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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-09-04 · Heft 36 (4.9.1903) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 36 (4.9.1903)
Date
1903-09-04
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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Berlin, 4. September 1903 weil tunen durchtzast Hab' als das doch ein re Sitten hi fl, kam iten der 'eit, und \\\ sahen, das; dies wühlten jeu und rfür vere Khitle ich habe iten viel eworden mir eiukt§ kann r in der der Gedas die r andere m Jahre id keiner ls Ganze folgt.) ast des oit Prof, nd Kauf- B r a n n. lng, Mai Inhalt: Hamiden, chen und ' Nomos, > an der bemann: >er Darlesungen ) - Dr. der Gelsetzung.) Besprein ihren r. Von '(Nr. 36, amänien : schönen el zum «7 «,^ no 86 Der Oemeindebote. Weilage zur „Allgemeinen Leitung drK IudcntumK" Sorrklponl>rn?m und Aschrichten. Deutschland. — Berlin, 30. August. Der Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat wieder zwei erfolgreiche Aktionen durchgeführt. Mehrere Blatter hatten eine Mitteilung veröffentlicht, daß Herr Leutnant Selazinsky von der 10. Kompagnie des 117.großherzoglich hessischen Infanterieregiments bei einer Instruktion in Anwesenheit einiger jüdischer Reservisten die Aeußeruug getan habe: „Ihr dürft eher einen alten Juden erschlagen, als einein Kameraden einen Stecknadelknopf aus dein Spind nehmen." Da eine solche Aeüßerung bei einer militärischen Instruktion im deutschen Heere nicht am Platze zu sein schien, hat der Zentralverein sich in dieser Sache cm die Militärbehörden mit einer Beschwerde gewandt und schließlich von dem Generalkommando des 18. Armeekorps nachstehenden Bescheid erhalten: Frankfurt a. M., 17. Jttli 1903. Aus das Schreiben vom 10. l. M. erwidert das Generalkommando ergebenst, daß der in Frage stehende Vorfall, als er seinerzeit zur Kenntnis der Vorgesetzten Behörden gelangte, selbstverständlich sofort Anlaß zu dienstlichem Einschreiten und einer entsprechenden Erledigung gab. Es erübrigt sonach, dem gestellten Ersuchen jetzt noch näher zu treten, gez. von Lindequist, General der Infanterie, Generaladjutant und kommandierender General. — Der Leiter der von der Landes-Versicherungsanstalt der Provinz Brandenburg errichteten Lungenheilstätte in Kolkwitz bei Kottbus, Herr Dr. Bandelier, hatte in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" vom 26. März und in der „Berliner Klinischen Wochenschrift" vom 18. Mai d. I. Inserate erlassen, in welchen er für die aus öffentlichen Mitteln unterhaltene Lungenheilstätte einen „christlichen" Assistenzarzt suchte. Der Zentralverein hat deshalb an die Landes-Versicherungsaustalt die Bitte gerichtet, Herrn Dr. Bandelier über das Unstatthafte der Ausschließung jüdischer Bewerber anfklüren und ihn anweisen zu wollen, bei der Besetzung von Arztstellen in der ihm unterstellten Anstalt nur auf die bürgerlichen und beruflichen Eigenschaften der Bewerber Wert zu legen. Daraus erhielt der Zentralverein von dem Vorstand der Landes-Versicherungsanstalt Brandenburg, Berlin W., Matthäikirchstraße 19, nachstehenden, vom 30. v. M. datiert eit Bescheid: „ Obwohl weder Ihre Legitimation zu einer derartigen Beschwerde anerkannt werden kann, noch diesseits etwas Anstößiges in dem Inserat, betreffend Ausschreibung der Assistenzarztstelle der Lungenheilstätte Kottbns, gefunden wird, wird doch in Zukunft bei gleicher Veranlassung das Wort „christlich" fortbleiben." Mit dieser Zusicherung betrachtet der Zentralverein aber den Zweck jener Eingabe als nicht erreicht, denn er erachtet es mit Recht als entschieden bedauerlich, daß eine Behörde „nichts Anstößiges" in eittem Verstoße gegen die gesetzlich gewährleistete Gleichberechtigung findet! ----- Berlin, 27. August. Sein fünfzigjähriges Doktorjubiläum feierte heute Dr.med. Wilhelm Wiener, der seit etwa einem Jahrzehnt hier praktiziert, nachdem er lange Zeit in Brannsberg als Arzt gewirkt hatte. Dr. Wiener erwarb seinen Doktortitel an der hiesigen Universität. Seine Doktorschrist handelte über die Atrophie der Kinder. Einer der Freunde Wieners, die bei der Prontotion als Opponenten mitwirkten, war Dr. Abarbanell, der nachmals hier als medizinischer Praktiker und ganz besonders als Förderer von Wohlsahrts- und Bildungsbestrebungen ein hohes Ansehen erlangte. 