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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-09-11 · Heft 37 (11.9.1903) · p. Seite 444

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 37 (11.9.1903)
Date
1903-09-11
Page
Seite 444 (sequence 14)
Language
German
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444 schulden kommen lassen. Darum hat man gesucht, so wenig Lärm wie möglich zu machen und zu beruhigen und den Betroffenen zu helfen so gut es ging. . . und wer hat das alles gemacht? Der Rabbiner! Ihm allein is zu danken, daß die Khille hat die schweren Zeiten überstanden. Nach und nach hat sich die Sach' wieder geändert. Die Leut haben wieder angefangen ihren Geschäften nachzugehe», die Banken haben neue Kredite gewährt, auch Privatkapitalisteil stützten einige Firmen, und sollte nian glauben, Herr Doktor, auch dabei hat der Rabbiner seine Hand im Spiel gehabt, und so ist die Khille mit der Zeit wieder zu ihrer früheren Blüte gelangt. Josua Krotoschiner, sein Schwager und ihr Freund, der Vorsteher, haben aber von da an ihren Einfluß ganz verloren und ein paar Jahre später auch das Geld. Sie legten sich auf grobe Spekutationeil nach 'em siebenziger Krieg und haben in „Laura" den letzten Groschen hergebeir gemußt. Die Bors' versteht feinen Spaß. Krotoschiner und Saul Pleitegeher sind nach Berliir verzogen. Kein Mensch aber hat das bedauert. Nur unser Chaseil hat gesagt: „8ic transit gloria mundi“, was Schnull Eisner, der Witzbold, hat verdeutscht: „Selbst der Herr Vorsteher muß seinen glorreichen Mund halten!" Und jetzt wissen Sie die Geschichte vom großen Konkursjahr und von Josua Krotoschiners Pleite." Ich mußte an des Kantors Citat denken: „8ie tran8it gloria mundi", und wie gut es wäre, wenn in der jüdischen Gemeinde mancher rechtzeitig seinen glorreichen Mund halten müßte. Sprechsaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! V^or einigen Wochen las ich in Ihrem Blatt eine Notiz, daß sich die französische Presse anläßlich der Kischinewer Ereignisse häßlich benommen habe. — Sie erwähnen „Enropeen Matin", „Aurore" als nahezu die einzigen Blätter, auf die solcher Tadel nicht zutreffe und schreiben dann: Außer den offiziellen Depeschen brachten die meisten Blätter kein Wort über Kischinew. Von Meetings und Sammlungen in nichtjüdischen Kreisen war daselbst natürlich nicht die Rede Diese Bemerkungen, welchen ich ähnlich mehrfach in deutschen Blättern begegnet bin, sind nicht zutreffend. Es haben zwei große Meetings stattgefunden, das erste schon im Mai von Professoren der Sorbonne rc., unter dem Vorsitz des Professor Seignobes jHerausgeber des „Europeen"). Und dieser Vorwurf ist um so eigenartiger, als in Deutschland überhaupt kein derartiges Meeting stattgesunden hat. — Einen Aufruf zu Sammlungen des Herrn Zadok Kahn haben „Temps" und die anderen nicht reaktionären Blätter im Text gebracht, wenn es damit sein Bewenden hatte, so liegt das an dem inseratlosen Charakter der französischen Presse. — Im übrigen hat diese ihre Pflicht wohl getan und ich habe außer den von Ihrem Blatte namhaft gemachten Zeitungen längere Berichte auch im „Temps", „Siöcle", „Petite Republiqne", „Fran^ais" gesehen. Hochachtungsvoll C. 9 Sehr geehrter Herr Redakteur! T^^er jüdische Turnverein in Köln hat in einer Zuschrift an die Kölnische Zeitung sein Entstehen damit begründet, der Ausschuß der deutschen Turnerschaft habe entgegen den Satzungen den Ausschluß der Juden aus dem österreichischeil Turnkreise gebilligt. Aus einer Bemerkung Ihrerseits in Ihrer geschätzten Zeitung geht hervor, daß die Sanktionierung des erwähnten Ausschlusses nicht den