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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-08-14 · Heft 33 (14.8.1903) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 33 (14.8.1903)
Date
1903-08-14
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 Dessau, 7. August. Nach der jetzt vollzogenen Regulierung des von der Baronin Cohn-Oppenheim hinterlassenen Vermögens verblieben für die Stadt Dessau als eine Hälfte etwas über 5 Millionen Mark, die zweite Hälfte erhält die hiesige israelitische Kultusgemeinde. Voll der genannte Summe sind, der „Saale-Zeitung" zufolge, die Beträge für Erbschaftssteuer rc. schon in Abzug gebracht. Der anhaltischen Staatskasse sind allein an Erbschaftssteuer zirka 1400 00 Mark zugeflosseu. — Köln, im August. Die 7. ordentliche Generalversammlung des „Rheinischen Rabbi n er Verb an de s" fand am 26. v. M. hier im Sitzungssaale der neuen Synagoge statt. Allwesend waren Dr. Auerbach-Elberfeld, Baßfreund-Trier, David-Düsseldorf, Frank- Köln, Grabowski-Barmen, Jacoby-Aachen, Kalischer-Bonn, Rosenthal- Köln. Die Herren Horowitz-Krefeld, Samuel-Essen, Tawrogi-Kreuznach hatten sich entschuldigt. Zu Punkt 1 und 2 der Tagesordnung (Berichterstattung des Vorsitzenden und Neubildung des Vorstands) lvurde der Bericht des bisherigen Vorsitzenden Baßfreund-Trier entgegengenommen und die Rechnullgsablage genehmigt. Jil den Vorstand traten, da Tawrogi-Kreuznach das Amt des Vorsitzenden nicht übernehmen zu können erklärt, turnusgemäß Samuel-Essen als Vorsitzender, Baßsreund-Trier als dessen Stellvertreter ein, während das Alnt des Schriftführers Rosenthal-Köln übertragen wurde. — Das Referat über „die Regelllng der Inspektion des Religionsunterrichts" übernahm sodann an Stelle des abwesenden Kollegen Samuel Kollege Baßfreund. Er berichtete in der Hauptsache über einen im Anschluß an die diesjährige Kölner Lehrerversammlung vom Provinzialverband rheinischer Synagogengemeinden an den Rheinischen Rabbinerverband gerichtetell Vorschlag, die Frage der Inspektion in einer aus Vertretern des Rabbiner- und Lehrerstandes bestehenden Kommission zu ordnen. Die Anwesenden äußerten im Laufe der Diskussion ihre Allsicht übereinstimmend dahin, daß für den Rabbillerstand die Frage-, wer zur Inspektion des israelitischen Religionsunterrichts befähigt und berufen ist, gelöst sei, und etwaige Verhandlungen nur auf Grund dieser Voraussetzung, also unter Ausschaltung einer Diskussiorl über gedachten Pllnkt, von Erfolg sein kölinten. Es wird beschlossen, in diesem Sinne an den Provinzialverband zu berichtell. Zur Ulnfrage des D. I. G. B. wegen der Feuerbestattung hatte Rosenthal-Köln das Referat übernommen. Er verbreitete sich kurz über die Feuerbestattung überhaupt und deren unjüdischen wie unreligiösen Charakter; ausführlich über die Frage der Bestattung von Aschenresten auf israelitischen Friedhöfen, um an der Hand von Gutachten hervorragender Autoritäten und unter Beleuchtung ihrer Beweisführung allch seinerseits zu dem Schlüsse zu gelängen, daß unter Wahrullg bestimmter Bedingungen diese Bestattung von Aschenresten auf israelitischen Friedhöfen religionsgesetzlich erlaubt, wenn nicht geradezu geboten ist. Eine überaus rege und ergiebige Anssprache über mancherlei Punkte, so insbesondere über das Verhalten des Rabbiners bei der ganzen Allgelegenheit, schloß sich an das Referat nnb offenbarte in den wesentlichen Dingen völlige Uebereinstimnlllllg der Meinungen. — Inzwischen war die Zeit zu weit vorgerückt, um die in der Tagesordnung noch vorgesehenen Referate: „Die Stellung des Hebräischen im Unterricht der jüdischen Volksschule und die jüngste Verfügung des Berliner Provinzialschulkollegiums" sowie: „Die neueste Phase des Zionismus" noch zu erledigen. Mit Dankesworten an den bisherigen Vorsitzenden und Leiter der Versamlulung, Baßfreund-Trier, mit herzlichen Abschiedslvorten des Kollegen David-Düsseldorf (der im Septenlber sein Amt in Wien antritt) und. deren nicht nrinder herzlicher Erwiderung wurde die Sitzullg geschlossen. — Mülhausen, 3. August. Die alll 1. d. M. hier abgehaltene Gemeillderatssitzung hatte, obwohl sie äußerst ruhig und sachlich verlief, doch die bereits mitgeteilte Mandatsniederlegung zweier Gemeinderatsmitglieder im Gefolge. Für das israelitische Krankenhaus, welches nur alte, gebrechliche Lellte israelitischer Religion aufnimmt, sowie für die israelitische Handwerkerschule, in welcher arme israelitische Knaben irgend ein Handwerk erlernen können, war die Bewilligung der bisher bezahlten jährlichen Beihilfen von je 4000 Mark lvieder nachgesucht worden, und die erste Kommission des Gemeinderatshat sich zustimmend dazu geäußert. Allein im Plenum wurde die Summe von 8000 Mark abgelehnt im Hinblick auf beu rein konfessionellen Charakter der beiden gemeinnützigen