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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-08-07 · Heft 32 (7.8.1903) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 32 (7.8.1903)
Date
1903-08-07
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 Geboten der Thora widerspricht, und unter den Juden niemals und zu keiner Zeit existiert hat, worauf alle Anwesenden „Amen" sagen. 5. Nachmittags schreitet man zur Festsetzung der Tagesordnung der übrigen Verhandlungstage, eingeteilt für Thora, Aboda und Gemilut Chassodim. Die Tagesordnung wird dann in Druck gelegt und jedem Rabbiner auf dem ihm zugewiesenen Platz vorgelegt. 6. Am dritten Tag wird über „Thora" verhandelt, alle diesbezüglichen Fragen einer Lösung entgegengeführt, außer denjenigen, welche aus das nächste Jahr verschoben werden. 7. Am vierten Tag wird über Aboda, das heißt allgemeine Arbeiten, verhandelt: Maßnahmen zur Stärkung der Religion und des Glaubens, Erziehung der Jugend, Qualifikation der Gemeindebeamten rc. 8. Donnerstag wird verhandelt über Gemilut Chassodim, materielle und andere Reformen für das Rabbineramt, Einsetzung von Rabbinerkomilees für rituelle Angelegenheiten. 9. Freitag vormittags werden manche Angelegenheiten, die an den Verhandlungstagen nicht zum Abschluß gelangt sind, nochmals wiederholt. 10. Sonnabend versammeln sich die Rabbiner, um eine Feierlichkeit aus dem Anlaß des ersten Kongresses dieser Art zu begehen. 11. Sonntag, am 16. August, sind alle Vorkehrungen für den nächsten Kongreß zu treffen, Zeit und Ort des Zusammentretens zu bestimmen und eine entsprechende Quelle zur Bestreitung der Kongreßkosten ausfindig zu machen. 12. Nachmittags Schluß der Verhandlungen. Einberufer war der Oberrabbiner von Kairo in Aegypten. Es war so schön gewesen! — Die Bezirkshauptmannschaft von Tarnopol diktierte vielen jüdischen Kaufleuten laut § 53 des Gewerbegesetzes hohe Geldstrafen, weil sie an den hohen jüdischen Feiertagen das Geschäft geschlossen hatten. Der § 53 besagt nämlich, daß Geschäftsleute, die ihren Betrieb ohne Anmeldung einstellen, bestraft werden können. Die Bestraften rekurrierten an die Statthalterei und diese hat die Verfügung des Bezirkshauptmaunes bestätigt! In Gewerbesachen ist die Statthalterei die oberste Instanz; trotzdern wäre es ein großer Fehler, »venu die Juden Tarnopols die Sache auf sich beruhen ließen. Es bleibt ihnen noch ein Gnadengesuch an den Minister des Inneren offen, um diese unerhörte Entscheidung rückgängig zu machen. Äuszland. s. Kischiriew, 30. Juli. Die Ansprache des neuen Gouverneurs von Bessarabien an die Mitglieder der zu seiner Begrüßung erschienenen jüdischen Deputation ist in den Blättern im kurzen Auszug und vielfach so entstellt wiedergegeben worden, daß sie hier und da sogar einen antisemitischen Beigeschmack erhielt. Wir geben daher diese warme, im judenfreundlichen Sinne gehaltene Ansprache im Wortlaute wieder und fügen hinzu, daß Fürst Urussow noch ein junger Mann mit europäischer Bildung ist. Die Ansprache lautete folgendermaßen: „Ich freue mich sehr über Ihr Erscheinen. Meine ganze Erziehung und Bildung läßt mich in Ihnen nicht die Vertreter irgend einer gemeinnützigen Institution oder einer Partei, sondern die eines erheblichen Teils der hiesigen Bevölkerung und treuer Staatsbürger sehen. Ich kenne weder Juden noch Christen. Vom Throne herab ist wiederholt verkündet worden, daß in unserm Lande volle Glaubensfreiheit herrscht. Freilich gibt es Ausnahmegesetze gegen die Juden, und Sie selbst werden zugeben, daß ich als Gouverneur dieselben respektieren muß und sie nicht übertreten darf; allein ich hege die Zuversicht, daß es mir gelingen wird, Frieden und Ruhe im Gouvernement wiederherzustellen und daß ich in Ihnen dabei getreue Mitarbeiter und im Bedarfsfälle auch gute Ratgeber finden werde. Ich schätze die Juden wegen ihrer großen Bildung und hohen Gesittung sehr hoch. Ich glaube auch, daß in diesen beiden Tugenden das Geheimnis ihrer ökonomischen Ueberlegenheit zu suchen ist. Dennoch wäre es wohl besser, wenn diese Ueberlegenheit nicht so grell zum Vorschein treten würde, damit der Neid der Nachbaren nicht erregt wird . . . Die Moldawanen stehen an Bildling weit unter den Juden, daher wäre es an letzteren, den Sitten und Gebräuchen der Tieferstehenden mehr Achtung entgegenzubriugen. Der Friede geht mir über alles, und ich hoffe, daß die entsetzlichen Ereignisse des April, die in meinen Augen einer Pest, einer Ueberschwemmung oder einer furchtbaren Brandkatastrophe gleichbedeutend sind, bald in Vergessenheit geraten werden. Auf Grund der bisher noch nicht aufgehobenen ministeriellen