Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 33 (14.8.1903)
- Date
- 1903-08-14
- Page
- Seite 391 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3228527-3228561--60047-3296608- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
391 i es ihw e religiöse selbst ver. >om Anti. Religions , sie sind Znden aus!ynagogen und dar fragte, ol en, wohl ' daß dies!N in de! m Kippur udentumL das; di. es nich. tums. lugust. gen übe' m Lande t»ierisch> ib sofori ie Mitte: rscheinei er vieler engefahl laubigen Gelegen i brüstei: u zeigen ner vor :nd bei' hte und brachten ian nicht iveüute' gen und Städte» man die auf die Sowei' s Zeiten > an die Städten mismus nderung i, wenn Erwerbzwischen ng beten Ge- > oft an che" geoft den Was waren und wer sind denn eigentlich nun die „Deutschen in den Städten"? Scheiden wir die größeren Plätze bei dieser Betrachtung aus, obwohl die Verhältnisse ähnlich liegen. Und sehen wir einmal die Zusammensetzung näher an. Da haben >oir den Beamtenapparat, an dessen guter nationaler Gesinnung um so weniger zu zweifeln ist, als doch die meisten der Herren aus dem Osten herausavancieren wollen. Es sind vorübergehende Erscheinungen, Kulturträger, die verschwinden, sowie sie sich mit den Verhältnissen vertraut gemacht haben. Wir haben weiter die Militärpersonen, die kommunalen Beamten, deren Zahl sich seit Jahren immerfort steigert und die trotz des Personenwechsels doch nicht die Schuld an dem Rückgänge des Deutschtums tragen können. Wir haben dann die jüdischen Kaufleute und Gewerbetreibenden, die seit Jahrzehnten im Osten ansässig, den festesten Teil des Deutschtums bilden, das heißt nur de facto und in der Statistik, nicht aber in den Augen derer, die das Deutschtum zu „fördern" berufen sich denken. Und hier ist der Ausgangspunkt für die Verminderung des Deutschtums in den Städten. Hier vollzieht sich der Rückgang mit unheimlicher Schnelle, hier sind nicht zu selten gestrandete Existenzen zu finden, die ersetzt wurden durch das polnische Element. Jeder Mensch, der in den letzten Jahren den Hergang im Osten beobachtet hat, namentlich in den kleinen Städten, wo die Verhältnisse am ärgsten sind, weiß, wie sehr das Renommier. Deutschtum die von polnischer Seite dem Juden geschaffene Konkurrenz unterstützt und großgezogeu hat. Der Jude mußte schließlich hinaus. An seine Stelle trat der Pole. Auf dieser abschüssigen Bahn befinden wir uns heute, genau so wie zu Miguels Zeiten. So vermindert sich das Deutschtum in den Städten. Was sollen dem gegenüber die heutigen Vorschläge von der Kolonisation in den Städten bedeuten! Man will — neue Elemente hiueinbringeu — so sagt man, was wäre die Folge? Das Absorbieren der Juden, zur Abwechselung einmal von der anderen Seite her. Man will den Grund- und Bodenerwerb der Deutschen unterstützen ä la Ansiedlung. Was wäre die Folge? Auf der einen Seite die weitere Steigerung der ohnehin schon großen Gesinnungstüchtigkeit und ein Hinausschnellen der Bodenpreise, welches die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der vom Staate nicht subventionierten Ansiedler — und hierhin dürften die Juden zu rechnen sein — so schwächte, daß der Existenzkampf nicht immer mit einem Sichbehanpten endigen könnte. Was winkt dieser Politik auf der anderen Seite? Wirklich ein seßhaftes Deutschtum, ein Deutschtum aus Ansiedlern? — Oder wäre der Effekt nicht nur der, daß die Anforderungen immer wachsen und die Zuzügler sich zu Spaziergängern durch die Ostmark ausbilden würden, wir wir solche schon genügend unter den Beamten haben. Man sieht, der Gedanke, der jetzt soviel und, wie ich glaube, nicht ohne besondere Einflüsse erörtert wird, hat wenig Verlockendes. Selbst der politische Analphabet müßte wissen, daß es leichter und sicherer ist, auf einer vorhaildenen Basis zu arbeiten, als eine neue zu suchen.... Solange im deutschen Osten nicht das Nachforschen nach der Konfession verboten und die Steigerung der nationalen Begriffe