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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-08-28 · Heft 35 (28.8.1903) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 35 (28.8.1903)
Date
1903-08-28
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 Jubilar allseitig gezollte Verehrung — ein wertvolles Geschenk, ein Schreibvertikow, gewidmet hat. Der Verein israelitischer Lehrer im Großherzogtum Hessen, dessen langjähriger Vorsitzende Herr Wertheimer ist, überreichte durch Herrn Weinberg-Bürgel eine Adresse nebst Pokal. In besonders bemerkenswerter Weise feierte der Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reich den Jubilar, der unter schwierigen Verhältnissen den Anschluß seines Vereins an den Verband ermöglichte und auch in der vorigen Wahlperiode dem Verbandsvorstande angehört hat. Der Verbandsvorstand hatte eine Deputation, bestehend aus den Herren Direktor Dr. Adler-Frankfurt a. M., Nußbaum-Wiesbaden und Amram-Borken, entsandt, welche nach einer Ansprache des Herrn Dr. Adler eine Adresse übergab. Herr Dr. Adler übermittelte zugleich die Glückwünsche des D.-J. G.-V. und des Vorstandes der Achawa. Ein eigenartig erhebendes Gepräge erhielt oas ganze Fest durch die Beteiligung des katholischen Ortsgeistlichen, Herrn Pfarrer Thöbes, der, obwohl er in keinerlei amtlichen Verhältnisse zu Herrn Wertheimer steht, sowohl am Festgottesdienste und dem Festakte, wie auch am Festmahle teilnahm. Seine schlichten, aber vom köstlichsten Humor durchwürzten und vom Geiste der Toleranz getragenen Tischreden waren es insbesondere, welche beim Festmahle eine animierte und gehobene Stimmung hervorriesen. Möge es Herrn Wertheimer, der gegenwärtig im 68. Lebensjahre steht, vergönnt sein, seine segensreiche Wirksamkeit für Schule, Gemeinde und die Interessen der Lehrerschaft noch recht lange sortznsetzen! ----- München, 24. August. In dem mehrfach erwähnten Streit unter den hiesigen Antisemiten gibt der hinausge—leitete Kuhn dem in Aussicht genommenen antisemitischen Konkurrenzblatt folgendes boshafte Geleitswort: „Herr Schnepper als geistlicher Herr wird die Artikel über Sittlichkeit, Keuschheit, Gottesfurcht und Frömmigkeit entweder im Case Perzl oder in einer Animierkneipe schreiben, die er häufig als gerngesehener Stammgast besucht. Wild wird soziale Bilder aus dem modernen Eheleben und aus den Irrenhäusern bringen." „Eine nette Gesellschaft, die Antisemiten," schreiben die „M. N. N." „Das sind also die Koryphäen, die mit frommem Augenausschlag und moralischer Entrüstung über die angebliche Sittenverderbnis des Judentums langatmige Artikel schreiben. „Man sucht keinen hinterm Busch, wenn man selber noch nicht dahinter," bestätigt sich bei den meisten Führern dieser edlen Partei." a. Karlsruhe, 17. August. Der „Landesverein zur Erziehung israelitischer Waisen im Großherzogtum Baden" hat im Jahre 1902, dem fünfzehnten seines Bestehens, 16 Zöglinge entlassen, 7 neu ausgenommen und am Schlüsse des Jahres insgesamt 77 seine Fürsorge zugewandt, von beiieu 6 in geeigneten Familien, 4 bei Handwerksmeistern untergebracht, die übrigen unter Gewährung von Erziehungs-Beiträgen bei ihren Müttern resp. Verwandten verblieben sind. Hierfür wurden 11 379,83 Mark aufgewandt. Die Einnahmen beliefen sich auf 31 662,48 Mark, davon Jahresbeiträge 7383, Schenkungen 17 322,84 Mark. Das Vermögen hat die Höhe von 196 480,30 Mark erreicht. In der letzten Generalversammlung ist der Begründer und langjährige Vorsitzende, Herr Rabbiner Dr. Eschelbacher-Berlin einstimmig zum ersten Ehrenmitglied des Vereins ernannt worden. Nach eingehender Beratung wurde auf Antrag des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Rawicz eine aus den Herren Rabbiner Dr. Doctor-Bruchsal, Medizinalrat Dr. Kusel-Karlsruhe und Stadtrat Louis Marx-Bruchsal bestehende Kommission eingesetzt, welche der nächsten Generalversammlung über die Vorteile und Nachteile der Kinder-Crziehung in Faurilien bezw. Waisenhäusern berichten soll. Den Vorstand bilden die Herren Stadtrat Louis Marx, Vorsitzender, Bezirksältester Moritz Marx, Stellvertreter, Shnagogenrat Alex Dreyfus, Schriftführer, Synagogenrat Emil Marx, Rechner, Rabbiner Dr. M. Doctor, Ludwig Groß, Stadtrat N. Katz, sämtlich m Bruchsal, Medizinalrat Dr. I. Kusel und Stadtrabbiner Dr. M. Appel-Karlsruhe, Bezirksältester B. Herzberger-Bretten und die Rabbiner Dr. A. Lewin-Freiburg, Dr. L. Löwenstein-Mosbach, Dr. B. Mayer-Bühl, Dr. Pinkuß-Heidelberg, Dr. M. Rawicz-Offenbach, Dr. I. Spitz-Gailingen. M. Müllheim i. B., im August. Am 23. v. M. ging ein Kursus zu Ende, der bis jetzt einzig in feiner Art sein dürfte. Eine edle Spenderin, Frau Dukas in Freiburg, deren verstorbener Gatte, der Bezirksälteste Dukas, die Gewinnung der Juden für die Laudwirtschast als sein höchstes Ziel erstrebte, hat, um das Andenken ihres Gatten zu ehren, 25000 Mark gestiftet, um aus deren Zinsen die Mittel zu diesem Zwecke bereit zu stellen. Der Grobherzogliche Oberrat suchte nun zunächst die Lehrer auf dem Lande für Obst- und Gartenbau, sowie für Bienenzucht durch dazu geeignete Veröffentlichungen zu interessieren. Hierauf setzte sich derselbe mit Herrn Hauptlehrer Seligmann hier, der schon viele Jahre Obst-, Gartenbau und Bienenzucht mit Erfolg betreibt, und mit dem Grobherzoglichen Landwirtschastsinspektor Bach-Emmendingen in Verbindung, welche sich zur Uebernahme eines Kursus in genannten Gegenständen bereit erklärten. 