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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-09-11 · Heft 37 (11.9.1903) · p. Seite 435

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 37 (11.9.1903)
Date
1903-09-11
Page
Seite 435 (sequence 5)
Language
German
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435 3. Kongresse und Delegiertentage von Teilnehmern an monistischen Organisationen, gleichviel zu welchem Zwecke sie statttinben mögen, sind zu verbieten. 4. Alle von der Regierung nicht genehmigten Sammlungen für d e laut Rr. 92. Abt. I der Gesetzsammlung pro 1902 zur Einführung ri Rußland nicht zugelassenen Aktien und Jnterimsscheine der londoner Kolonialbank, ebenso wie die Sammlungen zur Ergmlzung des jüdischen Nationalfonds, ferner wie die in manchen Städten statthabenden, die gesamte jüdische Masse umj ssenden allgemeinen Kollekten sind bei den ersten Nachrichten darüber unverzüglich zu unterdrücken. Die an der Spitze der zionistischen Organisationen stehenden Personen haben sich durch Namensunterschrift zu verpflichteil, von der Leitung zurückzutreten und s Hierhin keine Geldsammlnngen mehr zu veranstalten. Die in ihrem besitze sich befindenden Beiträge sind als auf dem Wege von der Regierung nicht genehmigten Sammlullgen aufgebracht, einer jüdischen ' whltätigkeitsanstalt (beispielsweise der in Odessa bestehenden Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Palästina und Syrien) zu überweisen. Aktien und Znterimsscheille d r jüdischen Kolonialbank, ebenso die Marken des jüdischen Nationals.nds unterliegen der Konfiskation, während die mit ihrem rtrieb sich beschäftigenden Personen durch Namensunterschrift zu urpflichten sind, auf diese Tätigkeit zu verzichten. Letztere ist um so schädlicher, als die in die zionistischen Kassen steuernden Personell sich vornehmlich aus ben am wenigsten bemittelten Klassen rekrutieren. r>. Auch müssen die in den jüdischen Cheders, Lesehallen, Biblio- N:eken und Sonnabendschulen veranstalteten Vorträge überwacht llnd ':?ts im Auge behalten werden. 6. Bei den Wahlen von Rabbinern, Rabbinatskandidaten unb im Huste der Allgemeinheit lvirkendell Persollen muß man über den l rad ihrer Beteiligung an zionistischen Organisationen orientiert sein. Gez. v. P le hw e, Lopuchin. Dieses Akterlstück verdient verewigt zu werden. Schon i i der Einleitung weint Herr v. Plehwe bittere Tränen darüber, daß die russischen Zionisten, nachdem sie sich .^erzeugt hatten, daß der Sultan Abdul Hamid ihllen Palästina nicht gutwillig überlassen will, ihr Ideal eines nnabl mgigen Staates einer besseren Zukunft überlassen und die unfreiwillige Wartezeit mit Kulturarbeiterl für die Erhaltung unb Stärkung des von Rußland gemarterten Judentums l Müllen. Herr v. Plehwe vergißt, daß selbst das in Waffen narrende Rußland sein Ideal, die Verwirklichung des Testaments leter des Großen, schon seit zwei Jahrhunderten zurück-! Üen muß. Ferner beklagt sich der Mann, der die Macht seiner < fernen Faust braucht, um die seiner Willkür preisgegebenen i:mf Millionen Juden in einigen großen Städten einzupferchen, o sie, eine dichte und schwer bewegliche Masse bildend, einer Verschmelzung mit den anderen Völkern absolut unzugänglich l eibt; der Mann, der der jüdischen, nach Bildung lechzenden äugend den Zutritt zu sämtlichen Bildungsanstalten des Zarenreiches gewaltsam versperrt, dieser Mann beklagt sich darüber, daß die Zionisten die Assimilation der Juden mit f u andern Völkern erschweren! Es gehört wirklich viel dazu, -m unter diesen von der Regierung selber geschaffenen Zuhanden, bei denen selbst die Taufe nicht zum Ziele führen airde, vor: den Juden noch die Verschmelzung mit den 'Kuffcu zu verlangen. Die von Herrn v. Plehwe gegen die russischen Zionisten ' hobenen Beschuldigungen erinnern lebhaft an die Fabel von Wolf, dem das Lamm das Wasser getrübt hatte . . . . au der Wirklichkeit wollte das russische Tschinowniktunr den .'