Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1903)
- Date
- 1903-08-14
- Page
- Seite 4 (sequence 18)
- Language
- German
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4 stiegen, ergab sich infolge des Austrittes von 7 Lehrern und mannigfacher Ersparnisse eine Abnahme der Gesamtkosten voll 5621 Kronen 24 Heller. Einen Betrag von circa 10000 Kronen votierte das Kuratorinul für Ullterstützungen der Lehrer, wobei es den Intentionen der verewigten Frau Baronin Hirsch folgte, welcher, wie dies ja auch die großartigen Zllwelldungen an den Pensionsfond bewiesen, das Schicksal der Lehrerschaft stets am Herzen lag. Mit solchen Unterstützungen wurden hauptsächlich jene Lehrer bedacht, welche eine größere Familie zu erhalten hatten und durch Krankheiten, Todesfall und dergleichen in Notlage gerieten. Die Subventionen an fremde Schulen wurden in diesen: Jahre auf 11850 Kronen 8 Heller vermindert, sie werden auch in Hinkunft bis zu einer gewissen Grenze noch weiter restringiert werden müssen, angesichts der mit Schwierigkeit erfolgenden Erfüllung der eigenen Verpflichtungen. Währelld vor zwei Jahren 175 617 Kronen 2 Heller, vor einem Jahre noch 68636 Kronen 32 Heller für Schulbauten und Hauskäufe verausgabt wurden, mußte man sich in diesem Jahre auf die unumgänglich notwendigen Adaptierungen und Reparaturen beschränke::. Die Ausgaben betrugen deshalb auch nur 39 589 Kronen 5 Heller, wenngleich in einzelnen Orten die Errichtung eigener Schulhäuser dringend erforderlich wäre. Ungeachtet der auf mehreren Gebieten eingetretenen Reduktionen hielt es das Kuratoriunr für angemessen, die Anzahl der Abendkurse auf 39 Klassen zn vermehren. In diesen Abendschulen wurden einerseits Analphabeten, die das schulpflichtige Alter weitüberschritten hatten, in den Volksschulgegenständen unterrichtet; anderseits wurden Knaben, die vor Erreichung des vollständigen Lehrzieles die Schule verlassen hatten und bei Handwerkern oder Geschäftsleuten untergebracht waren, weiter unterrichtet. Auch Knaben und Männer, die die Kenntnisse der Volksschulgegenstände hatten, wurden speziell in Gegenständen unterrichtet, die sie zur Ausübung ihres Berufes in größerem Maße benötigen, so zum Beispiel Tischler, Drechsler, Schlosser k. im Zeichnen; Kommis im Rechnen rc. Von den 1650 Schülern, die sich in die 33 Abendschule^ einschreiben ließen und die von 93 Lehrern in 39 Abteilungen unterrichtet wurden, waren 457 Analphabeten. Die Kosten dieses Unterrichts betrugen 6776 Kronen 30 Heller. Dank der erziehlichen Tätig» keit der Baron Hirsch-Stiftungsschulen ist bei einem großen Teile der Bevölkerung ein gründlicher Wechsel in der Anschauung über das Handwerk eingetreten; während früher große Opfer erforderlich waren, Knaben dem Handwerke zuzusühren, ist derzeit die Zahl der Petenten so groß, daß ihre Berücksichtigung selbst zu den bedeutend verringerten Einzelkosten unmöglich ist. Von den im Jahre 1901 — 1902 im Status geführten 743 Lehrlingen verblieben am 31. August 1902 noch 430, welche in: Jahre 1902—1903 35000 Kronen, im Jahre 1903—1904 weitere 25000 Kronen erfordern, weshalb schon seit IV2 Jahren die Unterbringung von neuen Handwerkslehrlingen eingestellt werden mußte und erst dann wieder ausgenommen werden kann, bis nach Freisprechung einer entsprechenden Anzahl von Lehrlingen wieder Mittel für diese Zwecke verfügbar sein werden. In der Zusammensetzung des Kuratoriums sind folgende Veränderungen eingetreten: die Herren Professor Kwiatkowski, Dr. Hermann Grünbaum und Sigmund Ritter von Bauer (Schatzmeister) sind gestorben, Dr. Julius Freiherr von Waldberg ist ausgetreten. Es wurden an deren Stelle koopiert die Herren Max Nierenstein, Julius Nossal und Dr. Ludwig Schwitzer. Das Schatzmeisteramt übernahm das biherige Mitglied des Kuratoriums, Herr Donat Zifserer. Das Kultusministerium hat den kaiserl. königl. Sektionschef Dr. Ludwig Cwiklinski in das Kuratorium entsendet. — Am 9. d. M. ist hier der bekannte Chordirektor des Tempels, Professor Löwenstein gestorben. — Als einer der Hauptstützen der Antiseniiten-Partei galt der in Brünn — wo es zum Glück nicht viel von dieser Sorte gibt — ansässige Notar Josef Hummer, der wegen arger Unkorrektheiten vom Amte suspendiert wurde — nun kann er seine Tätigkeit vollständig antisemitischen Hetzereien widmen, Zeit genug bleibt ihm dafür! — Der Assistenzarzt Dr. Ern st Dub wurde zum provisorischen Korvettenarzte und zum Lehrer an der k. u. k. Marine-Volksschule für Knaben in Pola ernannt. — Der Finanzminister hat den Finanzoberkommissar Abraham Goldfarb zum Finanzrat befördert. Von Ash und jfrrn. — Der königlich württembergische Hoflieferant Gustav Kantor, Inhaber einer Kunstanstalt