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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-08-14 · Heft 33 (14.8.1903) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 33 (14.8.1903)
Date
1903-08-14
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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67. Jahrgang. No. 38. Berlin, 14. August 1903. Der Gemeindevote. Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums korrrlponvkn?en und Aschrichtrn. Deutschland. Berlin, 10.August. Der all gemeine Ra bbinerko ttgreß in Krakau ist doch noch in letzter Stunde zu stände gekommen. Es wird von dort unter dem 9. d. M. gemeldet: Heute traten hier circa 300 Rabbiner aus verschiedenen Ländern zu einer allgemeinen Rabbinerversammlung zusammen. Die Eröffnung derselben fand in einer der ältesten der hiesigen Synagogen statt, worin bei geöffneter Thoralade alle anwesenden Rabbiner den Schwur leisteten, .daß in keinem Buche der jüdischen Gesetzgebung und Neligionslehre auch nur die mindeste Andeutung des Blutrituals enthalten sei, daß dasselbe auch von keiner Seite oder einzelnen Person je geübt wurde. Ueber den Verlaus der Beratungen, die im Laufe dieser Woche täglich stattfinden, werden wir demnächst ausführlich berichten. — Berlin, 7. August. Bei dem Stiftungsfest der Universität am 3. d. M. erhielten stup. jur. Leo Nehab aus Posen den einzigen juristischen und stuil. mell. Salo Iatobius aus Berlin einen der beiden medizinischen Preise. Die evangelisch-theologische Preisaufgabe „Zur Kenntnis des Jesaja" löste stud. theol. Martin Alwenz. Schon während der Preisverkündiguug war von der Korona mit Beifall vermerkt worden, daß sich die Posener bei dem akademischen Wettbewerb so hervorgetan hatten. Zum Schluß sprach der Rektor noch den Söhnen der Ostmark seine besondere Anerkennung aus. ----- Berlin, 6. August. Die Beerdigung des am 1. d. M. dahingeschiedenen Professors Imanuel Munk fand unter großer Beteiligung der Berliner Gelehrtenwelt am 4. d. M. statt. In der Halle des jüdischen Friedhofes in Weißensee sah man neben der tiefgebeugten Witwe und der trauernden Familie, an deren Spitze sich der Prostssor Hermann Munk befand, Professor v. Michel, der in Vertretung des Rektors der Universität und als Dekan der medizinischen Fakultät erschienen war, Professor Engetmann, den Direktor des physiologischen Instituts, Professor Thierfelder, Professor Max Wolfs, Professor Jung. Professor Gabriel, Professor Pinn er, Dr. Schulz. Dr. Grabower u. a. Die Professoren, Assistenten und Beamten des physiologischen Instituts, an dem Professor Jmanuel Munk als Abteilungsvorsteher gewirkt hatte, waren fast vollzählig erschienen. Die akademische wissenschaftliche Vereinigung hatte eine Abordnung mit umflortem Banner entsandt. Nachdem Rabbiner Dr. Rosenzweig in einer ergreifenden Rede des Dahingegangenen gedacht, der trotz aller wissenschaftlichen Größe oder gerade deswegen nach dem Prophentenwort „Tue Recht, übe Liebe und wandle in Demut" gelebt, trat Professor Engelmann an die mit Kränzen bedeckte Bahre. Die physiologische Gesellschaft, die Professoren und Assistenten des physiologischen Instituts, sowie dessen Beamte, ferner die Arbeitsgenossen der landwirtschaftlichen Hochschule, zahlreiche Freunde und Verwandte hatten den Sarg mit Kränzen geschmückt. Der Direktor des physiologischen Instituts gedachte seines treuen Mitarbeiters, dessen reiches Gedächtnis, dessen umfassendes Wissen und kritischer Blick ihn efceiifo unschätzbar machten, wie sein gewinnendes Wesen. Dr. Schulz widmete im Namen der physiologischen Gesellschaft, deren Bibliothekar und eifriges Mitglied der Verblichene war, einen warm empfundenen Nachruf. Professor Zuntz sprach im Namen derer, mit denen Jmanuel Munk an der landwirtschaftlichen Hochschule zusammen gearbeitet hatte. Mit den üblicheil rituellen Gebeten schloß die Trauerfeier. Berlin, 6. August. Am 2. d. M. ist in Karlsbad Frau Klara Fränkel, geb. Benda, die Gattin des allgemein geachteten Herrn Maurernleisters Josef Fränkel im 69. Lebensjahre nach kurzem Seiben gestorben. Die Beerdigung fand am 5. d. M. ilnter zahlreicher Teilnahme weiter Kreise von der Leichenhalle des Friedhofs in der Schönhauser Allee statt. Die hier anwesenden Mitglieder des Vorstands und der Repräsentantenversammlnng, Vertreter der Logen und zahlreicher Vereine, die Zöglinge des Lehrlingsheims Pankow unter Führung des Direktors Wilinski und zahreiche Freunde des Hauses wohntell der Trauerfeier bei. Rabbiner Dr. Weiße hielt.die Grabrede, in der er der stillen Wohltätigkeit der Verstorbenen rühmend gedachte. Rabbiner Dr. Goldfchmidt ans Königshütte, ein Verlvandter der Verblichenen, widmete ihr gleichfalls einen Nachruf. Das Andenken der vortrefflichen Frau wird ein gesegnetes bleiben. 