Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 32 (7.8.1903)
- Date
- 1903-08-07
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
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Geehrter Herr Redakteur! uß der in Nummer 28 im „Gemeindeboten" mitgeteilte Statistik über Zahl und Konfession der Kinder aus jüdischen Mischehen ergeben sich die folgenden prozentualen Ziffern: Von je 100 aus jüdisch-christlichen Mischehen in Preußen geborenen Kindern waren als Juden eingetragen 1885 1890 1895 1900 Vater evangelisch, Mutter Jüdin 14 15 16 16 „ katholisch. 37 31 35 (22*) 28-70 i) .. sonstig. 38'80 32'20 40 4390 Mutter evangelisch. Vater Jude 25 29 25 26 katholisch, 37 36 31 32 » sonstig. 62 83-30 (64)-’) 62-50 60'80 Es ergeben sich folgende Tatsachen: 1. Das Ergebnis ist am ungünstigsten, falls der andere Teil in der Mischehe evangelisch, günstiger, falls er katholisch ist, am günstigsten falls sonstiger Christ. 2. Das Ergebnis ist weitaus günstiger, falls der jüdische Teil der Ehemann ist, als wenn die Ehefrau Jüdin ist. — Wenn der Vater Jude, die Mutter sonstige Christin, ist sogar die Mehrzahl der Kinder jüdisch. * Die eingeklammerten Ziffern ergeben sich aus den^im „Gemeindeboten" mitgeteilten Zahlen. Diese scheinen indessen Druckfehler zu enthalten, nämlich bei *): 145 statt 115, bei 2): 86 statt 66. Aus den von mir als richtig vermuteten Ziffern ergeben sich die nicht eingekkammerten Prozentzahlen. Es zeigt sich darin recht deutlich, daß es sich hier nicht um religiöse sondern fast lediglich um soziale Fragen und Rücksichten handelt. Wir leben Ln einem „evangelischen Staate". Daher die stärkere Attraktionskrast der Evangelischen, denen die katholischen Kreise an Anhänglichkeit an ihre Religion sonst überlegen zu sein pflegen. — Derartigen sozialen Einflüssen ist aber die Frau zugänglicher als der Mann, daher die ungünstigen Verhältnisse, wo die Mutter Jüdin ist. Wo der Vater Jude ist, ist das Verhältnis selbst in Ehen mit Evangelischen und Katholischen nicht allzu ungünstig; wo keine sozialen Faktoren mitspielen, dürste es bei der stärkeren religiösen Veranlagung der Frau der Norm vielleicht entsprechen, daß % der Kinder ihrer Religion folgen. Um so ungünstiger erscheinen unter diesem Gesichtspunkt die Mischehen, in welchen die Mutter Jüdin ist. C. * Geehrter Herr Redakteur! ur freundlichen Berichtigung der auf Seite 4 des „Gemeindeboten" Ihrer Nummer 29 vom 17. Juli 1903 enthaltenen Behauptung, sende ich Ihnen folgende Erklärung: Wildbad als einen antisemitischen Kurort zu bezeichnen, ist eine bösartige Verleumdung. Beweis hierfür ist in Wildbad die sich von Jahr zu Jahr häufende Zunahme der Israeliten als Kurgäste; mir ist von denselben eine Klage noch nicht zu Ohren gekommen. Die Israeliten werden von der hiesigen Einwohnerschaft durchaus freundlich behandelt.! Wildbad, 27. Juli. Stadtschultheißenamt.! Baetzner. 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