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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-09-04 · Heft 36 (4.9.1903) · p. Seite 429

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 36 (4.9.1903)
Date
1903-09-04
Page
Seite 429 (sequence 11)
Language
German
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429 m Marktmete sich während Layreuth gte. Im rg, nach t Jahrerr irrt a. M. nizendem der Zurhielt er Prediger rfranken. lfen. Er Prediger Privatere als der sogerischen aders zu er seine cedigten- Kanzel- L*te§ verid more mng ge- Leopold in den uch, mit freundet hervor- Dramen )re 1859 Erfolg ", sowie l wagte ihm die h fand lohltun,;t einer it ihren chiedene ken ihre rragend schlicher rchnische laffenen mannte . Sein n zahlsondern cheit zu d illterungedenkeri. ew, die t offentetu in piegel", Dbschon ld, hat gebüßt. Wir lesen in der (Einleitung das folgende: „Ein Hofprediger in Berlin, der in Hinblick auf seine hohe Stellung das Wort unserer Alten hätte beachten müssen: „Ihr Weisen eid vorsichtig in euren Reden, damit eure Jünger nicht das giftige Wasser genießen und daran sterben" (Sprüche der Väter 1, 11), hat gegen die Inden eine Brandschrift erlassen, welche namentlich im Rorden unseres Vaterlandes und darüber hinaus weit und breit Flammen gezündet hat. Blut ist geflossen, Eigentum wurde zerstört, Haß wurde gesäet, und die Giftsaat ist üppig eniporgeschossen. Das kommt auf Rechnung jenes, mit so hohem Vertrauen ausgerüsteten Mannes der christlichen Lehre; denn er ist kein Sendbote von oben, das Wort des himmlischen Vaters zu verkünden, sondern er ist von )er Hölle gesandt, um die Kinder Gottes, denn das sind wohl nach der Lehre Jesu alle Menschen, wider einander zu hetzen. Heil denen, welche ail der Brandstätte sich die Hände wärmen, mit denen sie die Schwerter des Hasses schmieden!" Der Verfasser führt nun aus, daß in den heiligen Schriften sich keine Stelle finde, welche Haß und Feindschaft gegen jetzt lebende Völker enthalte. Pharao. Nebukadnezar und Haman werden nicht wegen ihres heidnischen Glaubens angeschuldigt, sondern wegen ihres gottlofeu Handelns und Wani^lns. Der Gegensatz, welchen die heilige Schrift hervorhebt, sei ein rein menschlicher, zwischen Gut und Böse, gerecht imb ungerecht, fromm und gottlos — ein Gegensatz, der durch die ganze gesittete Welt geht. „Schon neunzehn Jahrhunderte leiden die Israeliten unter den ungerechten Verunglimpfungen und tragen sie mit Geduld; mit dem Bewußtsein, daß es besser sei, Unrecht zu leiden, als Anrecht 31t tun; wie der Talmud sagt: „Die gekränkt werden und nicht wieder kränken, die sich schmähen hören mtb nicht wieder schmähen, alles tun aus Liebe, die sind Freunde Gottes und werden leuchten wie die Sonne, wenn sie aufgeht in ihrer Herrlichkeit." (Sabbat 88, 2.) An den Lehrern und Predigern des Christentums aber sei es, die feindselige Stimmung nicht zu schüren, sondern der Christen Vorurteil entgegenzuwirken. „Was würde, ehrwürdiger Herr Stöcker, der Stifter Ihrer Lehre sagen, wenn er Sie eifern und geifern sähe!? Er würde ausrufen: „Hebe Dich hinweg, Satan, Du bist meinJüngernicht." Den Grül,den des Antisemitismus nachgehend, erörtert er zuerst die Ursachen der konfessionellen Verfolgungen und richtet in Bezug auf die Aufwiegler an alle ruhig und veruünftig Denkenden die Frage: „Mag jemand noch so verstockt oder ver> llöckert sein, so fragen wir ihn: war das der wahrhaftig christliche Staat, in lvelchem der Jude leibeigener Kammerkuecht des Kaisers gewesen oder ist es derjenige, in welchem er jetzt sich leines Menschenrechts erfreut und zur Wahl in die höchsten Reichsversammlungen gewählt wird? War das der echte christliche Staat, worin der Jude den Schandfleck auf dem Rücken trug oder ist es derjenige, wo er das Ehrenkreuz auf der Brust trägt? War das der christliche Staat, worin der Jude utf die schmachvollste Weise von jedem öffentlichen Spaziergang ausgeschlossen war oder ist es derjenige, worin er jetzt u ehrenvoll anerkannter Weise herrliche Palmen- und Tiergärten gründerr hilft? Hat damals der christliche Staat in Wahrheit geblüht, als man in grausamster Weise Juden und Araber aus Spanien vertrieb oder ist dazu die jetzige Zeit mehr angetan, wo das spanische Volk sich aufgerüttelt hat, Auen Staat des Rechts und der Freiheit zu gründen? Mit Rnem Wort, wir fragen Herrn Stöcker: Hält er Rußland, wo feine antisemitische