Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 37 (11.9.1903)
- Date
- 1903-09-11
- Page
- Seite 439 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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439 Seburtstc^ | yA, 22. Stoß I lgust, bei recht über j auch ein »ie wahrwegen!) ser acht tte Zwei- Redens- | i", — wie lachen! Sachen zu köstliches Lazarus i Heber sr bereit* " - ban i Hurrwi t freilich sonderedlungei ten Per parallele So lesen ß Rechn e richtet, sei, au >t, soviel l." Jrbuchim 1 lautet, versuch! he Reli wir ir ekennen . jedem rn, der midische nmlische ter des en, der zen die vmmen, riedens geht es öhe des Menschen lmmenist das u uns ewaltig rchtiger »r wird d trägt uns, geflügelten Geistes streben wir weiter und weiter, bis wir sie Spitze erreicht, — wir haben überwunden." Da Leopold Stein, angewidert durch die antisemitischen Umtriebe, welche die letzter: Jahre seines Lebens verbitterten, gern sein Augenmerk nach dem großen Land jenseits des Ozeans richtete, hatte er, wie es so seine Art war, Amerika und den Amerikanern manch hübsches und sinniges Gedicht ^widmet. Aus der Fülle dieser seiner poetischen Ergüsse, in uenen sich zugleich seine nach Freiheit dürstende Seele widerpiegelt, sei hier das rrachstehende Poem mitgeteilt: Entfalte höher nun mein Geist die Schwingen, Groß ist der Gegenstand, der mich bewegt. Das Land der Freiheit soll mein Lied besingen. Wohin die Sehnsucht meine Seele trägt. Ich sehe rings die rostigen Fesseln springen, In die Europas Tyrannei uns schlägt — Amerika! — Und wiederum und wieder, Tön' jubelfreudig nun das Lied der Lieder. Aus Krankheit wird die Menschheit dort gesunden, Ukas und Knute, — dort verfügt kein Rufs'. Die Völker hält eiu heilig Band umwunden. Frei ist die Tat, die Pflicht nur kennt das Mutz! Aus allen Völkern hier sich eingefuuden, Ist es ein Völker Volk, das baut den Schlutz; Uns führt zum Ziele Gott, der Welterlöser, Die Erd' wird kleiner, doch die Menschheit größer. Dem Pilger sind die Bande abgenommen, Er warf sie, so er schied, ins tiefe Meer, Daß nimmer sie in Erinnerung kommen, Vergessen werde Knechtschaft hart und schwer. Sprecht aus dies heil'ge Wort, ihr edlen Frommen: Aus Druck ries ich zu Gott, er gab Gehör, Laßt nicht auf Menschen uns, auf Fürsten bauen Dem Herrn allein gebührt ein ganz Vertrauen. Der Weise spricht: „Die Gottheit wohnt im Westen. Gen Abend mit der Sonne trägt sie Licht; Dorthin, wo dichte Finsternis am größten, Am tröstlichsten strahlt Gottes Angesicht. Des Himmels und der Erde ew'ge Bestell Hält Wahrheit wunderbar im Gleichgewicht. Des Abendlandes Schatten zu besiegen Bist du, Atlantic, aus der Flut gestiegen. Hier fand der Jude Palästina wieder, Das Milch und Honig reich ibm zuerkennt. Auf das des Ew'gen Blick schaut liebend nieder Vom Jahresanfang bis zum Jahresend." Lobpreist den Herrn, ihr treu verbundnen Brüder, Seht, wie euch strahlt sein klares Firmament. In Schmerzen solltet ihr die Saat hier streuen, Um euch der Ernte dort im Licht zu freuen. So danket Gott fürs Land, das er gegeben. Wo Bürger sind, froh Bürgerpflichten übt, Dankt ihm für heilig Zittern und Erbeben Vor jeder Schuld, die eure Seele trübt. Dankt ihm für Geisteswachstum, höh'res Streben Nach Zielen, die der Trieb zur Heimat gibt. Der Brüdermenge schafft auf Erden Hader. ZllUl Brudervolk ein' euch der Himmelsvater. Das Wissensgebiet Leopold Steins war ein sehr umfassendes; und wie mit orientalischen Sprachen, so beschäftigte t'r sich auch fleißig mit Sanskrit und dem Schrifttum der Inder. Die großartige indische Dichtung „Sakontala" erweckte sein lebhaftes