8. Kolberg, 7. August. Am 26. v. M. beging das jüdische Kurhospital sein 29. Stiftungsfest. Zur Feier dieses Tages fanb am Vormittag in Verbindung mit der Sabbatandacht ein Festgottesdienst in der Anstaltssynagoge statt. Das Gotteshaus war festlich erleuchtet und mit Pslanzendekorationen reich geschmückt. Es konnte die Fülle der Andächtigen nicht fassen, so daß eine große Zahl der Besucher in der Vorhalle dichtgedrängt der Andacht folgen und vielen anderen der Eintritt überhaupt verwehrt werden mußte. Nach der Liturgie uud dem Gebet für unser erhabenes Herrscherhaus hielt Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt eine zündende Feflpredigt über Jeremia II, 2. Von dem Textwort ausgehend lvies der Redner auf das höchste Gebot Gottes, die Nächstenliebe, hin, die ihre Vollendung in Werken selbstloser Menschenliebe finde. Aus solcher Liebestätigkeit sei das jüdische Kurhospital erstanden; trotz vieler Stürme und Gefahren habe cs sich aus bescheidensten Anfängen, dank der elllen um sein Gedeihen hochverdienten Männer zu seiner heutigen Größe und segensreichen Wirksamkeit entfaltet. Vor geöffneter, heiliger Lade gedachte Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt der verklärten Stifter und Wohltäter der Anstalt und erflehte für ihr ewiges Seelenheil die Gnade Gottes. So endigte diese Dank- und Gedenkfeier und hinterließ bei allen Erschienenen eitlen tiefen, nachhaltigen Eindruck. — Wie in früheren Jahren, so fand auch diesesrual das Stiftungsfest seinen Abschluß durch ein am 28. v. M. im neuen Strandschloß stattfindendes Wohltätigkeitskonzert Da hervorragende Künstler au diesem Abend mitwirkten, so war die Veranstaltung eine genußreiche und brachte auch einen nennenswerten materiellen Erfolg. — Im Augenblick, wo diese Zeilen der Presse übergeben werden, erhalten wir die tief schmerzliche Trauerkunde, daß die hochherzige Gattin des Herrn Rabbiner Dr. Goldschmidt, Frau Rosa Regina Goldfchmidt, geb. Nathan, am 29. v. M. nach schweren! Leiden verschieden ist. Was die Verklärte ihrem Gatten, ihrer Familie und der Gemeinde gewesen ist, davon legte die überaus große Teilnahme bei den Bestattungsfeierlichkeiten am 31. v. M. beredtes Zeugnis ab. — Als Freunde des Hauses hatten es sich Herr Rabbiner Dr. Vogelstein-Stettin und Herr Rabbiner Dr. Bloch-Posen nicht nehmen lassen, der Verewigten die letzte Ehre zu erweisen. In liefen, eindrucksvollen Worten schilderte Dr. Vogelstein bei der Trauerseier im Hause das stille uud doch so segensreiche Wirken der Dahingeschiedenen, die als ein Muster und leuchtendes Beispiel aller weiblichen und menschlichen Tugenden für alle Zeit gelten werde. Darauf setzte sich der schier endlose Trauerkondukt nach beut Friedhof in Bewegung. In der Halle charakterisierte nach einleitendem Gesang Dr. Bloch den Lebensgang der Entschlafenen, auf die das Wort des Hohen Liedes so schön seine Anwendung finde: „Viele Frauen haben sich treu erwiesen, du aber übertrasst sie alle." Schwer, ja unmöglich sei es, dem Gatten, der nach 34 Jahren glücklichster Ehe seine geliebte Helferin verliere. Trost zu spenden. Ihm und auch den schwergebeugten Kindern, deren Wohl das ganze Leben der Verklärten gewidmet war, könne allein Gottes Gnade Trost und Aufrichtung spenden. Tiefe Ergriffenheit erfaßte alle, als nunmehr Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt schmerzdurchbebt, aber mit edler Festigkeit, im Gebet von der Heimgegangenen Abschied nahm. Dann wurde der Sarg zur Gruft getragen und, was sterblich an ihr gewesen, der Erde übergeben. Ehre ihrem Andenken! — Ratibor, 10. August. Zu einer erhebenden Feier gestaltete sich die E insührung unsres neuen Rabbiners, des Herrn Dr. Dien emann, welche am Freitag, den 7. August, vor Beginn des Abendgottesdienstes stattfand. Nachdem Dr. Dienemann von dem Vorstandsvorsitzellden Herrn Hugo Schück und dem Vertreter des abwesenden Repräsentantenvorstehers, Herrn Dr. Eisner, aus seiner Wohnung abgeholt und in das Gemeindesitzungszimmer geleitet loorden war, richtete daselbst der Letztgenannte an den neuen Rabbiner warme Worte der Begrüßung. Unter Orgelklang und dem Gesänge des Matowu wurde hierauf Dr. Dienemaun in die Synagoge uud an seinen mit

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