1828 zu Löwenberg in Schlesien geboren, besuchte Wiener das Gymnasium in Glogau und Liegnitz. Seine medizinischen Studien machte er in Berlin. Während der letzten Studiensemester war Wiener Ammanuensis des Pharmakologen Mitscherlich. Die ärztliche Praxis betreibt Wiener seit 1855. Er nimmt lebhaften Anteil an den ärztlichen Standesbestrebungen und an allen Angelegenheiten des Judentums. — Ortelsbnrg, 27. August. Am 18. d. M. feierte unser Mitbürger und Vorstandsmitglied der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr Aron Zwillenberg, seinen 70. Geburtstag. Die Vertretung der Gemeinde hatte es sich nicht nehmen lassen, den Jubilar, der sich auf den verschiedensten Gebieten der Verwaltung hervorragende Verdienste erworben, an seinem Ehrentage die verdiente Anerkennung zu erweisen. Schott am frühen Morgen wurde der Jubilar durch ein Ständchen der hiesigen Jägerkapelle begrüßt. In den Vormittagsstttnden wechselten in ununterbrochener Folge Gratulationen der aus Nah und Fern zusammengeströmten Kinder mtd Verwandten, der Geuteindemitglieder und osfizielleit Abordnungen. Prachtvolle Blumenarrangements und Bouquets gaben Zeugnis vott der großen Beliebtheit des Herrn Zwillenberg. Ein Diner, gegeben von der israelitischen Genteinde Ortelsburg, vereinigte dantt alle Festgäste zu einent gemütlichen Beisammensein, bei welchem der erste Vorstand. Herr B. Davidsohn, mit kurzen Worten in trefflicher Weise ein Charakterbild des Jubilars, sein Wirken und uneigennütziges Handeln während des mehr als 43jährigen Aufenthalts in hiesiger Stadt zeichnete. Als äußeres Zeichen der Anerkennung verehrte die israelitische Gemeinde ihm einen prachtvollen, silber-vergoldeten „Chanukah-Leuchter" mit entsprechender Widmung. Darauf ergriff der Sohn des Jubilars. Herr- Musikdirektor Wilhelm Zwillenberg aus Kaiserslautern, Pfalz, das Wort, um im Namen der ganzen Familie den Dank derselben auszusprechen und die Mitteilung zu machen, daß die Kinder des Jubilars zuut Andenken an den 70. Geburtstag ihres Vaters der Gemeinde einen Trauhimmel gestiftet, uin so auf diese Weise ihre Anhänglichkeit att ihre Heimatgemeinde zu beweisett. Am Abend hatte Herr Zwillenberg die Mitglieder der Gemeinde zu einem Abendessen in der „Gambrittushalle" eingeladen. Ernste und heitere Ansprachen wechselten mit einander ab, und daß zuletzt noch ein kleines Tänzchen arrangiert wurde, war bei der animierten Stintmung der Gäste selbstverständlich. Die feierliche Uebergabe des Trauhimmels fand am Sonnabend, den 22. August, während des Gottesdienstes in der Synagoge statt. Die prachtvolle Goldstickerei auf blauem Grunde in ihrer vornehmen Ausführung erregte das Entzücken der Anwesenden und macht derLeistungsfähigteit der Kunst- und Fahnenstickerei von L. Allbrecht in Kaiserslautern alle Ehre. Nach einer Ansprache des Herrn Wilhelm Zwillenberg übernahm Herr Vorstand B. Davidsohn das Geschenk als Eigentum der Gemeinde, und ein besonderes Gebet des Herrn Kantors Saretzky beschloß die erhebende Feier. 8. Heidelberg, 28. Juli. In Sulden in Tirol, wo er zur Kur weilte, ist am 24. der Botaniker Dr. Eugen Askenasy, Professor der Botanik an der Universität Heidelberg gestorben. Er wurde am 5. Mai 1845 als Sohn des kaiserlich russischen Hofrats Dr. M. Askenasy in Odessa geboren. Seine Erziehung genoß er in Deutschland (Dresden) und studierte hauptsächlich in Heidelberg vom Herbst 1864 bis Frühjahr 1868, botanische Studien unter Leitung Hofmeisters betreibend. Er habilitierte sich im November 1872 mit der tvissenschastlich bedeutenden Arbeit: Beitrüge zur Kritik der Darwin'schen Lehre (Leipzig 1872). Darwin selbst sprach in einem längeren Schreiben Askenasy für die Arbeit seine volle Anerkennung aus. Seine Vorlesungen behandelten das Bestimmen der Pflanzen, die Kryptogamenkunde und die allgemeine Pflanzenphysiologie. In diesem Fache hat er sehrwertvolle Abhandlungen über das Wachstum der Pflanzen in Abhängigkeit von äußeren Umständen, über die Ursachen des Saftsteigens und anderes veröffentlicht. In der Kryptogamenkunde waren die Alpen sein Spezialfach; abgesehen von einzelnen kleinen Aufsätzen bearbeitete er die von der Expedition der „Gazelle" gesammelte Algen Doch kannte er auch die höheren Pflanzen, besonders die der Heidelberger- Umgebung sehr, gut und veranstaltete Exkursionen, die für seine Schüler sehr lehrreich und anregettd waren. Im Januar 1881 wurde er zum außerordentlichen Professorernannt. Askenasy arbeitete meist in seiner Privatwohnung, wo er sich ein gutesLaboratorium eingerichtet hatte, und lebte mehr für sich, da er nicht nach äußerer Anerkennung strebte und kaum darauf bedacht war, vieles drucken zu lassen, hochgeschätzt aber und verehrt von den wenigen, die seinen näheren Umgang genießen dursten. Die Beisetzung der Leiche erfolgte am 28. d. M. auf dein jüdischen Fciedhof in Frankfurt a. M., ivo die Verwandten des Verstorbenen leben. Die Grabrede hielt Rabbiner Dr. Plaut. Hofrat Prof. Bütschli vott hier ergriff hierauf das Wort, um dem alten Freunde die Anerkennung und Liebe aller derer, die ihn kannten, zu

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