Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 34 (21.8.1903)
- Date
- 1903-08-21
- Page
- Seite 401 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3228527-3228562--60066-3296628- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
401 t anreri als bisher gsplatz in und zur war, daß Hinterland 14 Hektar, e war aber rsalls sehr enfamilien taffen. Es u Mikweh den. Die nd weiter r Cypern ruf Cyperii s handelt makchie. verpachtet. 946 Hektar darunter in eigener da zählt 806 Mark nit vollem en Kosten % Zentrale Körper- : J. C. A, weiterbegnügt, i fördern >ig unter- Landbesitz er zählen dustrie-; nlischte n werden tüchtigen men noch he Handtchkeit bei len solche lusweisen. :rkstätten, . Leider stalten — verauschen Teil eichtsjahr terrichtsrglinge da ihre resp. auf em Vercksamkeit ür Erer^ nach?m unter 'breitung it Unter- Zahl der jüdischen rhte an geschwollen und soll im nächsten Jahre noch eine weitere Verdoppelung erfahren. 2. Die jüdischen Kolonien erfreuen sich nach wie vor der orgfältigsten Beachtung der Gesellschaft. Namentlich wendet sie ihr Interesse seit einigen Jahren den Kolonien in den sechs Gouvernements des Nordwestens des Ansiedlungsrayons zu. Es handelt sich hier um nicht weniger als 1984 Kolonisten, d. h. um nahezu doppelt soviel rls in sämtlichen Kolonien Argentiniens. Die in den früheren schöneren Leiten begründeten jüdischen Dörfer leiden jetzt sehr an Landknapp- >eit; es besitzen 253 Kolonisten gar kein Land mehr, während 616 weniger als 1 Hektar besitzen. Es können demnach 859 das heißt 13,7 Prozent aller Kolonisten sich von dem Ertrage ihres Bodens licht mehr ernähren. Da an einen Zukauf von Land unter der Herrchaft der Maigesetze nicht zu denken ist, wird versucht, das Einkommen der jüdischen Ackerbauer durch Jntensivwirtschaft zu steigern. Obstaltur, Gemüsebau und künstlicher Dünger sollen den Kolonisten auf 4e Beine helfen. Dasselbe geschieht in den zahlreichen jüdischen landwirtschaftlichen Niederlassungen der Gouvernements Bessarabien mb Podolien, wo zu den Obst- und Weingärten seit 1901 die Hertellung landwirtschaftlicher Konserven hinzukamen. Jntensivkultur und Vorschußkassen sollen auch die wirtschaftliche Lage der jüdischen Säuern im Gouvernement Cherson verbessern helfen. 3. Darlehnskassen. Das unter den russischen Juden erwachte Lestreben, durch aus genossenschaftlicher Basis errichtete Darlehnskassen die trostlose Lage der Handwerker und der zahllosen „Kaufleute" ohne inen Pfennig Kapital zu heben, findet an der J. C. A. eine kräftige Stütze. 13 solcher Kassen mit 7600 Mitgliedern haben von der Gesellschaft Darlehen erhalten. 4. Die billigen Wohnungen in Wilna sind bei der jüdischen Sevölkeruug noch immer wenig beliebt. Trotz aller gebotenen Bequemlichkeit sind von den mit einem Kostenaufwand von etwa M000 Mark 1901 errichteten in Wilna aufgeführten zwei Häusern zur Vermietung verfügbaren 194 Wohnungen 21 noch immer unvermietet. Solche Wohnungen sollen nunmehr in größerer Anzahl in den im wrigen Jahre abgebrannten Bobruisk errichtet werden. Bisher inb ba zwei große Häuser aufgeführt worden. Die Institution wird wn einer Aktiengesellschaft unter Vorsitz des Baron Günzburg geleitet. 5. Die Fabrik in Dubrowno. Die von der Dnjeperschen Spinnereigefellschaft (Vorsitzender Lazar Poliakow) mit Beteiligung der C. A. mit einem Kostenaufwand von etwa 700000 Mark aufgeführte Spinuerei und Weberei in Dubrowno hat den Zweck, den dortigen wrühmten jüdischen Talliswebereien eine bessere Existenz zu verschaffen. Das Fabrikgebäude ist fertiggestellt und 244 Arbeiter sind bereits in Tätigkeit. Die Fabrik wird auch Seidenweberei betreiben. VIII. Rumänien. In Rumänien betreibt die Gesellschaft seit drei Jahren in erster rieihe eine weise und planvolle Auswanderungspolitik. Darin aber oerden da von ihr eine Reihe von Bildungsanstalten unterhalten. 1. Das Schulwesen. Die J. C. A. unterhält in 16 Städten :>5 Schulen mit 7624 Zöglingen. Darunter befinden sich nur 6 Erfiehungsanstalten, darunter eine Industrieschule für Mädchen, zwei Handels- und zwei Haushaltungsschulen. Alle übrigen Anstalten sind S i l d u n g s a n st al t e n, in denen 4329 Knaben und 2399 Mädchen, denen Me barbarische Regierung die allgemeine Volksschule versperrt, eine primäre Schulbildung erhalten. Bezeichnend für die unter den rumämischen Juden herrschende Armut ist die Tatsache, daß 15 Prozent üller Kinder die Schulen vorzeitig verlassen muß. Die brotlosen Eltern sind nicht im stände, die Kinder über die Schulzeit zu ernähren mb nehmen sie vorzeitig aus der Schule, damit sie ihnen