Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 39 (25.9.1903)
- Date
- 1903-09-25
- Page
- Seite 3 (sequence 17)
- Language
- German
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3 Gemeinde übernimmt zu Gunsten des Beamten seine Pensionierung und die Versorgung seiner Witwe und seiner Waisen, letztgenannter bis zum vollendeten 18. Lebensjahre. Im einzelnen gelten folgende Bestimmungen. § 5 b. Der Beamte ist verpflichtet, sich in einer Pensions-Witwen- und Waisenkasse wenigstens in der Höhe der Hälfte seines Höchstgehalts (8 2) zu versichern. Die Versicherungsgebühr trägt zu 2/3 die Gemeinde, zu V3 der Beamte. Im Todesfälle des Beamten hat die Gemeinde außerdem an die zu seinem Haushalt gehörigen, unversorgten Familienglieder das Gehalt für den auf den Todestag folgenden Kalendermonat zu zahlen. Die Familienglieder sind berechtigt, bis zum Ablauf dieses Monats die etwaige Dienstwohnung unentgeltlich zu behalten. § 6. Der Beamte darf seine Pensionierung verlangen, wenn er das 65. Lebensjahr vollendet hat. Die Gemeinde ist berechtigt, ihn in den Ruhestand zu versetzen: g) wenn er laut Bescheinigung eines beamteten Arztes körperlich oder ueistig nicht mehr imstande ist, dauernd sein Amt zu verwalten, b) wenn er das siebzigste Lebensjahr überschritten hat. 8 7. Alle aus diesem Vertrage entstehenden Streitigkeiten werden durch ein Schiedsgericht entschieden, welches derart zusammengesetzt ist, daß jedes von beiden Teilen einen Schiedsrichter wählt und der Vorsitzende des Ausschusses des D.-J. G.-B. oder dessen Stellvertreter den Obmann ernennt. Verzögert einer von beiden Teilen die ihm zustehende Ernennung des Schiedsrichters länger als vierzehn Tage, nachdem er hierzu von den, andern Teile mittels eingeschriebenen Briefes ausgefordert ist, so geht das Recht zur Ernennung dieses Schiedsrichters auf den Vorsitzenden des Ausschusses des D.-I. G.-B. oder dessen Stellvertreter über. Im übrigen finden auf das schiedsrichterliche Verfahren die Grundsätze des 10. Buches der deutschen Civilprozeß- Ordnung Anwendung. Der Vertrag wird in zwei Exemplaren angesertigt und von dem Vertreter des Gemeindevorstandes und dem Beamten unterschrieben. S£2 Berlin, 18. September. Mit dem, wie mitgeteilt, in Wildungen verstorbenen Geheimen Kommerzienrat Louis Simon, Mitinhaber der Firma Gebrüder Simon, ging eine der markantesten Gestalten des industriellen Berlins zu Grabe. Die einzelnen Phasen des politischen und merkantilen Aufschwungs unseres Vaterlandes und unserer Stadt im besonderen spiegelten sich im kleinen wider in der Entwickelung des von ihm in Gemeinschaft mit seinem älteren Bruder im Jahre 1852 gegründeten Geschäfts. Die politische Einigung machte Berlin auch zur Zentrale des deutschen Handels, und die von Jahr zu Jahr wachsende Anziehungskraft der Stadt nach allen Teilen Deutschlands hin und aus immer fernere Gebiete des Auslandes gab den intelligenten und rührigen Elementen der Berliner Kaufmannschaft die Möglichkeit zu freiester Entfaltung ihrer Kräfte. Der Verstorbene durfte für sich das Verdienst in Anspruch nehmen, den Berliner Textilhandel in moderne Bahnen gelenkt zu haben. Unter Anwendung der von ihm vertretenen Grundsätze und auf der Basis strengster Redlichkeit hat sich die Firma, welche im vorigen Jahre das 50 jährige Jubiläum begehen konnte, zur ersten Handelsfirma Deutschlands in der Textilbranche emporgeschwungen, was sie hauptsächlich der genialen Begabung und dem eisernen Fleiße des Heimgegangenen dankt. Aber auch seine sonstiger persönlichen Eigenschaften sicherten ihm die Sympathien seiner Umgebung. Trotz eines seit 80 Jahren ihn quälenden Leidens war er stets von gleichmäßiger Liebenswürdigkeit, immer bereit, allen, die ihn aufsuchten, mit Rat und Tat zu dienen. Trotz seiner großen Erfolge war er von der äußersten Anspruchslosigkeit und Bescheidenheit. An den Angelegenheiten des Judentums nahm er warmen Anteil. In den weiten Kreisen, mit denen er in Berührung stand, dürste ihm ein ehrenvolles und sympathisches Gedenken über das Grab hinaus gewiß sein. Die Beerdigung fand heute vom Trauerhause aus statt .Eine große Tranergemeinde versammelte sich heute Mittag in der Bellevnestraße, um dem Verstorbenen das letzte Geleit zu geben. Die hervorragendsten Vertreter der Handelsnnd Finanzwelt hatten sich im Sterbehause eingefunden. Namens der Handelskammer waren Geheimer Rat Rießer. Kommerzienrat Behrens und Syndikus Dove erschienen, während der Verein Berliner Kauflente und Industriellen seinen ersten Vorsitzenden, Konnuerzienrat Jacob, entsandte. An Riesenkränzen und kostbaren Blumenarrangements waren allein im Trauerhause über vierhundert niedergelegt. Die Gedächtnisrede hielt Rabbiner Dr. Maybaum. Er verwies darauf, daß