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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-08-21 · Heft 34 (21.8.1903) · p. Seite 398

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 34 (21.8.1903)
Date
1903-08-21
Page
Seite 398 (sequence 4)
Language
German
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398 Leben möglich macht. Heute sind die Gegensätze zwischen den Jargon sprechenden chassidischen Eltern und der modernen russisch-jüdischen Universitätsjugend oft so stark, daß die letztere in der slavischen Assimilation mit Haut und Haaren noch ihr einziges Heil sieht und sich insolge der entsetzlichen Wirtschaft der bestechlichen Tschinowniks mit ihren Landesgenossen der Fortschrittsbewegung, welche einen Tolstoi, einen Gorki zu Führern hat, mit Begeisterung weiht. Ja, mit einem Mute, der ganz Europa und selbst Herrn v. Plehwe, wie er der Deputation sagte, imponiert hat. Und dieses jugendlichen Mutes wegen will er die jüdischen Eltern des Landes verweisen und nur die Juden gerade bestrafen, deshalb sollen die Zustände gerade den Juden unerträglich im ganzen Lande gemacht werden, wie kürzlich in Kischinew! Eine Hand voll Juden gegenüber 142 Völkern und den 140 Millionen Bewohnern Rußlands als Sündenbock, Herr Minister! Das ist eine weittragende Drohung an die Adresse ganz Europas und — ein Unsinn. Die nihilistischen Assimilanten, auch soweit sie jüdischen Zuzugs sind, erstreben ja in ihrer jetzigen Gereiztheit gerade die Vernichtung des religiösen und patriarchalischen Judentums ebenso wie jeder Religion überhaupt. Die Radikalen wollen längst alle und jede positive Religion und auch das Judentum ebenso vernichten und ausrotten, wie es Herr v. Plehwe jetzt den Eltern derselben androht. Deshalb hat die jüngste Rabbinerversammlung in Krakau auf den Antrag eines russischen Rabbiners hin beschlossen, die Jugend über den Gegensatz zwischen der Bibel und dieser zersetzenden Bewegung fortgesetzt fortan zu belehren. Handelt aber der Minister, der Unschuldige mit Landesverweisung bedroht, nach biblischem, oder überhaupt nach dem Gebot irgend einer Religion? Mit solchen Kunststücken kann man die gewaltsamen Explosionen, die jetzt allenthalben aus Rußland gemeldet werden, nicht verhüten, sondern sie höchstens beschleunigen. Das muß dem Zaren, dessen ideale Gesinnung sich bei den Haager Friedenskongreßbestrebungen gezeigt hat, in einer besonderen Denkschrift über den Kopf dieses Ministers und über seine fürchterlichen Drohungen hinweg einmal genau klargelegt werden. Wer in Europa würde sonst noch jene idealen Friedensbestrebungen ernst nehmen und sie nicht bei der Fortsetzung der Verfolgung eines Tolstoi, bei ständiger Judenhetze für eitle Gaukelei des fortdauernden Barbarismus erklären! Fast wird man schon zu letzterem versucht, denn ivie die „Preußischen Jahrbücher" des konservativen Professors Hans Delbrück berichten, kommt gleichzeitig aus Rußland, aus dem Lande, das einen Tolstoi exkommuniziert und gebannt hat, noch eine andere viel weitgehendere Drohung. Rußland will (wie ein angeblicher Verwandter des Finanzministers Witte — der Name steht in den Jahrbüchern — in einer besonderen Schrift erklärt) nach dem Muster von Griechenland, Portugal, sobald der „kritische Tag" naht, eines Tages seine Schulden einfach nicht mehr bezahlen, d. h. eine Reduktion der feierlich bei Aufnahme der Anleihen versprochenen Zinsen eintreten lassen. Dieser bei der Pumpwirtschaft am Ende doch einmal notwendige Staatsbankerott — schreibt der würdige Herr ganz gemütlich — „wird uns nicht schwer fallen, da unsere Hauptgläubiger ja doch nur die Juden sind." Hatte da Björnsterne Björnson dieser Tage mit seinem Aufruf nicht recht, wenn er energisch an das Ehrgefühl nicht nur, sondern auch an die Klugheit der jüdischen Bankiers appellierte, welche trotz Kischinew und anderer Menetekels der slavischen Expansionspolitik dem antisemitischen Rußland aus Sucht nach hohen doch aber unsicheren Prozenten immer mehr Geld borgen und hierbei