Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-04-24 · Heft 49 (24.4.1838) · p. Seite 194

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 49 (24.4.1838)
Date
1838-04-24
Page
Seite 194 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3224856-3224906--00972-3296733
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

194 sers Königs von Seiten der Israeliten nicht vereinzelt da, denn schon vor mehren Jahren hat der »erst. I. M. von Haller zum Geburtstage Sr. Maj. ein Kapital von 8000 Thlr. ausgesetzt, von dessen Zinsen jährlich an eben so viele christliche wie jüdische Familien Holz vertheilt wird. Derselbe Herr Eibeschütz hat 1834 zum Geburtstage des Königs ein Haus für 15,000 Thlr. gekauft, das für mehre arme Familien bestimmt ist. — Tags vorher, am Sabbat den 27. Jan. nahm vr. Wolff Gelegenheit, das Lebcn^unsers Königs in einer ergreifenden Predigt zu schildern, und über die Glanzpunkte desselben mit seltener Warme zu sprechen. — Berlin 11. April (Privatmitth.). Ich übersende Ihnen heute den letzten Bericht der „Gesellschaft der Freunde," der, so wie sie einzig dastcht und sich immer mehr ausbaut und dehnt, abermals einer Erwähnung in diesen Blättern verdient. An Unterstützungen, Krankenpflege, Beerdigungskosten rc. wurde im abgelaufenen Jahre eine Summe von 4l31| Thlr. ausgegeben, wogegen die regelmäßige Einnahme nur 3876^ Thlr. betrug, indeß stieg doch durch Zinsen undUeberschußberechnung das Grundvermögen von 37,984*- Thlr. auf 38,404j Thlr. Die Witkwen- und Waisen-Anstalt der Gesellschaft gab 987-| Thlr. für 11 Wittwen und 1 Waise aus, dennoch stieg ihr Vermögen von 19,570 Thlr. auf 20,057- Thlr. — Die Gesellschaft erhielt einige Legate. — Die Gesellschaft zählt jetzt 390 Freunde, indem 2 neue hinzutraten, aber 10 verstärken. — Ich füge noch die Endworte des Secretärs in seinem Berichte hinzu: „Daß aber unser Bund bis in die fernsten Jahrhunderte hinaus noch fortbestehen wird, liegt außer allem Zweifel, da seine hohe sittliche Tendenz nicht nur ein materielles, sondern auch ein geistiges Band der Menschenfreundlichkeit stiftet, das beseligend, veredelnd und läuternd die Herzen in unbegrenzter Liebe an einander knüpft. Und so bewähre sich von Jahr zu Jahr immer fester und herrlicher die Ueberzeugung bei uns, daß auch in dem Walten unserer Gesellschaft und in der Vereinigung seiner Mitglieder zur Pflege der schönsten menschlichen und bürgerlichen Tugenden, zur trefflichsten Anwendung echter Geistesbildung, wir eine kräftige Saat ausgestreut, die einst, wenn alle Leidenschaften schweigen, wenn alleVorurkheile undJrrthümer verschwunden sind, zur schönsten Welternte reifen wird, zu der einzig wahren Emancipation einer allgemeinen Veredlung!" —. Noch kann ich Ihnen He freudige Nachricht geben, daß jetzt ernstlich daran gearbeitet wird, auch in der hiesigen Synagog» einen geregelten, die Andacht fördernden und fesselnden Gottesdienst einzuführen. Auch deutsche Predigten sollen gehalten werden; denn endlich ist die sonst dagewcsene Majorität einer halsstarrigen Orthodoxie zur Minorität geworden; das Vernünftige, Zeitgemäße, das wahre Religionsgefühl Befriedigende wird endlich den alten Schlendrian verdrängen. Man sagt — (ich zweifle kaum daran)— daß Zunz und Pleßner als Prediger angestellt würden. Der Erste wäre ein Juwel, um den Berlin zu beneiden sein würde, und der Einfluß seiner Predigten möchte wolunendlich heilbringend und groß sein. Ein geordneter Sangerchor wird bereits ausgebiloet, um möglichst bald in Wirksamkeit zu treten. Gott gebe, daß Alles zur Ausführung komme, denn das Bedürfniß jedes religiösen Herzens machte sich schon seit Jahren, wenn auch leider vergeblich, nach solcher Reorganisation des Gottesdienstes laut.— Theologische Bemerkungen. — Ich erlaube mir, Sie, verehrter Herr Redacteur, auf eine Unrichtigkeit, oder wenn Sie wollen, Flüchtigkeit, Ungenauigkeit in ihrem literarischen Beiblatte No. 7. aufmerksam zu machen, die ich nicht bemerken würde, wenn sie nicht von praktischer Bedeutsamkeit - wäre. Dort heißt es: In der Gemara wird der Reis Pesach. 114 b zu den Getreidearten gerechnet und ebendas. 35 a am Pesach verboten. Muß der nicht theologische Leser "nicht glauben, daß dies die unbestrittene Entscheidung der Gemara sei? Doch ist es blos die verworfene Meinung des Jochanan Ben Nuri, der von der Mischna daselbst widersprochen, und daher von den Amoraim nicht anerkannt wird. Ausdrücklich sagt dort die Gemara 114b, daß Niemand die Worte des I, b. N. beachtet, und daß die angesehensten Lehrer Reis am Pesach gegessen haben, der natürlich alle Casuisten folgen. Daß Reis, Hirse und alle Hülsenfrüchte bei uns am Pesach in der Regel nicht gegessen werden, beruhet auf einem blosey ana» (Gebrauch) ss. n"« v"iv c. 453. §. 1.], von dem die Sefardim nichts wissen, der noch um die Mitte des 14te» Jahrhunderts zur Zeit des Verfassers der Türim in Deutschland nicht üblich war, und der bereits vom ehemaligen westphälischen Consistorium als grundlos und nichtig, erklärt wurde. S. rnax Sendschreiben des hochgelehrten westphälischen Consistorialrabbinen L. Mendel Steinhard 1. Frage, wo unter Anderm die Worte des k. Ascher (aus seiner Gutachtensammlung) angeführt werden, der gegen diesen Gebrauch eifert und die Vermuthung aufstellt, daß er von Caraiten herrühre. Es gereicht uns warlich nicht zur Ehre, daß die mit den triftigsten Gründen belegten Entscheidungen dieser wahrhaft frommen Behörde noch nicht allenthalben Eingang gefunden, und daß Rabbinen so grund- und zwecklose Beschränkungen, die den Pesach dem armen Manne fo kostspielig machen und daher — warum soll ich mich scheuen, die Sache beim rechten Namen zu nennen? — dem Bettelwesen oder gar der Unredlichkeit Vorschub leisten, noch immer als gesetzliche gelten lassen. Sie 'werden daher die Gefälligkeit haben, diese Berichtigung um so gewisser bald aufzunehmen, da der Pesach vor der Thür ist, und Ihr Blatt sonst den Rabbinen, die Reis erlauben, ein böses Spiel machen, und den guten Leuten, die ihn essen wollen, das Gewissen beschweren könnte. — Hohenems. __ A. K., Rabbiner. Königsberg, den 1. April. Als ich Ihnen unter dem 30. Jan. den erhaltenen Entwurf eimr zu bewerkstellenden Synagogenordnung überschickte, lag dabei der Hauptzweck vor Augen, auch in vielen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.