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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-08-14 · Heft 33 (14.8.1903) · p. Seite 389

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 33 (14.8.1903)
Date
1903-08-14
Page
Seite 389 (sequence 7)
Language
German
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389 rtei aus der Irrtum st rechts, bunten Partei bisheriger Bereinigung harmonisch men philo lichsozialei- : erwartet, »er Stöckerahänger zn )nnten. lichsozialen hr bekannt. )urch Antiruchtbarkeü zeugte mir?, daß Anti- Sobald id) offen aus aus einen Lter gut zi: twendigkei» ar anderen alen Partei Geburt der us freilich : christliche lud Göhr. 'arteipolitk r Mitarbei che Mission sie in d-e s Christel - ssen schien, ben Unterisemitischen Var natiu die bisher ruen Part i d ohne gi och die doüereins in n, daß sie 7, der die Programm um stritte l so war vor cht zu er- Absicht bi 3 vollten sie aüpfen. sres Volkes fache geals Macht Die Begründung des nationalsozialen Vereins stellte lein Bekenntnis zum Antisemitismus dar, sondern im (Gegenteil eine entschiedene Absage an ihn. Das trat deutsch bei der Beratung des § 3 der Grundlinien hervor. In diesem Paragraphen heißt es unter anderem: „Wir fordern ungeschmälerte > rhaltung der staatsbürgerlichen Rechte aller Staatsbürger". Naumann erklärte, er habe diese Fassung gewählt, um uns in der ^u den frage festzulegen. Eine Anzahl von rechts kommender Teilnehmer beantragte deshalb die Streichung dieses Passus. Aber ne wurde mit sehr starker Mehrheit abgelehnt. Damit ertötete der ationale Verein schon in seiner Geburtsstunde alle antisemitischen Jelteitäteu in seiner! Reihen. Naumann stellte das in einem Rückblick nf den Parteitag in der „Zeit" vom 3. Dezember 1896 noch ausdrücklich sest, indem er auf die unwidersprochenen Ausführungen Professor 5ohms Bezug nimmt, wonach auch die Juden im nationalsozialen Verein „rvillkommen geheißen werden nrüssen, rvenn sie in ersprießlicher Äeise mit uns arbeiten wollen." Tatsächlich hat sich denn auch die ganze Politik des nationalozialen Vereins in den sieben Jahren seines Bestehens nicht etwa in ntisemitischen Bahnen bewegt oder auch nur antisemitische Unter- ' römungen gefördert, sorrdern ist, wie gegen jede Reaktion, so auch egen den Antisemitismus offensiv vorgegangen. Der § 7 hat manische Bedeutung überhaupt nicht gewonnen. Jeder Schritt weiter in der Politik brachte uns immer mehr zu der Ueberzeugung, daß mau wlitik und Religion reinlich scheiden müsse. Eine Anzahl von sraeliten hat mit Begeisterung und Hingebung in unseren Reihen Wir die nationalsozialen Ideale gekämpft. Die Antisemiten aller Schattierungen aber haben uns mit ihrem bittersten Haß beehrt — ermutlich, weil sie uns für ihre heimlichen Bundesgenossen hielten!" * Der neugewählte Papst Pius X. ist, wie allgemein versichert ürd, ein Gegner des christlichen Sozialismus und daher auch es Antisemitismus. Er ist ein wahrer Friedensfürst und hat > ies in Venedig uitb Mantua, wo er bisher gewirkt, stets beitigt. Rampolla war dagegen ein entschiedener Protektor des Nationalismus, des Chauvinismus, des Antisemitismus, der ^genannten christlich-sozialen Reformbewegung in-aller Herren .ändert!. Aus den vertraulichen Mitteilungen, welche erst ingst der ehemalige Botschafter am Wiener Hose, Sir Horace Knnbold, veröffentlichte, weiß man, daß die Bemühungen, die Leser edle Menschenfreund bei dem seinerzeitigen Wiener iuntius Agliardi zur Eindämmung der antisemitischen Belegung unternahm, an dem energischen Widerstande Ramollas scheiterten und daß derselbe Ranlpollo auch schon den üheren Versuch des verstorbenen Kardinal-Fürsterzbischofs on Prag, Grafen Schönborn, bei dem Papste eine Verurilung dieser dem Grundsätze der christlichen Nächstenliebe ohnsprechenden Bewegung zu erwirken, zu Nichte machte. Nit Nampolla verbündet waren die Jesuiten und ihre Affiiirten, mit Rampolla arbeiteten die spanischen Mönche, die ranzösischen Nationalisten, die österreichischen Christlichsozialen, weil ihm der Antisemitisrnus das geeignete Mittel rschien, um die Mafien des ungebildeten Volkes dem Jndifsemtismus zu entreißen, die Macht und den Glanz der Kirche u erhöhen. Diese Politik hat im Konklave eine Niederlage rlitten. Und das ist von unserem Standpunkte aus mit unsichtiger Genugtuung zu begrüßen. des A nt - m § 7 in. i olches Be in wolle n, sondern mit beu Sie laute:: 'rundlini n sein soü. id sozialen * Das Staatsdepartement der Vereinigten Staaten von lmerika gibt jetzt den Schriftwechsel bekannt, der in der