Interesse, und er widmete ihr mehrere Abhandlungen und Vorträge. Sehr interessant ist namentlich rill im kaufmännischen Verein zu Frankfurt a. M. am -9. Januar 1867 darüber gehaltener Vortrag, worin Uebersetzungsproben eigener Fraktur aus der gewaltigen poetischen Schöpfung gegeben werden. Er schließt seine Ausführungen mit den ergreifend schönen Worten: „Lassen Sie uns aus dem herrlichen Werke Kalidasas, dieses edlen Menschengeistes, der für die Jahrtausende gedichtet, die erhebende Ueberzeugnng mitnehmen, daß ohne Unterschied des Landes, des Volkes und des Glaubens die Merlschen, die heiligster: Gefühle der Liebe, der Treue und wechselseitiger beseligender Teilnahme überall dieselben sind, ein Band von Brüdern durch Geist und Herz. Und darum, wie die Zeiten auch wechseln, ob die Verhältnisse schwer aus einen Staat, auf einen: Volk drücken nrögen: Zwei Mittel gibt es für uns, um die verstimmten Seelen wieder in Einklang zr: bringen, das ist für den Geist die göttliche Aeolsharfe der Poesie, welche aus der: Törren der Vergar:genheit so rein und herrlich anklingt, und für das Herz die himmlische Harfe des Familienlebens mit ihrem alle Mißtöne in sich auflösenden Dreiklang: „Vater, Mutter und Kind." Ein hochpoetisches Manuskript ist die 1847 geschriebene Allegorie, betitelt: „Die Rose ur:ter den Waldblume::", derer: dichterischem Reiz man sich schwer entziehen kann. Die Rose konunt nach vielen Jahren ir:s Heimatlar:d mit Perle:: im Haar und in strahlendem Gewände, um dort, von Stadt und Menschen fern, zu ruhen, und um in stiller Waldeinsamkeit der Schwestern Lust zu teilen. Sie fragt den Waldmeister, ob ihr Vater noch lebe, worauf ersterer wissen möchte, ob sie hier geboren sei. Darauf erwidert die Rose, daß ihr Vater der alte Rosenstrauch sei, doch sei sie schon als Sprötzling in die Stadt gekommen, wo sie ein Gärtner in treue Pflege genommen und ihr die feinere Bildung eingeflößt habe. So sei sie denn aufgewachsen, ur:d jeder habe sie die Blumenkörngin genannt. Diese Ausdrucksweise ärgert die Waldblumen und jede sagt ihr auserlesene Sottisen; so der Gaisbart, das Waldmeisterlern, die Glockenblume re. Ob sie sich denn einbilde, daß sie auch hier Königin genannt werden würde, hier, wo der Eichbaum stolz die Krone erhebe, die Buche voll Majestät ihr Haupt emporrichte, die Tanne kühn in blaue Lüfte steige und die Birke hold die Aeste neige? Hierauf erwidert die Rose schwermütig: O Schwestern, mich ergreift ein tiefer Schmerz, Alle eure Dornen stechen mir ins Herz! Ins Herz so treu, so unveränderlich. Versetzen eure Herzen Stich auf Stich. Sehnsucht trieb mich zu euch, den holden Meinen, In meinem Glücke wollt' ich gern erscheinen. Und Ihr, verblendet, stotzt zurück mich kalt — Weil mich veredelt Bildung und Gestalt? Schaut mir ins Herz! Blieb es dasselbe doch, Das grüne Miederchen trag froh ich noch; Fünfzackig geht's in feine Spitzen aus Erinnert mich ans teure Vaterhaus. Und wenn ich euer denk' im Garten, Wo liebe Hände treu mich warten, Der Ost mich weckt, der West mich grüßt, Der Tau mich schmückt, das Licht mich kützt, Dann steigen meine süßen Düfte Empor in die verschwiegnen Lüfte Und in Erinnerung versunken, Bin ich von Lieb' und Sehnsucht trunken. Fragt dort die kleine Nachtigall. Der Liebe Botin überall, Die hat mir Grüße aus dem Wald gebracht. Und sang mir's vor die liebe, lange Nacht. Da könnt' ich nimmer widerstehn Und mußt' mit ihr zur Heimat gehn. Und wie? Ihr wähnt, ich kam in eure Mitte, Euch zu beherrschen, stören eure Sitte, Will Liebe herrschen? Dierren will sie nur, Und Freiheit folgt, nicht Herrschaft, ihrer Spur.