.ionisten schon längst an die Kehle! Wenn sie bis jetzt ein Ulge zugedrückt und dem Zionismus gegenüber eine in Ruß- ' i"d ganz ungewöhnliche Toleranz geübt haben, so geschah es > l der Hoffnung, in ihm einen freiwilligen Helfershelfer gegen 'K'n Nihilismus zu finden. Diese Hoffnung hat sich im - 'Ulfe der Zeit aus hier nicht näher zu erörternden Gründen als trügerisch erwiesen, und nun stand dem russischen Beamtentum nichts mehr im Wege, den verhaßten Juden, denen sie bereits alles genommen haben, noch ihre Ideale zu verbieten, in die bis jetzt noch verschonten Synagogen zu dringen, um die daselbst gehaltenen Predigten unter Zensur zu stellen und bei den Rabbinerwahlen mit ihrer plumpen Tatze einzngreifen. * Die französische Zeitschrift „I^nropöen" gibt den Wortlaut einer Proklamation wieder, welche die russische Polizei Vörden Kischinewer Greueln verbreiten ließ, und von der kein einziges Exemplar aufgetrieben werden konnte. Sie bildet, wenn sie echt ist, einen Beweis mehr für die eigenartige Rolle, die die Organe der Regierurlg bei diesen Ereignissen gespielt haben. Wir geben das Schriftstück in wortgetreuer Uebertragung hier wieder: Teure Christen! Unser heiliges Fest der Auferstehung Christi steht bevor. Eine Reihe von Jahren ist verflossen, seitdem unser Herr von Iden Inden gelötet, durch sein Blut unsere Sünden und die der ganzen Welt sühnte und in seiner Barmherzigkeit sein heiliges Blut für das Wohl aller Völker vergoß, nicht nur für uns Christen, sondern für alle Angehörigen anderer Religionen. Doch die niederträchtigen Juden begnügten sich nicht damit, das Blut unseres Heilands zu vergießen, den sie gekreuzigt hatten und der auch für sie gelitten hat. Alljährlich vergießen sie noch das Blut unschuldiger Christen, das sie zu ihren Gebräuchen verwenden. Man hat Euch gewiß erzählt, daß sie in Doubossari einen christlichen Knaben getötet und dessen Blut verwendet haben. Nun wohl, das ist volle Wahrheit! Die Behörden wissen es auch, wenngleich sie es nicht laut werden lassen, um nicht unfern Herrn gegen diese elenden und blutgierigen Menschen zu erregen, die schon längst aus unseren! Lande hätten vertrieben werden müssen. Nur mit Widerstreben verbreiten die Behörden, daß an der Sache nichts Wahres sei. Ein ähnlicher Fall hat sich soeben erst in Kiew ereignet, wo sie einem unschuldigen Kinde Blut entzogen und dessen Leichnam aus die Straße geworfen haben. Jetzt, während wir uns auf die Leidenszeit unseres Heilands vorbereiten, trinken sie unser christliches Blut. Brüder! Mit Abscheu werden wir erfüllt, wenn wir an die Schar unschuldiger, christlicher Seelen denken, die wir während vieler Jahre haben einbüßen müssen. Und jetzt verhöhnt uns diese verworfene Rasse noch. Wieviel Unheil haben sie schon in unserem heißgeliebten Vaterlande angestiftet . . . Sie streben danach, sich des Landes zu bemächtigen ... sie wenden sich mit verschiedenen Aufrufen an das Volk, um es gegen die Behörden aufzustacheln und selbst gegen unser Väterchen Zar, der ja dieses verächtliche, niederträchtige, habsüchtige Volk nicht kennt, das ihm seine Macht beschränken will. Sie versuchen jetzt Unruhen zu stiften, um mehr Freiheit für sich zu erlangen. Doch wenn man nur noch das geringste an Freiheit den Juden einräumt, so werden sie sich zu Herren unseres heiligen Rußlands machen, so werden sie in ihrer Habgier alles an sich reißen, und wir werden nicht mehr ein russisches Reich, sondern ein Judenstaat sein. Brüder! Im Namen unseres Heilands, der sein Blut für uns hergegeben, im Namen unseres gottergebenen Väterchens Zar, der liebevoll für sein Volk sorgt, dessen Los er durch hochherzige Kundgebungen erleichtert, laßt uns zu Ostern Zusammentreffen unter dem Kampsgeschrei: „Nieder mit den Juden!" Laßt uns diese blutgierigen Ungeheuer, welche russisches Blut aussaugen, niedermetzeln. Sorget dafür, daß sie sich erinnern an den Ausstand in Odessa, wo die Truppen selbst das Volk unterstützt haben. Auch diesmal werden sie uns beistehen, erfüllt gleich uns bon der Liebe zu Christi. Brüder, leiht uns Eure Kraft. Laßt uns diese abscheulichen Juden vernichten. Wir sind jetzt zahlreich genug! Die Partei der wahrhaft christlichen Arbeiter.

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