ansprache den Schlüssel dem Bürgermeister als Vertreter der hohen Obrigkeit, welcher nunmehr die Pforten des neuen Gotteshauses öffnete. Nach dem üblichen Umzuge mit den Thorarollen vollzog unser Prediger, Herr Ledermann, in rührender Weise das Anzünden der ewigen Lampe. Hieran schloß sich die formvollendete Weihepredigt des Herrn Rabbiner Dr. Rosenthal, welche alle Zuhörer mächtig hinriß. Den kantoralen Teil vollzog in bekannter Meisterschaft Herr Oberkantor Cerini mit seinem Synagogenchor. Nach Beendigung der religiösen Feier fand unter großer Beteiligung ein Festessen statt, das durch mannigfaltige Toaste gewürzt war. Ein Tafellied, verfaßt von unserem Mitgliede Herrn Boehm fand reichen Beifall. Erbauer des herrlichen Gotteshauses ist Herr Maurermeister Klinner von hier. — Seesen, 14. September. Heute fand an der hiesigen Jacobson-' schule — berechtigte Realschule mit Realprogymnasialabteilung — unter dem Vorsitz des als herzoglichen Regierungskommissars fungierenden Schulrat Professor Dr. Brandes, Gymnasialdirektor zu Wolfenbüttel, die Reifeprüfung statt. Sämtliche zehn an der mündlichen Prüfling beteiligten Primaner haben dieselbe mit Erfolg bestanden. 6. Köln, 18. September. Der Ausschuß jüdischer Studierender und Turner von den beiden Verbindungen an der hiesigen Han delshochschule hat zu einer Interpellation in der Handelskammer Anlaß gegeben. Das Mitglied der Handelskammer Herr Eliel nahm in der letzten öffentlichen Sitzung vor Eintritt in die Tagesordnung das Wort zu folgenden Ausführungen: „Herr Kollege Lehmann und ich (die beiden jüdischen Mitglieder der Handelskammer) sind der Meinung — und wir fühlen uns in dieser Richtung mit allen Kollegen einig —, daß alle Bestrebungen zu mißbilligen sind, welche darauf hinauslanfen, einen Teil der Studierenden von Veranstaltungen, die für die Allgemeinheit bestimmt sein sollen, auszuschließen. Wir sind ferner der Ansicht, daß das behauptete Vorgehen der erwähnten Korporationen mit dem Geiste der an einer freien Handelshochschule herrschen sollte, unvereinbar ist. Die Handelskammer hat sich um die Gründung und Fortentwicklung der Handelshochschule in hervorragender Weise bemüht; sie unterstützt die Anstalt mit einem namhaften Jahresbeiträge, der aus den Handelskammerbeiträgen der Handels- und Gewerbetreibenden aller Konfessionen bestritten wird. Sie hat daher nach unserer Auffassung nicht nur das Recht, sondern geradezu die Pflicht, ihre warnende Stimme zu erheben, damit die erwähnten zersetzenden Tendenzen keinen Eingang bei den Studierenden finden und, sofern sie unter denselben bereits verbreitet sind, auf das denkbar geringste Maß zurückgedrängt werden. Wir haben nicht die Absicht, am heutigen Abend eine Diskussion oder eine Stellungnahme der Kammer herbeizuführen, wir beschränken uns vielmehr darauf, an die Herren Vorsitzenden Geh. Rat Michels und an den Kollegen Karl Bosch in ihrer Eigenschaft als Mitglieder des Kuratoriums der Handelshochschule die Bitte zu richten, die Angelegenheit im Kuratorium zur Sprache zu bringen und sestzustellen, ob die in Bezug auf die erwähnten Korporationen gemachten Behauptungen den tatsächlichen Verhältnissen entsprechen. Wir bitten uns gelegentlich von den Ermittelungen in Kenntnis zu setzen und behalten uns vor, dann weitere Anträge zu stellen." — Hierzu bemerkte der Vorsitzende der Handelskammer, Geheim rat Michels: „Das Ersuchen der beiden Herren wird mir Veranlassung geben, zu versuchen, die Angaben der Zeitung, soweit sie die hiesige Handelshochschule betreffen, auf ihre Richtigkeit zu prüfen, und nehme ich meinerseits keinen Anstand zu erklären, daß ich es persönlich bedauern würde, wenn die Nachrichten der Zeitungen ihre Bestätigung finden sollten." — Frankfurt a. M., 14. September. Vorüber sind die Feste anläßlich der 25jährigen Amtstätigkeit des Herrn Dr. M. Horovitz als Rabbiner der hiesigen Gemeinde. Den Mittelpunkt derselben bildete die akademische Feier, die in der Frankfurter-Loge von Freunden und Verehrern des Jubilars veranstaltet wurde. Nach einem Gesangsvortrage der aus Mitgliedern des Synagogenchors der Gemeinde- Synagoge am Börneplatz gebildeten „Freien Chorvereinigung" hielt Rabbiner Dr. Werner aus München die Festrede aus den Jubilar. In geistvollen Zügen entwarf er ein Bild der Persönlichkeit des Jubilars, um dann das Walten eines Rabbiners im allgemeinen und

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