Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1903)
- Date
- 1903-09-04
- Page
- Seite 430 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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430 oder gar Systeme zu bauen. Gussenbauer beguücjt sich beispielsweise mit Kurt Sprenglers Versuchen einer pragmatischen Geschichte der Arzneikunde vom Jahre 1821, anstatt die ungleich wertvollere mit Berichtigungen und Zusätzen von L. Rosenb. Versuchen, 5. Auflage vom Jahre 1846 zu benutzen. Es mag daher nicht überflüssig erscheinen, aus der letzteren^), sowie aus anderen einschlägigen Werken hiermit Ergänzendes nachzutragen. Parmenides, der die zoroastrische Lehre von Licht und Finsternis in seinen Vorstellungen vom Weltall ausgenommen, behauptet (nach Plut. de plac. phil. 4, 5, Galem.hist. phil. 28, 315): „Der Sitz der Seele sei im!><'-(-«3." Ueber ihr Wesen habe er sich nicht weiter ausgesprochen. Die tUrivoia, Denkkraft, entstehe durch das Vorherrschen des fh^wr oder Fühlen und Denken durch die Mischling (Temperament) derselben. (Ge. Gu. Fülleboru, Fragmente des Parmenides, Beitrüge z. Gesch. d. Phil. 6.) Soviel wir wissen, teilt Pythagoras die Seele in drei Teile, oder er unterschied drei abgesonderte Vermögen: den Verstand wvg, das Gemüt oder (?) die Begierde und den Mut, Zorn Bei den Tieren vertrete der Mut die Stelle des Verstandes. Gemüt könne allein im Menschen angenommen werden. Es gehe der Ansang des Verstandes von dem Herzen zum Gehirn: im Herzen habe der Mut seinen Sitz, das Gemüt und der Verstand allein im Gehirn. Die Empfindungen feien gleichsam die Tropfen der Seele. Das Verständige in der Seele sei allein unsterblich, die übrigen Kräfte seien vergänglich. Diogenes 1. 1, c. 14, Cicero tust*, q. 1, 16, Lactantius divin. inst. III. 18. Alkmaeon, Schüler des Pythagoras, unterschied, wie sein Lehrer, in der Seele den vernünftigen Teil, unter dem Namen des Heerführenden (tjyf,uonxor) und wies ihm seülen Sitz im Gehirn au. Er trennte zuerst tua^mq und (pQovtjoig, Theophrast. de sensu et sensib. § 25, Aristoteles de anima III. 3. Alle Sinne hängen mit dem Gehirn zusannnen und werden affiziert bei der Kommotion und Lagenveränderung des Gehirns, denn das Gehirn nehme n<>(>ovg (Gänge, Nerven) auf, durch welche die tucAhiCiU erfolge, Theophrast 1, c. Alkmüon hat also unstreitig die Sinnesnerven gekannt, ebenso den Einfluß der connnotio cerebri. Hippokrates Coae. praenot. ed. K. I. p. 318, 610; II. p. 170. Empedokles nahm den Sitz der Seele im (Herz) Blute an und hielt sie wohl für einerlei mit der aus dem Blute sich entwickelnden Wärme. Deswegen hielt er auch das Empfinden und Denken für eins. Gensorlnus de die nat. 0. Ante omnia Empedokles, quem in hoc Aristoteles secutits est, cor iudicav.it increscere, quod hominis vitam maxime contineat. Aristoteles de anima lib. III. c. 3. (Theophrast. de sensu § 10 sq.) Anaxagoras meinte, nach Spreugels Auflassung, der Kopf, als der Sitz der Denkkraft (?) werde zuerst entwickelt, was jedoch von Nosenbaum nicht für richtig befnnbeit wird, da es im Censorinus de die nat. c. 6, pag. 27, 28 heißt: „Anaxagoras cerebreum, unde omnes sensus.“ Nach den angezweifelten Stellen im Plut. place, phil. IV. 4, suchte Demokritus den Sitz der vernünftigen Seele in der Brust. Proklus bemerkt: „Eteniin non semper acciderat, (piemadmoduni videbatur, onmis sentiendi facultatis a corpore discsesus, sed interdum aliquo vulnere icta oppriimebatur, animae autem circa cerebrum vincula velut radicibus adhuc illigata manebunt et cor animalem calorem in intimis recessibus latentem servabat, quo manente exstinctum iam spiritum animandi vi praeditum revocare consuevit. Mullach p. 117. i) S. 245—263, 278, 285, 290, 301, 340, 365, 443-455, 471-485, 517—527, 549 f. Der Umstand, daß es sieben Hippokratesse gegeben und daß man dem 2. H., dem berühmtesten unter