verdienen Helsen. In manchen Schulen bleiben die Kinder während der Winterzeit massenhaft weg, weil es ihnen an warmer Kleidung fehlt und sie sich in der Kälte nicht aus dem Hause wagen. Weit bessere Erfolge als mit den Schulen hat die Gesellschaft mit dem 2. Auswanderungswesen erzielt. Die Leitung dieser wichtigen Angelegenheit ist in die Hand des Herrn Ad. Salomon, eines Bukarester Industriellen, gelegt worden, der mit Hilfe der Bnai-Brithlogen über ganz Rumänien ein Netz von Auswanderungsbureaus organisiert hat. Infolgedessen geht die Auswanderung glatt, geräuschlos und überaus wirksam von statten. Es wandern zunächst die Junggesellen resp. solche Familienväter aus, die in der Lage sind ihre Angehörigen für einige Zeit, die sie brauchen, um sich drüben eine Existenz zu schaffen, zu Hause zurückzulassen. In zweiter Reihe wandern Frauen. Kinder und Greise aus. um ihren Ernährern in die weite Ferne zu folgen. Endlich kommt noch eine dritte Kategorie von Auswanderern hinzu, die zwar auf eigne Kosten reisen, die aber von der J. C. A. durch Rat und moralische Hilfe unterstützt werden. Auf diese Weise haben ohne wesentlichen Lärm im Berichtsjahre nicht weniger als 7 800 Personen das Land Sodom verlassen, um jenseits des Meeres eine bessere Heimat zu finden. IX. Galizien. Nebst einer kleinen Tischlerwerkstätte mit 11 Schülern in Tarnow, der 100 Personen beschäftigenden Puppenfabrik ebendaselbst und dem Atelier für Trikotarbeiterinnen in Kolomea, unterhält die Gesellschaft in Galizien die Domäne und Ackerbauschule in Slobodka-Lesna und sechs Vorschußkassen. 1. Slobodka-Lesna. Das 15 km von Kolomea entfernte Gut umfaßt 972 ha, von denen 360 an 40 Personen verpachtet sind, während der Rest direkt bewirtschaftet wird. Die Ackerbauschule unterrichtet 58 Zöglinge. 2. Vorschußkassen. Glänzende Resultate hat die J. C. A. mit den Vorschußkassen erzielt, die in kurzer Zeit bei den galizischen Juden sehr populär geworden sind. Die bis jetzt errichteten sechs Kassen zählen >3912 Mitglieder, welche 7939 Anteilscheine für 78 791 Kronen erworben haben. Seit drei Jahren haben die Kassen zusammen 1 197 555 Krollen ausgeliehen und von den Darlehen 901 974 Kronen zurückerhalten, lvährend der Rest am Ende des Berichtsjahres sich noch in Zirkulation befand. Der gesamte Reservefonds belief sich zur selben Zeit auf 12 952 Kronen. So werden die kleinen Leute in Galizien zur Selbsthilfe erzogen, und gleichzeitig wird in ihnen das Gefühl geweckt, daß für sie noch lange nicht alles verloren ist, daß sie vielmehr mit vereintell Kräften für sich selber noch sehr viel tun könnten. X. Diverse. Die Unterstützung, welche die J. C. A. der Alliance gewährte, soll im Jahre 1901 den Betrag von 465000 Mark erreicht haben. Der Deutsch-Israelitische Genleiudebund hat das zur Errichtung der Arbeiterkolonie in Weißensee erhaltene Darlehen von 150 000 Mark zurückgezahlt. Daneben hat die Gesellschaft einige Institutionen in Dentschlalld, Ellgland und der Türkei zum Teil mit namhaften Beträgen unterstützt. Wir heben aus biefeu hervor: Den Board of Guardians zu London zur Unterstützung nach englischen Kolonien ausgewanderter russischer und rumänischer Juden; die Lämelschule zu Jerusalem erhielt einen namhaften Betrag zur Errichtung eines Schulgebäudes und die Erziehungsanstalt zu Ahlem ein Darlehen als zweite Hypothek. Alles in Allem: Die Wirksamkeit der 3. C. A. ist eine in jeder Beziehung segensreiche und verdient die volle Anerkennung jedes Menschenfreundes. kl-Gatt-Tiel. Von Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Weisk-Wien. 5u der durch Delitzsch „Babel und Bibel" aufgeworfenen Frage: „Ll»Eott-Ziel?" gestatte ich mir, fußend auf ein Studium von zehn Sprachen, folgende Bemerkung: Bekanntlich arbeitet jede Sprache zuerst mit eoneretis; die abstracta, welche durch Umwandlung, Uinsetzung, Ansetzung u. a. aus den eoneretis gebildet werden, setzen schon eine ziemlich hohe Stufe der Sprache voraus. Sv haben die Juden-Semiten eine große Anzahl von Abstrakta sich erst im talmudischen Zeitalter geschaffen. Nun soll LI---„Ziel" bedeuten. Ziel ist aber ein so potenziertes Abstraktum, daß viele der höchstentwickelten Sprachen ihn gar nicht besitzen, so zum Beispiel die czech ische, russische, die lateinische, griechische Sprache u. a. m. Der Czeche, dessen Sprache eine der reichsten und selbständigsten ist, die bei fremden Sprachen viel weniger entlehnte, als an sie abgab, hat für „Ziel" und logischer Weise für „Treffen" keinen eigenen Ausdruck, indem die Worte eil und trellti direkt dem Deutschen entlehnt sind. Seine Worte sinör