für Miniaturmalerei, in Berlin, w::rde vorn Herzog Friedrich von Anhalt mit den: Verdienstorden für Wissenschaft und Kunst, und vom Großherzog von Luxenburg mit dem Verdienstorden Adolph von Nassau IV. Klasse ausgezeichnet. — Sanitätsrat Dr. Brühl in Berlin feierte anl 4. d. M. in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 70. Geburtstag. Er gehörte zu den ältesten Mitgliedern im Reichsgesundheitsamt, in das er durch den ersten Leiter des Amtes, Geheimrat Struck, berufen wurde, und hat sich vielfach und erfolgreich auf dem Gebiet der medizinischen Statistik bekannt gemacht. — Dem Kaufmann Julius Valentin, Inhaber der Firma H. Rosenthal, wurde der Charakter als Kommerzienrat verliehen. — Privatdozent Dr. F. Blumenthal hat den türkischen Medschidjeorden IV. Klasse erhalten. — Der wissenschaftliche Hilfslehrer Dr. Hugo Cohn ist zum Oberlehrer an der 13. Realschule befördert worden. - Fräulein Gertrud Kantorowitz aus Posen hat die Doktorprüfung in der philosophischen Fakultät zu Zürich mit Auszeichnung bestanden. — In Jnowrazlaw feierte der allgemein geachtete Kantor E. Saretzki am 8. d. M. sein 25jähriges Dienstjubiläum bei der Gemeinde. — In Tarnowitz wurde Dr. Emmerich vom Berliner Seminar z::m Rabbiner gewählt. — Am 20. Mai d. I. rettete der Fabrikant Max Zamorh aus Berlin den dreijährigen Knaben Erich Dalichow aus Kirchhain mit Mut und Entschlossenheit aus der Gefahr des Ertrinkens in der Elster. Der Regierungspräsident bringt dieses opferwillige Verhalten des Zamorh jetzt unter lobender Anerkennung in: Amtsblatt der königlichen Regierung zur öffentlichen Kenntnis. — Von deu: Geheimen Kommerzienrat Victor Hahn in Dresden, der wegen Unterschlagungen rc. verhaftet worden ist, behaupten die Antisemitenblätter, er sei jüdischer Abkunft. Von geschätzter Seite aus Dresden wird diese Angabe als unwahr bezeichnet. — Am 11. d. M. feierte Rabbiner und Lehrer Dr. Hulisch das Jubiläunl seiner 25jahrigen Amtstätigkeit in der jüdischen Gemeinde zu Herford (Westfalen). — In Iserlohn ist der allgeinein bekannte Lehrer a. D. M. Rosenwald im 80. Lebensjahre gestorben. — Bei den Ehrenpromotionen der Universität Heidelberg ist Dr. Heinrich Friedjllng in Wien zum Doktor der Rechte ernannt worden. — Wie das „Kasseler Sonntagsblatt" mitteilt, besteht die Absicht, im Wahlkreise Schlüchtern- Gelnhausen den Hofprediger a. D. Stöcker für die bevorstehende Wahl zum preußischen Abgeordnetenhause auszustellen. Es sei ein großer Verlust gewesen, daß Stöcker denl letzten Landtage nicht angehört habe. Sollte es zur Aufstellung kommen, dann werde Stöcker der gemeinsame Kandidat der konservativen, christlichsozialen und antisemitischen Wählerschaft sein. — Der Rektor der Universität Grönrngen, Professor Dr. I. S. Spei je r, hat den niederländischen Löwenorden erhalten. — „Daily Mail" erfährt, die königliche Kommission über die Fremdeneinwanderung in England werde in ihrem Bericht die polizeiliche Einschreibung aller im vereinigten Königreich ansässigen Ausländer, die Ausschließung notorischer Verbrecher und die Abschiebung nicht wünschenswerter Ausländer befürworten. — In Liverpool ist am 31. v. M. der österreichische Vizekonsul George Behrend, einer der ersten Kaufleute der Stadt, im 60. Lebensjahre gestorben. — Die Herren Julian Back iu Petersburg und Dr. Stanislaus Nathanson in Warschau sind mit Genehmigung des Ministeriums des Innern zu Mitgliedern des Zentralkomitees der J. C. A. in Rußland ernannt worden. — Die Arbeiterunruhen in Odessa riefen unter der jüdischen Bevölkerung großen Schrecken hervor, die Juden sperrten alle Geschäfte und suchten mit ihren Familien sichere Orte außerhalb der Stadt auf. um sich zn verstecken. Viele Familien verließen auf Schiffen der Schwarzmeer-Gesellschaft die Stadt. Da die Eisenbahnzüge nicht verkehren konnten, weil die Eisenbahnbediensteten sich dem allgemeinen Ausstande angeschlosseu hatten, verließen viele arme jüdische Familien auch zu Fuß Odessa. — In Czenstochau hat der Gouverneur es abgelehnt, eine genügende Militärmacht für die gefährliche Zeit der Wallfahrtsseste zu konzentrieren, weil die Regierung, wie es in der Antwort heißt, „nicht einen unwiderleglichen Beweis dafür habe, daß die Gerüchte auf einer tatsächlichen Grundlage beruhen!" — „Jewisli Chrouicie“ meldet, daß in den Kolonien nächst Jaffa Postämter der österreichischen Post eröffnet worden sind, und daß mehrere Formulare hebräischen Text mit dem Mögen David als Emblem tragen. — Wie aus Mogador telegraphiert wird, ist a:u 7. d. M. das Judenquartier in O f r a n (Provinz Sus) von einer Kabylenhorde vollständig zerstört worden. Alle Häuser und Geschästsläden wurden ausgeplündert, die Synagoge demoliert.