ihnen, deren Schriften sowie Aussprüche von deren Zeitgenossen zugeschrieben oder Interpolationen vorgenommen und der Enthusiasmus der Ptolomäer für griechische Autoren bei der Begründung von Bibliotheken, erklären die Widersprüche bei Hipp, und die Unzuverlässigkeit in seinen Angaben. Von solcher! führt Tertullian de anima c. 15 den Hipp, als Verteidiger der Meinung von dem Sitze der Seele im Gehirne an. Und wirklich findet sich diese Meinung mit Gründen aus Heraklitus^ System vorgetragen im Buche wpi vovaov (p. 304), aber im Buche tu-qI xQCiöhpq (p. 268) wird in dem Herzen der Sitz der Lebenskraft angenommen. Vgl. auch Limplic. comment. in Aristoteli categ. fol. 2. Das Gehirn ist, seiner Meinung nach, ein weißer, schwammiger, drüsiger Körper, und dient dazu, die Feuchtigkeiten aus dem ganzen Körper anzuziehen, wozu die kugelrunde Figur des Kopfes auch das ihrige beiträgt. Wenngleich das Buch von den Drüsen, woraus dieser Grundsatz genommen ist, wahrscheinlich von einem späteren Verfasser herrührt, so stimmt diese Meldung dennoch mit vielen andern echt Hippokratischeil Behauptungen vollkommen überein. Wenn der Verfasser des Buchs von der heiligen Krankheit (de morbo sacro p. 304) aus den hinterlassenen Schriften des Hippokrates geschöpft hat, so hielt dieser das Gehirn für den Sitz des Verstandes und glaubte, daß uns mit der Luft die Ideen zugeführt werden; eine Meinung, die den Systemen des Heraklitns und Demokritus angemessen ist. Der Verfasser jenes Buches streitet auch gegen die Meinung, daß der Zwerchmuskel oder das Herz der Sitz des Verstandes seien; Empfindung und Leidenschaften hätten allerdings ihren Sitz in jenen Teilen. Diogenes von Apollonien, des Anaximenes Zögling, ein Zeitgenosse des Sokrates, den er mit eigener Gefahr verteidigte, blieb bei der Lehre seines Meisters, daß die Luft das erste Element sei. Da mit dem Atmen das Leben aufhört, so ist mit dem Lebensstoff auch die Denkkraft vm\au in der Luft enthalten, und der Hauptsitz der Seele ist die Brusthöhle, oder wie es anderswo heißt, die mit der Luftröhre zusammenhängende (?) hintere Hohle des Herzens. Mit dem Blute verteilt sich durch Hilfe des demselben beigemischten luftigen Bestandteils das Denken durch den ganzen Körper. R. bemerkt hierzu: Speziell ist darauf hiuzudeuten, daß die Ansichten des Apolloniaten bereits die Grundzüge der pneumatischen Lehre enthalten, was um so notwendiger war, da sich hieraus die Spuren derselben nicht nur bei Aristoteles (s. S. 434, f) sondern auch bei den Hippokratikern erklären lassen, und deshalb die hierher zu ziehenden Schriften keineswegs so spät zu setzen sind, als gewöhnlich geschieht. Es gehören aber hierher die Bücher wqI <pvawr und xaQd'hj- (vgl. Aristoteles metaph. 1. 3. p. 1220 Hist. anim. I. 2. Galen, hist, philosoph. c. S. XIX. p. 243); Simplicius in Aristotelis phys. f. 32. 33. Plutarcli plac. philosoph. IV. 5.: Galen. XIX. p. 315; das yytfwuxov xpvyTjg befindet sich nach Diogenes in der verteriellen Höhle des Herzens, welche auch die das Pneuma enthaltende ist. R. lvill in einigen Angaben den Stoiker Diogenes, den Babylonier erkennen. Spr. a. a. O. 444 fl. N. 75- 80. Vgl. auch Theophrast de sensu § 43. Was die Stellung der Stoay zur Frage betrifft, wollen wir den Ausführungen des Professor Dr. L. Stein folgen. Auf 0 Der Doktrin der Stoa darf wohl in dieser Schrift ein größerer Raum zugewiesen werden, nicht nur weil diese Schule ein viel durchforschtes Quelleugebiet für die Ethik, Rechtswissenschaft und Erkenntnistheorien bildet, sondert! mehr noch, weil in ihr eine Fortentwicklung der Herzseelenlehre zu erblicken ist, sei es als selbständige genuine Fortsetzung, oder, was wahrscheinlicher sein mag, als eine weitere bewußte Ausgestaltung jener merktvürdigen biblischen Auffassungsweise von Kopf und Herz. 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