Uschinew-Angelegenheit zwischen Amerika und Rußland erfolgt ist. Er umfaßt die Instruktionen des Staatssekretärs Hay an Sen amerikanischen Geschäftsträger Riddle in Petersburg, Gleicher angewiesen wird, dem russischen Auswärtigen Amte die in Frage stehende Petition zu unterbreiten, im Falle dasselbe bereit sei, dieselbe entgegenzunehmen; ferner die Antwort Riddles und die durch den Staatssekretär Hay dem jüdischen Komitee zugestellte ^Benachrichtigung. Die amtliche Darstellung des Sachverhaltes ist folgende: „Die russische Regierung hat es abgelehnt, die von mehreren tausend Bürgern der Vereinigten Staaten Unterzeichnete und auf Weisung des Präsidenten nach Petersburg gekabelte Petition bezüglich der Lage der Juden in Rußland entgegenzunehmen oder in Betracht zu ziehen. In der Konferenz in Oyster-Bah am Dienstag den 14. Juli besprach sich der Präsident mit den Herren Leo N. Levi, Simon Wolf und Oskar S. Strauß wegen der Ueberreichung der Petition, und es wurde beschlossen, an den amerikanischen Geschäftsträger in St. Petersburg Herrn Riddle, folgende Depesche abzusenden: „Staatsdepartement, Washington. D. C. 15. Juli 1903. Bie werden beauftragt, bei dem. Minister des Auswärtigen eine Audienz nachzusuchen und ihm Folgendes zu unterbreiten: Exzellenz! Der Staatssekretär beauftragt mich. Sie davon in Kenntniß zu setzen, daß der Präsident eine von einer großen Anzahl Bürger der Vereinigten Staaten aller Religionsbekenntnisse und in den höchsten Stellungen sowohl im öffentlichen wie im Privatleben Unterzeichnete Petition bezüglich der Lage der Juden in Rußland, die an den Kaiser gerichtet ist, erhalten hat." Es folgt sodann der Wortlaut jener Petition, deren wesentlichsten Teil wir seinerzeit mitgeteilt haben. „Ich bin angewiesen, zu fragen, ob diese Petition von Ew. Exzellenz entgegengenommen und Seiner Majestät zur gnädigen Berücksichtigung übergeben werden wird. In diesem Falle wird die Petition sofort nach Petersburg gesandt werden." „Berichten Sie so bald als möglich über Ausführung dieser Instruktion. Hay." Dieses Schriftstück wurde am 15. Juli abgesandt und am gleichen Tage wurde Herr Riddle vom russischen Minister des Auswärtigen informiert, daß im Hinblick auf die Veröffentlichungen, welche in den Blättern erschienen seien, die russische Negierung ihn in Kenntnis zu setzen wünsche, daß die Petition unter keinen Umständen entgegengenommen werden würde und daß dieser Entschluß der russischen Regierung unabhängig von irgend einer Erwägung des Inhaltes oder des Wortlautes der Petition gefaßt sei. Nach dieser Jnfornlation richtete der Staatssekretär folgendes Schreiben an die Herren, Strauß, Wolf und Levi: „Meine Herren! Ich bin vom Präsidenten angewiesen, Ihnen mitzuteilen, daß mein Departement von der amerikanischen Botschaft in Petersburg informiert ist, daß die kaiserliche Regierung von Rußland es abgelehnt hat, die Petition in Betreff der Lage der Juden in Rußland, die von einer großen Zahl Bürger der Vereinigten Staaten an Seine Majestät den Kaiser gerichtet war und welche das Departement auf Anweisung des Präsidenten und auf Ihren Wunsch ihrer hohen Bestimmung zuzuführen versuchte, entgegenzunehmen oder in irgend welche Erwägung zu ziehen. Ich bin, meine Herren, hochachtungsvoll der Ihrige John Hay." So weit der Schriftwechsel. Die Petition wird, wenn sie wieder in Washington eingetroffen ist, dem Archiv des Staatsdepartements einverleibt werden. Herr Roosevelt aber kann sich, wenn er will, jeden Augenblick davon überzengen, daß man ihm russischerseits nicht die Wahrheit gesagt hat, wenn man erklärte, daß die Mörder von Kischinew streng bestraft werden würden. So wird politischen Blättern neuerdings gemeldet: „Zu den amtlichen Persönlichkeiten, welche bemüht sind, die Wahrheit zu vertuschen, gehört vor allem auch der Chef der Gendarmerie in Kischinew Baron Lewendahl. Er hat in das Gefängnis einige seiner Agenten zu den angeklagten Räubern und Mördern einsperren lassen und läßt diesen vorschreiben, was sie aussagen sollen. Andererseits werden Zeugen, welche über die Beteiligung der Polizei bei den Unruhen Aussagen gemacht haben, auf das Polizeibureau gerufeu und dort mit Schmähungen und Drohungen überschüttet. Es ist bei russischen Verhältnissen begreiflich genug, daß derartige Vorgänge die noch nicht verhörten Zeugen einschüchtern. So wird von verschiedenen Seiten dafür gesorgt, daß sich bei den Prozeßverhandlungen möglichst wenig Unannehmlichkeiten für die russischen Behörden ergeben." *

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