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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-08-28 · Heft 35 (28.8.1903) · p. Seite 414

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 35 (28.8.1903)
Date
1903-08-28
Page
Seite 414 (sequence 8)
Language
German
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414 Aulen ein Dortragschklus veranstaltet, in welchem die verschiedensten historischen, politischen, ökonomischen und ästhetischen Themata behandelt wurden. Gleichsam um diese lobenswerten Bestrebungen der Einzelnen wie der Gesamtheit zu fördern und zu stärken, hat die türkische Regierung viele Smyrnaer Juden durch Beförderungen und Ernennungen ausgezeichnet. Es sind u. a. ernannt worden: Jsaac Hagges Pascha zum Ratsmitglied des Vilajets, Hayhim Mardokh Effendi zum Mitglied des Appellationsgerichtshofes, Mordechai Levi Effendi zum Mitglied des Schwurgerichts usw. P a l ä st i n a. Nur diejenigen, welche selbst in Palästina gelebt und sich einen ungetrübten Blick bewahrt haben, wissen, wie wenig Wert man den zum Teil schiefen, zum Teil verleumdenden Urteilen von Eingeborenen, Reisenden und Zeitungsberichterstattern über die Entwicklung unserer Ackerbaukvlonien beilegen darf. Tatsache ist vielmehr, daß die letzteren, allen Hindernissen zum Trotz, von Jahr zu Jahr steigende Erfolge aufzuweisen haben. Doch verdient eine der Klagen der genannten Pessimisten über den schlechten Gruppierungsmodus der Juden im Lande die vollste Aufmerksamkeit derer, welchen das Los unserer dortigen Glaubensgenossen am Herzen liegt. Ein Korrespondent eines hebräischen Blattes in Jerusalein weist nämlich mit Recht darauf hin, daß die 60 000 Juden, welche augenblicklich Palästina bewohnen, nur auf fünf oder sechs Städte verteilt sind — 30 000 davon wohnen allein in Jerusalem — und daß es daher ganz natürlich ist, daß bei der engen Zusammendrängung so vieler Menschen die ineisten Juden sich kaum ihren Lebensunterhalt verdienen könilen. Sie täten nach seiner Meinung besser daran, sich auf eine größere Zahl von Städten zu verteilen, in denen jetzt auf die Gesamtbevölkeruug ein nur verschwindender Bruchteil Juden kommt. So sind z. B. in Gazza von 25 000 Einwohnern nur 75 Juden, in Bethlehem von 10 000 Juden nur 3, in Ramla von 15 000 nur 99 Juden; in Loud, einer Stadt von 9000 Einwohnern, wohnt überhaupt kein Jude. Die Anregung dieses Korrespondenten verdient in der Tat sorgsame Beachtung. Bor kurzem wurde vor dem Assisengerichtshof in Jaffa ein Prozeß verhandelt, welcher lange Zeit das Gesprächsthema der jüdischen Ackerbaukolonisten gebildet hat. Ein syrischer Katholik, namens Alfred Rock, der ans einer sehr reichen Familie in Jaffa stammt, hatte im Oktober vorigen Jahres aus einem nichtigen Grunde einen jüdischen Ackerbauer Abramowitz getötet, welcher in Rischon-Lezion, einer bei Jaffa gelegenen Kolonie, wohnte. Auf Veranlassung der jüdischen Notabein von Jerusalem befaßte sich der Assisengerichtshof mit dieser Affäre. Da der Angeklagte zur Verhandlung nicht erschienen war, wurde er in contumaciam zu 15 Jahren Zwangsarbeit und zu 33 300 Piaster (ca. 6000 Mark) Geldstrafe, zahlbar an die Witwe Abramowitz, verurteilt. Seine Güter, deren Wert sich aus 160 000 Mark beläuft, wurden konfisziert. Bulgarien. Die 30 000 bulgarischen Juden bleiben immer dieselben Lärmmacher. Seit meinem letzten Brief haben sie in dieser Beziehung nichts vergessen, höchstens noch etwas zugelernt. Ist es nicht fast unglaublich, daß die Juden von Philippopel es gewagt haben, eine Gesellschaft von dem Range wie die Alliance israelite anzugreifen, jene humanitäre Institution, welche für sie wie für alle ihre Brüder