Verfügung an die Gouverneure will ich sorgfältig darüber wachen, daß die lokale Presse nicht die verschiedenen Bürger gegen einander hetzt. Allerdings kann ich die bekannten Blätter aus der Residenz nicht beeinflussen. Beruhigen Sie Ihre Glaubensj genossen und veranlassen Sie diese, zu ihren gewohnten Beschäftigungen zurückzukehren. Die Türen meines Hauses stehen ihnen zu , jeder Zeit weit offen." Der neue Gouverneur bewegt sich fortwährend unter der Bevölkerung und sucht a la Harun al Raschid unter allerhand Verkleidungen ihre Stimmung zu erforschen und sich von den tatsächlichen Zuständen ein Bild zu machen. Die untern Polizeiorgane von Kischinew sind über den neuen Herrn in heller Verzweiflung. Von Ash und Lern. — Die Herren Dr. Alexan der Marx-Berlin und Privatdozent Dr. Israel Fried länd er--Straßburg i. E. sind als Dozenten an das Rabbinerseminar in Newyork, ersterer für Geschichte und Literaturgeschichte, letzterer für hebräische Grammatik, berufen worden. — Der Assyriologe Dr. H. Winckler hat nach der „Oriental. Lit. Ztg." bei den Ausgrabungen in Saida das Fragment einer großen Inschrift in aramäischer Schrift entdeckt, die wegen ihrer Ausdehnung und der Größe ihrer Buchstaben ein ungewöhnliches Interesse in Anspruch nimmt, Eine aramäische Inschrift auf phönizischem Boden ist eine kuriose Seltenheit. Die Inschrift erweist sich als das Ende der letzten Zeile eines größeren Schriftsatzes; achtzehn Zeilen in sehr großen Buchstaben sind erhalten. — Die „ christlichen Referen dare" sind zu einem „geheimen Verein christlicher Referendare, Zentralsitz Berlin" zusanlinengetreten. — Der Hilssverein deutscher Juden hat bis jetzt525 483 Mark fürKischinew gesammelt.— Dem Oberlehrer Dr. Georg Lachmann vom Sophien-Realgymnasium ist der Charakter als Professorverliehen worden.-— Als Urheber der Schandtaten auf dem jüdischen Friedhof zu Drambürg sind der Arbeiter Kanitz, der Vorarbeiter Julius Porath, die Arbeiter Eduard Marquard und. Paul Brandenburg hier gerichtlich ermittelt werden. Kanitz und Porath befinden sich bereits in Untersuchungshaft. — In Kolberg beging am vergangenen Sonnabend das jüdische Kurhospital sein 29. Stiftungsfest. Zur Feier dieses Tages wurde am Vormittag in Verbindung mit der Sabbatandacht ein Festgottesdienst in der Anstaltssynagoge abgehalten. Wie in früheren Jahren, so fand auch dieses Mal das Stiftungsfest seinen Abschluß durch ein Wohltätigkeitskonzert im Strandschloß. — Der Kantor und Schächter H. Markus in Rogasen wurde zum Kantor und Schächter in Gleiwitz gewählt. — In Breslau ist am 18. v. M. nach langem schweren Leiden im Alter von 62 Jahren Herr Isidor Freund, eilt allgemein geachteter, wahrhaft religiöser Mann gestorben, dessen Hinscheiden allgemein betrauert wird. Ehre seiltem Andenken. — In Köln ist am 24. v. M. der Schriftsteller Richard Lichtenste in im Alter von 22 Jahren gestorben. Unser Blatt verdankt ihm manchen wertvollen Beitrag. Ehre seiltem Andenkelt! — Herr Rabbiner und Seminardirektor Dr. H. Plato in Költt a. Rh. begeht am 7. d. M. sein 50jähriges Doktorjubiläum. — Die Rechtsanwälte Dr. Baer und Dr. Epstein in Frankfurt a. M. wurden zu Justizräten ernannt. — Der in Wildungen zur Kur weilende Baron von Rothschild aus Paris ist gestorben. Die Leiche wurde nach dort überführt. — In Mißlitz (Mähren) wurde nach einstimmig ersolgter Wahl Rabbiner Dr. N. Schörnstein von der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judelltums am 2. d. M. in feierlicher Weise in das Amt des Rabbiners eingeführt. — In Szepes Jakubfalu (Ungarn) spukt wieder das Gespenst des Blutmärchens, die Bevölkerung befindet sich in großer Aufregung. Malt glaubt, daß die klerikale Partei, die eben wieder hochzukommen scheint, die Hand im Spiele hat. — Nach einem Telegramm der „Köln. Zeitung" aus Belgrad unternahmen dort stellenlose entlassene Beamte unter Ausnützung der verfassungsmäßigen Freiheit die Gründung der ersten serbischen antisentitischen Zeitung, sowie die Organisatioll einer — sozialdernokratischen Partei. — In Rom wurde Viktorio Castiglioni aus Triest zum Oberrabbiner gewählt. — Car Ernesto Artom in Rom wurde zum Legationsrat ernannt.— Die russische Reichspostverwaltung hat verfügt, daß Briefe, auf denen Marken mit der Aufschrift „Zion", die sogenannten Nationalfondmarken, aufgeklebt sind, zur Beförderung fernerhin nicht zugelassen werden dürfen. — Wie die Tageszeitungen berichten,. hat der Minister des Innern die Abhaltung zionistischer Versammlungen und die Veranstaltung von Geldsammlungen für zionistische Zwecke in Stadt und Kreis Jekaterinoslaw verboten.

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