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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-09-04 · Heft 36 (4.9.1903) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 36 (4.9.1903)
Date
1903-09-04
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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2 bezeugen. Zugleich legte er im Namen des Senats der Universität Heidelberg und der naturwissenschaftlichen Fakultät sowie der Studentenschaft Kränze auf das Grab. Dr. Knoblauch legte einen Kranz nieder im Namen der Senckenbergischen naturforschenden Gesellschaft, der Prof. Askenasy 32 Jahre als auswärtiges Mitglied angehörte, und den die Gesellschaft als trefflichen Physiologen und Forscher in der Kryptogamenkunde aufs höchste schätzte. Zum Schluß widmete Pros. Möbius als Kollege und Freund einen Nachrus denl Verstorbenen, dessen Namen sortleben wird in der Wissenschaft, der er sein Leben geweiht hat. L. Stuttgart, 24. August. Nach kurzem Leiden ist einer der besten Bürger Stuttgarts, eines der angesehensten Mitglieder der israelitischen Gemeinde, Kommerzienrat und Bankdirektor Emanuel Benzing er im Alter von 63 Jahren aus dem Leben geschieden. Die gesamte Presse — ohne Unterschied der Parteirichtung — widmet dem Verstorbenen ehrende Nachrufe, in welchen besonders seine unbeugsame Rechtlichkeit und seine echte Humanität anerkannt werden. Die Beerdigung fand am Freitag statt. Die gesamte Finanzwelt zahlreiche Vertreter finanzieller und industrieller Unternehmungen aus dem Reiche, die Beamten der Württembergischen Vereinsbank, Aerzte, Juristen, hohe Beamte re. umstanden das Grab, an dem Bezirksrabbiner Dr. Stößel der innigen Teilnahme Allsdruck gab, die sich aller bei der Kunde des Hinscheidens unseres hochgeachteten Mitbürgers bemächtigte. Der Verewigte habe in seiner bedeutsamell Stellung, die er sich unter den Lebenden errungen, mit seltenem Erfolg gewirkt. Mit tiefer Wehmut, aber auch mit den Gefühlen unauslöschlicher Dankbarkeit für seine unschätzbaren Dienste blicken ihm die Zurückbleibellden ills Grab nach. Er hat gezeigt, wie man aus eigeller Kraft von Stufe zu Stufe steigt. Jll Mallnheim geboren, hat er sich in seiner Vaterstadt eine tüchtige Schulbildung auzueignen gewußt und ist nach einer harten kaufmännischen Lehrzeit nach Holland übersiedelt, um im fremden Lande seinen Geist zu schulen. Jll den 60 er Jahren kam Benzinger nach Stuttgart, wo er bald ein ausgedehntes Feld der Tätigkeit fand. Als einer der Begründer der Württembergischen Vereinsbank hat er 34 Jahre an der Spitze dieses Instituts mit ungewöhnlichem Erfolg gewirkt. Arbeit uild wiederum Arbeit war seine Losung, und sein rastloser Schaffensdrang wurde gefördert durch hohe Geistesgabell. So könllte es nicht ausbleibell, daß dem Verewigten, denl außerdem als Grundzüge seines Wesens ein reiches und tiefes Gemüt, stetige Dienstbereitschaft und ein sonniger Humor 31t eigen waren, mit einer Fülle von Ehrenämterll betraut wurde, in denell er sich unvergällgliche Verdienste erworben hat. Das kam denil auch in zahlreichen Ansprachen, die am Grabe dieses trefflichen Mannes gehalten wurden, zu beredtenl Ausdruck. — Regieruugsdirektor Dr. Haberlllaas gedachte der Verdienste Benzingers als Mitglied des israelitischen Oberkirchenrats, dem er 20 Jahre lang angehörte. — Geheimer Kommerzienrat Dr.v. Steiner gab namens des Aussichtsrats der Württembergischen Vereinsbank dem Schmerze Ausdruck, den alle im tiefsten Grllnde des Herzens ob denr Hingallg des hochgeschätzten Mitarbeiters empfinden. Habe er doch die Bank helfen ausbauen und ihr durch seine ausgezeichlletell Fähigkeiten zu ihrem hohen Ansehen verholfen. — Direktor Rechkemmer widmete dem Entschlafenen namens der Direktion und des Beanltellkörpers der Württembergischen Vereinsbank einen ehrenden Nachruf. — Geheimer Kommerzienrat v. Pflaum rühmte die 22 jährige aufopfernde Tätigkeit Benzingers als Verwaltungsratsmitglied der Württembergischen Bankanstalt, deren Erfolge er durch feine reiche Erfahrung in hohem Maße gefördert habe. Auch die Württembergische Notenbank habe in ihm ein eifriges Aufsichtsratsmitglied verloren. Dem Handel und der Industrie des Landes habe er hervorragende Dienste geleistet durch sein Wirken in vielen Unternehmungen, von denen mehrere einen Weltruf genießen. Nachrufe wurden außerdem noch gehalten von Kommerzienrat Pfaff, Direktor der Allgemeinen Rentenanstalt, namens der Stuttgarter Effektenbörse, sowie von Subdirektor Bohn namens der Deutschen Lebensversicherungsgesellschaft Atlas in Ludwigshafen a. Rhein. Diese Redner alle legten prächtige Blumenspendeu am Grabe nieber. Unter der Fülle von Kranzspenden befanden sich solche der Aktiengesellschaft für Bodenuild Kommunalkredit in Elah-Lothringen, der Direktion der Deutschen