die Solidarität der westlichen Kultur verleugnen. Vielleicht auch sind diese offiziellen Drohmlgen, Landesverweisung und Staatsbankerott, alle beide nichts weiter als eine schlaue Erpressung zu Gunsten der neuen Anleihe, welche Rußland zur Zeit wieder „bei den Juden" aufnehmen will. Man kann da nur staunen. Eines ist sicher, 1903 schreiben wir nun doch einmal; in alle Ewigkeit aber wird sich dieses System der Knute, Erpressung, Judenmassakres nach innen und der ständigen Bettelhand nach außen, wobei der schließliche Staatsbankrott infolge schlechter Wirtschaft als etwas Notwendiges und für russische Verhältnisie ja ganz Harmloses hingeftellt wird, doch nicht so mehr aufrecht erhalten lassen. Das hat Björnson in seinem flammenden Manifest sehr gut herausgefühlt und gesagt. Einen gewalttätig Tobsüchtigen, der liederlich wirtschaftet und Schulden über Schulden macht, pflegt man, wenn er andere bedroht, doch sonst einfach unter Kuratel zu stellen. Die in geheimer Sitzung beschlossene Erklärung der Krakauer Rabbinerversammlung trifft auch nicht die Wurzel des Uebels. Der gewalttätigen Drohung gebührt auch die entsprechende Antwort; politisierende und religiöse Deklamationen und allerhand Hilfskomitees imponieren dem modernen Haman gar nicht mehr. Wo aber ist Mordachai, der unerschrockene Helfer? Sie Woche. Berlin, 19. August. Yjon einem Rabbinerkongreß wußten in dieser Woche die Zeitungen zu melden. Dieser wurde in Galizien abgehalten, beanspruchte aber internationale Geltung. Gleichwohl war das deutsche Judentum von demselben so gut wie ausgeschaltet. Wie es scheint, handelte es sich überhaupt um eine Veranstaltung von orthodoxer Seite. Charakteristisch für die ganze Sache ist, daß die Rabbiner von London, Paris, Berlin und Wien nicht teilgenommen haben. Als Einberufer galt der Oberrabbiner von Kairo, dessen Namen in Europa niemand kennt. Gleichwohl wissen die Tagesblätter von 300 Teilnehmern zu berichten. Das Programm haben wir bereits in der vorigen Nummer mitgeteilt. Es wird sich ja zeigen, welches Resultat die Verhandlungen außer dem an anderer Stelle mitgeteilten Protest gezeitigt haben. Aber eine Bemerkung müssen wir schon heute an die Tatsache selbst knüpfen. In dem Bericht heißt es, daß die Rabbiner einen feierlichen Eid vor geöffneter Lade geleistet, durch den sie die Lüge des Ritualmords gegeißelt haben. Das ist ohne Zweifel sehr löblich, wir vermögen aber den Wert dieser Prozedur nicht einzusehen. Denn die Antisemiten werden die Lüge nach wie vor geschäftig verbreiten; für die große Majorität aller anderen Menschen bedurfte es keines Eides, um die Lüge als solche zu brandmarken. Was aber die Hauptsache ist: Wer gab dem Oberrabbiner von Kairo in Aegypten das Recht, einen Weltkongreß von Rabbinern einzuberufen und selbständig in einer Angelegenheit von so weittragender Bedeutung vorzugehen? Ein solches Tun muß. es mag an sich noch so löblich sein, aufs Schärfste im Namen des Judentums verurteilt werden. Denn die Gefahr liegt nicht in dieser Angelegenheit selbst, sondern in dem Umstande, daß ein so eigenmächtiges Vorgehen leicht Nachahmung finden kann. Wir haben in der antisemitischen Periode des letzten Vierteljahrhunderts ans diesem Gebiete mancherlei erlebt, das uns geradezu die Pflicht auferlegt, gegen ein derartiges Treiben entschieden zu protestieren. Im Kriege ist jedes Heraustreten aus Reih und Glied so scharf wie möglich zu verurteilen, denn es ist gar nicht abzusehen, welchen Schaden es stiften kann Die Chronisten der Geschichtsbücher in der Heiligen Schrift haben für die Schilderung der größten Verwirrung in Israel eine f beeno zu sei - G, einzui der P 2 Jame wora lichen Berick gelegi reicht das 5 Aber empfi unter ivand ionen könnt stecker stellt fächln sei ui östlick eigen nach i sollen eiuge um nt dieser Die \ wege gewu verbr haup wird sicher Diese jetzt! der 1 über biiid erfoh hervi sächl Sold schar den unal objel »an deru von komi besch sond

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