unterdrückt werden wird, solange wird das Deutsch-! um zurückgehen. Die Juden sind aber de facto und in der Statistik Deutsche. Bei allen Erörterungen über die Hebung in den Städten wurde dessen nicht gedacht, und alle bisherigen Maßnahmen zur Förderung gingen an den Juden spurlos vorüber. Es kann aber noch schlimmer kommen. E. Ph. Schammai. Von Albert Katz. 4n der Reihe der berühmten Männer der jüdischen Geschichte, die vermöge ihrer außerordentlichen Geistesgaben dem Volke als Lehrer und Führer voranschritten, nimmt Schammai einen der ersten Plätze ein. Das Geburtsjahr, der Geburtsort wie überhaupt alles, was uns einen Einblick in den Werdegang dieses Mannes gewähren könnte, ist in tiefes Dunkel gehüllt. Wir vermuten, daß er in Palästina geboren und wissen, daß er ein Zeitgenosse Hillels war und gleich ihm aus der Schule von Schemaja und Abtalion hervorgegangen ist?) Da diese beim Regierungsantritt des großen Herodes an der Spitze des Shnhedrions standen, so fällt das Leben und Wirken Schammais in die Regierungszeit dieses Römergünstlings, dem er schon frühzeitig seine Thronbesteigung prophezeit haben soll?) Nach dem Tode von Schemaja und Abtalion fungierten eine kurze Zeit als Präsidenten des Spnhedrions die von Herodes aus unbekannten Gründen bevorzugten Glieder der Familie B'ne Betera, die aber, als sie ihre Unfähigkeit für die Verwaltung eines solchen verantwortungsvollen Amtes einsahen, ehrlich genug waren, es öffentlich zu bekennen und freiwillig den Vorsitz an Hillel abzutreten?) Mehrere Jahre teilte nun Hillel den Vorsitz mit einem gewissen Meuacheu?) und als dieser, wahrscheinlich von Herodes dazu bewogen, mit einem Gefolge von 160 Personen in dessen Dienste trat, wurde der freigewordene zweite Präsidentenposten Schammai Übertragei?), der von nun au an der Seite Hillels nicht bloß das ihm übertragene höchste Ehrenamt gewissenhaft verwaltete, sondern auch gleich jenem einen großen Kreis von Jüngern um sich versammelte") und eine Lehrtätigkeit entwickelte, die auf die Fortpflanzung und spätere Gestaltung des überlieferten Gesetzes einen Einfluß von der größten Tragweite ausübte. Obwohl beide, Hillel und Schammai, wie bereits erwähnt, aus der Schule von Schemaja und Abtalion hervorgegangen waren, so schritt doch nur Hillel allein auf dem von den Lehrern in Bezug der Gesetzesauslegung eingeschlagenen Wege fort, indes Schammai meistenteils seine eigenen Wege ging. Während Hillel sich bekanntlich nicht scheute, die überlieferten Halachot einer strengen Kritik zu unterziehen und, erforderlichenfalls, sie den Zeitbedürfnissen anzupassen, wich Schammai hingegen nur selten von der Tradition ab, ja er klammerte sich zuweilen an diese mit fast eben solcher Hartnäckigkeit, wie vor ihm die Saduzäer an das Schristwort, und wendete seinen ganzen Scharfsinn an'), um jede Neuerung, für welche, wenn nach seiner Ansicht, in der Tradition keine genügende Begründung zu finden war, zu hintertreiben. Indes ist das Motiv für seine bei vielen Gesetzesentscheidungen nach der erschwerenden Seite hinneigenden Ansichten weniger in seiner starr religiösen als vielmehr in seiner konservativ nationalen Gesinnung zu suchen. Ja, in seiner ganzen Lehrweise spiegelte sich im Gegensatz zu Hillel, der einer entschieden kosmopolitischen Weltanschauung huldigte, diese konservativ nationale Gesinnung ab. Das geht besonders aus den Sentenzen und Aussprüchen seiner Jünger, dem sogenannten „Hause Schammai" hervor, die zum Teil zweifellos von dem Geiste des Lehrers inspiriert waren. Nur so ist es erklärlich, daß derselbe Schammai, der sich sonst gegen jede Neuerung ablehnend verhielt, die religiösen Vorschriften, wie wir später sehen werden, mit pedantischer >) Abotli 1, 12. -) Juchsin, Seder Hadoroth: Josephus Altert. XV, 10. 5 schreibt diese Weissagung Menachem zu. •') Jeruschalmi Pesachim 6, 1. h Misclina Chagiga 2, 2. * 5) Chagiga 16b. 6) Aboth 2, 8; siehe auch Seder hadoroth. 7) Jebamoth 13b.