in denr Entschlafenen ein Patriarchenleben zum Abschluß gekonunen sei, ein Leben, reich an Arbeit und Segen. Wie die Patriarchen, so habe auch der Entschlafene aus eigener Kraft, von kleinen Anfängen arrsgehend, sich eine leitende Stellung erworben, bis er sein Hans zrr einem Welthaus emporgehoben hat. Dabei habe sich der Verewigte seine Schlichtheit und feine Bescheidenheit in einem Maße erhalten, wie man es selten findet. In seirrern ganzen Wesen sei ein harmonisches Gleichgewicht zum schönsten Ausdruck gelangt. Nachdem der Redner geendet hatte, beschloß ein Lied die Feier. Eine lange Reihe von Wagen folgte dem Sarge zum Friedhof in der Schönhauser Allee. Berlin, 16. September. Am letzten Sonntag fand in der Aula des Pestalozzi-Fröbelhauses eine Gedenkfeier für die verstorbene Vorsitzende des Vereins, Frau Justizrat Auguste Friedemann, statt. Unter der sehr zahlreichen Tranerversammlung bemerkte man Reichstagsabgeordneten Schräder, Geheimrat Krohn vom Ministerium des Innern, Stadtrat Dr. Weigert, Geheimer Legationsrat Dr. Cahn, Sanitätsrat Dr. S. Neumann rc. Die Gedenkrede hielt Professor Althaus, der in ergreifenden Worten ein Bild von dem Wesen der Verstorbenen und ihrer segensreichen Tätigkeit auf dem Gebiete der Volkswohlfahrt gab. Als Delegierte der Frauen- und Mädchengruppen für soziale Hilfsarbeit widmete Frau Dr. Levh der Verstorbenen Worte des Dankes für ihr Wirken auch auf diesem Gebiete und schilderte ben Einfluß ihrer Persönlichkeit, durch den sie auch andere zur Mitarbeit anzuregen gewußt habe. Herr Grosse (Harmonium) und Frau Braun-Wachholtz (Gesang) gaben der Feier die künstlerische Weihe. o. Danzig, 18. September. Ich habe Ihnen bereits mitgeteilt, welch' schweren Verlust unsere Gemeinde vor den Festen erlitten. Heute bleibt mir nur noch die traurige Pflicht, über den Lebensgang und das Leichenbegängnis unseres Gustav Davidsohn zu berichten. Er war ein Sohn unserer Stadt, wo er am 2. April 1836 geboren wurde. Nach Absolvierung der Schulzeit widmete er sich dem kanflnännischen Beruf. In diesem hat er um die industrielle Hebung unseres Ortes sich mannigfache und bleibende Verdienste erworben, und sein Name steht unter den Bahnbrechern für die Industrialisierung des Ostens mit an erster Stelle. Vielseitig und nicht minder ersprießlich war die Wirksamkeit dieses schaffensfreudigen Mannes auf verschiedenen! Gebieten gemeinnütziger Bestrebungen. So gehört er zu den Schöpfern und seit ihrem Bestehen zu den tätigsten Mitgliedern der hiesigen Gewerbe- und Handelsschule für Frauen und Mädchen, ferner wirkte er im Vorstände der Blindenanstalt Königstal, im Vorstande des Vereins für weibliche Angestellte und in verschiedenen Stiftungen. Seit deni 2. Januar 1877 war er ununterbrochen Mitglied der Stadtverordneten-Versammlung, zur Zeit dem Dienstalter nach deren sechstes Mitglied itub eins der am meiste,! in Kommissionen und Deputationen beschäftigten. Ein Denkmal, das sein Erdenwallen lange überdauern wird, bat sich Gustav Davidsohn aber durch sein Wirken an der Spitze der hiesigen jüdischen Gemeinde errichtet. Unter Mühen, deren Umsang wohl nur Eingeweihte voll zu schätzen wissen, brachte er den! Zusammenschluß der früher hier bestehenden fünf jüdischen Gemeinden und dann den herrlichen Monumentalbau der neuen Synagoge, welcher Tempelban unserem Danzig zur dauernden Zierde gereicht, zu stände. Seit der Verschmelzung der fünf Gemeinden war er der erste Vorsteher der neuen Einheitsgemeiude, die überraschend schnell die Krisis ihrer Entstehungszeit überwunden hat. In dieser Stellung wirkte er auch seit einer Reihe von Jahren an der Gründung eines jüdischen Provinzial-Waisenhauses. Am 1. Mai d. I. wurde dies Kaspar Lachmaunsche Waisenhaus in Grandenz mit 16 Kindern eröffnet. Heute sollte unter seinem Vorsitz eine Vorstandssitzung der jüdischen Genreinde abgehalten werden, zu der er vorgestern die Vorarbeiten erledigt hatte. Am politischen Leben beteiligte sich der Verewigte ebenfalls mit voller warmer Anteilnahure und ausdauernder Treue. Seit n,ehr als zwei Jahrzehnten gehörte er dem Vorstande des.Freisinuigen Wahlvereins an, und jede Wahlkampagne fand ihn unter den altbewährten Kämpen des freisinnigen Bürgertums rührig wie überall aus der Wahlstatt. — In dem Hanse, dessen Entstehung unsere Stadt in erster Linie mit dem Verstorbenen dankt, in dem gewaltigen Monumentalbau der neuen Synagoge war heute Nachmittag die sterbliche Hülle des teuren Toten aufgebahrt und hier versammelte sich auch das Trauergefolge, uu, dem Verblichenen ans seinem letzten Wege das Geleite zu geben. So groß der Raun, ist, den die neue Synagoge umfaßt, so gewaltig auch die Chöre, auf denen die Frauenwelt Platz zu nehmen pflegt — sie reichten doch kaum