Bank, der Terraingesellschaft München-Ost, der Direktion der Rheinischen Kreditbank Mannheim, der Württembergischen Notenbank, sowie voll vielen bedeutenden Firmerl des In- und Auslandes, in deren Dienst Emalllrel Benzinger seine Arbeitskraft gestellt hatte. GesterreichMngsrn. □ Wien, 31. August. Vinter dem Eindruck der erschütternden Katastrophe in Bu dap est hat sich in Wien ein Hilfskomitee gebildet, das uns folgenden Aufruf mit der Bitte um Veröffentlichung über» sendet: „Ein fürchterliches, in seinen Folgen derzeit noch nicht auszumalendes Elementarereignis hat die Bevölkerung der ungarischen Metropole, alle edel und human denkenden Menscherl auf dem ganzen Erdenrunde mit starrem Entsetzen erfüllt: eine Brandkatastrophe von erschreckenden Dimensionen hat mehr als fünfzehn Verwundete und eine bisher noch nicht festgesetzte Zahl Toter gefordert. Die Schreckensszenen, die aus Budapest täglich in die Oeffenrlichkeit dringen, lassen den ungeheuren Umfang des unsäglichen Jammers erkennen, von welchem so viele Familien betroffen wurden, die den Vertust ihres Ernährers beklagen: den Vater, der um das Wohl der Kinder besorgt war, den Sohn oder die Tochter, die als Stützen ihrer Eltern, in dem abgebrannten Gesckäftshause ihren redlichen Erlverb fanden. Allenthalben regt sich für die Bedauernslverten tiefes und inniges Mitleid, das aber nur dann die beabsichtigte Wirkung erzielen kann, wenn es den Opfern ermöglicht ist, ihre Lebensexistenz, um welche so viele kamen, sich zu sichern, und hierzu bedarf es nicht allein der Trostworte, sondern der Tatell! Diese sind es. deren die Hinterbliebenen bedürfen! Diese Taten mögen sich durch reichlichst einfließeude Spenden dokumentieren, die den ohne ihr Verschulden an den Bettelstab gebrachten Familien zugewendet werden mögen, die diese Art der Teilnahme bedeutend höher schätzen würden, als den bloßen Ausdruck des Mitgefühls! Mögen diese Spenden in ausgiebigem Maße stießen, das traurige Los der mit dem Tode ringenden Opfer sowie der zahlreichen Hinterbliebenen der als verkohlte und als verstümmelte Leichen hervorgezogenen Getöteten zu lindern, mögen diese Spenden liach dem Worte: „Wer schnell gibt, gibt doppelt!" erfließen. Spenden werden erbeten an die Sammelstelle Emil Jelinek, Wien, I. Bezirk, Seitenstettengasse 5, von wo aus die Gelder der richtigen Adresse behufs Verteilung zugemittelt werden. — Nach einem Bericht der „Wiener Morgenzeitnug" soll der Rabbinerkongreß in Krakau unter anderem auch den Beschluß gefaßt haben, den eidlichen Protest gegen die Ritualmordbeschuldigung dem Papste mit der Bitte zu unterbreiten, mit seiner Autorität gegen dieses Märchen aufzutreten und bei den Gläubigen der katholischen Kirche dahin zu wirken, daß dieser Aberglaube aus der Welt geschafft werde. Hoffentlich bewahrheitet sich das nicht! — Der Statthalter hat den Spitalsverwaltuugen einen Erlaß in Erinnerung gebracht, wonach sie bei der Aufnahme von zahlungsunfähigen Ausländern, insbesondere aber von Juden aus Rußland und Rumänien mit der größten Vorsicht vorzugehen haben. Wie hoch auch immer das Defizit des Spitalfonds gestiegen sein mag — die Abweisung Kranker ist vom menschlichen Standpunkt überaus bedauerlich und durchaus nicht geeignet, die gute Meinung des Auslandes von ben österreichischen Kulturzuständen zu erhöhen. Diese Maßregel kann keine anderen Entschuldigungsgründe für sich geltend machen, als finanzielle, und das „Deutsche Volksblatt" tut gut daran, seine Artikelüberschrist: „Graf Kielmansegg — Antisemit?" mit einem Fragezeichen zu versehen. Schweiz. 0. Basels im August. Der sechste Zionistenkongreß wurde am 23. d. M. hier eröffnet. Anwesend waren etwa 700 Teilnehmer aus aller Herren Ländern. Dr. Theodor Herzl begrüßte die Versammlung. Sodann teilte er mit, daß er im Oktober vergangenen Jahres einigen Mitgliedern des britischen Kabinetts den Vorschlag unterbreitete, den Zionisten eine Landkonzefsion für die Sinai- Halbinsel zu bewilligen, damit sie dort eine Ansiedlung für die jüdischen Emigranten gründen. Es wurde ihm bedeutet, daß das Territorium ägyptisch sei. Die britische Regierung gab anheim, als vorbereitenden Schritt die Entsendung einer Kommission von Fachleuten anzuordnen, um den Landstrich auf feine Eignung zur Besiedlung zu. prüfen. Die Kommission brach Anfang Februar nach der Sinai-Halbinsel auf. Nach langwierigen Verhandlungen erklärte die ägyptische Regierung, sie sei nicht in der Lage, auf die Sache weiter einzugehen. Hierauf wurde englischerseits an Stelle des früheren die Bewilligung eines anderen Landgebietes zum Zwecke der jüdischen Kolonisation vorgeschlagen. Es handelt sich dabei um eine autonome jüdische Ansiedluug in Ostafrika mit einem jüdischen Oberbeamten

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