Anstalten. Der Gemeinderat war nämlich der Ansicht, wie er dies übrigens früher schon wiederholt betonte, daß die Hospitäler nicht einseitig foiifeffioueü sein sollen und daß das Gemeiudevermögen nicht zu einseitig konfessionellen Zwecke»» verwendet werden darf, welcher Standpunkt übrigens vollkommen dem politischen Programm uiib der politischen Zusammensetzung unseres Gemeinderats entspricht. Das demokratische Gemeinderatsmitglied Dr. Elias war in der Gemeinderatssitznng äußerst warm für die Bewilligung der 8000 Mark eingetreten unter Hinweis darauf, daß philanthropischen Anstalten anderer Konfessionen, zum Beispiel dein Krankenhaus der Niederbronner Schwestern, in früheren Sitzungen ein Zuschuß von 22000 Mark zur Deckung von Defiziten bewilligt worden war. Allein er fand kein Gehör bei der Mehrheit des Gemeinderates und zeigte noch durch ein Schreibell an denlselben Abend dem Bürgermeister die Niederlegilug seines Amtes als Gemeillderatsmitglied an, weit er feinen Glaubensgenossen gegenüber keinerlei Verantlvortung für diesen abtehllenden Beschülß übernehmen möchte. Auch das bekannte Gemeinderatsmitglied Fabrikant Wallach hat seine Amtsuiedertegllng als Gemeinderat und Mitglied der Schulkommifsion angezeigt. Unser Gemeinderat besteht somit nur noch aus 29 Mitgliedern und zlvar aus 12 Demokraten ttub 17 Sozialdemokraten. Inzwischen haben aber Verhandlungen stattgefuuden. Der Bürgeruieister wird die Position nochmals zur Beratung auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung brillgen, mib Dr. Elias hat feine Demission zurückgezogen. Vielleicht überlegt auch die sozialdemokratische Partei sich die Sache lloch einmal! Luxemburg, 4. August. Ich erfülle hiermit die traurige Pflicht, Sie von den: plötzlichen Ableben unseres geachteten, allbeliebten Rabbiners Herrn Dr. I. Blumenstein zu unterrichten. Er war der erste jüdische Feldprediger in Deutschland und hat nach dem Kriege von 1870 das Eiserne Kreuz am weißen Bande erhalten. Seither lebte und wirkte er mit unermüdlichem Eifer in unserer Gemeillde. Der Verstorbene war 32 Jahre unser Führer und Leiter. Aus einer Manheimer Familie stamnielld, legte er seine theologischen Studieil am Breslauer Rabbillerseminar zurück. Dann kam er hierher als Rabbiner und hier ist er geblieben trotz mancher Lockungen in die Ferne. Die Liebe und Achtung der Gemeinde begleiten den treuen Seelsorger über das Grab hinaus. Ehre feinem Andenken! Gesterreich-Angsril. □ Wieu, 9. August. Der Bericht über die Tätigkeit des Kuratoriums der Baron Hirsch-Stiftung im Schuljahre 1901—1902 ist soeben erschienen. Denr statutarischen Stiftungszwecke: den Kindern israelitischer Eltern in Galizien und der Bukowina den Volksschulunterricht mit Beobachtung der gesetzlichen Vorschriften zu gewähren, wurde durch die Erhaltung der 50 bestehenden Volksschulen, und zwar 48 in Galizien und 2 in der Bukowina, sowie der 39 Abendschulen entsprochen. Jrn abgelaufenen Schuljahre waren in den 182 Klassen der 50 «Schulen insgesamt 9517 Schüler. 24 Schulen sind höheren. 26 Schulen niederen Typus. 31 Schulgebäude sind Eigentum der Stiftung; in 19 Orten sind die Schulräume gemietet; in einem Orte mußte das Kuratorium neben dem eigenen Schulgebäude ein Lokal hinzumieten. Im ganzen standen 182 Klassenräume zur Verfügung. Von den 241 Lehrern lehrten 11 nicht bloß die gewöhnlichen Uuterrichtsgegenstände, sondern erteilten in der schulfreien Zeit an 179 Schüler in 19 Abteilungen Unterricht in Handfertigkeit (Slöjd). Diese Lehrer wurden seinerzeit durch Stipendien in den Stand gesetzt, die Ferienzeit zur Absolvierung des in Wien vom Zentralverein zur Verbreitung der Handarbeit in Oesterreich errichteten Kursus zu benützen und sich die nötige Eignung zur Erteilung dieses Unterrichts zu erwerben, in welcher Beziehung die Stiftung bahnbrechend war. Auch der Pflege der Jugendspiele, des Turnunterrichts und der Veranstaltung von Ausflügen haben die Lehrer ihre Aufmerksamkeit zugewendet. Am Turnunterrichte, für den nicht überall — besonders nicht bei gemieteten Schulhäusern — Plätze zur Ausstellung von Turngeräten zu erlangen sind, nahmen 5295 Knaben teil, bei Jugendspielen 4985, bei den veranstalteten 235 Ausflügen 5448 Knaben. Wenn erwogen wird, daß dies fast ausnahmslos Kinder sind, die zumeist in engen dumpfen Stuben ohne Frohsinn und Heiterkeit lebten, so kann gewiß nicht in Abrede gestellt werden, daß durch solche Bestrebungen ein frischerer Zug geweckt wird. Die Kosten, welche die Erhaltung der Schulen verursachte, betrugen 433858 Kronen 30 Heller gegenüber 439469 Kronen 54 Heller des Vorjahres. Ungeachtet des Umstandes, daß die Gehälter der Lehrer durch Avancements, Quinquennalzulagen, Gehaltserhöhungen rc. gegenüber dem Vorjahre um 12000 Kronen

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