Statuten der deutschen Turnerschaft zuwider gehandelt sei. Gestatten Sie mir dazu als langjährigenl Mitgliede der deutschen Turnerschaft und regelmäßigen Leser der deutschen Turnerzeitung meine Ansicht auszusprechen. In § 2 des Grundgesetzes der deutschen Turnerschaft heißt es: „Alle politischen Parteibestrebungen sind ausgeschlossen." Wenn nun der österreichische Turnkreis durch den bekannten „Arier"-paragraphen die Juden aus seinen Reihen weist und alle Turnvereine ausschließt, die sich diesem Paragraphen nicht fügen, so ist das doch unzweifelhaft eine politische Parteibestrebung, um so mehr als die Antisemiten eine politische Partei bilden. Der Ausschuß der deutschen Turnerschaft hat also tatsächlich den österreichischen Antisemiten zuliebe seinem Grundsatz entgegengehandelt. Dieser Beschluß des Ausschusses wurde damals damit begründet, daß es in § 4 des Grundgesetzes heißt: „Ueber die innere Gestaltung der Kreise beschließen die Kreis-Turntage." Man betrachtet also den Ausschluß der Juden als eine innere Kreisangelegenheir, in welche man sich nicht einzumischen habe, gleichviel ob dieselbe dem Grundgesetz entspreche oder nicht. Man war jetzt toleranter gegen die Antisemiten als etwa zehn Jahre früher, wo ein österreichischer Turngau wegen Ausschlusses der Juden aus der deutschen Turnerschast gestoßen wurde! Inzwischen scheint nun der Ausschuß der deutschen Turnerschaft wieder zu der Ansicht gelangt zu sein, daß der Ausschluß der Juden doch statutenwidrig ist; denn in der letzten Ausschußsitzung in Nürnberg wurde beschlossen, dem § 4 etwa hinznfügen: „Sofern die Beschlüsse nicht gegen das Grundgesetz der deutschen Turnerschaft verstoßen." Dieser Antrag soll dem nächsten deutschen Turntage, der Ostern 1904 in Berlin stattfinden wird, zur Beschlußfassung vorgelegt werden, wo er unzweifelhaft angenommen wird. Dort werden die Geister betreffs der Judenfrage hart auseinanderplatzen; denn die Oesterreicher wühlen fortgesetzt und finden im Reiche schon vielfach Unterstützung. Hochachtungsvoll Jnowrazlaw, 30. August. H. « Geehrter Herr! Bum Artikel „Major Burg" in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" gestatte ich mir berichtigend zu bemerken, daß nicht Dr. Holdheim, sondern mein sel. Vater die Grabrede gehalten, in der er besonders betonte, daß Burg „treu seinem Gotte und darum treu seinem Könige" gewesen sei. Burg war meinem Vater eng befreundet und ich besitze einige wertvolle Briefe intimen Charakters an ihn. Burg war ein eifriger Besucher der alten Synagoge, streng konservativ in seiner Gesinnung und legte Wert daraus, sich in voller Uniform an Sabbat- und Feiertagen in der Haidereutergasse aufrufen zu lassen. Berlin, 27. August. Ihr sehr ergebener Jmanuel Sachs. 9 Sehr geehrter Herr Redakteur! Um vielfachen an mich gerichteten Anfragen zu genügen, erkläre ich hiermit, daß meine „Predigten für alle Fest- und Feiertage des Jahres" — Preis 1,20 Mark — ausschließlich neue bisher ungedruckte Predigten enthalten. Mit vorzüglicher Hochachtung Rabbiner Dr. Ko hn-Jnowrazlaw. ft Geehrter Herr Redakteur! ^n meinem Artikel „Die wirtschaftliche und soziale Lage der Inden in Rußland und Galizien" befindet sich am Schluffe in der fünfzehnten Zeile von unten ein Druckfehler, in dem es statt „Unsere russischen und galizischen Glaubensgenossen" heißt: „Unsere preußischen und galizischen Glaubensgenossen". Ich bitte dieses in der nächsten Nummer Ihres Blattes gütigst zu berichtigell. Eisenach, 5. September. Hochachtend S. Weinstein. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Lauchwitz in LerUn.

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