12 Herren, darunter 11 Lehrer, nahmen daran teil. Außer einer namhaften Tagesvergütung' wurde auch freie Fahrt gewährt Mit großem Eifer und unermüdlichem Fleiße gaben sich die Lehrer dem zu erlernenden Stoffe hin, was jedoch hinsichtlich ihrer Kräftigung und Gesundheit von bester Wirkung war. Alle hatten bei ihrem Weggange ein frisches, gesundes Aussehen. Allerdings wurde auch der in der Nähe liegende herrliche Kurort Badenweiler, sobald am Nachmittage die Zeit und das Wetter es erlaubte, fleißig besucht. Am Schluffe des Kursus hielt Herr Landwirtschaftsinspektor Bach, ein tüchtiger Lehrer uub liebellswürdiger Herr, eine herzlich gehaltene Ansprache. Er erklärte, mit einem gewissen Mißtrauen diesem Kurse entgegengesehen zu haben, daß dieses aber von Tag zu Tage geringer wurde, um schließlich seiner Befriedigung über das strebsame Wirken und die große Aufmerksamkeit der Teilnehmer Platz zu machen. Mit Freude, so schloß Herr Bach, könne er den Teilnehmern seine Anerkennung aussprechen. Wohl könne dieser Kursus nur ein erster Versuch genannt werden; aber dennoch habe Vortragender die Ueberzeugung, daß die Beteiligten Erfolg habeir würden, wenn sie auf der ilu Kurse gei gebenen Grundlage weiter arbeiteten. Bei dem Abschiedskommers betonte der anwesende Herr Bürgermeister von hier, ein tüchtiger Bienenzüchter, der mehrmals sich am Unterricht des Kurses beteiligt und den letzter» das Studium in seillem Garten und Bienenstand ermöglichte, sie in seinem Hause gastlich bewirtete und belehrte, seine Genugtuung, die er angesichts der wackeren Bestrebungen empfand und bezeichnte die Beschäftigung mit Landwirtschaft, Obstbau und Bienenzucht als beste Abwehr gegen gewisse Vorwürfe, die man den Juden antiseulitischerseits nlacht ulld welche hierdurch am besten entkräftet würden. — Lttdwigsbrrrg, 16. August. Am 13. August waren 25 Jahre verflossen, seit Herr A. Schmal als Vorsänger und Religionslehrer der hiesigen israelitischen Gemeinde vorsteht, und 40 Jahre, seit er als Lehrer in unserem engeren Vaterlande wirkt. Um diesen Gedenktag würdig zu begehen, versammelten sich die Gemeiudemitglieder mit Familien gestern abend in den Sälen des Bahuhotels. Besonders geehrt wurde der Jubilar durch die Anwesenheit der Mehrzahl der hiesigen Gemeinderäte, sowie einer Abordnung der K. israel. Oberkirchenbehörde, von Deputierten aus Laupheim (Vaterstadt des Jubilars), Abgesandten des israelitischen Waisenhauses Eßlingen, des israelitischen Lehrervereins und noch vielen anderen auswärtigen Gönnern. Einem von Herrn Adolf Elsas gesprochenem Prolog folgte nach Vortrag eines gemischten Chors die Ueberreichung einer voir den Gemeindemitgliedern, früheren hiesigen Einwohnern, sowie Schülerinnen und Schülern gestiftetell Ehrengabe, worauf der Vertreter der K. israelitischen Oberkirchenbehörde, Herr Bezirksrabbiner Dr. Stößel, das Wort ergriff, um zunächst ein Glückwunschschreiben obiger Behörde zu verlesen und ferner anschließend die Festrede zu halten. Herr Gemeinderat Holzherr überbrachte in Vertretung des zur Zeit abwesenden Oberbürgermeisters die Glückwünsche der Stadt. Danach wurde von der Gemeinde Laupheim dem Jubilar eine Adresse überreicht, welcher eine anerkennende Rede seitens des Vertreters des Lehrervereins folgte. Der Jubilar dankte in bewegten Worten für die große Ehrung, die ihm allerseits zu teil wurde. Anknüpfend hieran brachten die zur Zeit unter der Obhut des Jubilars resp. dessen momentanen Stellvertreters Herrn M. Sahm stehenden Schülerinnen und Schüler in sinniger Weise ihre Gefühle für den Jubilar zum Ausdruck. Verschiedene Glückwunschschreiben und -Telegramme wurden verlesen und mehrere Toaste von seiten des Festkomitees auf beu Jubilar, auf seine Familie, auf die Behörden und aus die gute Stadt Ludwigsburg ausgebracht. Durch die nun folgende Aufführung zweier Theaterstücke „Die Haushaltungsschule" und „Es spukt" von früheren Schülerinnen und Schülern des Jubilars wurde der Abend verschönert. Bis zum frühen Morgen huldigte die Jugend dem Tanze und es fand damit die schöne Feier, die allen Teilnehmern tu angenehmer Erinnerung bleiben wird, ihren Abschluß.

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