mit größter Fürsorge wirkt und wahrhaft zum Segen geivorden ist! Das Verwaltungskomitee der Philippopeler Schulen hat an die Alliance in Paris einen so groben und unverschämten Brief geschrieben, daß mehrere Blätter der jüdischen Orientpresse, denen die Unterzeichner eine Kopie ihres frechen Machwerks zuzusenden nicht unterlassen hatten, die Aufnahme verweigert haben. Die Alliance israelite wollte sich mit der Gemeind« nicht länger einlassen und hat damit geantwortet, daß sie aus beiden Schulen ihr Personal zurückzog. Sie wird nunmehr die Billgaren wegen ihres unverständigen Benehmens vollständig ihrem Schicksal überlassen, was ihnen hoffentlich eine gut« Lehre sein wird. Drei Prozesse, welche in der bulgarischen Presse viel Staub aufgewirbelt haben, sind in diesen Tagen zum Abschluß gebracht worden. Zunächst der Prozeß betreffs der Chichidji-Affäre. Es handelt sich hierbei um einen Pamboler Israeliten namens Jusua Chichidji, welcher am 8. Oktober 1899 unter demVerdachte verhaftet wurde, sich eines christlich-orthodoxen Mädchens bemächtigt zu haben, um deren Blut bei der Zubereitung von ungesäuertem Brot zu verwenden. Er wurde am 13./26. April 1903 von dem Philippopeler Appellationsgerichtshof freigesprochen. Zweitens der Küstendiler Prozeß. Am 15. April 1901 plünderten die in dieser Stadt wohnenden Bulgaren die Synagoge und verwundeten dabei einen Juden namens Jacob Aladjem tötlich. Von den 29 vor das Gericht erster Instanz zitierten Angeklagten wurden Leschnik und Tonischoff zu 40 Monaten schweren Kerker und Pischoff zu einer Woche Gefängnis verurteilt; die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Beide Parteien haben in diesem Falle allerdings Berufung eingelegt. Der dritte Prozeß hängt mit dem vorgenannten zusammen. Eill Jude in Kapanlik, namens Nissim Catalan, hatte in bulgarischer Sprache eine Broschüre verfaßt, welche den Titel führt: „Der Schreckenstag in Küstendil". Der Erzbischof von Stara-Zagora erblickte in mehreren Stellen dieses Schriftchens eine Beleidigung der christlichen Religion und strengte daraufhin einen Prozeß gegen den Autor an. Der Kassationshos sprach letzteren frei im Gegensatz zum Gericht erster Instanz und zum Appellationsgerichtshof, welche eine persönliche Beleidigung des Erzbischofs für vorliegend erachtet hatten. In der Tat gibt die inkriminierte Broschüre nur die Vorgänge in Küstendil wieder, enthält sich aber jedweder aggressiven Tendenz gegen das Christentum und bezweckt nichts anderes als die Verteidigung der Israeliten. M. F. ckopk und %n% Von Dr. B. Placzek (Brünnl. IV. er erste, der die Lehre vom Herzen als Wärmezentrum zu widerlegen suchte, war der holländische Arzt Jakob de Back ein Anhänger Harveys, in seiner Oissertatio cke corcke, in qua agitur de nullitate spirituum, de haematosi, de viventium calor, Rotterdami 1648. Sectio III. cap. I. In der Tat: eine nähere Untersuchung zeigt, daß sich die hervorragendsten Philosophen und Naturforscher des 17. Jahrhundertes noch zu der Ansicht bekennen, daß das Herz den Antrieb zu seiner Bewegung durch das ihm eingepflanzte Feuer erhalte. Daß Cartestus die Wärme des Herzens als das die Zirkulation und die Ernährung, sowie den ganzen Lebensprozeß hervorbringende Agens ansah, ist dem philosophierenden Publikum aus der Abhandlung über die Methode Cap. 5 bekannt. Aber auch Harvey teilt dieselbe Ansicht in seiner Schrift: Exerc. anatomica de cordis et sanguinis motu (1648). Seite 164—166, 207, der „frühesten und glänzendsten Frucht der durch Bacon begründeten exakten Methode der Naturforschung". Die Wärmequelle im Herzen ist ihm das zweck-

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