Drachensaat so herrlich aufgegangen ist, 'ür den christlichen Staat, weil es seine freisinnigsten und edelsten Bürger in Sibirien vermodern läßt? Oder ist es Frankreich, das in seinem großen Erlösungsjahr 1789 dem Menschen und mit ihm dem Juden zu seinem göttlichen Rechte ver- 'wlfen hat?" Dann auf die sozialen Gründe des Judenhasses übergehend, weift er darauf hin, daß die Israeliten während ihres viertausendjährigen Bestehens als der Segen der Länder, worin sie gewohnt, und der Völker, die ihnen Gastfreundschaft gewährt, sich erwiesen haben. „Stets waren sie ein tätiges, fleißiges Geschlecht. Durch seinen musterhaften, angestrengten Fleiß schuf Israel als ein Ackerbau treibendes Volk Palästina zu einem „Garten Gottes" um, zu einem Lande, das von „Milch und Honig" floß — das sind die Sinnbilder der Viehzucht und der Landwirtschaft — und was sie damals durch ihre unermüdliche Tätigkeit zuweggebracht, das erkennen wir aus dein traurigen Gegensatz, zu welcher Oede Palästina herabgesnnken, indem es von feinen fleißigen Bewohnern verlassen und den Barbaren übergeben ist ... Es war in den unglücklichen Tagen des Mittelalters, da nian uns das schwerste Unrecht, die schmachvollste Unbill angetan, indem man uns von der Arbeit ab und zu Schacher und Trödel hindrängte. Als das christliche Volk sich auf dem goldenen Boden des Handwerks das Privilegium zuerkannte, da wurde uns das Privilegium auf den Wucher zugesprochen. — O, schweres Unrecht, das man uns. das die christlichen Fürsten ihren eigenen Völkern zugefügt, indem sie den Juden gestatteten, aus hohen Wucherzinsen große Reichtümer zu sammeln, welche man ihnen wieder weguahm, indem man sie des Landes verwies, ihr Vermögen einzog und ihre Schuldner von der Verpflichtung sreisprach, ihre Schulden an die Juden zu bezahlen. Eigentliche Arbeit aber wurde den Juden unmöglich gemacht, Erwerb von Grundeigentum war ihnen versagt, die Zünfte waren ihnen verschlossen, mühsam auf dem Rücken schleppten sie ihr Wanderlager voll Dorf zu Dorf ulld wurden auch dadurch Wohltäter des Volkes, welches damals nicht Straßen und gebahnte Wege hatte, um seine Bedürfnisse in der Stadt zu bestellen. Jll diesem traurigen Zllstande, von jedem ehrbaren Erwerb allsgeschlossen, rechtlos, verachtet, bürgerlich entwürdigt oder vielmehr tot — loehe den Armeil, wenn sie nicht ihre Würde, ihre Erhebung in sich selbst gefühlt! Sklaverei entsittlicht; Heit, den Juden, daß sie in ihrem so tief geknechteten Zustand sich ihres hohen Seelenadels durch Gott und Gesetz bewußt blieben! Dazu trug der Sabbat, die Krone des Gesetzes, das meiste bei; dieser Tag heiligte ihr Familienleben, und der Umstand, der voll der erhabenen Weisheit ihres Gesetzes ein so leuchtendes Zeugnis gibt, daß die Gott gesegneten Tage mit dem Vorabend beginnen, hat zur beglückenden Gemütlichkeit und zur hohen Versittlichung des jüdischen Familienlebens unendlich viel beigetragen." (Forts, folgt.) kopk und tzkr?. Von Dr. B. Placzek (Brünn). V. man wäre schier zu vermuten versucht, Gussenbauer habe in seineir Quellenangaben die historischen Werke, ohne in die daselbst angeführten griechisch-lateinischen Citate kritisch Einsicht genommen zu haben, benutzt. Sonst würde er nicht auch dubiose, mehrdeutige Meinungen, besonders der griechischen Philosophen und Aerzte als einwandfreie hingestestt haben. Wer nur einen Blick in die Geistesfchöpfungen jener Zeit getan, der weiß es, wie die Tendenz der Orphiker und Allegoriker, Elemente und Naturerscheinungen zu mhthifizieren, jahrhundertelang fortwirkend, selbst den Philosophen die Richtung znm symbolisieren gab. (Diog. L. 8, 76; Einpecl. Fragni. 27.) Seneca, qiiaestiones nat. 6, 5 bemerkt: „Vor allen Dingen muß ich sagen, daß die Meinungen der Alten nicht sonderlich bestimmt und noch sehr unbollkommen sind." Ein heutiger Forscher würde hinzufügen: Widersprüche, Verworrenheit, unverständliche, vieldeutige Ausdrücke, Ungewißheit der Autorschaft, Fälschungen zu bestimmten Zivecken, widerstreitende Citate von denselben Autoren lassen selbst bei den hervorragendsten Naturphilosophen ans gordische Knoten kommen, die eilt Alexander nur schwer durchhauen, geschweige denn die Forschung lösen kann. Immerhin gehört eine seltsame Oberflächlichkeit, oder sagen wir ein wissenschaftlicher Optimismus dazu, auf einzelne mehrdeutige Aussprüche hin präzise Urteile

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